SB15 (SB Heimkino Part 1)

SB15 (SB Heimkino Part 1)

Beitrag von Udo Wohlgemuth

Eigentlich ist die Welt der heimischen Lautsprecher doch recht einfach aufgebaut: Mehrkanal-Heimkino oder Stereo-Musik ist hier als einziges Gegensatz-Paar relevant. Auto von links nach rechts, Flieger oben und Zug von vorn nach hinten ist leicht zu realisieren, wenn fünf bis sieben Schallquellen samt tieffrequentem Unterbau und erklärendem Bild vorhanden sind. Selten sind die Klagen, dass das dafür gekaufte Lautsprecher-Paket selbst hochgestecktem Anspruch nicht genügt. Dagegen streiten sich die Zweiohr-Hörer sogar bei tonal hervorragend dargebotener Musik mit wunderbarer Ortbarkeit der Instrumente noch liebend gern über solch banale Dinge wie den Aufbau der Bühne, die dem einen zu tief, dem anderen zu breit und dem dritten zu weit hinten oder vorn erscheint. Perfekt geht nicht, doch nah am Original soll es schon bleiben, das ist doch nicht zu viel verlangt. Belächelt werden von dieser Art Musikhörer, zu der ich mich ganz freimütig zähle, auch gern die Grenzgänger, die neben ihren Filmen tot komprimierte Charts-Musik aus ihren Heimkino-Anlagen erschallen lassen - macht ihr mal, dafür wird’s schon reichen. Wir empfehlen die Einsteigerklasse, der Blues ist nur für uns. Umso härter traf es mich dann, als im letzten halben Jahr immer mehr ernst zu nehmende Menschen unsere SB 18 und SB 36 im Fünferset für ihr Heimkino bestellten, um mit ihrem AV-Amp in Stereo und mit Genuss Klassik und Jazz zu hören. Also nichts wie herunter vom liebevoll genährten, hohen Ross, die AV-Verstärker-Welt ist entgegen meiner vielliecht etwas zu arroganten Einschätzung doch nicht stehen geblieben! Es gibt sie offensichtlich doch, die Verbinder zwischen Augen- und Ohrenschmaus. Dann ist es wirklich höchste Zeit, auch hier den Blues zu etablieren.

Basis-Bestückung

Ein Heimkino besteht aus einem Center, Frontboxen, Rears und unverzichtbarem, aktivem Subwoofer, der unter 80 Hz die Satelliten vom Bass befreit. Angesichts der Menge an Chassis hieraus ein audiophiles und trotzdem bezahlbares Ganzes auch für das Hören mit nur zwei Lautsprechern zu basteln war die Herausforderung. Um mir die Sache nicht leichter zu machen, habe ich mir auch noch vorgenommen, dies von jeder Komponente zu verlangen. Für diesen Zweck bestens geeignet sind da natürlich die Chassis von SBAcoustics. Die Basis bilden dabei der SB15NRXC30-8 und der kleine Hochtöner SB29RDCN-000-4. Beide wurden schon im Einzeltest vorgestellt, zu dem ein Klick auf den Namen führt. Besonderes Lob bekam der Hochtöner auch von Bernd Timmermanns in einem Chassistest der Hobby-Hifi.

Sb15_Foto_seitMit 55,20 Euro pro 15er erhält man schon rein optisch ein hervorragendes Preis-/ Leistungsverhältnis. Sein außen hochgezogener Druckgusskorb ist schwarz pulverbeschichtet. Seine vier geteilten Stege sind im unteren Abschnitt verbreitert, um dem Rahmen der hochgelegten Zentrierung genügend Auflagefläche zu geben. Auf das riesige Magnetsystem mit 100 mm Durchmesser und 5 mm hohen Polplatten ist er mit Kleber und Nieten gleich doppelt befestigt. Der Schwingspulenträger aus Kapton misst mehr als 30 mm, die Wickelhöhe erlaubt 10 mm linearen Hub. Die 8,1 Gramm leichte Pappmembran ist vorn mittlerweile schwarz eingefärbt worden, auf der Rückseite sind die ehemals markanten, hellen Sprenkel weiterhin sichtbar. Im Korb wird sie von einer weichen Gummisicke gehalten, die sauber eingeklebt ist. Zur Entlüftung des Staubschutzes wurde ein ein Zentimeter großes, unten angerundetes Loch durch den Polkern gebohrt. Zum Anschluss an die Weiche dienen zwei vergoldete Steckfahnen, die breitere ist der Pluspol.

2Ungewöhnlich wie alle Chassis-Bezeichnungen bei SBAcoustics ist auch die Optik des SB 29 RDCN-C000-4, dessen Membran auf den ersten Blick eigenartig eingedrückt wirkt. Schuld daran ist ein wenig Kleber, der ihre Mitte auf dem Polkern fixiert und natürlich nicht ganz unbeabsichtigt dort hin gelangte. Ulrik Schmidt, Entwickler des Tweeters erklärte mir, dass er dadurch ein paar der üblichen Nachteile im Schwingverhalten der weichen TextilMembran besser in den Griff bekam. Wer nun fragt, wo er sein Handwerk gelernt hat, wird beim Blick auf den Chassismarkt wahrscheinlich schnell die Antwort finden. Mit 29 mm ist die Schwingspule trotz der geringen Außenmaße des Hochtöners riesig. Bei 2 mm Wickelhöhe und 2,5 mm Luftspalt kann sie linear um 0,5 mm auslenken. Mit dem allgemein gepriesenen Heilmittel Ferrofluid wurde sie nicht erträngt. Ulrik bekam fast Pickel, als ich ihn danach fragte. Warum sollte er in dieser Hinsicht auch anders denken als ich. Größer als gewöhnlich ist auch die äußere Einfassung der Membran, die den Namen Sicke bestenfalls zur Hälfte mit Recht trägt. Beim Ringradiator ist auch sie zu einem großen Teil für die Schallabstrahlung zuständig. Angetrieben wird die Kalotte von einem Neodym-Magnet, der in eine kleine Kammer gebettet wurde. Sie erklärt auch die sehr niedrige Resonanzfrequenz des SB 29 RDCN-C000-4, die das Ankoppeln schon um 2 kHz möglich macht. Mit 94 dB/ 2,83 V/ 1m gehört der kleine Tweeter zu den lautesten seiner Gattung, mit 48 Euro aber nicht zu den teuren.

3Kapitel 1: Die Rear-Boxen

Der eigentlich anspruchsloseste Lautsprecher im Heimkino ist natürlich der Rear-Speaker, von dem nur verlangt wird, einen Raum rundum und bis weit hinter dem Zuhörer vorzugaukeln. Anders als in den Ursprungszeiten des Rundum-Sounds reicht es heute aber nicht mehr aus, diffus den Frequenzbereich von 400 bis 4000 Hz von den Boxen wiedergeben zu lassen. Heute sollen die Kistlein fast das gesamte, wahrnehmbare Tonspektrum den Ohren präsentieren. Damit das einem 15er Bassmitteltöner gelingt, ist es sinnvoll, ihn in eine Bassreflex-Kammer zu schrauben, um dem Bereich zwischen 60 und 100 Hz mehr Pegel zu geben. LSPCad errechnete knapp 8 Liter mit f3 bei 63 Hz und 21 cm tiefem Kanal (blau), mir waren 11 Liter (schwarz) lieber, die mit einem 15,9 cm langen Reflexrohr zwar nur unwesentlich tiefer abgestimmt waren, dafür unterhalb des -3dB-Punktes mehr Pegel versprachen. Die grüne Kurve stellt den simulierten Frequenzverlauf bei 11 geschlossenen Litern dar.

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Der Aufbau ist einfach, auf die erste Seitenplatte wird mit Fugenleim der Deckel, dann die Front geklebt. Es folgt die Rückwand und der Boden, bevor das Reflexbrett seinen Platz einnimmt. Nun fehlt nur noch die zweite Seite und der Rohbau ist fertig. Damit das Ganze noch etwas maßhaltig wird, habe ich mit Sketchup einen Bauplan gemalt.

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Bauplan SB 15 Rear als Sketchup-Datei herunterladen

Die einzelnen Bauplan-Ansichten kannst du natürlich auch anklicken, dann öffnen sich größere Fenster, aus denen sie dann gedruckt werden können.

Weiche

Nach dem Bau der Rear-Boxen fehlte nur noch ihrer Weiche, deren Aufbau die Grundlage für alle weiteren Überlegungen war. Neben der Verwendung der gleichen Chassis für alle Boxen ist für deren perfektes Zusammenspiel ebenfalls die nahezu gleiche Phasenlage wesentlich, die zum großen Teil durch die Bauteile der Weiche bestimmt ist. Daher galt es hier nicht nur, etwas für die hinteren Kästen Passendes zu finden, es musste anschließend für alle anderen Komponenten des Heimkinos geprüft werden, ob die Topologie der Weiche auch für sie anwendbar ist. Da zudem auch noch jede Kombination jeweils allein eine wohlklingende Stereo-Box ergaben sollte, gab es eine ganze Menge an Messarbeit, was die Fertigstellung des Artikels um ein paar Tage ins nächste Jahrzehnt verschob.

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Nach der Messung des SB15NRXC30-8 in seiner Behausung (rot) ging es daran, seine selbstverständlich vorhandenen Höhen und Tiefen in eine für Bassmitteltöner ansehn- liche Form zu zwängen. Zunächst befasste ich mich mit dem Berg um 8 kHz, dem mit der Parallelschaltung einer mittelgroßen Luftspule und eines sehr kleinen Kondensators im Signalweg schon ein ordentlicher Teil seines vorwitzigen Benehmens genommen wurde. Ein weiterer Kondensator parallel zum BMT besorgte den Rest. Dummerweise blieb ein Buckel um 1 kHz, bedingt durch die Schallwandbreite, zurück, dem ein Saugkreis den Garaus machte. Mit dem Ergebnis der Verschaltung von insgesamt sechs Bauteilen (blau) war ich zufrieden.

24Weitaus leichter machte es mir der Hochtöner, dessen ungefilterter Frequenzgang in der Box durch die rote Kurve dargestellt ist. Ihm genügte eine Weiche zweiter Ordnung und eine Lautstärkekorrektur, die aus einem sogenannten L-Regler besteht, um sich perfekt mit dem SB 15 paaren zu lassen (blau). Das zeigt die Summenkurve, in der der Basszweig rot, der gefilterte Hochtöner grün und die Addition beider in blau umgefärbt wurden. Die Trennfrequenz liegt bei grob 3 kHz, was beide Chassis vor keinerlei Probleme stellt.

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Messungen SB 15 Rear

7 8 9
Amplitude Impedanz Klirr mit 90 dB
10 11 12
Winkel 0/30/60° Sprungantwort Wasserfall

2

Erster Ohrentest

18Dann kam die erste Hörprobe, die mir bei negativem Ausgang weitere Arbeit erspart hätte. Nun, das erste Kapitel ist erschienen, also kann es nicht gar so schlimm gewesen sein. Einen der besseren Surround-Verstärker habe ich mir nicht vorher gekauft, ich benutzte in diesem Falle lieber meine mir vetraute SAC-Kombi aus Epsilon-VV und LaForza Endstufen. Damit konnte ich nicht auf mir neue Effekte herein fallen, die anfangs gern als Offenbarung und später als lästig empfunden werden. Wer Lautsprecher testet, darf nicht zugleich einen unbekannten Verstärker mit beurteilen. Lang wollte ich mich nicht mit dem Klangtest aufhalten, es gab ja noch ein paar andere Dinge zu tun. Also packte ich schnell die bekannten Test-Stücke in den CD- Player und konnte kaum glauben, dass ich diese Boxen lediglich als hinteres Stückwerk in einem Heim-Theater betreiben lassen will. Nils Lofgren’s Gitarre hatte Körper, die Saiten waren straff und die Details, die bei “Keith don’t go” so gern beschieben werden, hatte nichts auffällig Spektakuläres, sondern waren einfach nur ganz selbstverständlich da. Der Hochtöner spielte mit, machte das aber nicht mit dem deutlichen Hinweis durch unangenehmes Zischeln oder Schärfe bekannt. Das ist es, was ich als harmonisches Zusammenwirken bezeichne und was für mich eines der wichtigsten Kriterien der Bluesklasse darstellt. Nichts zu meckern gab es bei der Tonalität und Sprachverständlichkeit, ebenso wenig in Punkto Dynamik. Kleinste Nebengeräusche waren einwandfrei zu identifizieren, auch wenn der restliche Pegel um Welten höher lag. Selbst der Basstest, durchgeführt mit dem beliebten “Hotel California” von der Eagles-CD “Hell freezes over” ließ weder laut noch leise einen kleinen Lautsprecher hören. Das machte Lust auf mehr, also frisch wieder ran ans Werk, der Center will unbedingt nun auch gebaut werden.

Udo Wohlgemuth

Die SB 15 Rear sind nur komplett und exklusiv bei
Intertechnik oder bei Acoustic Design Wohlgemuth
als Bausatz erhältlich.

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Fragen zu diesem Artikel

Das hier ist eine Frage zu dem Obrigen Artikel

Christoph Stoppe schrieb am 03. Aug 2010 um 19:07 Uhr

Hallo Udo,

ich habe mir den Bausatz für die SB15 bei Intertechnik gekauft und habe nun ein kleines Problem beim zusammenlöten der Frequenzweiche: Da bei dem Bausatz kein Schaltplan mit Stückliste dabei war, muss ich bei der Zuordnung der Bauteile zum Schaltplan etwas raten. Bei den Spulen und Kondensatoren klappt das ja dank des Fotos von der Weiche in diesem Artikel ganz gut, nur bei den Widerständen bin ich mir unsicher, da dem Bausatz von Intertechnik welche mit anderen Werten als auf dem Foto beilagen. Wenn ich das richtig sehe, haben die Widerstände auf dem Foto jeweils Werte von 2.2, 4.6 und 7.6 Ohm - dem Bausatz lagen aber 2.2, 2.7 und 4.7 Ohm bei. Gehe ich recht in der Annahme, dass der 2.7 anstelle des 4.6 und der 4.7 anstelle des 7.6 Ohm Widerstandes verbaut werden soll? Oder lagen schlicht die falschen Widerstände bei?

Viele Grüße,

Christoph

Das hier ist eine Frage zu dem Obrigen Artikel

Udo Wohlgemuth antwortete am 03. Aug 2010 um 20:00 Uhr

Hallo Chtistoph, die Farben auf dem Foto sind etwas verfälscht, so hast du falsche Werte daraus abgelesen. Die von Intertechnik gelieferten Widerstände sind korrekt, ihre Zuordnung ist auf dem Lieferschein vermerkt.. Gruß Udo

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