SB 29 Front (SB Heimkino Part 3)
| Wege: | 2-Wege |
| Gehäuseprinzip: | Geschlossen |
| Höhe: | 35 - 60 cm |
| Anwendung: | Kompakt-Regallautsprecher |
| Marke/Qualität: | SB-Acoustics |
| Anspruch: | Bluesklasse |
| Preislevel: | 101 - 200 € |
SB 29 Front (SB Heimkino Part 3)
Beitrag von Udo Wohlgemuth
Aus eigenem Anspruch hatte ich es mir verbaut, den einfache Weg zu gehen, einen zu meinen Rears und Center passenden Frontlautsprecher mit sehr hohen musikalischen Qualitäten zu schaffen. Dummerweise wollte ich in meinem Übermut auch noch dafür sorgen, dass der nötige “Bumm” im Heimkino vorhanden ist. Dass dies einen potenten Subwoofer erfordert, weiß jeder von uns, der mindestens schon ein- bis zweimal eine Atombomben-Explosion in natura erlebt hat. Da wackelt die Wand und die Erde bäumt sich auf, dass man weit in den Orcus hinunter sehen kann. Mit derartiger Bassgewalt dann in den nächsten Minuten den Wagnerschen Walkürenritt mit Freude genießen zu können, ist sicher nicht nur mir unvorstellbar. Geigen, die von der Kesselpauke zerschlagen werden, waren bestenfalls in den wilden 70ern en vogue. Doch da hießen die entsprechenden Saiteninstrumente eher E-Gitarren und die Schlagfunktion wurde von Roger Daltree oder Pete Townsend übernommen. Nein, da wird’s nichts mit heftigster Luftbewegung, moderate Durchhörbarkeit ist das Ziel der Basswiedergabe. Somit fiel eine passive Dreiwege-Box, wie anfangs einmal geplant, aus dem Anforderungskatalog zwangsläufig heraus. Eigentlich machte das die Sache am Ende sogar leichter, denn es war sofort klar, dass nur mittels eines Subwoofer-Moduls der recht schwierige Spagat zwischen Heimkino und Musik zu schaffen war. Und da hatten wir schon das zweite Vorurteil, das ich schon so lange mit mir herumschleppe: Musik mit Subwoofer + Satellit geht nicht! Doch argumentative Hilfe war schnell gefunden, denn besser als mit einem Subwoofer fährt der Heimkino-Freund bekanntlich mit zwei Bass-Werfern und ich hatte eine gute Ausrede, warum ich mit mit einem Sub-Sat-System auf einmal doch anfreunden konnte.
Gehäuse
Halbaktive Fronten, bei denen keine klassische Dreiwege-Trennung gefragt ist, stellen natürlich wiederum den Mitteltöner vor ganz andere Probleme, denn er muss nun mit tiefer Trennung (über)leben und den gesamten Bereich ab etwa 80 Hz fast ganz allein abgeben. Hierbei ist natürlich sein großer Hub von 10 mm hilfreich, für Entlastung sorgt bis zur Tuningfrequenz auch die Reflexöffnung. Dummerweise ist die Resonator-Box unterhalb von Ft jedoch offen und die Membran wackelt bei ganz tiefen Tönen lämmerschwanzmäßig vor sich hin, ohne dabei jedoch einen hörbaren Ton von sich zu geben. Beim daher unumgänglichen, steilflankigen Trennen wird viel Geld verbraten, denn es sind große Spulen und Kondensatoren nötig. Deshalb habe ich für die Front das in der Simulation gezeigte, geschlossene Gehäuse mit 11 Litern vorgezogen, optisch passend die gleiche Größe wie beim SB 15 Rear. Damit es auch ein paar bunte Bilder in diesem Bericht gibt, habe ich den Aufbau der Frontsatelliten fotografiert. In einem neuen Fenster lasse ich ohne weiteren Kommentar Bilder ganz allein für sich sprechen. Weil man in Bildern nicht messen kann, der geneigte Nachbauer jedoch trotzdem die Maße für den Bau benötigt, wurde der Vollständigkeit halber ein Bauplan mit Sketchup erstellt, der bis auf den Reflexkanal und die Länge der Frontplatte mit dem der SB 15 Rear identisch ist.
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Gespart habe ich mir die Messungen der Chassis in der SB 15 Front und die aus der Weiche resultierenden Zweigmessungen. Sie unterscheiden sich nicht wirklich von den oben dargebotenen, so bleibt etwas mehr Platz für Wichtigeres auf dieser Seite. Das sind zunächst einmal die Amplitude und die Impedanzkurve der Frontbox, die jedoch genauso wenig erklärungsbedürftig sind:
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Gewisse Ähnlichkeiten sind bei den Frequenzgangkurven durchaus feststellbar. Damit nun niemand die anderen Teile des Artikels zur Verifizierung meiner Worte aufmachen muss, habe ich die drei Diagramme in ein gemeinsames Gitter gelegt. Was uns jedoch noch weitaus mehr über das Zusammenspiel der drei Variationen des SB 15-Aufbaus verrät, ist die Darstellung der akustischen Phase, die ich ebenfalls übereinanderliegend in ein Diagramm gepackt habe. Hier sind Abweichungen nur im Bassbereich gegeben, weil dort natürlich das andere Bauprinzip der SB 15 Front zum Tragen kommt.
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Der Subwoofer
Kommen wir nun zu dem Teil, der wohl die meisten Leser interessiert, die sich schon aus den SB 18 und SB 36 ein Heimkino aufgebaut haben, dem Subwoofer. Als ideales Chassis mit Blick auf Platzbedarf und Preis drängte sich der SB 29 NRX 75-6 geradezu auf, auch wenn sich den Namen kein Mensch ernsthaft ausgedacht haben kann.
Wie bei SBAcoustics üblich, wurde bei der Herstellung des 29er Basses an Material nicht gespart. Allein der dicke Druckgusskorb mit seinem mehr als zwei Zentimeter breiten Rand hätte bei anderen Produzenten fast den gesamten Tagesbedarf an Metall gedeckt. Die Membran aus Hartpappe wiegt 78 Gramm, verglichen mit einem “normalen” Heimkino- Bass ist das recht wenig und verrät etwas von der Fähigkeit, dem Basssignal halbwegs prä- zise zu folgen. Dafür ist der lineare Hub mit 22 mm schon recht beträchtlich, der Treiber kann also auch ordentlich Luft bewegen. Die 75 mm Schwingspule ist auf einen Träger aus Kapton gewickelt, die Zentrierung natürlich hochgelegt und der Polkern durchbohrt. Wie auf den Fotos zu sehen, ist das jedoch nicht nur ein kleines Loch in den Polplatten, da passt schon fast eine Faust hinein. Möglich ist eine solch riesige Öffnung im Kern nur durch den 145er Doppel-Magnetring.
Nach Eingabe der Parameter sagte mir LSPCad, dass der SB 29 mit 47 Litern Reflex-Volumen zufrieden sei, ich glaubte es nicht und beschloss, ihm knapp mehr als 70 Liter zu gönnen. Das verkürzte bei fast gleicher Abstimmfrequenz die Länge des Reflexkanals von fast 50 cm auf nur noch 26,9 cm, die in einem “vernünftigen” Gehäuse eher zu realisieren sind. Da der Subwoofer nicht einfach irgendwo in die Wohnung gestellt werden soll, sondern wegen meiner Eigenwilligkeiten den Front-Satelliten als Sockel dienen muss, waren mit grob 74 (H) x 40 (T) x 34 (B) cm die Maße des Unterbaus schnell gefunden. Damit die SB 15 Front mit ihrer grünen Schallwand nicht so allein dastand, habe ich in die Subfront ein grünes Brett eingearbeitet, das der Baumarkt-Zuschneider zufällig in der gleichen Breite wie beim Oberteil geschnitten hatte. Die Herstellung wurde bei den Eton Phase und Dusty 34 zwar schon beschrieben, doch nichts bleibt besser im Gedächtnis als penetrante Wiederholung.
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Passiv trennen können wir den Subwoofer aus oben genannten Gründen nicht, daher muss ein potentes Sub-Modul die Arbeit übernehmen. Nicht nur, weil es mir zur Ver- fügung stand, wählte ich das Hypex DS 2.0, das neben der Trennfrequenz und dem Pegel auch die Phasenlage stufenlos verstellen lässt. Dies ist auch bei den beiden übereinander stehenden Frontboxen nötig, da wir die perfekte Addition der Zweige nicht durch geeignete Wahl der Bauteile beeinflussen können.
Für die Messungen wurde das Modul auf 2,83 V Spannung eingestellt und das Mikrofon in einem Meter Entfernung auf den Boden gelegt. Die Kurven zeigen den Schalldruckverlauf bei den Trennfrequen- zen 30, 60, 90 und 120 Hz sowie ohne Filterung. Ein paar Welligkeiten entstanden, weil mein Nachbar in seiner Wohnung während der Messungen Laminat verlegt hat, was er mit gelegentlichem Hämmern kundtat. Die ideale Trennfrequenz für SB 15 Front und SB 29 Sub ist 75 Hz. Am AV- Receiver wird der Satellit dann unter 80 Hz ausgekoppelt, für das Hören mit einem Stereo-Verstärker empfiehlt es sich, einen 150 (82 + 68) µF MKT- oder MKP-Konden- sator in die Plusleitung zu legen, wenn gelegentlich auch mal sehr laut gehört wird. Um eine praktische Aussage zum Zusammenspiel der beiden Frontteile machen zu können, habe ich natürlich auch noch ein paar Messungen durchgeführt, die sicher bei der häuslichen Einstellung ohne Messsystem hilfreich sind.
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Im linken Diagramm sehen wir die Zweigkurven und die Addition bei gleichphasigem Anschluss der Subwoofers und des Satelliten. Deutlich zeigt sich die Trennfrequenz bei 75 Hz, doch leider liegt die Summenkurve unterhalb von 120 Hz deutlich unter den Zweigen. Wesentlich besser gefällt uns da die Phasenumkehr um 180 Grad, die rechts dargestellt ist. Doch perfekt ist die Summe damit noch nicht. Deshalb habe ich die Phase noch um ein paar Grad weiter gedreht und landete bei 310 Grad und einer fast idealen Addition. Der Pegelsteller stand bei den Messungen auf knapp unter 9 Uhr, die Bassanhebung war ausgeschaltet. Dies ist die richtige Einstellung, wenn Musik aus den Boxen erklingen soll. Mit einem leichten Pegeldreh zurück kann auch noch die Bassverstärkung durch den Raum weggeblendet werden. Richtig ist die Lautstärke eingestellt, wenn der Subwoofer fast nur als Ergänzung erkannt wird, nachdem er testweise einmal ausgeschaltet wurde.Für das Wiedergeben von Filmton darf auch an den Bassentzerrern herumgeschraubt werden. Selbst der Pegel muss nicht so moderat bleiben, wie ich ihn beschrieben habe. Mit einer höheren Trennung kann der Druckfreudige eine leichte Überhöhung zwischen 100 und 200 Hz einstellen, wodurch das Klappern von Zimmertüren schnell unhörbar wird, der Bauch aber heftig massiert wird. Nicht ausreichend unterrichtet bin ich bisher darüber, welche Möglichkeiten das Management eines modernen AV-Receivers heute bereit hält, vermutlich wird das Einstellen großteils automatisch ablaufen. Trotzdem ist jeder Nutzer gut beraten, wenn er seine persönlichen Vorlieben nicht außer Acht lässt. Die kennt der Amp ganz gewiss nicht.
Dritter Ohrentest
Als die beiden Fronten endlich in meinem Hörraum übereinander standen, gefiel mir die breite, schwarze Linie überhaupt nicht, die von unterem Deckel und oberem Boden gebildet wurde. Plump und zusammengepresst wirkten die beiden Kisten, von Eleganz keine Spur. Da musste eine Unterbrechung her, die auch noch positiv erklärbar sein durfte. Die Idee, dort ein grünes Brett mit Oberteilbreite einzufügen, war schon gut, doch mit Gummifüßen darunter und darüber war dann eine angenehm schwebende Optik erzeugt, die den fehlenden Hauch von Schwerelosigkeit erzeugte. “Äußerst vorteilhaft für den Klang wirkt sich die völlige Abkopplung der Bassenergie vom Mittelton aus, die durch die doppelt weiche Drei-Punkt-Aufhängung erreicht wird.” wäre jetzt die passende Erklärung, die jedem Fach-Magazin auf Anhieb einfällt, schön lesen tut sich’s auch! Da bleibt mir nur hinzuzufügen, dass unter dem Bass vier Gummifüße sich um ähnliche Abkopplung vom Nachbarn bemühen.Wie bereits in den ersten beiden Ohrentests beschrieben, ging es bei der Erfindung des SB-Heimkinos keineswegs darum, mir selbst das perfekte Surround-Erlebnis zu bescheren. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass Lautsprecher, mit denen das Musikhören auf Grund von hervorragender Auflösung und Dynamik Vergnügen bereitet, die gleichen Vorzüge auch beim Rundumhören bieten. Zu klären ist also eher die Frage nach dem limitierenden Faktor in der Signalverarbeitung. Da ich jedoch keine Elektronik baue, gebe ich mich damit zufrieden, dass meine Konstrukte auch an hochwertigen Anlagen ihre Grenzen nicht unbarmherzig aufgezeigt bekommen, wie es viel zu vielen Mittelklasseboxen ergeht. So durften meine kleinen SAC-Endstufen, der Epsilon-Vorverstärker und Bada-CD-Player sich die größte Mühe geben, die SB 15 Fronten samt SB 29 Sub auf ihre musikalischen Fähigkeiten zu testen. Anfangs wanderten erst einmal die bekannten Testaufnahmen in den Player, die Fehler in der tonalen, räumlichen oder dynamischen Darstellung offenlegen. Diese hätten selbstverständlich den sofortigen Rückzug der Boxen in den Messraum zur Folge gehabt. Doch nachdem schon die SB 15 Rear und die SB 30 in diesem Teil des Tests keine Schwächen zeigten, gab die Front mit der angemessenen Subwoofer-Unterstützung noch die letzte Oktave an Tiefe dazu, die im Besonderen bei Live-Aufnahmen auch die Größe des Aufnahmeraums erkennbar macht. Die Entlastung der 15er Bässe unterhalb von 80 Hz verlieh dem Klang noch mehr Ruhe, von Anstrengung bei der Wiedergabe lauter, tiefer Töne war rein gar nichts mehr vernehmbar. Entspannter Musikgenuss, der auch nach vielen Stunden noch kein Ende finden wollte, war der Lohn meiner Arbeit, doch bekanntlich war das nur die eine Seite der Medaille. Also musste ich es auch noch krachen lassen. Es versteht sich von selbst, dass dafür eine Dreimann-Jazz-Formation oder ein moderat lautes Kammerkonzert aus Geige, Bratsche, Chello und Kontrabass nicht passt, es musste schon Musik gemischt mit Krach auf der Silberscheibe vorhanden sein. Was kann es da Besseres geben, als die geniale Version von Dylan’s berühmtem “Blowing in the Wind”, live von Neil Young 1991 vor dem Hintergrund des ersten Golfkriegs aufgenommen und als CD und VHS- Video unter dem Namen “Weld” veröffentlicht. Als ich den Anfang des Stückes zum ersten Mal hörte, war ich überzeugt, dass sich versehentlich eine Passage aus dem “Krieg der Sterne” auf die Aufnahme geschlichen hätte. Laut heulende Sirenen, brutaler Kanonengedonner, angreifende Flugzeuge, knatternde Maschinengewehr-Salven, Granaten-Einschläge in nächster Nähe ließen der Erde erbeben und füllen den Raum mit der vernichtenden Gewalt des Krieges. Tieffrequente Druckwellen aus dem Bass, ich wollte den ungeliebten Krach gerade ausschalten, da erhebt sich eine Gitarre mitten daraus hervor, in der Spielweise gewiss nicht zufällig stark an Jimmy Hendricks’ “Starspangled Banner” aus Woodstock angelehnt. Nach und nach lässt der grässliche Kriegslärm nach, im krassen Gegensatz dazu stehen auf einmal die drei fein auf einander abgestimmten Stimmen im Raum, die im Chor den Refrain in perfekter Harmonie vortragen. Gänsehaut rief die emotionsgeladene Klage gegen den Krieg hervor, die ich mir sofort noch einmal und jetzt mit noch mehr Pegel antat. Die Boxen ließ das kalt, ich dagegen sang selbstverständlich den Protest, inbrünstig, mit voller Überzeugung und so laut ich konnte, mit.
Udo Wohlgemuth
SB 15 Front

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SB 29 Sub

Für den SB 29 Sub wird zusätzlich das Hypex DS 2.0 Aktiv-Modul benötigt. Daran können beide Subwoofer parallel angeschlossen werden.
Verkauft werden die Bausätze nur komplett und ausschließlich bei
Intertechnik:
Acoustic Design Wohlgemuth:
Leserbeiträge zu diesem Artikel
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- Baubericht SB 29/ 30 19. Jul 2010, Leserbeitrag Matthias
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