SB 18
| Wege: | 2-Wege |
| Gehäuseprinzip: | Bassreflex |
| Höhe: | 35 - 60 cm |
| Anwendung: | Kompakt-Regallautsprecher |
| Marke/Qualität: | SB-Acoustics |
| Anspruch: | Bluesklasse |
| Preislevel: | 200 - 300 € |
SB 18
Beitrag von Udo Wohlgemuth
Der Antrieb für viele Neuerungen ist die Unzufriedenheit mit den Zuständen, in denen man seine Arbeit nicht mehr wieder findet. Anlass dafür ist oftmals die Übernahme eines Unternehmens durch ein anderes mit neuer Zielsetzung. Erleben konnten wir dies in der nahen Vergangenheit bei unseren dänischen Nachbarn, deren althergebrachte Lautsprecher-Industrie von einem amerikanischen Konzern übernommen und auf völlig neue Füße gestellt wurde. Produktlinien verschwanden, moderne Techniken wurden durch modernere ersetzt, andere Märkte aufgetan. Dies war gewiss kein Fehler, doch nicht jeder Mitarbeiter konnte, wollte oder durfte diesen Weg mitgehen und so fühlten sie sich nicht mehr am richtigen Platz und gründeten mit ihrem “alten” Wissen neue Firmen, die ihr Lautsprecherwissen in neue Marken übertrugen. So entstand neben anderen die Firma Scandinavian Audio Resources, deren Gründer Lars Goller und der schon 2006 dazu gestoßene Ulrik Schmidt bei Scan Speak für die Revelator-Serie und den Ringradiator verantwortlich zeichneten. Mittlerweile hat sich ScAR zu einer illustren Ansammlung ehemaliger DST-Mitarbeiter gemausert und ihre Entwicklungskunst in die Edelchassis-Produktion eingebracht, die uns unter dem Namen SB Acoustics erstmals auf der Highend 2008 vorgestellt wurden. Produziert werden sie in Indonesien bei Sinar Baja Electric, seit mehr als 25 Jahren erfahren im Bau von Schallwandlern. Das gibt den Dänen nach eigenem Bekunden die Freiheit, keine Kompromisse in der Klangqualität zu Gunsten des Preises eingehen zu müssen.
Bestückung
Nicht mehr neu für unsere Leser sind die beiden Chassis, die wir in der ersten Box mit SB Acoustics-Bestückung verwenden. Sie wurden bereits im Einzeltest der Ausgabe September 08 ausführlich vorgestellt, trotzdem wollen wir auch hier der Vollständigkeit halber noch einmal ein paar ihrer Besonderheiten herausstellen.Zunächst ist da der SB17NRXC35-8, der die Basis für die neuen Boxen bildet. Sein Pulver beschichteter Druckguss-Korb mit den schmalen Doppelstegen und dem markant hochgezogenen Rand wurde speziell dafür entworfen, um den Luftfluss hinter der Membran zu optimieren und die Auswirkungen von Resonanzen auf das Magnetsystem zu minimieren. So finden wir auch unter der hochgelegten, flachen Zentrierung riesige Öffnungen, die den freien Blick auf die 16 mm hoch gewickelte Schwingspule gestatten. Zusammen mit der 5 mm hohen Polplatte ergibt das eine lineare Hubfähigkeit von 11 mm. Der Träger aus Fiberglas misst für diese Chassisgröße beachtliche 35,5 mm im Durchmesser. In seiner Mitte befindet sich der aufgebohrte Polkern, der einen Kurzschlussring aus Kupfer erhalten hat, um den Klirr gering zu halten. Sehr weich fühlt sich die Gummisicke an, die durch geringe Dämpfung die Mittelton-Wiedergabe verbessert. Die Membran in Nawi-Form ist sehr leicht, dabei dank ihrer Zusammensetzung aus mit Papyrus-Fasern verstärkter Pappe jedoch äußerst verformungsstabil. Dieses Material hält nicht nur Lars Goller für den idealen Membran-Werkstoff. Holzfasern und Papier sind gemessen an ihrem Gewicht die stärksten Materialien, erklärte er in einem Interview in der Image-Hifi., doch sind auch sie nicht frei von Verfärbungen. Die darf man auch mit “Klangcharakter” bezeichnen und den von Holz mögen Ohr und Gehirn nun einmal besonders gern.
Als Partner wählten wir den Hochtöner, dessen nicht minder komplizierter Name SB25STC-C4 gut zu dem des BMT passt. Seine Membran aus getränktem Gewebe wird von einer breiten, flachen Sicke aus dem gleichen Material in der matt schimmernden Kunststoff-Frontplatte gehalten. Sie schaut ein paar Millimeter über die gerundete Vertiefung hinaus, die sowohl der Schallführung wie dem Pegelgewinn dient. Zum Rand hin ist die Front zudem leicht abgeflacht. Mit ihrer Geometrie konnten die Techniker das Rundstrahlverhalten außerhalb der Achse positiv beeinflussen. Die 1,2 mm hohe Schwingspule wurde auf einen ungelochten Aluträger gewickelt und durch dicke Litzen mit den Lötfahnen verbunden.
Eine Konstruktion ganz besonderer Art ist das Antriebssystem des Hochtöners. Nicht die Zusammenstellung von Magnetring und Polplatten ist dabei hervorzuheben, Vielmehr sind es die kleinen Dinge, die das Nachdenken der Konstrukteure verraten. So ist der Polkern zu Absenkung der Resonanzfrequenz durchbohrt und rückwärtig mit einer Kunststoffkammer verschlossen. Zur Verminderung von Reflexionen aus dieser Kammer wurde ein “Dome” auf die Öffnung gesetzt. Ein Kupferüberzug auf dem Polkern dient auch beim Hochtöner nicht allein der Optik. Ferrofluid im Luftspalt benötigen die Ingenieure von ScAR nicht, sie setzen auch hier nicht auf kaufmännisches Denken.


Messungen als Zip-Datei
Preis: 60 Euro
Ausstattung:
| Membran: | Pappe, imprägniert | Luftspalthöhe: | 5 mm |
| Sicke: | Gummi | Linearer Hub: | 11 mm |
| Korb: | Druckguss | Magnetdurchmesser: | 100 mm |
| Polkernbohrung: | ja | Befestigungsbohrungen: | 4 |
| Zentrierung: | Flachspinne, hochgelegt | Außendurchmesser: | 171 mm |
| magnetische Schirmung: | nein | Einbauöffnung: | 144 mm |
| Schwingspule: | 35,5 mm | Frästiefe: | 6,5 mm |
| Träger: | Fiberglas | Einbautiefe: | 81,5 mm |
Parameter:
| Fs | 37,8 | Hz | Mms | 11 | Gramm |
| Diameter | 122 | mm | BL | 6,37 | Tm |
| ZMax | 98,5 | Ohm | VAS | 39,7 | Liter |
| Re | 5,7 | Ohm | dBSPL | 88,6 | dB/1w/1m |
| Rms | 0,44 | kg/s | L1kHz | 0,19 | mH |
| Qms | 5 | L10kHz | 0,07 | mH | |
| Qes | 0,37 | SD | 118 | cm² | |
| Qts | 0,35 | MMD | 10,3 | Gramm | |
| Cms | 1,61 | mm/N | Zmin | 6,23 | Ohm |
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SB25STC-C4


Messungen als Zip-Datei
Preis: 27,60 Euro
Ausstattung:
| Membran: | Gewebe | Magnetische Schirmung: | nein |
| Schwingspule: | 25,4 mm | Polkernbohrung: | ja |
| Wickelhöhe: | 1,3 mm | Ferrofluid | nein |
| Polplattendicke: | 2,5 mm | Befestigungsbohrungen: | 4 |
| Linearer Hub: | 1,2 mm | Außendurchmesser: | 101 mm |
| effektive Membranfläche: | 6,2 mm² | Einbauöffnung: | 70 mm |
| bewegte Masse: | 0,3 Gramm | Einbautiefe | 40 |
| Magnet: | Ferrit | Frästiefe: | 3 mm |
Parameter:
| Fs | 684 | Hz | ZMax | 7,76 | Ohm |
| Re | 3,2 | Ohm | L1kHz | k-A. | mH |
| Qms | 1,91 | L10kHz | 0,01 | mH | |
| Qes | 1,34 | Zmin | 3,63 | Ohm | |
| Qts | 0,79 | SPL 2,83V/ 1m | 91 | dB |
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Gehäuse
Laut LspCAD wäre der Bass mit 15 Litern zufrieden gewesen, doch mag ich Abstimmungen, die die tiefsten Töne etwas tiefer, dafür leiser hörbar machen. Dafür gibt es mindestens zwei Methoden, zum einen kann man das Reflexrohr verlängern oder das Gehäuse größer bauen. Ich wählte beide Arten und vergrößerte das Volumen auf 18,5 Liter bei einer Abstimmung auf knapp 38 Hz. Dafür benötigte ich einen Reflexkanal von 19 cm² Öffnungsfläche und 16,1 cm Länge. Als Baumaterial wählte ich dem Wert der Lautsprecher angemessenes Multiplex in 21 mm Dicke, das ich mit zwei Aufträgen PU-Klarlack behandelte. Eine kleine Schattenfuge an den Schnittkanten sorgt für das optische Element, zwei Beutel Sonofil für die innere Füllung mit Mitteltonabsorbern. Die Chassis wurden mittels Oberfräse bündig in der Schallwand versenkt. Da der Aufbau der Boxen keine handwerklichen Kunstgriffe erfordert, habe ich auf eine Dokumentation in Bildform verzichtet.Bauplan


Bauplan SB 18 als Sketchup-Datei
Weiche
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Ein paar kleine Tricksereien waren bei der Weichenentwicklung notwendig, denn Chassis mit ausgedehntem Frequenzgang mögen keine einfachen Filter. Beim BMT galt es zwei Problemzonen so zu behandeln, dass sie keine Störungen für das Ohr darstellen. Zum einen waren das die Resonanzpickel zwischen vier und 7 kHz, denen ein Filter 3. Ordnung jede Kraft raubt, die andere zeigt sich als lang gestreckter Buckel zwischen 300 und 3000 Hz. Hier war die richtige Dimensionierung der Bauteile entscheidend für die Glättung.
Für die Hochtonweiche gab es eine schöne Vorlage direkt vom Hersteller. Auch sie war als 18dB-Filter angelegt, die Pegel- und gleichzeitig Phasenanpassung erledigten ein Widerstand vor und einer hinter dem Netzwerk. Hier musste ich nicht viel herumdoktern, sondern hatte schon mach der Verdopplung des ersten Kondensators einem perfekten Übergang zwischen Bass und Hochtöner gefunden, wie die saubere Addition im Zweige-Diagramm zeigt. Nun reizte es nur noch, auch die Impedanzkurve im Mittenbereich zu linearisieren. Ein Saugkreis parallel zum Terminal erledigte das umgehend.

Klang
Im Hörraum stellte ich die SB 18 auf meine von vielen Fotos bekannten Multiplex-Stands und verband sie mit meiner Anlage, die diesmal wieder einmal die SAC-Vor-/Endverstärker sein durften. Nicht dass ich mich an den Röhren satt gehört hätte, aber vor allzu großer Einseitigkeit sollte man sich hüten. Eingedenk der Worte von Lars Goller in Image-Hifi winkelte ich die Boxen nicht auf den Hörplatz ein, sondern stellte sie parallel zu den Wänden frei in den Raum. Das ist aber auch im Allgemeinen meine bevorzugte Aufstellung, wenn nicht gerade stark bündelnde Chassis den Sweet Spot auf Kopfgröße einengen.
Nun, die ersten Töne begeisterten mich nicht gerade, da war kaum Bass, die Stimmen klebten an den Boxen und die Bühne war nur breit, nicht tief. Doch das ist normal, wenn man eine Box verpolt anschließt, schlecht wäre nur, wenn man das nicht merkt. Also drehte ich ein Kabel um und schon sang Sade, wie ich es kannte. Knackiger Bass, Drums und fein aufgelöste Percussion nahmen die markante Stimme, so wie es sich gehört, in ihre Mitte. Gollers Wort vom angenehmen Klangcharakter der Pappmembran kann ich nur bestätigen. Die Abteilung, die ich gern “angenehme, ruhige Barmusik” nenne, hatte die Box zur vollen Zufriedenheit erledigt.Bleiben wir bei kleinen Besetzungen und lauschen wir den Klängen von Klavier, Contra-Bass und Schlagzeug, gespielt von EST. Es ist schon unglaublich, wie viel Musik diese drei Männer machen konnten. Ohne Mühe und Anstrengung machte die SB 18 bei dem beswingten Hörgenuss mit, nein eigentlich enthielt sie sich jeder Auffälligkeit, durch die leider viele Boxen ihre Daseinsberechtigung zu beziehen glauben. Feinstes Streicheln der Becken blieb in jeder Nuance hörbar, auch wenn alle drei Musikanten alles gaben. Resonanzen aus Trommeln, deren Fell straff über den Korpus gespannt war, das Schnarren der Basssaiten, wenn der Finger sie losließ oder auch das Knarzen, wenn sie das Holz trafen gaben die Boxen wieder wie live dabei, dabei in der ersten Reihe nah bei den Instrumenten sitzend. Der Bass spielte druckvoll und konturiert, klar und durchhörbar und vor allem tief, wie es einem 17er eher gar nicht zusteht. Mahlers erste Symphonie, in drei Dimensionen aufgebaut, verdiente sich den Namen “großes Orchester” nicht nur, wenn die Kesselpauke kraftvoll angeschlagen wurde. Ein Genuss auch Mozarts Violinen-Konzert Nr.5, wo die Bewegungen des Sologeigers fast schon mit den Ohren sichtbar wurden. Die direkt im Anschluss aufgelegte gute, alte Rockmusik, geboten im Live-Konzert von den Doors, empfanden meine Testkandidaten keineswegs als unangebrachten Kulturschock, sondern ließen schnell die alten Knochen des einsamen Zuhörers wieder jung werden. Jetzt zieh ich mir gleich noch wortlos die sieben Minuten “Soul kitchen” rein, dann war’s das mit der Klangbeschreibung. Nur schnell zum Schluss: SB Acoustics produziert Chassis für die Bluesklasse, es gibt kein größeres Kompliment.
Udo Wohlgemuth
Technikseite
SB 18
| Chassis | SB Acoustics | |
| SB 17 NRXC 35-8 | ||
| SB 25 STC-C4 | ||
| Holzliste in 21mm MDF: | ||
| Vertrieb | Intertechnik, Kerpen | |
| Konstruktion | Udo Wohlgemuth | 39,2 x 31,2 (2x) Seiten |
| 19,0 x 31,2 (2x) Deckel/ Boden | ||
| Funktionsprinzip | Bassrelex | 19,0 x 35,0 (1x) Rückwand |
| Nennimpedanz | 8 Ohm | 19,0 x 34,0 (1x) Front |
| Dämmstoff: | 2 Beutel Sonofil | 19,0 x 14,0 (1x) Reflexbrett |
| Terminal | T105/MS/AU | |
| Kosten pro Box: | ||
| Bausatz ohne Holz | 165 Euro | Holzzuschnitt: 40 Euro |


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Der Bausatz SB 18 wird nur von Intertechnik oder Acoustic Design Wohlgemuth geliefert.
Leserbeiträge zu diesem Artikel
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- Maltes SB 18 01. Jul 2010, Leserbeitrag Malte
- SB 18 von Markus 30. Jan 2010, Leserbeitrag Markus
- Friedhelms SB 18 26. Okt 2009, Leserbeitrag Friedhelm
- Rainers SB 18 24. Sep 2009, Leserbeitrag Rainer
- Dirks SB 18 16. Apr 2009, Leserbeitrag Dirk
Erich Skrtic schrieb am 15. Aug 2010 um 19:47 Uhr
Hallo Udo!
Die Sketchup-Datei ist leider ist nicht abrufbar. Bitte Online stellen. DANKE :-)
lg
Erich Skrtic
Udo Wohlgemuth antwortete am 15. Aug 2010 um 19:59 Uhr
Hallo Erich, bei der Nachbearbeitung der Artikel, die nach der Neugestaltung der Seite nicht mehr richtig angezeigt werden, bin ich noch nicht beim Dezember 08 angekommen. Begonnen habe ich mit den neuesten Berichten und bin jetzt im Januar 09 gelandet. Die SB 18 ist als nächste dran, sobald der Wallstreet-Bericht fertig ist. Gruß Udo
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einen Reflexkanal von 19 cm² Öffnungsfläche und 16,1 cm Länge. Als Baumaterial wählte ich dem Wert der Lautsprecher angemessenes Multiplex in 21 mm Dicke, das ich mit zwei Aufträgen PU-Klarlack behandelte. Eine kleine Schattenfuge an den Schnittkanten sorgt für das optische Element, zwei Beutel Sonofil für die innere Füllung mit Mitteltonabsorbern. Die Chassis wurden mittels Oberfräse bündig in der Schallwand versenkt. Da der Aufbau der Boxen keine handwerklichen Kunstgriffe erfordert, habe ich auf eine Dokumentation in Bildform verzichtet.






Nun, die ersten Töne begeisterten mich nicht gerade, da war kaum Bass, die Stimmen klebten an den Boxen und die Bühne war nur breit, nicht tief. Doch das ist normal, wenn man eine Box verpolt anschließt, schlecht wäre nur, wenn man das nicht merkt. Also drehte ich ein Kabel um und schon sang Sade, wie ich es kannte. Knackiger Bass, Drums und fein aufgelöste Percussion nahmen die markante Stimme, so wie es sich gehört, in ihre Mitte. Gollers Wort vom angenehmen Klangcharakter der Pappmembran kann ich nur bestätigen. Die Abteilung, die ich gern “angenehme, ruhige Barmusik” nenne, hatte die Box zur vollen Zufriedenheit erledigt.







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