Christophs Doppel 7
Beitrag von Christoph zu Lautsprecher Jörgs Doppel 7
Die Doppel 7
Seit meinem lautsprecherbaulichen Auftakt irgendwann um das Jahr 2000 spielte in meinem Wohnzimmer ein Intertechnik Bausatz MS3 Monitor. Zwischenzeitlich um einen zweiten Tieftöner erweitert und mit einem ferrofluidfreien Hochtöner getunt, gab mir Udo in einem Forum einen Tipp zur Frequenzweiche. Dadurch auf lautsprecherbau.de aufmerksam gemacht, schwante mir, dass sich in den letzten Jahren in der Selbstbauszene doch einiges getan hat.
Bis zum Besuch bei Udo dauerte es dann aber doch noch ein Weilchen. Den Anstoß gab schließlich mein Kollege Ralf, der sich ebenfalls für das Thema interessierte. Nach den Beschreibungen hatte uns die Little Princess angetan. Mit einer einfachen Bestellung gab Udo sich aber nicht zufrieden und lud uns anstelle dessen zu sich nach Bochum ein. Auch wenn die Fahrt von Berlin doch eine Weile dauert, so haben sich der Besuch und die Hörprobe sehr gelohnt. Man kauft ja schließlich kein Brot. Ralf wurde in seiner Entscheidung für die Little Princess bestätigt, mir gefiel hingegen die Duetta besser. Warum, dazu weiter unten mehr.
Zwei 90-Liter-Kisten wollte ich mir aber dennoch nicht in mein 35m²-Wohnzimmer stellen, so dass Udo mir die Doppel-7 als „Mittelding“ zwischen der Duetta Top und der großen Variante nahe legte. Da mir bei meinem letzten Gehäusebau die fehlende Präzision des Baumarktzuschnitts viel Arbeit machte, habe ich die Gehäuseteile gleich mit bestellt. Drei Wochen später wanderten dann zwei zusammen etwa 70kg schwere Pakete in den Kofferraum meines Autos. In der Flugzeugwerkstatt meines Segelflugvereins sollten daraus in vier Urlaubstagen die Doppel 7 entstehen.
Meine bisherigen Gehäuse habe ich auf Stoß zusammengeleimt, daher hatte ich bei den auf Gehrung gefrästen Seitenwänden aus Udos Paket schon einige Fragezeichen im Kopf, wie das denn am besten zusammenpasst. Die zweite der beiden Kisten war dann auch wesentlich schneller zusammengeleimt. Es hat sich bewährt, das Gehäuse in einem Arbeitsgang beginnend auf der Rückwand aufzubauen.
Zuerst habe ich die Versteifungen auf die Rückwand gesetzt, dann daorauf die Seitenwände, Boden und Deckel miteinander verleimt. Direkt im Anschluss wird die vordere Versteifung eingelegt und die Schallwand aufgesetzt. Mit einer Zwinge habe ich die Versteifung an die Schallwand gepresst. Den nötigen Anpressdruck für die Verleimung der Seitenwände lieferte ein Spanngurt. Dieser sorgt durch den Gehrungsschnitt praktischerweise dafür, dass die Wände auch im richtigen Winkel zueinander stehen. Auf diese Art und Weise war das zweite Gehäuse inklusive Anprobe in einer halben Stunde zusammengesetzt und verpresst.
Nach dem Aushärten habe ich zunächst die leicht überstehenden Kanten verschliffen. Leider stand mir keine Oberfräse zur Verfügung, so musste es ein Excenterschleifer richten. Dadurch sind die Kanten nicht 100% präzise geworden, was mich aber nicht weiter stört.
Im Anschluss wurden die Kanten gespachtelt – der hierfür verwendete Polyesterspachtel hat sich im Nachhinein für diesen Zweck als nicht empfehlenswert herausgestellt. Das MDF des Gehäuses wird beim Schleifen schneller abgetragen als der Spachtel, wodurch es einige kleinere Dellen gab. Mit Acryl-Spritzspachtel hätte ich mir einen Arbeitsgang sparen können, dieser passt besser zum MDF.
Vor dem Lackieren habe ich die Gehäuse mit Haftgrund gespritzt. Dieser war für die vorhandene Düse der Lackierpistole allerdings zu flüssig, was eine kleine Sauerei in der Werkstatt gab... Für die finale Lackierung habe ich daher zur Schaumstoffrolle gegriffen. Als Farbe habe ich wie bisher auch ein mattes Lichtgrau gewählt, das passt gut zu meinen Möbeln. Da ich auf den Gestank in der Wohnung verzichten wollte, wanderte dieses Mal aber der Lack auf Wasserbasis in den Einkaufskorb. Auch wieder was dazu gelernt: die kunstharzbasierte Variante trocknet zwar erheblich langsamer, verläuft allerdings besser und die Oberfläche nimmt später auch weniger Schmutz an.
Zum Bauen der Gehäuse bis zur letzten Lackierung habe ich mir drei Tage Zeit gelassen. Für die letzte Perfektion hat das nicht gereicht, ein richtig gutes Finish braucht einfach Zeit. Die kleinen Unebenheiten stören aber nicht weiter und lassen sich auch im Nachhinein noch auffüllen.
Während die Gehäuse noch trockneten, habe ich die Frequenzweichen zusammengesetzt. Die einzelnen Abschnitte für jeden der 2,5 Wege habe ich auf kleine Sperrholzbrettchen geklebt. Da die Weiche mit erstaunlich wenig Bauteilen auskommt, war sie flott zusammengelötet. Die Kabel zu den einzelnen Weichenteilen und zu den Lautsprechern habe ich dabei masseseitig von einem zentralen Punkt abgezweigt. Da zuhause ein potenter NAD-Verstärker auf die Doppel 7 wartet, habe ich auf die mitgelieferte Impedanzkorrektur verzichtet.
In der Zwischenzeit waren die Gehäuse trocken und die Brettchen mit den Filterbauteilen wurden mit Heißkleber im Gehäuse befestigt. Danach habe ich die Löcher zum Befestigen der Chassis vorgebohrt. Die Fräsungen in der Schallwand passten perfekt. Das reichlich mitgelieferte Dämmmaterial wanderte in die Gehäuse. Ich habe aber nicht alles in die Boxen gestopft und den Bereich um das Resonanzrohr frei gelassen. Durch die Bohrung für den Reflexkanal ließ sich das gut kontrollieren. Nach dem Einlegen der Dämmmatten wurde das Loch mit dem Reflexrohr gefüllt, welches ich noch mit etwas Kontaktkleber fixierte. Das Einsetzen der Chassis schloss den Bau noch am Abend des gleichen Tages ab – und sorgte für große Zufriedenheit in der Werkstatt.
Noch am gleichen Abend machte ich mich mit den beiden Boxen auf den Weg von der Werkstatt zurück nach Berlin. Zwei Stunden später setzte sich dann die Zufriedenheit aus der Werkstatt im Wohnzimmer fort.
Als Ralf und ich uns bei Udo die Little Princess im Vergleich mit der Duetta anhörten, fiel mir die Entscheidung nicht leicht, welche der beiden denn besser passt. Beides sind tolle Lautsprecher, sie klingen aber dennoch sehr unterschiedlich. Es hängt von den eigenen Vorlieben ab, was einem eher liegt. An der Little Princess hat mir der „Fußwippfaktor“ sehr gefallen. Sie macht einfach viel Spaß und man hört ihr gerne zu.
Ich höre abends nach der Arbeit viel Musik und nicke dabei ab und zu auch mal weg. Ich wollte daher eher einen Lautsprecher, bei dem ich nicht ständig hin hören muss, sondern der auch mal nebenbei spielen kann. Gleichzeitig höre ich gerne auch mal länger Musik und die umgebauten MS3 Monitor fingen nach einiger Zeit mitunter an, mich zu nerven.
Ich glaube, von der Charakteristik her ist die Duetta eher was für Leute, die sich ein gutes Rockkonzert von weiter hinten (in der Nähe der Getränkewagen) anhören, während die Little Princess wohl das vor der Bühne herumspringende Publikum anspricht.
Das waren für mich dann die ausschlaggebenden Punkte und nach einigen Wochen mit den Doppel 7 fühle ich mich in der Entscheidung bestätigt. Ich höre dabei ein recht breites Spektrum an moderner Musik, von Elektro über Rock, HipHop bis hin zu akustischer Musik. Filmen höre ich ebenfalls über den Stereo-Verstärker zu. Nichts davon klingt langweilig. Die Doppel 7 spielen bei allem sehr aus einem Guss, es ist daher schwierig, wirkliche Besonderheiten herauszustellen. Im Vergleich zu meinen umgebauten MS3 Monitor ist der Bass ein wenig tiefer, aber auch deutlich präziser und präsenter zugleich. Nicht jede Aufnahme vermag das auch auszunutzen.
Das vielleicht größte Highlight ist aber die bisher nicht gehörte Auflösung und Dynamik im Hochtonbereich. Das muss man gehört haben. Man sieht die beiden Lautsprecher vor sich stehen, kann sie aber nicht als Quelle der Musik orten. Das Geschehen spielt sich dazwischen ab und man hört tief in den Raum hinein. Die Musiker sind dabei ein Stück weit entfernt. Sie halten sich eher hinter den Lautsprechern auf und sitzen einem nicht direkt vor der Nase, was wohl sehr zu dem entspannten Höreindruck beiträgt. In dem Punkt liegt auch der Unterschied zur Little Princess.
Bei Filmen kann man sehr schön zuhören, da es einem leicht fällt, die Geräusche voneinander zu unterscheiden und zu erkennen, was da gerade einen Ton von sich gegeben hat. Stimmen – ob gesungen oder gesprochen – klingen ebenfalls sehr natürlich.
Was die Aufstellung angeht, so scheint mir die Doppel 7 unkritisch zu sein. Zu beachten ist lediglich, dass der ER4 vertikal relativ stark bündelt und daher auf Ohrhöhe abstrahlen sollte.
Ein wirklich toller Lautsprecher, mit dem ich den nächsten Jahren sicher viel Spaß haben werde!
Christoph
Die Doppel 7 kannst du bei Adw oder Intertechnik bestellen




