Leserprojekt: AX 6-Center
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Eigentlich sollte alles so einfach sein. Ein neues Paar Lautsprecher sollte her. Statt Mehrkanalton nur noch Stereo. Ganz simpel sollte es auch ein Breitbänder werden. Damit hatte ich vor Jahren schon mal gute Erfahrungen gemacht. Auch die Wiedereinstiegsdroge war schnell gefunden, die Gradient Axis Reihe, genauer gesagt die AX-6 HR. Meine Frau allerdings meinte bloß: „Machst’e ja doch nicht. In ein paar Monaten stehen doch wieder fünf Boxen im Wohnzimmer.“
Wie so oft sollte sie letztendlich Recht behalten. Dabei war, und bin, ich mit den ‚Axen des Guten‘ eigentlich sehr zufrieden. Immer wieder erstaunlich aber wahr, mehr als ein kleines bisschen Pappe pro Seite braucht es nicht, um gut Musik zu hören. Über die Unzulänglichkeiten, die so ein Breitbänder zumindest auf dem Papier hat, trösten einen Bühne und Stimmwiedergabe eh hinweg. Die theoretische Katastrophe ist in meinen Augen praktisch irre gut.
Es fehlte aber doch etwas bei Filmen und, da ich so alt noch nicht bin, neumodischem Teufelszeug wie Videospielen. Was also tun, wenn es nun mal keinen Axis Center gibt? Immerhin steht ein Fernseher auf einem Standlautsprecher meist recht ungünstig. Hey, wir sind hier im Lautsprecherselbstbau!
Aber ein Centerlautsprecher mit Breitbänder? Müsste das nicht einen Haufen Probleme bereiten? Naja, anderswo gibt´s das auch, und Oma hat früher immer gesagt, probieren geht über studieren.
So ganz dumm will man aber eben doch nicht an die Sache herangehen, also erst mal auf einen der Gradient Axis festgelegt. Dafür brauchte es etwas Rechenhilfe, die ich, weil es auf jeden Fall auch ein Hornreflex Center werden sollte, das Ganze sollte nämlich auch ohne Subwoofer spielen, im kostenlosen Programm HornResp fand. Schnell war klar, ein Center mit dem AX-5 wird nicht viel kleiner als ein Center mit dem AX-6, ein AX-8 dagegen braucht erheblich mehr Luft im Rücken. Naja, nix neues. Das hatte Udo ja auch schon rausgefunden.
Allerdings hat die Form der Schallwand auch einen gewissen Einfluss auf den Klang. Da ich nicht nur ein wenig von der althergebrachten Form abweichen wollte, nahm ich ein weiteres kleines Freeware Tool namens Edge zu Hilfe, das den Schallwandeinfluss auf den Klang berechnen kann. Eben jener Einfluss war gar nicht so groß. Rücksprache mit Udo gehalten, der der Meinung war, da versaut der Raum erheblich mehr am Gleichklang. Na gut, er hat es möglicherweise anders formuliert, zumindest sinngemäß stimmt das aber völlig.
Ein bisschen kleiner sollte es aber doch werden, also das Volumen runter auf 31 Liter. Damit wird die Hornkehle aber länger, nicht eben praktisch. Dann machen wir die Hornkehle halt ein bisschen kleiner, passt, prima, wird gebaut. 
Eine allerletzte Bauzeichnung später das Holz gekauft und… alles liegen lassen, weil ich den ganzen Sommer über entweder keine Zeit oder kein passendes Wetter hatte. Irgendwann muss es aber doch mal so weit sein, man will ja auch mal fertig werden. Also den Holzzuschnitt rausgekramt, festgestellt, dass der Mann an der Säge ein Problem mit Maßen gehabt haben muss, weil wirklich kein Brett die richtige Größe hatte, den Zuschnitt noch mal neu sägen lassen und endlich losgebaut.
Der Zusammenbau an sich ist wirklich simpel. Es gibt nur eine einzelne Versteifung an der Rückwand, Reflexbretter und Front bekommen 10° Winkel verpasst, das war´s auch schon.
Weil mir das viel zu einfach war, musste ich unbedingt wie bei meinen beiden Großen die Hornkehlen furnieren. Wer es einfach haben will, soll das besser bleiben lassen!!! Die Hornkehlen nach den Zusammenbau zu furnieren ist verdammt schwierig und klappt nur mit Anpressdruck oder vielleicht mit Kontaktkleber. Das wusste ich, weil ich bei den normalen AX-6 HR vor dem Zusammenbau nicht an solche Kleinigkeiten gedacht hatte. Also vor dem Zusammenbau furnieren. Die Innenseiten der Seitenwände und die Außenseiten der Reflexbrettchen sind nicht weiter schwer. Die kleinen Streifchen für Ober- und Unterseite arten dagegen in Zehntelmilimeterarbeit aus. Damit alles passt, wollen die wirklich genau zugeschnitten werden.
Der restliche Zusammenbau dagegen war ziemlich unkompliziert. Auch die Winkel sind nicht unbedingt schwer, zur Not reicht dafür eine Raspel oder auch Führungsschienen für die Handsäge. Der Rest der Furnierarbeit per Bügeleisenmethode war ebenfalls kein großes Problem. Ich kann allerdings nur empfehlen, nach dem Aufbügeln etwas zu warten und dann evtl. auftretende Luftblasen herauszubügeln, bevor man schleift und lackiert. Drei Mal schleifen und zwei Ölungen mit Hartöl später waren die Holzarbeiten beendet.
Bausatz bestellt, alles zusammengebaut, die Weiche hab ich übrigens auf ein aus einer Korkfliese geschnittenes Plättchen gelötet, fertig.Erheblich schneller, als ich ihn gebaut hatte, fand der Axis Center Anschluss am AV-Receiver. Etwas Einspielzeit darf schon sein, gerade bei Breitbandlautsprechern. Trotzdem war schnell klar, das passt einfach. Passt schon ist zugegeben eine ziemlich kurze Klangbeschreibung, beim Centerlautsprecher kommt es aber vor allem auf die Unterschiede zu den Fronts an und die halten sich, bei meiner Aufstellung, in engen Grenzen. Der Center steht auf einem offenen 50cm hohen TV-Board Prototypen (übrigens der Grund, warum das Ding auf den Fotos noch so hässlich ist), also etwas tiefer als allgemeine Ohrhöhe. Stimmen sind so eine Nuance tiefer als bei den normalen AX-6 HR, der Bass hat etwas mehr Kick, dafür ein bisschen weniger Tiefgang, das war´s auch schon. Ein Großteil der Unterschiede dürfte dabei an der Aufstellung liegen, alles in allem hatte ich aber noch keinen Center, der sich homogener zu den Frontlautsprechern einbindet. Die meisten machen es eher deutlich schlechter als der umformatierte Axis. Das gilt übrigens ohne Einmessung oder EQ, also für ältere AV-Receiver oder neuere im Pure Direct Modus.
Genug Pegel ist zumindest für eine Mietwohnung auch ohne Subwoofer drin, da die frontale Dreifaltigkeit in meinem Raum bis 40Hz kommt, kann ich auf einen Bassspezi eigentlich verzichten. Schade nur, dass ich keinen Platz habe, auch bei den Rearspeakern auf die AX-6 HR zu setzen, dann wäre die Raumklangwelt perfekt.
Aber da war doch noch was? Breitbandlautsprecher als Center? Die böse Bündelung im Hochton? Im normalen Wohnzimmer eigentlich kein Thema. Sitzt man zu zweit oder dritt auf dem Sofa ist das praktisch kein Thema. . Damit der Breitbandtypische Hochtonabfall sich bemerkbar macht, muss man schon ein gutes Stück außerhalb der Achse sitzen. Da macht manch querliegender D’Appolito Center mehr und schlimmere Schweinereien mit dem Ton. Im ausgewachsenen Heimkino wäre vielleicht eine andere Lösung günstiger, in jedem Fall aber ein Subwoofer angebracht. Den brauche ich derzeit aber definitiv nicht. Obwohl, ein Gradient AXT-10 und ich könnte schwach werden.
Michael
Kleine Anmerkung der Redaktion: Die Weichen für den Center und die AX 6-HR sind identisch. Damit unterscheiden sich die Bausätze nur durch das Gehäuse und ein Artikel mit dem Namen AX 6-Cnter muss nicht extra angelegt werden.
Den Bausatz liefern die bekannten Shops Intertechnik und ADW





