Hardys SB 240
Beitrag von Hardy zu Lautsprecher SB 240
SB240 von Hardy
Einen langgehegten Wunsch habe ich mir nun erfüllt. Eine neue Stereoanlage. Nein, keine aktuellen Geräte, sondern eine REVOX-Anlage aus meiner Jugend, damals mangels finanzieller Mittel ein nicht zu erfüllender Traum. Heute mag ich das Design der neuen Modelle nicht. Also komplett revidierte Geräte von damals gekauft. ( Wen es interresiert: B790 , B750 MKII , B77 , B760 , B215 und B225 ) Und damit hatten dann auch die 50 Euro Lautsprecher vom Discounter schlagartig ausgedient. Der Klang war nicht so der Brüller. Grottenschlecht trifft es wohl eher.
Ein paar Lautsprecher hatte ich schon mal vor ca. 20 Jahren gebaut, aber irgendwann einmal verschenkt. Also mussten neue her. Da ich wieder einmal Lust verspürte, etwas selber zu bauen , habe ich mich im Internet nach Lautsprecherbau umgesehen. Und auf welcher Seite bin ich nach vielen Stunden Recherche gelandet? Nun ja - ihr könnt es euch wohl denken.
Schnell registriert und nun gelesen, gelesen und gelesen. Da ich nicht gleich in das Hochpreissegment einsteigen wollte, habe ich mich preis-leistungsmäßig für die SB240 entschieden. Zu meiner Entscheidung haben auch die Klangbeschreibungen beigetragen. wobei mir die blumigen Beschreibungen nicht so sehr liegen.
Also ab in den Baumarkt und 21mm MPX Birke zuschneiden lassen. Oder sollte ich sagen abhacken lassen? Winkligkeit und Maßhaltigkeit sind etwas anderes. Aber mit zusätzlichen Stunden Schleifen bekommt man auch das wieder hin.
Aber wo nur die Lautsprecher bauen? Der Keller fiel mangels Platz und schlechtem Licht aus. Also mein Computer- und Musikzimmer zur Werkstatt umfunktioniert. Der kleine Tisch mußte als Werkbank herhalten. Zum Zusammenleimen gibt es nicht viel zu sagen.
Ich habe es innnerhalb 1 Woche geschafft. Eine zusätzliche Verstrebung habe ich auch noch eingeleimt. Nicht das es statisch oder klangtechnisch notwendig wäre. Einfach nur so.
Als Ersatz für teure Schraubzwingen mit Spannweite > 1,2m habe ich mich für einen Spanngurt für 6,70 Euro entschieden. Etwas umständlicher in der Handhabung, aber preislich unschlagbar.
Und nun ging es an das Schleifen. In der Wohnung? Meine Frau hätte mich gekillt. Also ab auf den Balkon. Tagelang die Gehäuse nach Feierabend durch die Wohnung auf den Balkon geschleppt. Nach dem Schleifen alles wieder zurück. Muckibude ist dagegen Kinderkram.
Nachdem die Gehäuse geschliffen waren, stellte sich die Frage, wie die Einfräsungen für die Chassis hergestellt werden sollten. Eine Tischlerei veranschlagte 130 Euro für das Fräsen der Gehäuse. Zu teuer fand ich und kaufte mir eine Oberfräse und einen Satz Profilfräser. Zusammen waren es weniger als 130 Euro. Die Oberfräse sollte nun schon keine einmalige Investition gewesen sein. Ich hatte schon die nächsten Projekte im Kopf.
Der mitgelieferte Fräszirkel der Oberfräse funktioniert nur bei Radien von > 10 cm und war damit für das Mittel- und Hochtonchassis unbrauchbar. Daher aus Abfallstücken und den Führungsstangen des org. Fräszirkels einen eigenen gebastelt.
Der Drehpunkt ist eine eingelassene M4 Innen6kantschraube und befindet sich unterhalb der Auflagefläche der Oberfräse.
Das Ausfräsen der Schallwand erfolgte in mehreren Stufen. Das Anschlußterminal war ebenfalls ruckzuck eingefräst. Außerdem wurden alle Kanten der Gehäuse abgerundet mit einem Profilfräser. Auch der Bassreflexkanal wurde gerundet, ich fand es irgendwie schöner.
Der Frässtaub hat nicht nur unseren Balkon millimeterdick überzogen, nein auch hat ihn der Wind in der Nachbarschaft verteilt. Aber wir haben wohl sehr tolerante Nachbarn. Mal sehen wie es sich mit der Toleranz verhält , wenn ich den Verstärker aufdrehe und den beiden SB240 mal freien Lauf lasse. Danach wurden die Reste aus der Schallwand und der Rückwand für das Anschlussterminal mit der Stichsäge herrausgetrennt.
Da die Chassis nun eingetroffen waren , war es an der Zeit die Weichen zu löten. Die Weichen wurden auf 2 kleinen 4mm Sperrholzbrettchen aufgebaut und von der Rückseite verlötet. Alle handwerklichen Dinge bereiteten mir als Maschinenschlosser keine Probleme. Die Maschinenschlosser sind eben die Offiziere im Handwerk. -:)
Da nun der staubige Teil der Arbeiten vorbei war , konnte ich mich der Oberflächen-gestaltung widmen. Schwarz sollten sie werden. Es passt fast zu allen Einrichtungsstilen. Die schöne Maserung und der Schichtaufbau des Holzes sollte nicht unter einer Lackschicht verschwinden.
Also Gehäuse wieder auf den Balkon. Der Teppich sollte ja keine Flecken bekommen. Nun wurden die Gehäuse mit Beize auf Wasserbasis bestrichen und über Nacht trocknen gelassen. Die Beize läßt die Fasern des Holzes sich aufrichten. Nun mußten die Gehäuse von Hand einmal ganz leicht mit 320er Schmirgel geglättet werden. Der Schleifstaub wurde mit einer weichen Bürste entfernt, bevor farbloses Antik-Wachs mit einem Lappen aufgetragen wurde. Nach guter Trocknung ( so steht es auf der Dose des Wachses ) kann die Oberfläche mit einem weichen Lappen poliert werden. Ich habe nach 2 Stunden poliert. Ich habe versucht die Oberfläche in einem Bild festzuhalten. Aber so richtig kommt es nicht rüber. Was nun noch fehlte war der Einbau der Chassis und deren Verkabelung. Aber auch das war relativ schnell erledigt.
Fertig? Nein -vor meinem geistigen Auge sah ich die unteren 4-6 cm der Lautsprecher zerdellt und zerkratzt. Der harte Kunststoff des Staubsaugers würde dafür schon sorgen. Also ab zum Baumarkt und eine 0,4m x 2,0m große 19mm Tischlerplatte in 4 gleiche Teile sägen lassen. Zuhause angekommen jeweils 2 von ihnen zusammengeschraubt, geschliffen, gebeizt und gewachst.
Abschließend pro Box 4 Stück Gummischeiben mit Durchmesser 50 mm und 10 mm Dicke zwischen Box und und Sockel gelegt. Nun ist fertig. Da der Umbau des Wohnzimmers noch nicht in Angriff genommen ist, laufen die SB240 im Moment an einem Yamaha AVR im Stereomodus. Das ändert sich, wenn meine neue Stereoanlage im Wohnzimmer steht.
An dieser Stelle bedanke ich mich bei Udo für diesen tollen Bausatz mit seinem Klang und seine prompten Antworten auf meine Fragen per e-mail.
Und wo bleibt die Klangbeschreibung? Ich sagte schon am Anfang, daß ich es nicht so habe mit den blumigen Klangbeschreibungen. Für mich ist es einfach nur erste Sahne. Es ist genug über den Klang geschrieben worden. Ich habe nichts wesentlich Neues dazu beizutragen.
Hardy
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