Belows Vota 2
Beitrag von below zu Lautsprecher Vota 1 und 2, die Umfragebox
Vota 2 - ja sie kann Rock! ;)
Zum Lautsprecherbau gekommen bin ich durch einen guten Freund, dessen Vater schon dutzende Lautsprecher gebaut hat. Einige von diesen konnte ich immer mal wieder zuhause testen und ich war begeistert, wie gut die zum Teil auch sehr günstigen Bausätze waren. Wahrscheinlich wäre ich längst bei einem der getesteten Bausätze hängen geblieben, wenn da nicht immer ein Punkt gewesen wäre, der mich gestört hätte: die starke Bündelung der verwendeten Breitbänder.
Also begab ich mich irgendwann im Juli auf die Suche nach einem für meine Ansprüche passenden Bausatz. Die Voraussetzungen waren: kein Breitbänder, eine erwachsene Standbox und Rock tauglich. Auf den in Hifi-Foren oft angesprochenen Waf muss ich glücklicherweise keine Rücksicht nehmen, meine Frau ist da doch sehr tolerant, solange das Ergebnis am Ende beide zufrieden stellt.
Sehr lange musste ich nicht suchen, um auf der Lautsprecherbau.de Seite zu landen. Umso mehr Zeit verbrachte ich aber anschließend mit dem Studieren unzähliger Bauberichte. Das eigentliche Ziel, meine Auswahl auf wenige Bausätze zu beschränken, verlor ich allerdings relativ schnell aus den Augen und die Liste potenzieller Kandidaten wurde immer länger.
Schon wieder fast in Vergessenheit geraten, erschein im August der Artikel über die Vota und ich war mir „mehr oder weniger“ sicher, dass es sich dabei um genau die passenden Lautsprecher handelt. Die nächsten Wochen begab ich mich an die Planungen für „unsere“ Vota. Im Gegensatz zu Udo`s Original Vorschlag wollte ich nämlich gerne eine einteilige Standbox bauen. Einige Anlaufschwierigkeiten wurden durch das Forum gelöst (Danke!) und so stand irgendwann der Aufbau fest. Hoch- und Mittelton bekamen eine eigene Kammer, der Bereich dahinter wurde zusätzlich für den Tiefton genutzt und der Reflexkanal von Hoch- und Mittelton geht nach hinten aus dem Gehäuse raus. Da die Schallwand des Top-Teils jetzt deutlich breiter als im Original ist, musste der obere Reflex-Ausgang etwas verkleinert werden, was ich durch das Einsetzen von zwei Holzleisten gelöst habe.
Den Zuschnitt für beide Boxen habe ich im Baumarkt für knapp 40,00 € anfertigen lassen. Das war zwar nicht alles auf den hundertstel Millimeter genau, im Endeffekt aber auch nicht weiter dramatisch. Es folgte ein erstes Zusammenlegen der Bretter bevor ich sie mit Ponal Fugenleim (sehr guter Tipp) an die endgültige Position geklebt habe. Hier folgte Fehler Nr. 1: Man sollte sinnvollerweise die Lage der Bretter VOR dem Leimen auf dem Seitenteil anzeichnen. Irgendwann wird der Raum, um Winkel oder Zollstock anzulegen, nämlich sehr beengt ;)

Und nun Fehler Nr. 2: Wenn Deckel und Boden schon fest sind, wird es recht schwer, die Rückwand einzusetzen! Zum Glück habe ich das alles in einem Schritt gemacht und konnte den Boden mit etwas Gewalt noch einmal entfernen, um dann zunächst Rückwand und anschließend Boden einzusetzen. Das restliche Leimen hat (fast) gut geklappt. Bei der Kammer für Hoch- und Mitteltöner muss ich mich auf Grund von Fehler Nr. 1 allerdings etwas vermessen haben und so entstand eine etwas unschöne Kante am hinteren Ende wo Boden und Rückwand aneinander stoßen. Eine kurze Rückfrage bei Udo hat zum Glück ergeben, dass hier kein Problem zu erwarten ist.
Nun also noch Deckel drauf und fertig war Korpus Nr 1 und es ging ans Schleifen, was dann auch knapp 3 Tage in Anspruch genommen hat.

Hier muss ich mich noch einmal bei meinem Schwiegervater bedanken. Meine Werkbank im Keller wurde schnell viel zu eng und so bot er mir an, dass wir einen Raum seines Schuppens, in dem ursprünglich mal ein Stall war, zu einer Werkstatt umbauen könnten. Dies war schon seit Längerem geplant und jetzt war die passende Gelegenheit gefunden. Nach zwei Tagen Dauerarbeit und sicherlich genervten Nachbarn (Kreissäge, Sonntag von 8-21 Uhr :) ) war eine recht beachtliche Werkstatt mit allerhand Gerätschaften und großer Diy-Werkbank aus alten Eichebalken fertig gestellt.
Der Boxenbau konnte weiter gehen!
Als Finish hatte ich mich dank Florians Bericht zu seiner SB36 für Ahorn entschieden. Bestellt habe ich amerikanischen Ahorn von Metz Furniere. Der wurde auch prompt geliefert und zugeschnitten. Mit einer ausreichenden Anzahl an Klingen für das Teppichmesser war das auch kein größeres Problem.
Furnier aufbringen: Bügeln oder Kleben - die große Frage
Eigentlich war ich mir sicher für das Furnieren die Bügelmethode zu nutzen - tja - eigentlich, bis ich es das erste Mal ausprobiert habe. Es kann an meiner Ungeduld oder handwerklichen Unfähigkeit liegen, aber ich habe es einfach nicht hinbekommen, auch nur einen Streifen Furnier mit der Bügelmethode auf die ganze Länge der Box zu bekommen, ohne das sich zahlreiche Risse gebildet haben. Natürlich habe ich für die Tests ein eigenes Brett und nicht die echten Boxen genutzt.
Also war eine Alternative gefragt. Nach kurzer Suche bin ich auf die Pattex Methode gestoßen. Da es hierzu einige sehr gute Anleitungen gibt, erspare ich mir eine allzu ausführliche Beschreibung. Folgende Vorgehensweise hat bei uns sehr gut funktioniert:
Boxenseite und zugehöriges Furnier mit Pattex einstreichen. Das ging mit einer Kunststoffrolle kinderleicht
- Eine große Pappe auf die Box legen
- Nun kann man das Furnier auf die Pappe legen und passend ausrichten
- Während einer jetzt die Pappe nach oben wegzieht, drückt der andere mit einer festen Rolle das Furnier auf die Box
- Zum Abschluss noch mal überall über die Box rollen falls es einige kleine Blasen gegeben hat, die Kanten mit Teppichmesser relativ bündig abschneiden und den Rest wegschleifen
Ich möchte hier aber gleich auch noch eine Warnung zur Pattex-Methode aussprechen. Das Ergebnis war sehr gut, die Handhabung wirklich kinderleicht und wir haben absolut keinerlei Blasen oder Risse gehabt. Der Pattex Kleber schlägt aber dermaßen stark auf`s Hirn, dass ich nicht länger wie eine Stunde damit arbeiten konnte. Nach einer knappen Stunde war ich nicht mehr in der Lage einigermaßen konzentriert mit dem Teppichmesser die Kanten zu beschneiden. Am dritten Abend ist es mir tatsächlich passiert, dass ich nach etwas längerem Pattex Einsatz den Müll, den ich eigentlich rausbringen wollte, ins Bad gelegt habe, dafür lag mein Telefon neben dem Mülleimer. ;) Evtl. reagiert nicht jeder gleich stark auf den Kleber, etwas vorsichtig sollte man im Umgang allerdings sein. Der Raum in dem wir gearbeitet haben war übrigens mit 4 Fenstern + Dachfenster sehr gut belüftet!
Aber - das Ergebnis überzeugt mich sehr!
Das Bauen der Weiche war nach kleinen Startschwierigkeiten kein Problem. Auf ein Foto der fertigen Weiche hab ich allerdings verzichtet - dass möchte ich niemandem zumuten ;)
Nun ging es an das Ausfräsen der Chassis Öffnungen. Ich muss zugeben, vor diesem Schritt hatte ich etwas Angst. Die Lautsprecher waren ja schon furniert und ich befürchtete, das bisher tolle Ergebnis durch die Fräse zu versauen. Dazu kam, dass ich mir eine billige Aldi-Fräse von einem Bekannten geliehen hatte.
Fehler Nr 3: Billig-Werkzeuge benutzen! Ich hatte zwei kleinere Fräsungen zur Probe gemacht, als ich den Fräser wechseln wollte. Beim Versuch, den Fräskopf aufzuschrauben, gab es ein kurzes Knarzen und der komplette Fräskopf ist zerbrochen. Eigentlich sah das Ganze nach stabilem Guß-Material aus. Jetzt lagen zig Brocken vor mir auf dem Tisch. Froh war ich nur, dass das nicht während dem Fräsen passiert ist.
Weiter ging es dann mit einer neuen Bosch Oberfräse die ich mir kurzerhand zugelegt habe. Dazu hatte ich mir noch einen Fräszirkel bei ebay gekauft. Das Fräsen an sich war dann kein großes Problem. Ein paar Tage später habe ich Kabel und Dämmmaterial zurecht geschnitten und so standen die fast fertigen Lautsprecher in meinem Arbeitszimmer. Leider musste ich dann eine Woche beruflich weg und ich kann sagen, die Woche war schlimm. Die ganze Arbeit die hinter mir lag, nur noch Kleinigkeiten zu erledigen und dennoch ging es nicht weiter.
Die Ausschnitte für den Fountek sind mir allerdings etwas misslungen und ich hab sie grob mit der Stichsäge vollendet. Nicht schön, aber passt.
Am darauffolgenden Wochenende war es dann endlich soweit. Die Chassis wurden angeschlossen und eingeschraubt, Lautsprecherkabel dran und das Probehören konnte beginnen. Mit ca. 300 Puls habe ich das erste Lied gestartet. Das Einzige, dass ich zu dem Zeitpunkt hoffte war, dass wenigstens irgend ein Ton aus den Lautsprechern kommt und ich nicht alles falsch gemacht habe. Und der Ton kam heraus...
Kann die Vota Rock, kann sie elektronische Musik? Ja - sie kann - und wie! Die ersten Versuche mit einem Ramones Sampler gingen zunächst gründlich in die Hose. Die Aufnahme ist so schon sehr schlecht und das wurde mit den Vota nicht besser. Also gleich weiter geschaltet: Eddie Vedder - eher bekannt als Pearl Jam - mit seinem Soundtrack für den Film „Into the wild“ - unglaublich. Die Stimmwiedergabe, Gitarre - alles klingt perfekt! Ein Schwenk in Richtung Paul Kalkbrenner und seinem Album „Berlin Calling“. Hier stiegen dann auch die Pegel in deutlich nachbarschaftsfeindliche Gefilde und ja - die Vota kann auch Elektro - und das richtig gut! Das Lied „Altes Kamuffel“ kommt mit einem unglaublich knackigen und deutlich spürbarem Bass daher.
Aber funktioniert der Bass auch bei elektronischer Musik mit extrem schnellen Tempo- und Taktwechseln? Dafür musste natürlich etwas Extremeres her und wurde mit einer Skrillex EP schnell gefunden. Hier hat mein zuvor getesteter Lautsprecher katastrophal kapituliert, es hörte sich einfach langweilig an. Das Ergebnis mit der Vota bleibt wie bei dem vorherigen Test - sehr präzise, genau so wie es sein muss und bis tief in die Magengrube. Weiter ging es dann kreuz und quer durch die ganze Musikpalette. Von den Ärzten über Metallica, zu klassischer Musik, zurück zum Pop, etwas Jazz. Nichts hätte ich hier auch nur ansatzweise kritisieren können, außer die ein oder andere sehr schlechte Aufnahmequalität, die mir vorher so nicht aufgefallen war.
Was bleibt als Fazit zu sagen? Die Vota eignet sich, für mein Empfinden, perfekt als Lautsprecher für Rock, Pop und Elektro und schafft auch Pegel die deutlich oberhalb der gehobenen Zimmerlautstärke liegen.
Momentan betrieben werden die Vota an einem kleinen Onkyo AV-Receiver im Pure Direct Modus. Ich bin gespannt, ob der in naher Zukunft fertig restaurierte Yamaha 1070 hier noch etwas drauflegen kann.
Eins ist auf jeden Fall klar, in naher Zukunft werden noch zwei Vota 1 (oder 2) und die Vota 3 folgen ;)
below
Die Bausätze Vota-Bausätze können bei Intertechnik
Vota 1
Vota 2
oder Adw
Vota 1
Vota 2
erworben werden








