Michaels BlueNote
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Baubericht BlueNote
Eigentlich habe ich irgendwie nie besonders großes Interesse an Musikhören gehabt, mehr am Musikmachen. Musikhören als Hobby konnte ich bis vor ein paar Jahren nicht verstehen, da ich mit den meisten Sachen, die in highendigen Kreisen so gehört wurden, nichts anfangen konnte. Langweilige Musik anhören, nur weil die Aufnahme gut ist? Unvorstellbar! Jazz? Igitt! Orgelmusik? Bääh! Und dafür den Gegenwert eines Kleinwagens investieren? Ich weiß nicht… Ich erinnere mich an die Eröffnungsfeier eines HiFi-Ladens mit sehr hochpreisigem Sortiment. Wir spielten live in unplugged-Besetzung ohne Verstärkung. In der Pause kam einer der Gäste auf mich zu und brachte seine Verwunderung darüber zum Ausdruck, wie flach und dünn sich unsere Congas anhörten. In seinen Ohren „richtig“ war definitiv das, was er von CD kannte, z.B. Hotel California. Nun ja.
Auswahl
Jahre später, die Zeiten haben sich gewandelt, und mit ihnen auch mein Musikgeschmack. Zwar möchte ich mir immer noch keine miese Musik nur um der Aufnahme willen antun; Jazz, Orgel und Orchester höre ich aber mittlerweile schon ganz gern. Meine Ausstattung bestand bis dato aus kostenlosem älterem HiFi-Zeug mit einer passiven Sub-Sat-Kombination eines Herstellers mit Hund im Emblem. Keine Ahnung wieso, aber irgendwann vor etwa drei Jahren, mitten in der Renovierung unseres Hauses, dachte ich plötzlich, ich müsste mir mal ein paar Lautsprecher selbst bauen. Zum Test, ob an den „Lobhudeleien“ etwas dran ist, bestellte ich mir bei Udo die PCTL W3, eine Transmissionline, die auf den Schreibtisch passt (wo sie immer noch steht). Nachdem ich sie gebaut und für gut befunden hatte, begann ich mit Überlegungen, was wohl für unser Wohnzimmer passen könnte, um für den Fall gerüstet zu sein, dass es irgendwann mal fertig würde, also mit Putz am Schornstein und neuen Tapeten und so. Um festzustellen, ob meine Ohren überhaupt für „ungesoundete“ Wiedergabe taugen, habe ich nach einem Kopfhörer Ausschau gehalten, der dies verspricht. So kam ich zum AKG K 701. Damit kann man sich alles wie unter dem Mikroskop betrachten, was allerdings auch nicht immer schön ist. Man kann plötzlich allerlei Fehler aus dem Aufnahmeraum hören, kratzende Fader am Mischpult, schlagartig ein- und ausgeschaltete Hallgeräte und, ich wollte es erst nicht glauben, Übersteuerungen auf CDs. Trotzdem begann ich es zu mögen, dass sich der Bassbereich in der Musik ganz selbstverständlich genau so klar darstellte wie Mitten und Höhen. Was fehlt, ist die körperliche Wahrnehmung. Also war dies mein Weg. Nun war mir klar, dass ich nur einmal Lautsprecher bauen wollte, weshalb ein Probehören bei Udo unumgänglich war, um einen Fehlkauf zu vermeiden. Ebenso klar war, dass es um Stereo gehen sollte, Mehrkanal ist uninteressant. Also Termin ausgemacht und mit gespannter Erwartung, was mir wohl bevorstehen würde, hingefahren. Vom Navi wurde ich in Bochum in eine Richtung gelotst, die mich ein wenig skeptisch werden ließ, ob mich hier wirklich meine neuen Traumlautsprecher erwarteten. Ich kann nicht behaupten, dass meine Skepsis wich, als das Navi mir dann sagte, ich habe mein Ziel erreicht und ich mir den eher schmucklosen Laden von außen betrachtete.
Also los, Tür auf und rein. Innen: Kreatives Chaos mit einladender Couch und einer Wand aus mächtigen Lautsprecherboxen. Regale voller Chassis, Regale voller CDs. Fehlt eigentlich nur noch ein Ofen in der Ecke. Ein Pärchen auf der Couch beendete gerade seine Hörprobe. Es liefen die Fantastischen Vier über die Minuetta, eine Aufnahme, die in einer Höhle gemacht wurde, wie man mir sagte. Die Musik war eigentlich nicht mein Ding, ich hatte noch meine Jacke an und stand rechts vom rechten Lautsprecher. Trotz allem war der Klang umwerfend. Keine zehn Sekunden, nachdem ich den Laden betreten hatte, war mir klar, dass ich hier fündig werden würde. Genauso klar war, dass nun die Qual der Wahl beginnen würde, meine Paradedisziplin.
Kurze Zeit später kam Matthias (Da) noch hinzu, auch für ihn der erste Besuch bei Udo. Es stellte sich heraus, dass er sich bereits sehr in die Theorie des fachgerechten Musikhörens eingearbeitet hatte, wohingegen ich eher ein unbeschriebenes Blatt war. Hören wollten wir beide jedoch die gleichen Lautsprecher: Duetta und Co. Trotz der herzlichen Begrüßung Udos kam ich mir anfangs noch etwas deplatziert vor, da ich mich so wenig in der Materie auskannte und mein Kopf voller „Deppenfragen“ war, die Udo sicherlich schon eine Million mal beantwortet hat. Allerdings ist ja nur der ein Depp, der die Fragen dann nicht stellt, wenn sich die Gelegenheit bietet. Um es kurz zu machen: Knapp vier Stunden später verließ ich den Laden mit einer Menge an Informationen, die mir im nun bevorstehenden schweren Entscheidungsprozeß als Hilfe dienen sollten. Was in den Berichten immer mit „Bühne“ und „Raum“ gemeint war, konnte ich jetzt auf jeden Fall nachvollziehen.
Wir haben ein Zimmer von 27m² zu beschallen. Ich tendiere - wie viele andere sicherlich auch - dazu, bei solch einer Entscheidung erstmal das „viel hilft viel“- Motto anzuwenden. Duetta war mein Wunschkandidat, die Größe musste aber irgendwie untergebracht werden. Duetta sollte man mal live gesehen haben, wenn man weniger als 30m² zur Verfügung hat und sich noch andere Leute im Wohnzimmer wohl fühlen sollen.
Ein Jahr später, Wohnzimmer ist fast fertig, Lautsprecher nicht in Sicht. Nach reiflicher Überlegung und vielen Skizzen kommt mittlerweile doch in Frage, die Duetta nicht zu bauen. Geholfen hat mir letztendlich, dass ich mir mal zwei Cyburgs „Viecher“ ins Wohnzimmer gestellt habe, um etwa die Dimensionen der Duetta zu simulieren. Objektiv betrachtet war das einfach eine oder zwei Nummern zu groß. Ich habe keine Halle zu beschallen. Jetzt musste ich nur noch mal zu Udo, um mir mehrere Kandidaten im Vergleich anzuhören. Als Hochtöner wollte ich gerne den ER4, um mich erstens auf wenige Bausätze zu beschränken und zweitens weil ich etwas wollte, was nicht jeder hat, da bin ich ehrlich. Drittens klingt er natürlich sehr gut, wobei ich momentan nicht behaupten möchte, dass ich blind den ER4 und den Keramikhochtöner unterscheiden könnte.
Mein zweiter Termin bei Udo verlief ähnlich wie der erste, nur dass sämtliche Ränge belegt waren. Bei diesem zweiten Termin, bei dem ich mein Augenmerk hauptsächlich auf die Basswiedergabe richtete, stellte ich fest, dass der Unterschied zwischen BlueNote und Duetta mit dem Musikmaterial, das mir zur Verfügung stand, so gut wie gar nicht auszumachen war. Lediglich bei Yello war für mich überhaupt eine Differenz im Tiefgang hörbar, und zwar nur im direkten Vergleich. Meiner Ansicht nach handelt es sich hier eher um Nuancen. Die Darstellung, BlueNote und Duetta wären wie Tag und Nacht, kann ich nicht nachvollziehen. Allerdings ist es sicherlich auch so, dass mit der Hörerfahrung die Ansprüche wachsen. Für Leute, die sich mit der Entscheidung schwertun, möchte ich es deshalb noch mal ganz klar formulieren: Alle Lautsprecher der Bluesklasse sind meiner Meinung nach besser als das, was viele aus dem Blödmarkt daheim stehen haben, es sei denn vielleicht, man bewegte sich zuvor schon im deutlich vierstelligen Bereich. Auch meine kleine Transmissionline, seinerzeit etwa € 35,- pro Stück inklusive Holz, sorgte letztens noch für ungläubige Augen. Nach diesem Hörtermin war jedenfalls klar, die BlueNote sollte es sein, denn der für mich gerade so hörbare Unterschied zwischen BlueNote und Duetta wird mit einem sehr deutlich sichtbaren Unterschied in der Gehäusegröße erkauft.
Ich habe mir den Bausatz dann bestellt und erstmal im Keller eingelagert. Denn eigentlich sollte dies hier ein Bericht darüber werden, wie man, wenn man keine Zeit übrig und schon gar kein Holzbearbeitungswerkzeug hat, zu seinen Wunschlautsprechern kommt. Die Schreiner, bei denen ich die Gehäuse anfragte, unterbreiteten mir zwar sehr gute Angebote, allerdings machte mir die Wirtschaftslage einen Strich durch die Rechnung. Es wurde immer später und später, ich immer weiter vertröstet, und irgendwann sah ich meinen persönlichen Wunschtermin für die Fertigstellung, die Vorweihnachtszeit, in Gefahr. Also habe ich Ende September den Entschluss gefasst, doch selbst zu bauen. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Bausätze immerhin seit neun Monaten im Keller!
Gehäuse
Nach dem Absegnen des Bauplans von Udo ging es dann an die Materialbestellung. Da ich auf den Kanten Radien haben wollte, kam Furnieren nicht in Frage, zumal ich keine Ahnung davon habe. Also Lackieren, und zwar in der Farbe unserer Zimmertüren. Davon habe ich zwar auch keine Ahnung, dachte mir aber, ich könnte die Vorarbeit erledigen und den abschließenden Decklack von einem Lackierer auftragen lassen. Zu diesem Zweck bestellte ich 22mm MDF mit sogenannter Grundierfolie. Dieses Material wird hiermit allen Selbstbauern mit Lackierambitionen wärmstens ans Herz gelegt. Sämtliche großen Flächen sind bereits versiegelt und können direkt lackiert werden. Beim Gehäuse wollte ich mich ein wenig vom Originalplan entfernen: Erstens haben wir recht hohes Gestühl im Wohnzimmer, wodurch unsere Ohren einen größeren Abstand zum Boden haben als auf Udos Couch. Zweitens haben wir unsere elektronischen Unterhaltungsgeräte in einer Raumecke stehen. Die Lautsprecher werden also im 45°-Winkel zur Rückwand stehen, jeweils etwa 1,1m von der Raumecke entfernt. Da ich im Wohnzimmer keinen Platz zu verschenken habe, wurde die Grundfläche der Boxen entsprechend angepasst, um sie näher an die Wand stellen zu können. Ich änderte den Plan ab und ließ ihn von Udo absegnen. Gleich vorneweg: Schon bei meinem Hörtermin äußerte Udo Bedenken wegen dieser Aufstellung. Ich war bereit, das Risiko einzugehen, da ich bei etwaigen Bassproblemen noch Platz in der Raumecke hinter dem Fernseher habe, um einen Helmholtzabsorber unterzubringen. Vorteile versprach ich mir davon, dass ich weniger frühe Reflexionen an meinem Sitzplatz abbekomme, da die Lautsprecher ja zu keiner Zimmerwand parallel stehen.
Ich habe Fräser gelernt und arbeite in einer Maschinenbaufirma, habe also fast ausschließlich mit Stahl und Aluminium als Werkstoff zu tun und glücklicherweise auch Zugriff auf diverse Maschinen. Auf unserer großen Plattensäge schnitt ich mir erstmal die einzelnen Teile zurecht. Das Fräsen der Chassisvertiefungen überließ ich einem Azubi, den Ausgang des Reflexkanals fräste ich allerdings selbst. Ich wollte einen runden Kanal, der aber nicht schwarz sein sollte. Außerdem wollte ich nicht in eine erzsolide Box einen Kunststoffkanal einbauen, den man mit zwei Fingern zusammendrücken kann. So habe ich den Reflexkanal aus MDF nachgebaut. Mangels Formfräser habe ich die Rundung von oben nach unten abgezeilt, also in kleinen Zustellungen mit einem Schaftfräser hergestellt. Der Kanal selbst besteht aus übereinander geleimten MDF-Platten, die ich vorher mit der Bohrung versehen habe. Das Fräsen der Reflexöffnung in die Schallwand sah dann so aus:
Die Ausschnitte für die Lautsprecher sind alle 0,5 Millimeter größer, um dem Lackauftrag Rechnung zu tragen. Die Fasen der Schallwand wurden auf einer uralten konventionellen Werkzeugmaschine mit Schwenkkopf gefräst. Das Werkstück wurde einfach in mehreren Zustellungen unter dem Fräser durchgeschoben, die im Bild sichtbaren Schrauben dienen als Anschlag. Bei solchen Aktionen ist es ganz gut, wenn die Schnittrichtung gegenläufig zur Vorschubrichtung ist. Sonst ist die Fase schneller fertig, als einem lieb ist…
Die Schallwand selbst besteht aus zwei aufeinander geleimten Platten. Grund hierfür ist eigentlich nur, dass ich noch Material übrig hatte, weil ich mir eine komplette MDF-Platte gekauft hatte. Schaden wird es nicht, denke ich. Beim Zusammenkleben des Gehäuses achtete ich darauf, dass die Schnittkanten, die ja ohne Grundierfolie sind, hinter den beschichteten Kanten immer etwas zurück standen, um später mit Spachtelmasse einen bündigen Abschluss herstellen zu können, der die Kanten direkt mit versiegelt. Den Kasten habe ich ohne Lamellos oder sonstige Hilfsmittel mit Parkettleim zusammengeklebt. Aus der Erfahrung mit vier „Viechern“, die wir in der Lehrwerkstatt gebaut haben und die als Beschallung für diverse Geburtstage und Nürburgringveranstaltungen dienen, weiß ich, dass es auch so hält.
Nachdem das Verleimen erledigt war, folgte das Spachteln und Schleifen der Schnittkanten. Ich musste dreimal spachteln, bis eine ebene Oberfläche erreicht war. Danach ging es ans Lackieren. Mir war klar, dass ich mit dem von mir verwendeten Einkomponentenspachtel das Risiko eingehen würde, dass nach dem Lackieren die Stoßkanten hervortreten, wenn ich nicht lange genug warte, bis die Masse wirklich komplett ausgehärtet ist. Da mir aber niemand garantieren wollte, dass das mit 2K-Spachtel nicht passiert und ich gerne funktionierende Lautsprecher haben wollte, tat ich es trotzdem. Ein Schreiner sagte mir, dass er bei seinem Meisterstück 8 Wochen gewartet hat, bis der erste Lackauftrag kam. Das war mir definitiv zu lang. Wenn sich störende Kanten zeigen, werde ich im nächsten Jahr noch mal schleifen und drüberlackieren (vielleicht auch nicht…). Der Lackaufbau selbst sah bei mir folgendermaßen aus: Ich habe mir 750ml Vorlack matt und 750ml Buntlack reinweiß seidenmatt gekauft. Dazu passende Rollen aus Schaumstoff („Bootslack-Walzen“). Alles Lackierzubehör kommt aus dem Bibermarkt. Ich habe die Schnittkanten mit keinem anderen Mittel behandelt, nur einmal die Kanten mit Vorlack gestrichen und dann gespachtelt. Danach habe ich die ganzen Lautsprecher wiederholt komplett mit dem Vorlack gestrichen, bis die Dose leer war, insgesamt drei Mal. Nach jedem Farbauftrag eine Nacht trocknen lassen und schleifen, Korn 180, um eine halbwegs glatte Oberfläche für den nächsten Lackauftrag zu bekommen. Vor dem Decklack habe ich nass mit 280er Korn geschliffen, um eine wirklich ordentliche Oberfläche zu erhalten. Alle Schleifarbeiten wurden mit einem Schleifklotz durchgeführt, danach die Lautsprecher zwei Mal mit klarem Wasser abgewaschen. Ich hätte zwar eine Maschine zur Verfügung gehabt, wollte aber nicht das Risiko eingehen, an Kanten bis aufs MDF durchzuschleifen. Meine Befürchtung, die Grundierfolie wäre ruckzuck durchgeschliffen, hat sich nicht bestätigt. Lackiert wurde mit der Rolle. Beim Rollen darauf achten, dass der Lack wirklich gleichmäßig verteilt ist. Solange die Rolle beim Rollen ein unregelmäßiges Geräusch von sich gibt, ist die Farbe nicht überall gleich dick verteilt und es muss mehr kreuz und quer gerollt werden. Erst wenn die Farbe gleichmäßig verteilt ist, werden nebeneinander liegende Bahnen in Längsrichtung der jeweiligen Platte gezogen, Versatz etwa 2/3 Rollenbreite, möglichst wenig Druck. Immer Seite für Seite fertig rollen, nicht auf mehreren Seiten gleichzeitig anfangen. Man merkt nämlich beim Rollen einer Seite bereits sehr schnell, wie die Farbe beginnt, fest zu werden. Man sollte also versuchen, sich zügig zu bewegen. Die Umgebung sollte nicht zu warm sein. Bei mir waren es 20°C, wärmer ist glaube ich nicht gut. Die Farben waren jeweils unverdünnt. Zwischen den einzelnen Lackierdurchgängen empfiehlt es sich, die Rolle z.B. in Alufolie einzuwickeln, damit sie am nächsten Tag noch zu gebrauchen ist. Abstreifwannen würde ich mir zwei kaufen, wenn ich es noch mal machen müsste. Beim Decklack hatte ich das Problem, dass sich zwei-dreimal ein Stück alter Farbe von der Abstreifwanne gelöst hat. So sieht ein vorlackiertes Gehäuse aus:
Abschließend kann ich sagen, dass die Vorarbeit sich gravierender auf das Endergebnis auswirkt, als ich gedacht habe. Die Oberflächenqualität nach dem Spachteln und Schleifen gibt definitiv die Qualität des Lackierergebnisses vor. Trotzdem ist das Ergebnis so gut geworden, dass ich nicht noch zu einem Lackierer gehen werde. So kann ich wenigstens beweisen, dass die Teile selbst gebaut sind. Der Zeitaufwand für die komplette Lackierung incl. Schleifen und Spachteln beläuft sich auf 3x2h für den Voranstrich plus etwa 4h für den Endanstrich. Meiner Meinung nach absolut leistbar, kein Hexenwerk. Wenn man allerdings eine Oberfläche haben möchte, die auch Leute mit guten Augen aus einer Entfernung von weniger als einem halben Meter überzeugt, wird man entweder spritzen müssen oder die Farbe dick genug auftragen und anschließend die hohen Stellen in Handarbeit abschmirgeln, was ebenfalls eine sehr gute Oberfläche ergibt. Polituren bzw. Versiegelungen aus dem Autozubehörbereich sind da sicherlich nicht die schlechteste Wahl, um solch eine Lackierung abzuschließen. Aus Ungeduld und Zeitmangel spare ich mir diese Schritte.
Weiche
Die Weiche habe ich frei verdrahtet auf einem Stück Makrolon aufgebaut. Alle Bauteile sind mit Kabelbindern und Sekundenkleber befestigt und dann verlötet worden. Meine Befürchtungen, ich könnte die Bauteile nicht im Sinne der reinen Lehre angeordnet haben, konnte Udo mit einem Foto seiner eigenen BlueNote-Weiche in Sekundenbruchteilen zerstreuen. Hier meine Weiche:
Die Weiche aus Makrolon zu bauen, kommt daher, dass wir dieses Material massenhaft verbauen und entsprechend viele Abfälle anfallen. Mein Plan war es, alle Elektronikbauteile nach Fertigstellung des Gehäuses einzubauen. Wie sich herausstellte, war tatsächlich meine ganze Geduld gefragt, um durch den Ausschnitt des Tieftöners die Kabel an den Polklemmen festzulöten und die Weiche zu montieren. Schlußendlich hat es aber doch zu meiner Zufriedenheit geklappt, siehe hier:
Da ich nicht sicher bin, welche Anschlusskabel ich vielleicht irgendwann verwenden möchte, habe ich mich für die geflochtene Variante entschieden, um nicht später aus diesem Grund die Box öffnen zu müssen. Aus dem gleichen Grund habe ich auch die Stromkabel zu unserer HiFi-Ecke mit 2,5mm² statt 1,5mm² verlegt, sogar mit eigener Sicherung. Wer weiß, was die Zukunft bringt? Vielleicht werde ich ja doch noch Anhänger von Tuning-Netzkabeln und -Lautsprecherleitungen. Dann wäre es doch schade, wenn nur die jeweils sichtbaren Meter aus fingerdickem Kupfer bestünden. Ich habe etwa 20% des Dämmmaterials hinter dem Mitteltöner eingebracht, den Rest im Tieftongehäuse.
Klang
Interessant war der erste Funktionstest mit einer Box und ungeduldig wartenden Azubis. Zehn Minuten vorher hatte ich noch groß getönt, dass ich den ganzen Trubel um das Einspielen von Lautsprechern für Unsinn halte, der sich allenfalls im messbaren Bereich abspielt (das war jedenfalls meine Erfahrung bei den PCTL und den Viechern). Also Verstärker angeschlossen (Gainclone-Eigenbau) und erste CD eingelegt, aufgedreht und…lange Gesichter. Bass? Kaum. Leider nicht so wenig, dass von einem losen Kabel auszugehen war, einfach nur dünn. Die Weichen waren nach dem Löten mit Testfrequenzen und Oszilloskop überprüft worden, also war auch hier kein Fehler zu erwarten. Also Bass noch mal raus, dafür gesorgt, dass die Dämmwatte nicht den kompletten Weg nach unten zum Reflexrohr versperrt, geringfügige Verbesserung (Einbildung?). Ich hatte leider keine bassstarke Musik da, aber das war definitiv nicht das, was mich in Bochum begeistert hatte. Nun habe ich den Lautsprecher laufen gelassen und derweil die zweite Box fertig gestellt. Klanglich genau wie die erste. Gut, dann ist wenigstens nichts defekt, dachte ich mir. Schließlich habe ich die Boxen „Gesicht an Gesicht“ gestellt, eine Box verpolt, und Musik laufen lassen. So wird es nicht allzu laut im Raum. Der komplett verschwundene Bass und der fast nicht mehr vorhandene Gesang zeigten mir, dass ich die Chassis nicht verpolt eingebaut habe. Lediglich die Höhen zischelten weiterhin herum. Nach ein paar Stunden ein abschließender Hörtest. Ergebnis: Ein wenig mehr Bass, aber subjektiv immer noch weit weg von ausreichend. Lautsprecher eingepackt und mit nach Hause genommen, anderer Verstärker (Marantz 2200 mit neuen Kondensatoren), anderer Raum, andere Musik.
Erster Eindruck nach dem Aufstellen: Mann, sind die groß! Was bin ich froh, nicht die Duettas gebaut zu haben!
Klanglich zeigte sich sofort Besserung, als ich Yello auflegte. Tiefgang ohne Ende. Nach dem Hören der kompletten CD hatte ich den Eindruck, dass die Tiefenwiedergabe stark zugenommen hat. Auf jeden Fall zeigen sich Resonanzen diverser Einrichtungsgegenstände. Wir haben die CD in gehobener Lautstärke gehört und hatten zu keiner Zeit das Gefühl, jetzt doch mal leiser machen zu müssen, was vorher spätestens nach ein paar Minuten der Fall war. Es wurde einfach nicht unangenehm, im Gegenteil! Wie weit das noch geht, werden die nächsten Tage zeigen. Ich werde bei Zeit auf jeden Fall testen, ob die beiden Verstärker einen solch großen Unterschied ausmachen.
Fazit
Es sind jetzt etwa zwei Wochen vergangen und ich kann ein erstes Fazit ziehen. Zuerst zum Äußeren der Lautsprecher: Wie auf folgendem Bild zu sehen, ist schon relativ früh eingetreten, was zu erwarten war: Die Stoßkanten treten hervor. Wenn ich es noch mal zu machen hätte, würde ich wohl eine Woche zwischen letztem Spachteln und dem finalen Schliff vergehen lassen. Danach passiert, glaube ich, nicht mehr viel.
Zum Klang: Ich muss zugeben, dass ich auch zu Hause noch etwas am Bass gezweifelt habe. Ich habe die Dämmwolle noch mal umgruppiert (hatte erst nichts unterhalb des Reflexkanals) und mir mal ein Schallpegelmessgerät ausgeliehen. Mit einzelnen Sinusfrequenzen gefüttert, zeigte mir das Display, was auch das Gehör feststellte: Alles da! Ab 30 Hz nix zu meckern, tiefere Töne standen mir nicht zur Verfügung. Was mich zweifeln ließ, war wohl zum einen die Position meines Hörplatzes (kaum störende Raummoden, deshalb keine Überhöhungen im Bass) und eben die sehr saubere Wiedergabe. Vorher hatte ich den Sub in der Ecke stehen, da gab es bei jeder Art von Musik irgendwie Bassgewaber, was nun eben fehlt. Auch kann man sagen, dass es durchaus Aufnahmen gibt, die fast ohne tiefe Frequenzen aufgenommen sind. Viel zu spät kam ich auf die Idee, die entsprechenden Stücke einfach mal mit meinem Kopfhörer anzuhören. Siehe da: Da ist einfach nichts! Die Lautsprecher spielen wunderbar, so wie sie sollen. Was aber sehr deutlich geworden ist, ist die Tatsache, dass zwischen guten und weniger guten Aufnahmen sehr stark unterschieden wird. Was schon mehrfach berichtet wurde, kann auch ich nur unterschreiben. Es kann also auch mal eine kleine Enttäuschung geben, wenn man Stücke hört, die man sehr gut kennt und nun feststellt, dass sie sich eigentlich genauso anhören wie auf schlechteren Lautsprechern, die vielleicht sogar gnädig das ein oder andere Manko der Aufnahme verdeckt haben. Hört man sich dann aber mal etwas von Dire Straits oder Alan Parsons an, weiß man, wofür man den Aufwand betrieben hat.
Nachtrag 1:
Die BlueNotes stehen jetzt seit zwei Monaten in unserem Wohnzimmer. Für alle diejenigen, die sich mit ihrer Verstärkerwahl unsicher sind: ich habe mir einen Verstärker und einen CD-Spieler ausgeliehen, um herauszufinden, wo am ehesten Verbesserungspotential ist. Mit meinen Testkandidaten Marantz 2200, Technics SU-600 und Onkyo Integra A 8800 hatte ich drei recht unterschiedliche Geräte aus drei Jahrzehnten zur Verfügung. Den Marantz hatte ich schon bei meinem ersten Besuch bei Udo dabei. Direkt nach seiner Röhre gehört, zeigte er ein sehr ähnliches Klangbild. Ehrlich gesagt, habe ich keinen Unterschied hören können. Bei meinem Test im Wohnzimmer zeigte er von allen Kandidaten die geringste Maximallautstärke. Für Anwendungen mit anwesender Ehefrau sicherlich mehr als ausreichend, waren seine 15 Watt an 8 Ohm plötzlich am Ende, als System of a Down bei mir zu Gast waren. Der Technics, im Neuzustand sicher der günstigste des Trios, lieferte da eine andere, für meinen Geschmack bessere, Vorstellung ab: straffer im Bass, höhere Lautstärke möglich. Eric Clapton hörte sich allerdings noch etwas verschnupfter an, als er es ohnehin schon tut. Der Onkyo bietet Leistung satt; ein brutaler Gesell. Klanglich ohne besondere Schwächen, Lautstärke anscheinend beliebig hoch möglich (ich wollte mir keine Ohrschützer aufziehen, deshalb habe ich nicht über etwa 12 Uhr aufgedreht). Der CD Player, eine SACD/LaserDisc-Kombi, die mal richtig teuer war, bot bei guten Aufnahmen eventuell einen etwas größeren Raum als mein Technics SL PS 770. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass sich klanglich mit allen drei Kandidaten sehr gut leben lässt. Die Unterschiede sind eher Geschmackssache, nicht zu vergleichen mit dem riesigen Unterscheid, den die Lautsprecher ausmachen. Was mir beim Technics gut gefällt, ist die Klangregelung im Bassbereich, die für Standboxen sehr gut zu gebrauchen ist: hier wird bei 50 Hz geregelt, nicht wie bei vielen anderen Geräten bei 100 Hz. Für die Zukunft ist der Bau zweier Gainclone-Monoblöcke geplant, die von einem Vorverstärker gefüttert werden. Der CD Spieler wird erstmal nicht angetastet, vielleicht gibt es jedoch irgendwann eine große Festplatte mit meinen CDs im FLAC-Format in Kombination mit einem Netzwerkplayer, mal sehen. CD Spieler und Verstärker haben übrigens im Paket € 35 gekostet, gefunden in einer Kleinanzeige. Plattenspieler (Dual 731Q) und Fernseher (Loewe Credo) waren den Vorbesitzern nicht mehr zeitgemäß genug, weshalb sie auf dem Müll landen sollten.
Zum Abschluss möchte ich Udo danken, dem ich in den letzten zwei Jahren immerhin 38 Mails geschrieben habe, die er mir mit unermüdlicher Ruhe beantwortet hat. Mut machen möchte ich allen, die sich mit dem Thema befassen, aber sich nicht so recht trauen: Bereits die Einsteigerklasse bietet Bausätze, die einem die Enttäuschung ersparen, nach getaner Arbeit nicht entsprechend belohnt zu werden. Nur Mut! MDF mit billiger, dunkler Holzschutzlasur, mit einem groben Pinsel verstrichen, sieht gar nicht mal so schlecht aus. Günstiger geht’s kaum.
Hier noch ein Foto der BlueNotes an ihrem Standort mit passendem Eckregal, natürlich auch selbst gebaut, weil jetzt ja klar ist, wie’s geht:
Nachtrag 2:
Für alle, die gerne selbst lackieren möchten, hier noch eine Warnung von mir: Nachdem die Lautsprecher nun etwa ein Jahr in unserem Wohnzimmer standen, haben sich unschöne Risse im Lack gebildet. Was die Ursache dafür ist, kann ich nicht sagen (außer, dass sich wieder einmal der Spruch „wer billig kauft, kauft zweimal“ als wahr herausstellen könnte). Blickrichtung ist seitlich auf die Schallwand. Man sieht einmal einen senkrecht verlaufenden Riss an der Klebekante und links davon einen unregelmäßig verlaufenden. Es ist nicht die komplette Box betroffen und ich habe hier den extremsten Riss fotografiert. Die Seite, die ständig der Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, weist interessanterweise keine Risse auf.
Zum Klang und zur Qualität des Bausatzes möchte ich anmerken, dass ich bisher keine vergleichbaren Lautsprecher mehr gehört habe. Bei einem Freund konnte ich letztens ein paar „utopische“ Lautsprecher mit Beryllium-Hochtöner hören, unterstützt durch ein Eckhorn. Sauteuer. Auch gut, aber der seinerzeit hoch gelobte Hochtöner hat meiner Meinung nach keine Chance gegen die Hochtöner, die Udo einsetzt. Kleine bis mittlere Lautstärken (deutlich über Zimmerlautstärke) waren O.K., aber als der Pegel höher wurde (Bier und Lautstärke), machte der Hochtöner unangenehm auf sich aufmerksam. Mir fehlen die Vokabeln, um es in Worte zu fassen, aber wir haben eigentlich immer nach spätestens einer Minute leiser gemacht. Irgendwie hörte es sich nervig an. Der Bass durch das Eckhorn ist undefinierter im Vergleich zur BlueNote, für Filme aber eine Überlegung wert.
So, nun ist aber definitiv Schluss. Wer bis hierhin durchgehalten hat, dem möchte ich für seine Aufmerksamkeit danken.
Gruß, Michael.
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