Ollis SB 240
Beitrag von Olli zu Lautsprecher SB 240
Olli’s SB240
Schon als kleiner Junge im zarten Alter von 6 Jahren bin ich mit den HiFi-Genen infiziert worden. Meine Onkels kauften Schallplatten und HiFi Geräte wie andere ihren Brotaufstrich, mein Vater versuchte sich in den 80er Jahren sogar im Selbstbau. Stichwort 80er Jahre: Musikalisch betrachtet ein Jahrzehnt, dem ich selbst heute noch mit voller Begeisterung fröne. Zur Kommunion bekam ich endlich, was ich mir schon lange gewünscht hatte: Einen Verstärker + CD Player und ein Paar kleine Lautsprecher. Andere Kids wünschten sich zu der Zeit Spiele-Konsolen, ich eine Stereoanlage!
Im Laufe der Zeit fand ich gleichgesinnte Freunde. Mein bester Kumpel hatte einen älteren Bruder, der sich nicht nur für HiFi interessierte, sondern auch schon eine sehr gehobene 5.1-Ausstattung besaß. Sein Setup bestand aus der damaligen Referenz von Denon AVC A1, einem 16:9 Röhren TV und einem passenden Lautsprechersystem. Die Hörsession muss so gegen Ende der 90ger gewesen sein, zur HiFi-Sucht kam jetzt noch Heimkino dazu und ich musste komplett umdenken.
Ich startete mit einem kleinen Denon AVR und einer 5.1 Kombination von Heco. Mit steigenden Nettoeinkommen tauschte ich in den letzten 12 Jahren häufiger Verstärker und LS gegen höherwertige Modelle aus. 2010 kam dann wieder der Wunsch nach neuen Lautsprechern. Fertigprodukte hauten mich allerdings nicht mehr vom Hocker, oder sie waren unbezahlbar. Ende 2010 bin ich wirklich zufällig auf diese tolle Webpräsenz gestoßen, innerhalb von 14 Tagen wurden so ziemlich alle Beiträge inhaliert. Ins Hörstudio Bochum sind es nur 20 km und so ließ die erste Hörsession nicht lange auf sich warten. Der Empfang war sehr herzlich, meiner Frau und mir kam es vor, als würden wir uns schon Jahre kennen. An diesem Tag nahm auch die Denke meiner Frau eine Wandlung. Zuvor hat Sie mich immer als "etwas krank" bezeichnet und eher wenig Verständnis für mein Hobby aufgebracht.
Bluesklasse war auf jeden Fall gesetzt,- aber die Entscheidung zwischen Duetta und SB240 fiel mir nicht leicht. Die SB240 stellte alles bisher Gehörte in den Schatten, die Duetta konnte alles nochmals einen Ticken besser. Allerdings hatte ich auch noch einen wichtigen Punkt im Hinterkopf: Es war mein erstes DIY-Projekt und ich bin nicht davon ausgegangen, dass es in jeder Hinsicht perfekt würde. Außerdem möchte man sich auch noch steigern können :)
Und so stand schnell der Entschluss fest, mit der SB240 zu beginnen und zu einem späteren Zeitpunkt die gesammelte Erfahrung aus dem ersten Projekt mit in die Duetta fließen zu lassen. Ich kann an dieser Stelle eines vorweg nehmen: Probleme hatte ich genug! :) Den passenden Center bestelle ich gleich mit.
Die Front bestellte ich bei meinem Schreiner (22er MDF), die restlichen Seiten wurden ebenfalls aus 22er MDF im Baumarkt gekauft. Das gesamte Gehäuse bekam eine 5 Grad Neigung nach hinten. Leider war ich bei der Bauphase so in meinem Element, dass ich keine Fotos gemacht habe. Einerseits mag ich selbst die Bauberichte mit begleitenden Fotos immer sehr, andererseits kennen die meisten das Prozedere und interessieren sich ohnehin mehr für das fertige Ergebnis ;)
Für das Verleimen des Lautsprechers nahm ich mir enorm viel Zeit. Der Pattex Express Holzleim ließ sich sehr gut verarbeiten und ich kann ihn den Neulingen hier sehr empfehlen. Da mein Heimkino-Setup derzeit aus einer Pionier Kette besteht (alle Geräte Hochglanz schwarz), sollten die neuen Speaker ein identisches Finish bekommen. Der ursprüngliche Plan, die Lackierung in Eigenregie zu übernehmen, schlug allerdings fehl. Nachdem ich mich einige Tage mit Schleifarbeiten beschäftigt hatte, machte ich mich auf den Weg zum Baumarkt des Grauens, um mich auf geeignete Spritzpistolen beraten zu lassen. Erfahrungen hatte ich bereits sammeln können. Auto, Motorrad etc. hatten schon mehrfach DIY-Lackierungen bekommen und mit dem Ergebnis war ich immer 100% zufrieden.
Der Fachberater aus dem Baumarkt, der wirklich ein sehr fundiertes Wissen hatte, empfahl mir eine Wagner Spritzpistole, die auch für Autolackierungen verwendet werden kann. Spritzspachtel, schwarzer Lack, sowie Klarlack und eine spezielle Schleifpaste waren schnell gekauft und schlugen mit ca. 250 Euro zu Buche. Zuhause wurde ein ca. 8qm großer Raum für die anstehenden Arbeiten vorbereitet. Der Spritzspachtel ließ sich wirklich sehr gut aufbringen, insgesamt habe ich drei Schichten mit jeweils 24h Trocknungszeit und reichlich Zwischenschleifungen (nass) aufgetragen. Bis zu diesem Punkt lief alles perfekt. Der Spachtel war glatt wie ein Aal und ich ging nicht mehr davon aus, dass etwas schief gehen könnte. Im nächsten Schritt sprühte ich viele feine Schichten mit dem schwarzen Lack, auch hier alles bestens. Ohne Zwischenschliff hatte ich bereits eine ganz glatte, leicht spiegelnde Oberfläche. So wollte ich der Box über Nacht erst einmal etwas Ruhe gönnen. Am nächsten Morgen kam das böse Erwachen. Der Lack war plötzlich komplett verpickelt. Was war geschehen? Ich
kann es bis heute leider nicht beantworten. Meine Vermutung liegt bei einer Unverträglichkeit zwischen Spachtel und Lack, was mir in zwei Lackierereien bestätigt wurde. Mir blieb nichts anderes übrig, als nochmals von vorne zu beginnen, diesmal mit einem anderen, angeblich verträglicheren, Lack. Was soll ich sagen? Die Arbeitszeit, die Box wieder in den nackten Zustand zu versetzen, war enorm und die zweite Lackierung auch nicht besser als die erste. Zeitgleich war mein Sommerurlaub 2011 gelaufen und beruflich kam mehr Arbeit auf mich zu als üblich. An dieser Stelle musste ich dann aufgeben. Ich hätte mich gerne noch einmal ran gewagt, aber die Vernunft sagte mir: Gib die Boxen zu einem Lackierer! Ich hatte bereits fast 400,- Euro Lehrgeld für Lack etc. ausgegeben und bekam von einem Lackierer das Angebot, die LS für 600,- Euro spritzen zu lassen. Die Kollegen dort haben anfangs ähnliche Probleme gehabt. Die Front MDF Platte von Speaker Space machte keine Schwierigkeiten, alle anderen Seiten wollten nicht mitspielen. Vielleicht war das MDF aus dem Baumarkt mit irgendeinem Material bearbeitet. Insgesamt hat der Lackierer 3 Monate gebraucht um den Lack entsprechend meiner Vorstellung umzusetzen. Dafür bin ich aber 100% zufrieden. Dass ein Teil der Toplackierung von mir schon bald wieder zunichte gemacht wurde, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht.
Zwischendurch machte ich mich an den Aufbau der Frequenzweiche, Der lief mehr oder weniger problemlos, obwohl der erste Blick auf den Schaltplan bei mir ein verzweifelndes Lächeln auslöste. Nach einer kurzen Rückfrage machte sich bei mir auch der Technik-Leistungskurs wieder bezahlt. Die Frequenzweichen habe ich mit Heisskleber im Gehäuse befestigt. Nun mussten "nur" noch die Chassis eingebaut werden. Als erstes der Center dann die beiden SB240. Der Lacker hatte keine Kosten gescheut und die Farbe sehr, sehr großzügig auf das Gehäuse aufgetragen. Dadurch waren die Ausfräsungen der Chassis sehr knapp. Eigentlich hätte ich die Chassis gar nicht mehr verschrauben müssen, so fest saßen sie in der Fräsung. Ich möchte hier
anmerken, dass ich bei sämtlichen Arbeiten an den Boxen ein Handtuch übergelegt hatte, um Kratzer etc. zu vermeiden. Bei einer der beiden SB240 passierte dann das Desaster: Der Mitteltöner saß so fest, dass ich meine Hand durch die Fräsung des Hochtoners friemeln musste, um mit entsprechendem Druck von unten den Mitteltöner zu lösen. Zuerst bewegte sich das Chassis keinen Millimeter, danach kam es mir plötzlich so schnell entgegen gesprungen, dass der Magnet mit richtig Schmackes auf das Tuch knallte. Die Macken könnt ihr auf der Nahaufnahme erkennen.
Die Hörprobe machte jedoch alles wieder gut! Jeder hat so seine Lieblings CD's, meine habe ich auf Dutzenden von Lautsprechern gehört. Ob 2.0 oder 5.1,- viel besser als mit den SB-Acoustics geht es wirklich nicht! Die Bühne, die sich hier offenbart, ist wirklich fantastisch, obwohl ich den Pionier AVR für Stereo als nicht ganz optimal empfinde. Ein reiner 2.0 Verstärker klingt hier definitiv noch besser. Aber selbst „gute“ MP3's spielen schon auf so hohem Niveau, dass der Vergleich zu einer CD schon sehr schwer fällt. Die 5.1-Atmosphäre ist Wahnsinn! Hier wird wirklich jeder noch so kleine Ton, jeder noch so kleine Effekt, mit einem garantierten Gänsehaut-Faktor wiedergegeben. Perfekt wird es aber erst, wenn im Sommer der 7.1 Ausbau mit der SB15 über die Bühne gegangen ist. Aber auch das Musikhören soll noch durch einen reinen Stereo-Verstärker qualitativ gesteigert werden. Duetta muss noch ein wenig warten, ich bin rundum zufrieden.
Zum Schluss möchte ich mich noch bei Udo bedanken. Die Hörprobe, sowie die Beratung vor dem Kauf und die anschließende Betreuung auch durch die Lautsprecherbau Community verdient wirklich ein großes Lob!
Olli
Die SB 240 kann nur bei Intertechnik oder Adw erworben werden








