SB 18 Matthias/ Oberpfalz
Beitrag von Matthias aus der Oberpfalz zu Lautsprecher SB 18 remastered
SB18 - oder der Unterschied zwischen „Musik hören“ und „Musik hören“
Die Vorgeschichte:
Jahrelang beschränkte sich Musik hören auf meine PKW's, in die ein guter Freund- dank eigenem Carhifi-Laden- regelmäßig adäquate Klänge zimmerte. Nie sollte es zu hochpreisig sein, einfach etwas mehr „Druck“ und Präzision als das meist sehr unterdurchschnittliche Serienequipment. Durch ihn kam ich dann so nach und nach auf die Idee, in der Wohnung auch mal aufzurüsten und sowohl den integrierten Handy-Lautsprecher als auch das an den Computer angesteckte „Soundsystem“ für eine Musikwiedergabe endlich als inakzeptabel zu bewerten und Platz für etwas Klang zu schaffen.
Begonnen hat es vor drei Monaten mit dem Baustart von 2 Mono Class-A Endstufen. Dessen Fortschritt ging/geht allerdings doch recht schleppend voran, was mitunter an den nicht vorhandenen, passenden Werkzeugen zur Aluminiumbearbeitung lag und auch immer noch liegt. Da man aber mit Verstärkern noch lange keine Musik genießen kann, mussten natürlich parallel dazu auch die passenden Lautsprecher ins Haus. Eines war dabei auch klar: Selbstbau ist angesagt.
Über das liebe Internet und diverse Recherchen bin ich auf Udos Seite gestoßen – und wurde sofort vom Virus gepackt. Mir ist keine Seite bekannt, auf der man informativer, freundlicher und übersichtlicher den Bau von Lautsprechern nahegelegt bekommt. Es darf dazu gesagt werden, dass ich wirklich intensive Recherche betrieben habe. Umso besser, dass Hr. Wohlgemuth und Intertechnik mit wenigen Klicks die Bestellung ermöglichen, und man sich somit ganz stressfrei und flott den passenden Bausatz nach Hause liefern lassen kann.
Und da wäre es auch schon, das erste „Problem“: Welchen Bausatz nimmt der Herr denn nun nach so vielen Jahren Abstinenz in den vier Wänden? Diese Frage beinhaltete für mich gleich eine Antwort: Die Needle soll es sein! Günstig, nett anzusehen und einigen Nachbau-Berichten zufolge auch noch relativ klangstark. Leider sind alle nachfolgenden Bilder mit dem Handy entstanden. Ich bitte die etwas schlechtere Qualität zu entschuldigen.
Auf sie möchte ich hier nicht weiter eingehen - außer auf die Tatsache, einen derart winzigen Breitbänder wirklich noch nie so linear, sauber und klanglich stark spielen gehört zu haben.
Deswegen war es mehr oder minder um mich „geschehen“, so dass ich schon 3 Monate später dem Reiz nach mehr Tiefton-Fundament und Hochton-Auflösung nachgab und mich auf die Suche machte. Tagelang ging ich Baubericht für Baubericht hier durch, bis ich eine gewisse Eingrenzung treffen konnte. Udo antwortete geduldig und wirklich sehr flott auf meine Fragen, so dass meine Entscheidung ebenfalls sehr schnell getroffen werden konnte. Die SB36 schien mir zu wuchtig für meine leider sehr hellhörige Wohnung, und andere Bauvorschläge in der Bluesklasse waren für einen sinnvollen Selbstbau-Aufstieg von der Needle in meinen Augen etwas übertrieben. (Was ja zuletzt bedeutet, dass es noch nicht aufgehört hat...). Die SB18 muss es sein!
Nun, um es kurz zu machen: Am 02.01. habe ich den Bausatz bestellt, um am 04.01. abends zuhause zu sitzen und den Blues an mein Ohr zu lassen. Eigentlich unglaublich.
Der Gehäusebau:
Ich entschied mich für 20mm Multiplex Buche, welches mir ein freundlicher Baumarktmitarbeiter innerhalb weniger Minuten passend zugeschnitten hat. Die Wartezeit nutzte ich, um auf die Suche nach einer passenden Einfärbemöglichkeit zu gehen. Klar war, dass es Richtung Nussbaum gehen muss, meine Einrichtung gab das so vor. Nach sehr guten Ergebnissen beim Furnieren der Needle, welche ja aus dem optisch eher nicht so ansprechendem MDF bestanden, wollte ich diesmal das schöne (und noch dazu teuere) Multiplex nicht einfach „überkleben“. Daher gab's Innenraum-Holzschutzlasur Nussbaum-dunkel auf Wasserbasis, um die Burschen dem Möbelfarbton ein gutes Stück näher zu bringen.
Die sieben Bretter passend zu verleimen, überforderten mich nun wirklich nicht (Udo, ich erinnere hier an deine wahren Worte, dass man darüber wenig bis keine Worte verlieren muss), so dass auf entsprechende Bilder an dieser Stelle verzichtet wird. Nach dem Verleimen wurden die fertigen Gehäuse mit 120ger Sandpapier auf dem Exzenterschleifer bearbeitet, um letzte Unebenheiten verschwinden zu lassen und eine solide Basis für das Lasieren zu haben. Das Fräsen der Vertiefungen erforderte das Können meines guten Carhifi-Freundes. Er nahm sich des Problems an und zauberte mittels Oberfräse und Selbstbaufräszirkel ein absolut überzeugendes Endergebnis.


Links bereits eine Schicht Lasur aufgetragen, Rechts noch im Rohzustand. Die Lasur war etwas komplexer zu verarbeiten, als gedacht. Nachdem sämtliche Pinsel und sonstigen Malerutensilien als annähernd untauglich abgestempelt werden mussten (man sah jeden einzelnen Pinselstrich), gab es eine Kombination aus Schaumstoffrolle und 1-2min. Einziehen lassen, um danach mit einem alten T-Shirt den Überschuss der Lasur in Faserrichtung abzuziehen. Nach den ersten beiden Anstrichen erfolgte ein Zwischenschliff mit 400er Körnung, um eine schön glatte Oberfläche zu erhalten. Der darauffolgende Endanstrich klappte dann ohne T-Shirt. Warum, war mir nicht schlüssig, was aber der Tatsache einer wirklich wunderschönen Oberfläche keinen Abbruch tat.
Der Weichenbau:
Dem Paket von Intertechnik lag ein perfekter Schaltplan bei, so dass der Bau der Frequenzweichen kein großes Hindernis darstellte. Ich entschied mich für eine platzsparende Variante auf dem Hinterteil des Anschlussterminals für den Tief-/Mitteltöner und auf einem kleinen Multiplex-Brettchen für den Hochtöner. Jetzt mussten sie nur noch an ihren Platz in der Box.


Dann noch je zwei Sonofil-Matten einlegen, die wirklich sehr hochwertig verarbeiteten Lautsprecher elektrisch verbinden und einschrauben- fertig.

Der Klang:
Nun, Klangbeschreibungen sind etwas Individuelles, schwer Wiederzugebendes.
Nachdem beim Anschluss an meinen übergangsweise angeschafften DTA-1, den ein modifizierter Marantz CD40 mit passenden Signalen versorgt, kein rechter Hörgenuss aufkommen wollte, dachte ich schon an Verpolungs-/ Verdrahtungsfehler an den Lautsprechern oder Weichen. Die Musik „klebte“ etwas an den Boxen, Räumlichkeit wollte nicht so recht aufkommen. Auch ein Wechsel auf andere Signalquellen änderte wenig an diesem Eindruck. Merkwürdig, war und ist doch der DTA-1 an den Needles absolut überzeugend. Gut, die SB18 erfordern doch etwas mehr- oder war ich schon zu verwöhnt? :)
Wieder einmal musste daher mein Freund herhalten. Ich schleppte die Lautsprecher zu ihm in den Laden und wir versorgten sie mit einem hochpreisigen Car-Hifi-Verstärker. Und siehe da, hier war er, der Blues. Eine CD nach der anderen flog in das hastig angeschlossene Autoradio, um für mich irgendwie greifbar zu machen, was ich nicht recht glauben konnte: Katie Melua- um nur ein Beispiel zu nennen- stand eindeutig vor ihren Musikern genau in der Mitte, der Schlagzeuger spielte präzise, versetzt hinter ihr. Aber das konnte doch nicht sein, das kam niemals aus diesen Lautsprechern - wie auch? Wenn man die beiden Hochtöner abwechselnd direkt angesehen hat, war da KEIN Ton- denn der war eindeutig räumlich verteilt auf einer großen, herrlich gestaffelten und tiefen, breiten Bühne. Die Lautsprecher an sich waren schlichtweg nicht da. Sehr linear geben die Burschen alles wieder, was man ihnen vorsetzt - tiefe Töne können sie in beängstigend perfekten Maß ebenso, wie präzise Höhen und Grundtöne. Auch Nils Lofgren schien im Carhifi-Laden um die Ecke ein Konzert zu geben. Ich war einfach nur begeistert- und wollte gar nicht aufhören, dem Blues - der es zweifelsohne ist - zu lauschen.
Tja, um ohne Umschweife auf den Punkt zu kommen: Zwischen Musik hören (mit dem Handylautsprecher / den PC-Lautsprechern) und Musik hören (Needle/SB18) gibt es Unterschiede, die ich all die Jahre nie auch nur im Ansatz zu glauben gewagt hätte. Stereo war niemals räumlich. Da irrte ich - gewaltig.
Vielen herzlichen Dank an Udo Wohlgemuth für die Beantwortung meiner Fragen in Windeseile, Intertechnik für den Referenz-flotten Versand und dem wie immer problemlosen Einkauf und vor allem auch an meinen guten Freund Alex, dessen Mühen und Werkzeug, sowie Räumlichkeiten ich (wieder einmal) benutzen durfte.
Bleibt mir nur zu sagen: What's next? :)
Matthias aus der Oberpfalz
Die SB 18 kannst du bei Intertechnik oder Acoustic Design Wohlgemuth erwerben.









