Noch eine SB 417, noch ein Michael
Beitrag von
SB 417 - weit mehr als erwartet
Vor ca. 1 Jahr habe ich mich das erste Mal mit dem Selbstbau von Lautsprechern befasst. Allerdings waren es damals noch gekaufte Gehäuse, die ich mit einem Bausatz bestückt habe. Ich war aber sofort vom Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt, das der Selbstbau mit sich bringt. Also wollte ich ein richtiges, komplett in Eigenregie gefertigtes, Projekt angehen. Die Eckdaten für den Bausatz waren relativ schnell festgezurrt. Es sollte eine D´Apolito-Anordnung mit Zusatzbässen und möglichst viel Membranfläche werden. Das Ganze natürlich passiv, also nicht teilaktiviert. Das funktioniert für Heimkino zwar sehr gut, aber bei Musik vermisse ich bei teilaktiven Systemen immer etwas Homogenität. Und mir ist eingefallen, dass wir früher im Car-Hifi-Bereich Chassis von Eton eingesetzt haben. Und die waren richtig gut. Also bin ich nach kurzer Zeit auf die Seite von Udo gestoßen. Allerdings hatte er bei den Etons nichts im Programm, was mir so 100%ig entsprach. Das Fernsehprogramm an den letzten Weihnachtsfeiertagen brachte mich dazu, mal wieder Udos Seite zu besuchen. Und da bin ich zufällig auf die SB 417 gestoßen. Warum hatte ich die SB-Bausätze bisher nur komplett Ignoriert? Naja. Bei dem Preis kann sie nicht der ganz große Wurf sein. Aber sie erfüllte meine Anforderungen. Und es war ja auch meine erste Selbstgebaute. Also zum Üben wird sie wohl reichen. Folglich habe ich den Bausatz „blind“ bestellt und dann ging es auch schon los.
Die Farbgebung war schnell entschieden. Da ich sie zwar für nahezu 100% Musik nutze, dies aber auch in Verbindung mit TV und BluRay, sollte der Korpus schwarz werden, um möglichst wenig Streulicht vom TV zu reflektieren. Schwarzes MDF schien mir hierfür sehr geeignet. Die Front wollte ich farblich absetzen. Birke MPX gefällt mir sehr gut. Und auch die Kanten kann man schön ins Design mit einbeziehen.
Die Gehäuse habe ich weitgehend nach Udos Originalplan gebaut. Nur die Front habe ich dann aus MPX aufgedoppelt, selbstverständlich das Reflexbrett dementsprechend gekürzt. Zuerst wurde der Korpus aus MDF verleimt und grob geschliffen, danach dann die Chassisausschnitte mit der Stichsäge ausgeschnitten. Natürlich hätte ich sie auch fräsen können. Aber erstens dauert das deutlich länger und außerdem wollte ich meine Fräser auch etwas schonen. Da die MPX-Schallwand ja aufgeleimt wird, sollten die Ausschnitte im MDF sowieso etwas grösser sein, damit sie die Luftzirkulation nicht behindern. Also kann man sie später auch nicht sehen. Es spricht daher meiner Meinung nach nichts gegen die Säge. Die Chassisausschnitte habe ich mit der Oberfräse in die spätere Schallwand gefräst. Hierbei freut man sich, wenn man an den Fräsern nicht gespart hat. Das MPX wehrt sich deutlich mehr als MDF.
Da vollflächiges Verleimen zweier gleich großer Bretter nicht so einfach ist (bei der Leimmenge schwimmen die Platten aufeinander), habe ich die Schallwand bewusst 5mm in jede Richtung größer gekauft. So konnte ich sie mit ca. 2,5 mm Überstand nach allen Seiten aufleimen. Nachdem der Leim trocken ist, kann man bequem mit dem Bündigfräser Schallwand und Korpus angleichen. Das muss nicht einmal groß geschliffen werden. Die Reflexöffnungen wurden zuerst mit der Stichsäge grob vorgeschnitten, um im Anschluss ebenfalls mit dem Bündigfräser auf Maß gebracht zu werden. Jetzt musste nur noch fein geschliffen und zu guter Letzt die Radien an den Außenkanten und der Reflexöffnung mit dem Halbrundfräser angebracht werden.
Für das Finish habe ich mich für Wachs entschieden. Ich wollte ja den natürlichen Farbton der Hölzer erhalten. Auf der einen Seite gefällt es mir ganz gut und auf der anderen Seite bin ich der Meinung, dass man den Selbstbau auch als solchen erkennen darf. Verschiedene Experimente mit Lasur habe ich recht schnell verworfen. Allerdings ergab sich beim Wachsen ein kleines Problem. Pünktlich nach dem ich die Wachsschicht aufgetragen hatte, kam unangemeldeter Besuch und ich musste die Arbeit für mehrere Stunden unterbrechen. Dadurch ist das Wachs fast komplett eingezogen und lies sich nicht mehr richtig polieren. Bei der MPX-Front war dies kein Problem, die sieht sehr gut aus. Aber das MDF wurde etwas fleckig durch das ungleichmäßige Eintrocknen. Sobald ich Zeit finde, werde ich sie noch ein 2. Mal wachsen. Vielleicht wird die MDF-Oberfläche dann noch etwas gleichmäßiger. Aber im Moment muss ich noch Musik hören.
Über den Weichenbau muss man glaube ich nichts sagen. Dazu gibt es ja einiges an gutem Material hier auf der Seite.Nun kam der Hörtest. Wie oben bereits erwähnt, war meine Erwartung nicht all zu groß. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass ich mit einem schlechten LS gerechnet habe. Aber angesichts des Preises, hatte ich erwartet, dass die SB 417 ihren Job „recht ordentlich“ mit einem guten Bassfundament machen würde. Das Bassfundament hat sie. Gar keine Frage. Wer einmal die „Touch“ von Yello oder von Barry White „The Icon is Love“ über die 417 gehört hat versteht was ich meine. Natürlich gibt es Lautsprecher, die noch tiefer können. Aber die 417 hat für mich genau die richtige Mischung aus staubtrocken und tief. Und noch wichtiger: Jeder Basslauf ist absolut nachvollziehbar, nichts wird verschluckt. Sie macht jede Art von Basserweiterung überflüssig.
Der eigentliche Star ist meiner Meinung nach aber der Mittelhochton. So wie ich es von einer D´Appolito-Anordnung erwartet habe, macht sie eine wirklich tolle Räumlichkeit mit genau den richtigen Größenverhältnissen. Und die 417 spielt hier wirklich aus einem Guss mit dieser anspringenden Art, wie ich es nur von solchen kenne und was mir daran so gut gefällt. Oft stört mich an Lautsprechern, dass sich, wahrscheinlich zu Gunsten „besserer“ Auflösung, der Hochtöner zu sehr in den Vordergrund spielt. Hier ist das nicht so. Selten habe ich einen LS gehört, der in sich so stimmig und bruchlos spielt und dabei eine so tolle Klangfarbenpalette bereit hält. Ich könnte jetzt noch verschiedene CDs meiner Rock- und Popsammlung aufzählen, die ich gerade neu entdecke. Aber ich denke jeder sollte sich selbst ein Bild machen, wie gut dieser LS wirklich ist. Eine CD soll aber noch erwähnt werden: John Cougar Mellencamps „Big Daddy“. Sie ist sehr räumlich und präzise aufgenommen, neigt aber auf vielen Lautsprechern schnell dazu, sehr kühl zu wirken. Jetzt ist sie ein Genuss!
Abschließend bleibt mir nur ein Fazit: Angesichts des beinahe lächerlichen Preises ein absoluter TOP-LS. Ich zumindest kenne im vierstelligen Preisbereich keinen Industrie-LS, welcher der 417 das Wasser reichen kann. Und ich habe schon den ein oder anderen Euro, im Nachhinein völlig sinnlos, in verschieden Fertigprodukte versenkt. Jetzt bleibt mir nur zu hoffen, dass Udo nicht noch einen ähnlich aufgebauten LS mit Etonbestückung in seiner Schublade hat. Andererseits ist die Oberfräse jetzt ja wieder kalt…
An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Udo, der sich immer die Zeit nimmt und einen wirklich gut berät, auch wenn er noch gar nicht abschätzen kann, ob man überhaupt etwas bei ihm bestellt.
Vielen Dank und viele Grüße
Michael
Die SB 417 kannst du bei Acoustic Design Wohlgemuth oder Intertechnik bestellen


Durchschnitt von 


