„Excel C 16“ als Transmissionline
Seit langem wollte ich einmal einen TML-Lautsprecher bauen. Die Gelegenheit dazu ergab sich mit dem hochgelobten Excel C 16 Koax, der mit Qts = 0,49 dafür geeignet ist. Nach Rücksprache mit Udo entschied ich mich für eine Line nach seinem bewährten Muster, mit gleich bleibendem Querschnitt von knapp 2 m Länge und dem Treiber auf einem Drittel der Lauflänge.
Gehäuse:Das Bassreflexoriginal war mir mit 38 l Nettovolumen einfach zu üppig. Die TML gelang mit den Maßen(außen HxBxT) 100x16x23cm und einem Kanalquerschnitt von 12,4cm x 8,8cm. Die Lineöffnung wollte ich aus optischen Gründen auf der Rückseite haben, auch restliche Mitteltonanteile werden so noch eliminiert. Der Lineanfang ergab sich an der Rückwand 51cm (Innenmaß) unter dem Deckel. Die Innenkonstruktion besteht also nur aus einem senkrechten langen und einem waagerechten kurzen Trennbrett (im Bild unten mitte schwarz gekennzeichnet). Die Dämmwolle wurde im ersten Drittel in dreifacher Lage, an der Vorderwand noch zweifach und hinten bis zum Austritt einfach eingebracht. Gehäusefront, Seitenteile und Deckel sind auf Gehrung verleimt, sodass die schöne Optik des Birkenmultiplex optimal zur Geltung kommt. Auf einen Leistenrahmen geschraubt sind der Boden und der obere Teil der Rückwand, damit der Kanal zum Einbringen der Dämmung und der Weiche noch zugänglich ist. Letztere muss, damit sie zwischen die Leisten passt, in die Länge gebaut werden. Das geht problemlos mit freier Verdrahtung auf Sperrholz. Wer sich nun gewundert hat, wie das Chassis in eine so schmale Schallwand passt, hat die Lösung (im ersten Bild unten) längst entdeckt. Die eigentliche, ovale Schallwand (Außenmaß h32 x b19cm) ist vorgesetzt und scheint vor der Box zu schweben. Eine 8mm- MDF-Mittellage macht`s möglich. Die geschwungenen Fasen habe ich freihändig mit dem Bandschleifer angebracht. Aber ACHTUNG! Damit handelt man sich eine gesamte Schallwanddicke von 45 mm ein. Das geht nur gut, wenn man die Öffnung kräftig nach innen aufweitet, da sonst die Membran nicht richtig „atmen“ kann. Nur einen Rand um die Schraubenlöcher muss man stehen lassen. Die Minischallwand und die Standfüße sind mit Graniteffektlack besprüht. Die hinteren Schwalbenschwanzfüße erhöhen die Standsicherheit.

Für die Nachbauwilligen haben wir den Bauplan von Hans in Sketchup nachgezeichnet, dabei aber die Innenbreite auf 12,8 cm vergrößert. So ist der Bassausschnitt leichter zu bewerkstelligen.



Das Schaltschema haben wir um die Impedanzkorrektur ergänzt.
Klang:
Da ich über keine Messtechnik verfüge und die Bassreflexvariante nicht kenne, kann ich nur meinen subjektiven Höreindruck wiedergeben. Bei der Abstimmung verließ ich mich erst mal voll und ganz auf Udos Weichenentwurf, was ein guter Ausgangspunkt war. An meiner hoch auflösenden Anlage wurde mir der kräftige Hochtonanstieg ab
10 kHz aber doch bald lästig, sodass ich mich zur Nachrüstung des Sperrkreises (von der Corona abgekupfert) entschloss. Werte: 0,1 mH Luft, 1 mm Draht; 1,8 uF MKP Q4 und 10 Ohm 10W MOX. Der ersetzt nun den Serienwiderstand vor dem Hochtöner, der originale Parallelwiderstand wurde gegen 33 Ohm, 4W MOX getauscht. Damit ergibt sich insgesamt ein noch recht kräftiger, sehr durchsichtiger, fein auflösender Hochtonbereich ohne Übertreibung. Hier bleibt auch noch Spielraum, um mit anderen Widerstandswerten zu experimentieren.
Beim Anschlagen der Schlagzeugbecken mit Jazzbesen kommt man fast in Versuchung, die einzelnen Besenborsten zählen zu wollen. Der Mittelton klingt extrem sauber und analytisch. Die einzelnen Instrumente werden ordentlich und übersichtlich auseinander sortiert. Bei Akustikgitarre liegt der Schwerpunkt wohl eher auf dem Saitengeräusch, aber auch der hölzerne Korpus kommt nicht zu kurz. Trompeten kommen mit strahlendem Glanz. Bereits zur Probe im großen Wohnzimmer aufgestellt, zeigte der Bassbereich seine Fähigkeiten. Er geht sehr tief runter, spielt klar und dabei kräftiger als man es der kleinen Membran zugetraut hätte. Mit der Mächtigkeit und Fülle der sonst an diesem Platz stehenden Duetta kann die Excel natürlich nicht mithalten.
Nach dem Umzug an den eigentlichen Bestimmungsort (ca. 16 m²) zeigte der Bass trotz Abstand zur Rückwand mehr Druck und ein angenehmes Maß an Wärme. Es klingt kein bisschen dröhnig oder wummerig, aber eben auch nicht so, als wäre ein Mini-Kontrabass mit Korpus aus Knäkkebrot am Werkeln. Die beliebten Test-CDs wie Kari Bremnes, Diana Krall, Keith Jarrett, alte akustische Aufnahmen vom Miles-Davis-Quintet, aber auch Bigband bestätigten allesamt die Qualitäten der Boxen. Das Schönste ist wohl, wie mühelos die Koaxe mit ihrer punktförmigen Abstrahlung den Raum darstellen. Die Excels sind selbst als Ort der Schallentstehung nicht wahrzunehmen, man hat den Eindruck, als würde man von seinem Platz aus in den Aufnahmeraum „hineinhören“. Die Zimmerwand löst sich scheinbar auf. Das Gitarre – Kontrabass – Duo von Ralph Towner und Gary Peacock (A Closer View) zeigt das geradezu exemplarisch. Die Instrumente stehen in realistischer Größe auf der imaginären Bühne und geben nicht nur Richtung und Entfernung preis, sondern nehmen auch körperhafte Gestalt an. Das alles gilt natürlich nur, wenn Musiker und Tonmeister ihre Arbeit gut gemacht haben. 
Fazit:
Das Experiment Transmissionline mit dem Excel-Koax C 16 ist voll und ganz gelungen! Seas und Udo haben ausgezeichnete Arbeit geleistet. Ich bin froh, dass ich den Versuch gewagt habe, die Boxen konzept- und designmäßig umzugestalten. Dass ich bin sehr zufrieden bin, soll nicht verschwiegen werden, meine bessere Hälfte als Hauptnutzerin ist es auch.
Hans
Der Bausatz "C16 TL" wird in Kürze in das Programm von Intertechnik und Acoustic Design Wohlgemuth aufgenommen
Hallo Namensvetter,
das sieht glatt nach meinem ersten Nachbau-Projekt aus. Gibt es auch einen genaueren Bauplan und die Weichenschaltung? Ich weiß, die ist hier geheim, aber beim Bausatz wird sie hoffentlich mitgeliefert.
Vielen Dank für deinen Bauvorschlag
Hans
Hallo Hans (2),
Bauplan und Schaltschema sind jetzt auch im Bericht zu finden. Die Box wird schnellstens in unsere Shops aufgenommen und die hier nicht genannten Bauteie bei Bestellung mitgeliefert.
Gruß Udo
Wünderschön geworden das Projekt.
Die ästhetische Verwandtschaft zu Audiodata ist unverkennbar.
Gruß
Florian
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