Franks SB 417
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Hallo Lautsprecherbau-Gemeinde!
Nun wird es Zeit, dass ich meinen ersten Baubericht verfasse. Nachdem ich nun schon mehrere Wochen den Klang meiner SB 417 genieße, möchte ich euch an der Entstehungsgeschichte teilhaben lassen. Begonnen hat alles im Sommer 2012. Ich war auf der Suche nach einem Ausgleich zum stressigen Berufsalltag und habe mich auf meine Kinder- und Jugendzeit zurückbesonnen. Damals hatte ich, ausgelöst durch eine Hobbythek-Sendung, mit größter Freude Lautsprecher selber gebaut. Nun wollte ich diese Hobby wieder aufleben lassen, doch sollte es dieses Mal etwas anspruchsvollere Systeme ergeben. So landete ich nach einigem Stöbern im Internet auf Lautsprecherbau.de und habe viele Bauberichte verschlungen.
Als erstes Projekt habe ich für unsere Partydiele mit Heimkino zwei Subwoofer SD315BP gebaut, da dem vorhanden PA System im Heimkino Modus die unterste Oktave fehlte. Fotos von diesem Projekt kann ich leider keine mehr beisteuern, ich war im Baufieber und die Kamera nicht griffbereit. Nach dem für mich überaschenden Ergebnis, was alles im Selbstbau für kleines Geld möglich ist, wurde nach dem nächsten Projekt gesucht. Es sollte etwas aus der Bluesklasse sein, mit dem ich meine umfangreiche Musiksammlung neu entdecken kann. Ich stolperte über die SB 417, die aufgrund ihres schlanken Aussehens gut in unsere Wohnung passte. Die SB 240 war mir dann doch eine Nummer zu mächtig. Da mein Weg nach Bochum sehr weit ist - laut Google Maps 419 km und über 4h - habe ich mich entschlossen die Bausätze für die SB 417 blind (oder besser taub) zu kaufen. Heute kann ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht!
Nach wenigen Tagen war Ende September die Lieferung eingetroffen und es konnte endlich losgehen. Das MDF habe ich mir bei meinem lokalen Baumarkt zuschneiden lassen. Um sicher zu gehen, dass ich nicht das gesamte Gehäuse wegwerfen muss, habe ich die Öffnungen für die Chassis als erstes in die Fronten gefräst.
Abbildung 1: Alles sauber aufgezeichnet
Da mir für meine Oberfräse kein Fräszirkel zur Verfügung stand, habe ich mir einen einfachen Fräszirkel aus Holzresten selber gebaut. Hierzu habe ich einen Leiste auf eine Platte geklebt. In die Leiste wurden im passenden Abstand zwei Löcher gebohrt, durch die dann die Führungsstangen der Oberfräse mit 2 Schrauben befestigt werden konnten. In die Platte habe ich einen Schlitz gesägt, durch den nun der Fräskopf zu seiner eigentlichen Arbeitsstelle gelangt. Die Führung im Mittelpunkt des Zirkels übernimm eine 4 mm Schraube, die ich ca. 1 cm hinter dem Schlitzende in der Platte versenkt habe. So habe ich mit einfachsten Bordmitteln einen Fräszirkel geschaffen, der auch kleinste Radien problemlos fräsen kann.
Abbildung 2: Die Oberfräse mit dem selbstgebauten Fräszirkel im Einsatz
Der Vertiefungen der Chassis wurden mit der Oberfräse ins Holz gearbeitet, die Stichsäge hat dann die Öffnungen endgültig aus dem Holz geschnitten. Es folgte das "Probesitzen" der Chassis. Glück gehabt, es passte. Der Millimeter, der zu viel heraus gefräst wurde, störte mich nicht, da durch das Lackieren dieser auch noch verschwinden würde. Beim Hochtöner habe ich aber doch etwas viel mit der Stichsäge für die Anschlüsse heraus gesägt. Diese Stellen musste ich mit Holzkitt etwas auffüllen. Ich war mir aber nicht mehr sicher, ob ich den Hochtöner wirklich luftdicht in das Gehäuse eingebaut bekomme. Um der durch den Bass bewegten Luft keine Chance zu geben, beim Hochtöner heraus zu pfeifen, baute ich mit Leisten und Restholz eine kleine Kammer für die Kalotte und schwor mir beim nächsten Projekt etwas enger zu sägen und den Rest mit der Feile zu machen . Da der Volumenverlust weit unter 10% liegt, befürchte ich keine klanglichen Einbußen durch die Extrakammer.
Abbildung 3: Extrakammer hinterm Hochtöner aus Restholz
Nachdem der Rohbau des Gehäuses erledigt war, ging es an den Bau der Frequenzweiche. Zunächst versuchte ich, auf Papier die Anordnung der Bauteile zu optimieren. Nach einigem Mailverkehr mit ein paar Hinweisen und Tipps stand das Weichenlayout fest und wurde auf Holzplatten fixiert. Die Verkabelung erfolgte auf der Rückseite und das Ganze wurde dann mit Abstandhaltern auf die Rückwand der Box gesetzt.
Abbildung 4: Frequenzweiche Franks SB417
Abbildung 5: Frequenzweiche mit Abstandhalter in der Box
Nachdem die Frequenzweichen an ihrem Platz waren, füllte ich die Gehäuse mit dem Sonofill und die zweite Seitenwand wurde aufgeklebt. Schwere Farbeimer sorgten für den nötigen Anpressdruck. Ich konnte es kaum noch erwarten, die Chassis einzusetzen und fieberte der ersten Klangprobe entgegen. Ein Tag später war es endlich so weit. Die Lautsprecher standen in ihrem rohen MDF Kleid in unserer Wohnung und wurden mit meinem Pioneer VSX -921 am Ausgang B verbunden. Sämtlicher Klang beeinflussender Schnick-Schnack wurde deaktiviert und die erste Hörsession startete.
Wow!
Jetzt weiß ich, was mit Bluesklasse gemeint ist. Ich habe in meinem Büro zwei MB Quart S980 stehen, doch die SB 417 übertrafen diese Lautsprecher in jeder Hinsicht. Die SB 417 sind druckvoller und präziser im Bassbereich. Die Höhen kommen klarer herüber und neigen nicht zur Schärfe, wie bei den MBs. Die gesamte Bühne wirkt bei den SB417 größer und genauer. Bei diesen Vergleichen handelt es sich um Nuancen auf hohen Niveau oder wie so schön in SB 417 Baubericht geschrieben, "dass für das Verständnis der Beschreibung der gleiche Hintergrund vorhanden sein muss."
Auch wenn ich mich dem Ratschlag einer ausführlichen Hörprobe aufgrund der Entfernung wiedersetzt habe, siegt die Begeisterung. Die SB 417 bringt richtig Spaß und ich entdecke meine Musiksammlung nun wirklich neu.
Hier könnte der Baubericht zu Ende sein, wenn nicht noch das Finish der Boxen fehlte. Zunächst sind aber 4 Wochen ins Land gegangen und meine Frau meinte schon, dass das MDF in der Holzfarbe auch ganz nett aussieht. So ganz war ich mit diesem Outfit aber doch nicht einverstanden. Angeregt durch das Lautsprecherbau-Magazin machte ich mir Gedanken über das Aussehen der Kisten. Das Gehäuse der Littel Princess mit dem Buchenleimholz an den Seiten sah sehr gut aus. Nur war das Gehäuse bereits fertig. Der Artikel über die Eton 2U XXL brachte dann die Idee für die Gehäuse Gestaltung. Die Front und Rückseite wird schwarz lackiert und auf den Seiten werden Platten aus Kieferleimholz aufgebracht, die mit unserer Einrichtung harmonieren.
Mitte November hatte ich dann endlich ein paar Tage Urlaub, um mein SB 417-Projekt zu beenden. Die Chassis wurden noch einmal aus der Behausung herausgenommen - nur gut, dass ich die Kartons noch aufbewahrt hatte. Die Gehäuse wurden nun geschliffen und vorgestrichen. Es erfolgte der übliche Ablauf mit Schleifen und Streichen. Die Seitenteile wurden abgerundet und angepasst, sowie mit Klarlack gestrichen. Befestigt habe ich die Seiten neben Leim mit 6 versenkten Schrauben, was die Montage doch etwas erleichterte.


Abbildung 6. 7 und 8: Schleifen und Streichen und abgerundete Seitenteile.
Nachdem Seitenteile und Gehäuse miteinander verbunden waren, wurde das gesamte Gehäuse noch mit Klarlack übergestrichen.
Nun haben die SB 417 ihren Platz in unserem Wohnzimmer am großen Tisch wieder eingenommen und erfreuen uns mit Musik. Auch wenn es nicht das perfekte Gehäuse ist und man den Selbstbau auch erkennen kann, so bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Für einen Büromenschen, der sonst wenig mit Holzverarbeitung und Lackiererei am Hut hat, sehen die Kisten doch ganz nett aus.
Ich hoffe, ihr hattet Freude an meinem Baubericht und ich kann dem einen oder anderen Lust auf ein eigenes Projekt machen. Ich selber habe das nächste Projekt schon im werden, denn meine "bösen Brüllwürfel" aus der Fernsehecke können klanglich nicht mehr bestehen. Die Vota 1 und 3 Bausätze sind schon bestellt.
Vielen Dank an für die Unterstützung.
Einen schönen Gruß aus der Wilstermarsch!
Frank
Die SB 417 findest du in den Shops von Intertechnik oder ADW





