Sebastians Elip 2
Beitrag von Sebastian zu Lautsprecher Elip1 und Elip 2
Tja, wie fängt man so einen Baubericht am besten an? Vermutlich am Anfang…. Also, Spaß bei Seite. Ich selbst bin bisher absoluter Laie auf dem Hifi-Gebiet gewesen und zähle mich immer noch dazu, auch wenn ich inzwischen etwas mehr zu wissen glaube. Bevor ich mich dazu entschloss, mich nach einer Anlage und den dazugehörigen Lautsprechern umzuschauen, hörte ich ausschließlich über meinen PC (X-FI Soundkarte) und wahlweise über ein Teufel Concept F 5.1 Set oder über meine AKG 530 Stereokopfhörer Musik. Soweit war ich mit dieser Kombination auch recht zufrieden, da ich das Teufel-Set relativ günstig in einem gebrauchten Zustand erstanden hatte, jedoch nervte es mich immer mehr, dass bei hohen Pegeln zu viel Bass und akustischer Brei aus den doch sehr sparsam bemessenen Lautsprechern herauskam. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen das ich besonders Musik aus der Richtung Metal und Hardcore bevorzuge, sprich Bands wie Machine Head, Soulfly, Madball und Pro-Pain. Durch den separaten Subwoofer des Teufel Sets war ich Bass-technisch sicherlich etwas verwöhnt, aber das Set konnte halt ab gewissen Pegeln nur „laut“ und nicht „gut“.
Da ich im Rahmen meiner Gedankenspiele auch gleich den vorhandenen Philips 5605-K TV entsprechend einbinden wollte, kam für mich nur ein AV-Receiver in Frage. An dieser Stelle mag der geneigte Audiophile bereits die Hände über dem Kopf zusammen schlagen und sich laut oder leise hämisch in die Faust lachen. Jedoch denke ich, dass es für den Einstieg in die Hifi-Welt wesentlich entscheidender ist, dass die Lautsprecher eine entsprechende Qualität aufweisen. Nachdem ich also das Internet und diverse Foren durchforstete, stieß ich also unweigerlich auf das Thema „Lautsprecherselbstbau“, was unter dem Aspekt der Preis-Leistungs-Relation am Sinnvollsten erschien. Nachdem umgehend die Suchmaschine mit dem großen „G“ mit dem zuvor erwähnten Begriff gefüttert wurde, führte auch ohne Umschweife der Weg zu Udos Internetpräsenz, welche glücklicherweise umfassende Inhalte für (fast) jeden Bereich bereithielt. Nachdem die wesentlichen Grundlagen entweder überflogen oder tiefer gelesen wurden, ging es an die verschiedenen Bauberichte und Klangeindrücke, die wirklich allesamt sehr aufschlussreich und nett zu lesen waren. Ursprünglich wollte ich in den Bereich des Lautsprecherselbstbaus mit der günstigsten Lösung der Dayton 17-AL eintauchen und vereinbarte mit Udo einen Termin zum Probehören in seinen Räumlichkeiten.
An einem Montag ging es dann mit kollegialer Begleitung vom Bergischen Land nach Bochum in die kleine, beschauliche Seitenstraße, in der sich dieser von außen eigentümlich anmutende Laden befand. Da sich bereits ein dritter Gast zum Probehören dort befand, der offensichtlich durchaus motiviert war, mehr auszugeben als meine Wenigkeit, hörten wir uns zunächst verschiedene Boxen wie die SB 417 und die Little Princess an. Naja, was soll man zu den beiden Boxen sagen? Davon abgesehen, dass die gespielte Musik nicht unbedingt meinen
Geschmack traf, klang vor allem letztgenannte einfach großartig und ich bekam zum ersten Mal eine Ahnung und eindrucksvolle Präsentation davon, was der Begriff „Bühne“ überhaupt im Hifi-Bereich bedeutet. Mein Freund, der bis zu der Little-Princess eher bedächtig gelauscht hatte, hatte einen ebenso positiven Eindruck und ich dachte insgeheim schon, wenn diese teuren Boxen so verdammt gut klingen, dann werden die Dayton 17-AL die pure Ernüchterung werden. Während der dritte Gast sich eine kurze Pause genehmigte wurden also die Dayton angeschlossen und Rob Flyn durfte sich mit „Darkeness within“ die Ehre geben. Erstaunlicherweise blieb die Ernüchterung aus. Auch diese Boxen klangen toll. Natürlich nicht so voll und voluminös wie die Prinzessinnen, was auch nahe liegt, aber trotzdem gut. Nachdem ich noch kurz den Maximalpegel mit Rage Against The Machine testen durfte, ging es mit den gewonnenen Eindrücken nach Hause, wobei der zentralste wahrscheinlich war „Alter, wie gut sind denn bitte die Little Princess?!“
Mein Kollege, der zunächst als Begleitung mitgekommen war, war ebenso vollauf begeistert und hatte sich durch die Hörprobe kurzfristig dazu entschlossen ebenso in den Lautsprecherselbstbau einzusteigen. Also wurde zu Hause erneut die altbekannte Internetseite geladen und erneut Hör- und Bauberichte gelesen. Da die Dayton 17-AL doch an einem gewissen Punkt hörbar an ihre Pegelgrenzen liefen, fiel der Blick auf den Elip2 Bausatz, der durch die verschiedenen Bauformen auch eine potentielle Erweiterung auf ein 5.1 System zuließ und zu diesem Zeitpunkt lediglich knapp 40,00€ pro Box teurer war als die Dayton 17-AL. Parallel zu dieser Entscheidung ergab es sich, dass bei Amazon der Denon 1612 AVR zu einem sehr, sehr guten Preis abverkauft wurde, wodurch sich die Frage nach dem entsprechenden Receiver erübrigte. Nachdem mein Kollege umgehend die Holzzuschnitte im örtlichen OBI in Auftrag gab und abholte, konnte es mit den ersten Leimarbeiten auch schon losgehen.
Ein grundlegendes Problem bestand in der Organisation einer Lokalität, um die Boxen überhaupt zusammenleimen zu können. Schließlich vollzog sich dieser Prozess zwischen dem Dachboden der Oma, der Garage der Schwiegermutter und dem eigenen Badezimmer. Beim eifrigen Leimen wurde leider deutlich, dass der gute Herr am Holzzuschnitt trotz einer Spende für die Kaffeekasse es nicht so genau genommen hatte und das 16mm MDF zusätzlich leicht verzogen war. Nachdem mit vielem Rumtelefonieren eine Oberfräse in unmittelbarer Nachbarschaft von meinem Kollegen aufgetan werden konnte, ging es also an das Fräsen der Ausschnitte. Um den Grad an Originalität und Individualität zu maximieren verzichteten wir auf einen Fräszirkel oder andere profane Hilfsmittel ;-).
Aufgrund der kreativen Beschaffenheit der zusammengeleimten Holzzuschnitte war der erste Schritt nach dem Verkleben und Verspachteln etwaiger kleiner Spaltmaße das Abschleifen der Boxen mit dem Exzenterschleifer. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass dieser Arbeitsschritt einerseits extrem zeitaufwendig ist, sowie andererseits eine Menge Dreck produziert und daher am besten im Freien durchgeführt werden sollte. Nachdem sämtliche Ausschnitte und Fräsarbeiten vollendet waren, ging es an ein erstes Probesitzen der Chassis, welche eine ernüchternde Bilanz zu Tage treten ließ: Fast jeder Ausschnitt war um ca. einen halben Millimeter zu klein. Also musste erneut mit der Oberfräse nachgearbeitet werden, was den erwünschten Erfolg brachte. Schlussendlich wurden die äußeren Kanten der Boxen noch mit der Oberfräse abgerundet, wodurch die Boxen nicht so klobig und dominant wirken sollten.


Da die Boxen selbstverständlich nicht in ihrem hässlichen Braun-Beige-MDF-Matsch-Farbton das Wohnzimmer zieren sollten, stellte sich nun die Frage nach der geeigneten Farbe, welche leicht und einstimmig beantwortet werden konnte: Weiß und glänzend war die Devise! Zum Thema des Lackierens von MDF finden sich im Internet wahre Bibel-Geschichten, bei denen sich u.a. der Eindruck manifestierte, dass so mancher das Lackieren von MDF als eine Lebensaufgabe zu betrachten scheint, die erst mit dem Tod endet. Während mein Freund sich im örtlichen Baumarkt für eine MDF-Grundierung und hochglänzenden weißen PU-Lack entschied, wählte ich als Grundierung weißen Duracryl Fenster- und Türengrund und glänzend weißen PU-verstärkten Lack. Nach zwei Schichten Grundierung und einem kurzen Zwischenschliff mit 180er Papier ging es dann an die erste Lackschicht, worauf jeweils ein Schliff mit 240er und 400er Körnung folgte. Das Auftragen mit der Farbrolle verlief trotz sorgfältigem Auftragen leider nur mittelmäßig zufriedenstellend, da bei einem entsprechenden Lichteinfall an den Seiten jeweils teilweise Streifen zu erkennen sind. Glücklicherweise sind gerade die Seiten bei mir betroffen, die man eh kaum zu sehen bekommt. Ursprünglich hatte ich vor, die Boxen mit roten Farbspritzern und einem umgedrehten Kreuz zu versehen um den Charakter a la „This box plays music that gonna make you bleed from your anus“ zu unterstreichen, jedoch gelang mir die Umsetzung dieser Idee derart unzureichend, dass ich kurzum eine Box abschleifen und erneut lackieren musste und bei der Kombination „Weiß-Glänzend“ blieb.
Da ich während des Prozesses des Lautsprecherzusammenbaus parallel meine Abschlussarbeit vollendete und mein Freund mehr Zeit zur Verfügung hatte, lötete er für seine Boxen die Weichen zusammen und kam zwei Wochen vor mir in den Genuss der ersten Tönen aus den angefertigten Elip2. Sein Wissen und Können bezüglich des Weichenbaus kam mir letztendlich zu Gute, weshalb der Einbau der Elektronik an einem Mittwochabend erledigt war. Tja, und dann geht es wohl nun an die Klangbeschreibung, den Teil, der mir als Anfänger vermutlich am schwersten fallen wird.
Nachdem die Boxen also an den AVR angeschlossen wurden und aktuell noch ein Blue-Ray-Player als Zuspieler für Compact-Discs herhalten muss, kann ich nur sagen, dass ich wirklich begeistert bin. Die Boxen bilden nach meinem Empfinden ein sehr harmonisches Klangbild ab, das einerseits durch seine Differenziertheit besticht, jedoch gleichzeitig nichts an Bass vermissen lässt. Anhand der Boxen bemerkte ich erstmals einen deutlichen klanglichen Unterschied zwischen gut und schlecht produzierten bzw. abgemischten Tonträgern, welcher mir vorher in einer solchen Form nicht bewusst war. Selbst geknüppelte Schlagzeug Blast-Speeds oder dreckige Beatdown-Passagen, welche in fast jedem Hardcore Song zu finden sind, kommen fett und ausgewogen daher und transportieren authentisch die Aggressivität der Musikrichtung und des entsprechenden Songs. Allerdings macht nicht nur sogenannte „Wut-Musik“ mit den Boxen Spaß, sondern ebenso auch Johnny Cash, Joe Cocker, Ray Charles oder B.B. King werden nach meinem Empfinden sehr schön und facettenreich abgebildet.

Ein Fazit?! Ein Schlusswort?! Irgendwas muss noch an dieser Stelle her! Insgesamt hat der Einstieg in den Lautsprecherselbstbau eine Menge Spaß gemacht. Sei es handwerklich oder technisch, ich bin auf keinen Fall dümmer geworden ;-). Klanglich überzeugt mich das Preis-Leistungs-Verhältnis des Elip2 Bausatzes vollkommen. Ich bezweifle, dass ich zu einem Preis von ca. 310€ zwei Fertigboxen bekommen hätte, die einen solchen tollen Klang haben wie die Elip2. Den maximalen Pegel der Boxen habe ich übrigens bisher noch nicht ausgetestet, da meine Ohren vorher den Dienst quittierten. Schlussendlich bleibt festzuhalten, dass es eben doch möglich ist Boxen sein eigen zu nennen, die gleichzeitig „laut“ und „gut“ können.
Sebastian
Die Elip 2 gibt es als Bausatz bei Intertechnik oder Acoustic Design Wohlgemuth




