CeraBlue vom Markus
Beitrag von zu Lautsprecher Hans-Michaels CeraBlue
Lautsprecher selber bauen? Die dann auch noch klasse aussehen und klingen wie tongewordene Glückseligkeit? Das soll gehen, ohne jemals vorher Holz verarbeitet oder einen Lötkolben benutzt zu haben (mal abgesehen vom Werken-Unterricht in der Schule)? Leute, ich schreibe diesen Bericht, da ich die Frage nun mit einem „Ja“ plus Ausrufezeichen beantworten kann.
Ausgangspunkt dafür war, wie so häufig hier, der Wunsch nach einer Möglichkeit, die Leidenschaft Musik auf hochwertige Weise ins Wohnzimmer zu transferieren. Exzessives Recherchieren in einschlägigen Foren sowie auf Test- und Vergleichsportalen führte mich zwangsläufig zu lautsprecherbau.de und in Udo’s Hallen. Individualität, ausgefeilte Entwicklung, hohe Qualität, der permanent auftretende Lerneffekt und die anschließende Erfahrung, so etwas mit den eigenen Händen geschaffen zu haben, sind sehr verlockende Eigenschaften der hiesigen DIY-Projekte. Nach dem (nicht zu unterschätzenden) Besuch bei Udo war für mich dann auch recht schnell klar, dass es der erfrischende ETON- Keramik-Hochtöner (gehört in Princess und Phase) sein muss. Allerdings musste etwas Fülligeres her. Mit der CeraBlue bot sich dann die perfekte Kombination aus dem Volumen der BlueNote und der Frische des Hochtöners. Zwei Wochen später hatte ich dann auch das Paket mit der Technik zu Hause. Während dessen habe ich mir eine Liste mit den weiteren Bauteilen und notwendigen Werkzeugen gemacht. Bereits an dieser Stelle sei gesagt, dass das nicht günstig wird, wenn man fast nichts im Keller hat.
Den Holzzuschnitt für die Gehäuse (bis auf die Schallwände) hat Praktiker erledigt, der zu diesem Zeitpunkt einzige Baumarkt Rostocks mit 22 mm MDF im Repertoire. Der nette Herr am Zuschnitt belächelte meine Bitte „So exakt wie möglich!“ mit „Wir können nur exakt.“. „Wird sich zeigen“ dachte ich mir. Ich habe die Maße so angepasst, dass die Schallwände aufliegend verleimt werden können. Im Baumarkt gleich diverse Gerätschaften und Verbrauchsmaterial eingepackt und vorfreudig zurück nach Hause. Die Schallwände sollte mein Schreiner fertigten. Wenn man dort nur die Schallwände ordert, haben sie gleich die richtige Größe für die aufliegende Version. Das Verleimen des Gehäuses mit dem Fugenleim von Ponal benötigt eigentlich kein zusätzliches Verspannen der Klebestellen und funktioniert super, sobald die bereits halb angedickten Leimklumpen aus der viel zu alten Tube gedrückt waren (Hass!). Sicherheitshalber habe ich trotzdem mit Schraubzwingen gearbeitet. Auch weil der Praktiker-Zuschnitt doch nicht so exakt (aber ausreichend gut) war. Unebenheiten waren also auch zwischen den Verleimschritten anzupassen. Mit dem ausquellenden Leim können aufgetretene Spalte nachträglich gut verkittet werden, vor allem von innen. So wurde dann auch die Luftdichtigkeit des Gehäuses an den Klebestellen hergestellt. Ich empfehle allerdings, auf den Außenseiten sauber zu arbeiten, das verringert im Anschluss den Schleifaufwand! Die überstehenden Außenkanten habe ich nach dem Trocknen mit dem Schwingschleifer begradigt, die wenigen Unebenheiten mit dem Holzspachtel ausgebessert. Da ich ja noch furnieren wollte, waren möglichst glatte Übergänge angestrebt. Der Fingernageltest hat mich dann von guter Arbeit meinerseits überzeugt.
Während ich auf die Schallwände wartete und das restliche Gehäuse langsam Form annahm, habe ich mich auch mit dem Weichenbau beschäftigt. Ich habe je Gehäuse zwei Weichenteile angefertigt. Teil 1 enthält Hoch- und Mitteltöner, Teil 2 alles für den Tieftöner und die Impedanzkorrektur. Die Teilweichen habe ich mit Heißkleber auf 4 mm Acrylglas verklebt. Das Löten ging recht komplikationslos von der Hand. Weil ich auf Nummer Sicher gehen wollte, habe ich anschließend alle Verbindungsstellen mit einem Multimeter durchgemessen (maximal 0,6 Ohm). Udo hat dann zur Endkontrolle angeboten, ein paar kommentierte Fotos von meinen Weichen zu checken (Vielen Dank dafür!). Nach dem Go von Udo wurden die Acrylglas-Platten mit den Teilweichen auf den rückseitigen Gehäuseversteifungen verschraubt. So sind sie später durch die Tieftöner-Öffnung noch zugänglich und reversibel.

Nachdem die Lieferengpässe bei Speakerspace überwunden waren, kamen auch die noch fehlenden Schallwände. Sonofil-Matten einpassen und schon konnten die Schallwände auf der Lautsprecherfront aufliegend verleimt werden. Anschließend folgte wieder die Feinarbeit mit Spachtelmasse und Schwingschleifer.
Weiterhin wollte ich meine neuen Lautsprecher nicht als Matchbox-Lager für den zukünftigen Nachwuchs zur Verfügung stellen. Für die notwendigen Abdeckungen habe ich zwei Rahmen aus 10 x 20 mm 4-Kant-Kiefer-Stab gebastelt. Die den Chassis zugewandten Seiten habe ich vor dem Verschrauben und Verkleben der Rahmenstäbe mit dem Schwingschleifer angefast. Die Befestigung der Abdeckung auf der Schallwand sollte nicht sichtbar sein, so entschied ich mich für Neodym-Magnete. Vier Fixierpunkte pro Lautsprecher. Also acht Magnete á 4 x 6 mm pro Front. Die Abdeckung habe ich auf die Schallwände aufgelegt und fixiert und anschließend Löcher durch die Kieferstäbe bis in die Schallwand versenkt, 4 mm tief für die Magnete. Die Magnete einsetzen und den Sitz prüfen und dabei auf die richtige Polung achten. Nun konnten die Magnete in den Schallwänden und in den Abdeckungen mit Fugenleim verklebt und verspachtelt werden.
Anschließend habe ich auf den fertigen Kieferholz-Rahmen Akustik-Stoff aufgespannt und mit dem Tacker innenseitig befestigt. Und siehe da, eine tolle Abdeckung.


Nun kam das, wovor ich am meisten Respekt hatte: das Furnieren. Zumal die Chassis-Öffnungen schon in den Schallwänden von Speakerspace vorhanden waren. Ich wollte unbedingt Satin- Walnuss auf die Lautsprecher. Maserung und Farbe haben mich schon auf diversen Bildern überzeugt. Die Schilderungen von Christian im Bericht über den Bau seiner Sphäre stimmten mich optimistisch und so habe ich ebenfalls bei Schorn und Groh fleece n flex- Furnier geordert. Das Furnier ist vorgeschliffen und auf Wunschgröße geschnitten. Das rückseitig aufgeklebte Fleece erleichtert das Verarbeiten und schützt vor dem Brechen des flexiblen Furniers. Der Kontakt mit S&G war freundlich, ich habe vorher Fotos des Furniers einsehen können und im Nachgang kurzfristig Antworten auf alle meine Fragen bekommen. Das Furnier ist allerdings bedeutend teurer, auch der Versand schlägt ordentlich zu Buche.
Zum Aufkleben des Furniers fiel die Wahl auf Pattex Compact Kontaktkleber. Eine stinkende Angelegenheit, aber machbar (bitte nicht in belebten Räumen!). Die Konsistenz ist wie zähflüssiger Honig. Seite für Seite habe ich die Lautsprecherwand und den jeweiligen Furnierstreifen mit Kleber bepinselt (ich empfehle einen Flachpinsel, der durch die Öffnung der Dose passt).
Durch das notwendige Antrocknen (ca. 10 min) wird der Kleber berührungstrocken. Da der Kontakt von zwei kleberbestrichenen Flächen sofort haftet und schwer zu korrigieren ist, habe ich eine Pappe auf die angetrocknete, bepinselte Wand aufgelegt und darauf dann erst das bepinselte Furnier platziert. Achtung, die Pappe sollte nicht fusseln, die gehen nicht wieder raus! Furnier ausrichten und auf einer Seite mit dem Anpressen beginnen. Hier empfiehlt sich eine zweite Person zur Hilfestellung. Das Anpressen funktioniert hervorragend mit einer Andruckrolle. Stück für Stück die Pappe herausziehen und schön von innen nach außen andrücken. Nicht die Dauer sondern der Druck ist entscheidend. ACHTUNG an den Kanten, sonst knickt das Furnier schon beim Anpressen. Das gibt unschön gebrochene Ränder. Während der Kleber aushärtet habe ich mich dann der gleichen Wand des zweiten Lautsprechers gewidmet. Sobald der Kleber ausreichend angezogen war (ca. 20 min) habe ich das überstehende Furnier mit einem Cutter-Messer entfernt. Auch sehr einfach zu machen. Dabei allerdings etwa 1 mm stehen lassen. Der wird dann mit dem Schleifklotz sauber abgeschliffen. Das Ergebnis ist, wie soll ich es sagen, PERFEKT! Die Kanten sehen aus wie aus dem Laden!


Auch die Chassis-Öffnungen lassen sich mit dem Cutter einfach herausschneiden. Dank des Fleeces bricht oder reisst das Furnier nicht so schnell. Erst Kreuzförmig einschneiden und dann die Viertel heraustrennen. Wer vorsichtig und gewissenhaft arbeitet wird belohnt.

Fürs Finish habe ich das Furnier mit Hartöl behandelt. Das Hartöl feuert die Maserung schön an und gibt eine relativ robuste, griffige Oberfläche. Übrigens, das Hartöl benebelt nicht und riecht weniger streng, dünstet aber dafür bedeutend länger aus als der Kleber.
Zum Schluss noch die Chassis angelötet und eingebaut und die Funktion der Frontabdeckung geprüft. Fazit: alles passt und die Lautsprecher sind eine Augenweide geworden.

Also aufstellen und anschließen an die neue Röhre (Cayin Lyric Ti60). Und was soll ich sagen, eine Ohrenweide sind sie auch. Der kristallklare, frische Hochtöner, der allzeit präsente, mit Leichtigkeit aufwartende Mitteltöner und der volle, knackige Bass machen ihre Sache hervorragend. Plötzlich höre ich, welche Aufnahmen wirklich gut sind. Scheiben wie Toward the Within von Dead Can Dance, Stockfisch-Platten (z.B. Steve Strauss) oder Queensryche bringen ungeahnte Musiklandschaften ins Wohnzimmer. Andere wiederum enthüllen erst jetzt die vergleichsweise schwache Aufnahmequalität. Man sei sich dessen bewusst!
Ich bin überaus zufrieden und stolz wie Oskar auf mein Werk. Ich kann jedem mit dem Wunsch zum Lautsprecherselbstbau nur raten anzufangen, solange er nicht zwei linke Füße an den Handgelenken hat. Die Hürden sind machbar, gerade auch durch die großartige Vorarbeit und Kompetenz von Udo sowie die geballte Beratungsbereitschaft hier im Forum.
Zu guter Letzt noch die Liste der angefallenen Ausgaben alles inklusive (in Euro):
| Paket von Udo |
1060 |
|
Gehäusematerial + Zuschnitt |
120 |
|
Furnier |
180 |
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Verbrauchsmaterial (Leim, Spachtel, Kleber, Öl…) |
70 |
|
Werkzeug (Lötkolben, Klebepistole, Tacker, Andrückrolle, Schleifklotz, Pinsel…) |
60 |
|
Gummifüße, Akkustikstoff |
20 |
|
|
|
|
Summe |
ca. 1510 |
Schrauben für den Rahmen, Cutter-Messer und Schleifpapier hatte ich tatsächlich noch im Keller.
Markus
Die "CeraBlue" kannst du bei Acoustic Design Wohlgemuth oder Intertechnik erwerben




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