Das hat man dann davon ...
Erst kürzlich war ich zu Besuch bei David, einem guten Bekannten, den ich lange nicht gesehen hatte. Weil der Gastgeber seinen Gast üblicherweise gut unterhalten möchte, legte er Musik auf. Meinen verwöhnten Ohren fiel es schwer, sich auf die Musik zu konzentrieren. Über die alten Plattenspielerboxen meines Bekannten, die zwar besser sind als so manche Neuware, konnte ich sein Urteil, da sänge ein Ausnahmesänger, nicht wirklich nachvollziehen. Seitdem ich zuhause nur noch Bluesklasse höre, mache ich mir nicht mehr die Mühe, verkrampft hinzuhören, um das Gesungene bzw. Gespielte zu verstehen. Ich bot an, ihm neue Lautsprecher zu bauen. Aus Platzmangel sollten sie schlank werden, der Preis spielte eine eher untergeordnete Rolle. Außerdem sollten sie sich von klassischer Musik auf CD oder Schallplatte nicht beeindrucken lassen. Spontan kam mir die Symphony 5 mit Eton Bestückung in den Sinn. Die läßt sich sicher vorzüglich als schlanke Standbox ausführen, dachte ich. Abends sah ich mir deshalb den Bauplan genauer an.
Gehäuseplanung und Bau
Ich habe die Schallwand 3 cm schmaler auf 17cm Breite reduziert, dafür auf 1m Höhe gestreckt. Um das Bassgehäuse nicht unnötig zu vergrößern, beschloss ich, es nur 90cm hoch zu bauen. Hochtöner brauchen ja kein Gehäuse, vielmehr bringen sie es schon mit. Außerdem wurde das Gehäuse 16cm breit, d.h. die Schallwand steht auf beiden Seiten 0,5cm über und hebt sich damit wunderbar ab. Ein Brettchen verschließt unterhalb des Bassreflexrohrausschnittes die Box. Das Volumen blieb damit
nahezu identisch zum ursprünglichen Gehäuseplan. Insgesamt ist die Box 21cm tief. Zur Betonung des Hochtöners fräste ich kurzerhand einen Halbkreis im 7cm Radius oben um ihn herum. Damit die Kabeldurchführungen von hinten nicht sichtbar sind, verschließt ein 10x10cm Brettchen seine Rückseite.
Um mir viel Arbeit zu ersparen, benutzte ich dieses Mal schwarz durchgefärbtes MDF. Lediglich die Schwallwände bekamen eine furnierte Oberfläche. Genug Tineo vom Kera 360.2-Bau war noch vorhanden. So verklebte ich die Gehäuse auf Stoß und nahm mir die Schallwände getrennt vor, furnierte diese auf der Vorderseite und brach die Kanten mit einem 2mm Radius Abrundfräser. So verfuhr ich auch mit allen anderen Kanten des Gehäuses. Bevor ich die Chassisversenkungen fräste, klebte ich die Gehäuse auf die Schallwände. Nach reiflicher Überlegung blieb ich bei meinem bewährten Hartölfinish. Die Front bekam 3 dünne Schichten mit Zwischenschliff. Das MDF Gehäuse wollte schon eine Schicht mehr haben, dafür spiegelt es nun seidig glänzend und ist beinahe schwarz geworden. Nur direkte Sonneneinstrahlung entlarvt die Gehäuse als nicht lackiert.
Einbau der Komponenten und Klang
Nach der Fertigstellung fuhr ich zu Udo, um die Bausätze abzuholen. Beschwingt von der SB240, die ich mir dort anhören konnte, trat ich den Heimweg an und machte mich sofort an die Weiche. Die Bauteile nach Bauplan auf Brettchen verbinden und die Verbindungen verlöten war schnell erledigt, Löcher in die Gehäuse vorbohren auch, Dämmmaterial zusammenrollen und durch die Bassöffnung einziehen sowieso. Trotzdem vergingen 5 Std. bis ich die Lautsprecher verkabeln konnte. Das Bassreflexrohr fehlte noch, nach 22 Uhr konnte ich das leider nicht mehr reinklopfen. Was ich hörte war schlank, aber so klar und unaufdringlich wie ich das von meinen anderen Lautsprechern, Kera 360.2 und SB18, kenne. Am nächsten Tag schlug ich mit Brettchen und Hammer kontrolliert das Bassreflexrohr in den Ausschnitt und dann war sogar so etwas wie Tiefbass zu vernehmen.
Nach 3 Tagen Einspielzeit wurden sie ihrer Zugehörigkeit zur Bluesklasse gänzlich gerecht. Boxen sind praktisch nicht mehr da, es gibt nur noch eine Bühne, die je nach Aufnahme mal kleiner, mal größer und gut ausgeleuchtet ist. Auf ihr stehen realistisch abgebildet Instrumente und Sänger/innen und wenn bei Live-Aufnahmen das Publikum die Darbietung beklatscht, ist auch der leiseste Buhruf von den schlechtesten Plätzen nicht zu überhören. Gehört fehlt in den unteren Frequenzbereichen nichts, gefühlt konstruktionsbedingt schon. Aber da sich im unteren Bassbereich musikalisch sowieso nicht allzuviel abspielt, ist eher der große Vorteil hervorzuheben, dass diese Boxen nicht sehr aufstellungskritisch sind. Auch können sie so leise gedreht werden, dass man eher sich selbst atmen und den Nachbarn schnarchen hört, als irgendetwas auf der Aufnahme zu verpassen. Hervorragend.
Und was sagt David dazu?
„Du hast mir die Callas ins Haus geholt!“
Danke Udo, Deine Lautsprecher erwecken längst Verstorbene zum Leben. Was will man mehr?
Matthias
Die Symphony 5 kannst du bei Acoustic Design Wohlgemuth oder Intertechnik bestellen
Hey Matthias,
da hat David aber was feines bekommen! Irgendwie etwas "saloonig" ;) Ich will meine SB36 auch mit Tineo furnieren und Öl-Wachsen. Die Oberfläche sieht wirklich super aus, gerade vom Glanz. Aber sie ist sehr "braun" und hat nicht diesen rötlichen Touch, den ich an Tineo so mag.
Liegt das an der Endbehandlung, die so sehr nachdunkelt (was bei dem schwarzen MDF super aussieht!), oder war das Formier vorher schon so? Hast du vielleicht ein Bild der unbehandelten Oberfläche, die du irgendwo hochladen könntest?
Danke, Grüße und Glückwunsch zu den schönen Lautsprechern (ich denke ihr werdet euch in Zukunft wohl wieder öfter sehen! ;) ),
Yannick
Hallo Yannick,
ja, danke, ich hätte sie auch sofort behalten.:) In Wirklichkeit ist es ein tiefes Orange. Das scheint für viele Bildschirme eine schwierige Farbe zu sein. Dieses Blatt ist dunkler als das meiner SB18. Die geht tatsächlich mehr ins Rötliche. Mit einem Bild unter Tageslicht kann ich nicht dienen. Kunstlicht verfälscht ungemein. Das ist ja das Schöne an Furnier, jeder Baum ist anders. Das Öl hat das Blatt jedenfalls nicht braun oder brauner gemacht. Ich hoffe, ich konnte Dir helfen.
Gruß
Matthias
Hallo Matthias,
ja danke, das hilft mir sehr! Genau der letzte Satz war, was ich wissen wollte, sonst hätte ich doch noch mal über Lack oder sonst was nachgedacht.
Schönen Abend noch
Yannick
hmm,
erstmal gratulation zu einem sehr gelungenen projekt.
ob mich diese box der lösung meines problems näher bringen kønnte? ich habe zwei sonus faber im wohnzimmer stehen, opfer einer defekten endstufe, seas-tieftöner durchgebrannt und nicht mehr zu ersetzen. (ich wohne in oslo, also eigentlich an der seas-quelle ;<)
Also flucht nach vorne und neu bestücken, der holzkorpus ist ja wunderschön!
die inneren ausmasse der souns sind 21x15x28 cm d.h. 8.8 liter. doch etwas kleiner als die symphonie 5 mit 10.5 liter.
aber die beschreibung von klang und charakter passt, es wäre zu schön wenn das ginge.
Udo, was meinst du dazu?
Hallo Harald,
wo warst du am Freitag, als ich an deiner Haustür vorbeiging? Naja, bei dem tollen Wetter hat dich wohl nichts zu Hause gehalten und du hast einen schönen Tag im Skulpturenpark verbracht ;)
Die Symphony 5 kannst du auch in etwas weniger Volumen unterbringen. Für die nahezu gleiche Abstimmung musst du das Reflexrohr auf 20 cm verlängern.
Gruß Udo
Freitag, lass mich nachdenken... du hast dich doch bloss schnell hinterm Regenschirm versteckt, als ich im Park an dir vorbeiradelte.
Du hattest bloss Sorge, ich käme mit Vorwürfen, dass Du keine der Boxen mitgebracht hast, um die ich Dich gebeten hatte!!
Aber Spass beiseite, wie soll ich in dem kleinen häusschen 20cm basskanal unterbringen? ich dachte die røhre nach hinten zu verschliessen und und den Kanal unter die neue Schallwand zu setzen. aber 20 cm in 21cm tiefe?
Gruss / hjertlig hilsen Harald
Hallo Harald,
da scheinst du den Tag zu verwechseln, am Freitag hatte niemand einen Regenschirm mit. Ich war nur ständig von meiner Kamera verdeckt ;)
Wenn du die Öffnungsfläche auf 15 cm² reduzierst, muss der Reflexkanal 14 cm tief werden.
Gruß Udo
Hallo Matthias,
Du hast genau all die Lautsprecher, über die ich nachdenke: Kera 360.2, SB 18 und Symphony 5.
Welchen würdest Du mir als Säule im 35 qm Wohnzimmer empfehlen?
Reicht der SB 18?
Viele Grüße,
Niels
Hallo Niels,
es kommt darauf an, wie wichtig Dir ein gefühlter Bass ist. Mir reicht z.B. eine eher schlanke Wiedergabe vollkommen aus. Außerdem sitze ich maximal in 2,5m Abstand vor den Lautsprechern. In Deinem Raum ist vielleicht mehr Box besser, nicht zuletzt weil es geht.;) Es macht schon Spaß vor den SB240 zu sitzen und einen 2m² E-Bass vor sich zu "sehen". Ob Dir Eton oder SB besser gefallen, kann ich Dir nicht sagen. Auch sind Kera und Symphony 5 klanglich sehr unterschiedliche Boxen. Jedenfalls möchte ich weder die Eton, noch die SB vermissen. Wenn möglich, fahr zu Udo!
Gruß
Matthias
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