Was ist das Schwierigste beim Selbstbau von Boxen? Nachdem ich in meine SB 417 etwa 30 Stunden Arbeit gesteckt habe und mit dem Ergebnis zumindest von der klanglichen Seite ziemlich begeistert bin, komme ich nun der selbst gewählten Pflicht nach, meine Erkenntnisse aus dem Projekt in Textform zu bringen. Dabei stellte ich fest, dass mir alles Handwerkliche bedeutend leichter von der Hand gegangen ist, als einen Text darüber zu verfassen, mit dem ich halbwegs zufrieden bin. Ich habe es trotzdem gemacht und hoffe, dass Euch vielleicht die eine oder andere meiner Erfahrungen bei Euren eigenen Projekten hilfreich ist. Vorweg möchte ich sagen, dass ich jederzeit wieder einen von lautsprecherbau.deuml;tzen realisieren würde, was zum einen am famosen Klang der Boxen, nicht zuletzt aber an der tollen Unterstützung durch Udo liegt, weswegen ich diese Seite und die Bauvorschläge von www.lautsprecherbau.de jedem HiFi-Freund nur wärmstens ans Herz legen kann. Doch von Anfang an:
Welcher Bausatz darf es denn sein?
Nachdem ich einige Selbstbauseiten durchforstet hatte, gab mir ein Kollege den Hinweis, doch einmal auf Lautsprecherbau.de vorbeizuschauen. Dort las ich mir zunächst ein paar Baubeschreibungen durch und stellte fest, dass insbesondere fachliche Fragen sehr schnell und kompetent beantwortet wurden, was ich sehr sympathisch fand. Außerdem wurde immer mal wieder erwähnt, dass man sich die Boxen auch in Udos Laden anhören könne. Bei meinem Kollegen, der selbst die Axis 85 gebaut hatte, hatte ich diese bereits probehören können und war vom Klang schon beeindruckt gewesen. Dennoch interessierte mich, welchen Klang Boxen der vielbeschworenen "Bluesklasse" zu bieten hatten. Ich schrieb daher Udo eine E-Mail und fragte nach, ob ein Probehören möglich sei. Bereits am selben Tag hatte ich eine Antwort von ihm, in der er mir einen Termin vorschlug. Anderthalb Wochen später machten wir uns von München auf nach Bochum, ohne zu wissen, was uns dort erwartete.
Laut Udo variierte die Auswahl der Boxen in seinem Laden ständig, somit sei es nicht möglich, vorab verlässlich zu sagen, welche Boxen zum Anhören zur Verfügung stehen würden. Das war mir egal, denn die Duettas würden sicher da sein. Und ich war auch bereit, diese Bausätze zu kaufen, wenn mich der Klang überzeugen würde. Ansonsten hatten die Klangbeschreibung der SB 240 und der gerade neu ins Programm gekommenen SB 417 mein Interesse geweckt. Bei den SB 417 gefiel mir insbesondere, dass diese laut Udos Beitrag auf Lautsprecherbau.de rein fürs Stereo-Hören entwickelt wurden. Das entsprach meiner Philosophie von Musikhören: Ich besitze einen Verstärker mit analogen Eingängen, als Quelle einen CD-Player, Surround halte ich für überbewertet - was gab es da Passenderes als genau dieses Boxenpaar?
In Bochum angekommen, wurden wir von Udo erst mal herzlich begrüßt. Für den äußerst angenehmen Nachmittag möchten wir uns auch an dieser Stelle noch einmal bedanken! Selten trifft man jemanden, der sich so um seine Kunden kümmert, ohne zu wissen, ob man überhaupt etwas bei ihm kauft. Während der ganzen Zeit saß er bei uns und fachsimpelte mit uns nicht nur über HiFi und Musik, sondern auch über ganz andere Themen. Es stellte sich heraus, dass neben den Duettas tatsächlich auch die beiden SB-Acoustics-Bausätze im Laden standen, die ich ins Auge gefasst hatte. Die anderen ebenfalls von weither Angereisten waren vor allem an den Duettas interessiert und nach kurzer Zeit von Udos Lieblingsboxen zweifelsfrei überzeugt. Danach kamen die SB 417 dran und wurden noch etwa zwei Stunden lang von mir mit Ike&Tina Turner, Iron Maiden und Hubert von Goisern gequält. Ich hatte nicht erwartet, dass die SB 417 auf Augenhöhe mit den Duettas spielen würden, doch das taten sie nach meinem Empfinden. Zum Vergleich hörte ich mir noch einmal die Blue Note an, die in meinen Ohren nur minimal besser klang als die SB 417. Die SB 240 hingegen spielte etwas luftiger als die SB 417, was mir die Entscheidung nicht einfach machte. Schließlich fand ich dann doch, dass mir 120 Liter einfach zu groß waren, da die SB 417 mit dem halben Volumen nahezu denselben Klang boten. Also bestellte ich ein paar Tage später zwei SB-417-Bausätze, die postwendend geliefert wurden. Auch mein Sonderwunsch an Udo, noch 2 x 30 m Kabel (H07/V-K) für die Herstellung von Boxenkabeln beizulegen, wurde dabei berücksichtigt. Jetzt wollten die Bauteile nur noch richtig verdrahtet und ein ein passendes Gehäuse eingesetzt werden, und dem Hörgenuss stand nichts mehr im Wege.
Das Handwerkliche
Um mich als Schreibtischtäter schon mal für die handwerklichen Arbeiten in Stimmung zu bringen, begann ich erst mal damit, aus dem H07/V-K vier Boxenkabel zu flechten (jeweils 3 Adern pro Box pro Pol zu einem Zopf geflochten). An meine alten Boxen angeschlossen, zeigte sich bereits eine deutliche Verbesserung des Klangs (sauberer Bass, mehr Details) gegenüber den vorher verwendeten Standard-Boxenkabeln. Als nächstes begann ich, die Frequenzweichen zu löten. Dazu befestigte ich die Bauteile mit Kabelbindern auf zwei Kunststoffplatten, die ich beim Elektronikhändler erworben hatte und verdrahtete diese mit dem Kabel, das dem Bausatz beilag. Nachdem ich eine der Weichen fertig hatte, schickte ich Udo ein Bild, der mir die Konstruktion innerhalb kürzester Zeit freigab. Mit einem guten Gefühl baute ich die zweite Weiche genauso auf.
Beim Verlöten der Bauteile empfiehlt es sich, eine dritte Hand zu haben. Glücklicherweise hatte ich diese beim Elektronikladen auf Verdacht einmal mitgenommen, die fünf Euro sollten sich als eine hervorragende Investition erweisen. Mehr als das - ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie ich die Lötverbindungen sonst hätte hinkriegen sollen. Für die Zuleitungen zwischen den Polklemmen und den Frequenzweichen hatte ich mir vergoldete Lötfahnen aus dem Car-HiFi-Bereich gekauft. Laut Internet-Erfahrungsberichten sei es nahezu unmöglich, diese an ein Kabel zu löten. Nach meiner Erfahrung stimmt das überhaupt nicht: die Lötfahne horizontal mit der einen Klemme dritten Hand fixiert, das Kabel in der Lötfahne mit der anderen Klemme passend ausgerichtet, braucht man nur noch den Lötkolben an die Lötfahne zu halten, bis diese heiß genug ist, dann Lötzinn an die Öffnung halten, bis die Verbindung hergestellt ist, nach ein paar Sekunden den Lötkolben weg und fertig. Noch nicht einmal anschmirgeln musste ich die vergoldete Oberfläche dafür.
Nun ging es an die Holzarbeiten. Doch bevor die Platten passend zugeschnitten im Baumarkt erworben werden konnten, musste zunächst das Gehäuse im Groben konstruiert werden. Nach ein paar Stunden Herumspielerei mit Google Sketchup entschied ich mich dafür, die Seitenteile aus 30 mm dickem Birke-Multiplex zu bauen, die ich anschließend beizen wollte. Auch den Deckel, das Reflexbrett und den Boden wollte ich aus 18 mm dickem Birke-Multiplex herstellen. Die Front hatte ich aus 19 mm dickem MDF konzipiert, ebenso die Rückwand. Vom Aufbau her sollten Deckel, Boden und Reflexbrett sowie Front und Rückwand zwischen die Seitenteile gesetzt werden. Zum einen ergibt sich durch die durchlaufenden Vertikalen eine gefälligere Optik, zum anderen war das Gehäuse so einfacher zu verleimen. Um der Schreinerehre Genüge zu tun, verwendete ich Lamellos als Verbindungsmittel.
Die Holzarbeiten habe ich im Haus der Eigenarbeit in München durchgeführt. Dort gibt es nicht nur eine voll ausgestattete Holzwerkstatt mit Hobelbänken, haufenweise Schraubzwingen, Fräse und Formatkreissäge, sondern auch eine kompetente, sehr freundliche und tatkräftige Unterstützung durch einen ausgebildeten Schreiner. Das Verleimen der Gehäuse hätte ich alleine wohl kaum so gut hinbekommen. In der Hektik vergaß ich bei einer Box zunächst die Versteifungen, die ich dann nachträglich einleimen musste. Dankenswerterweise erinnerte mich Thomas, der Schreiner, vor dem Verleimen der zweiten Box daran, die Brettchen wenigstens dort rechtzeitig einzulegen. Nachdem die Gehäuse fertig waren, haben wir an der Tischfräse noch die seitlichen Fasen angebracht (wollte ich unbedingt haben, sieht man aber kaum).


Anschließend belud ich mein Auto mit den Gehäusen, um zuhause das Finish zu machen. Im Haus der Eigenarbeit besteht leider keine Möglichkeit, Lackierarbeiten durchzuführen, so entschied ich mich, das Ganze in meinem Kellerabteil stattfinden zu lassen. Falls jemand auf die Idee kommt, im Freien zu lackieren: Kann man vergessen, beim geringsten Luftzug trocknet der Lack nicht gleichmäßig aus und wird fleckig, wie ich bei Probelackierungen festgestellt habe.
An Birkensperrholz hatte ich verschiedene Beizen ausprobiert, um das Zusammenwirken gebeizter und lackierter Oberflächen zu testen. Ich entschied mich für die Birnbaum-Beize und eine weiße Front. Zuerst beizte ich die Seiten, den Deckel, Boden und das Reflexbrett. Als die Beize trocken war, klebte ich die Holzteile ab, um die Front lackieren zu können. Damit begann das Desaster: Da MDF sehr saugfähig ist, bestrich ich die Front mit MDF-Grund. Diesen sollte man UNBEDINGT ganz austrocknen lassen, bevor man ihn schleift - ansonsten besteht die Gefahr, die Grundierungsschicht mit dem Schleifpapier wieder komplett wegzureißen. Und genau: Wie der letzte Satz es andeutet, ist mir genau das passiert. Nach dem Austrocknen der Grundierung begann ich, den Lack aufzusprühen. Blöderweise hatte ich einen Sprühkopf erwischt, der nur einen sehr schmalen Sprühkegel produzierte - ein flächiges Lackieren war damit nicht möglich, stattdessen produzierte ich lauter Lack-Rotznasen, die sich nur dürftig wegschleifen ließen. Also nochmal in den Baumarkt und einen Sprühkopf gekauft, mit dem man wenigstens flächig lackieren konnte. Nach dem Austrocknen des Lacks habe ich dann die Abklebung abgezogen - später habe ich mir sagen lassen, dass man das bereits direkt nach dem Lackieren macht, damit die Lackschicht nicht einreißt an den Kanten - was sie bei mir getan hat.

Das Positive ist immerhin, dass ich nun weiß, was man alles nicht machen sollte. Mit dem Ergebnis bin ich dahingehend zufrieden, dass man aus der normalen Hörentfernung die Fehler nicht sieht. Schlimmer wäre es für mich gewesen, wenn der Lack perfekt und der Klang sch...lecht gewesen wäre, aber zum Glück ist es genau anders herum ausgegangen. Und von der Couch aus sehen die Boxen ja ganz OK aus.


Und wie klingen die Dinger?
Bluesklasse! Man muss es gehört haben, um zu verstehen, was mit diesem Begriff gemeint ist. Aber nach dem ersten Anspielen der Ike&Tina-CD mit einer Aufnahme von 1973 war mir klar, dass genau das die Bluesklasse ist. Es hat mir noch nie soviel Spaß gemacht, Musik zu hören. Natürlich können auch diese Boxen aus einer schlechten Aufnahme keine gute machen, aber eine gute Aufnahme vorausgesetzt, ist der Klang wirklich eine Offenbarung: man hört sehr viele Details, die Instrumente klingen ganz natürlich und an keiner Stelle hat man das Gefühl, dass da irgend etwas komisch klingt. Alles, was den Boxen angeboten wird, spielen sie mühelos ab und spielen dabei genau das, was auf der Aufnahme drauf ist - nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Was mir besonders gefällt, ist, dass sie bereits bei Zimmerlautstärke eine beeindruckende Detailvielfalt zeigen. Der Bassbereich ist dabei immer präsent und dank der 1,25 hohen "Bass-Wand" auch bei niedrigen Pegeln immer noch knackig, wenn andere Boxen schon längst keine Bässe mehr abspielen. Um einen Freund zu zitieren: "Eine ganz andere Autorität", dem kann ich nur zustimmen. Dabei erzeugen die Hochtöner immer genau die passende Lautstärke und wirken nie dominant.
In einem Kommentar zu einem anderen Baubericht nannte jemand die Boxen "Big Smile". Dem kann ich mich nur anschließen. Danke, Udo, dass ich jetzt jedes Mal ein Lächeln auf den Lippen habe, wenn ich Musik höre!
Andreas
Die SB 417 kannst du bei Acoustic Design Wohlgemuth oder Intertechnik bestellen
Sehr schön - und schön geschrieben.
Viel Spaß und Genuss mit Deinem Werk!
Tolle Arbeit!
Viel Spaß damit ;-)
Könntest du vielleicht noch ein bisschen auf den vergleich SB417 / SB240 eingehen? Wär klassen! Danke!
Gräße Max
Hallo Andreas,
sehr schöne Umsetzung vom Gehäuse mit Lack u. Beize. Viel Spass mit Deinem "Big Smile"
Gruss Detlef
Hallo Max,
da kann ich eigentlich gar nicht so viel dazu sagen, denn ich habe die SB 240 nur ganz kurz mit einem oder zwei Songs vergleichend zu den SB 417 gehört - mir schienen beide einen recht ähnlichen Klang zu haben, wobei die SB 240 noch einen minimalen Tick entspannter und luftiger gespielt hat. An eine Aufnahme kann ich mich noch erinnern, das war ein Livekonzert, das erschien mir auf den SB 240 noch ein klitzekleines bisschen räumlicher, aber da waren die SB 417 auch schon sehr gut.
Ich hoffe, das hat ein bisschen weitergeholfen ;-)
Gruß, Andreas
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