Das Auge hört mit
Martin’s Eton 2u XXL
Meine gut zwei Jahrzehnte alten, sehr großen Selbstbauboxen waren damals ein beliebtes und oft gebautes Modell. Bei eher wandnaher Aufstellung verstärkten ihre auf der Rückseite liegenden Reflexöffnungen den Bassbereich ungünstig. Die Hochtöner traten relativ scharf und laut hervor und die Abstimmung zwischen den Mittel- und Hochtonkalotten ließ auch zu wünschen übrig. Nachdem ich in diesem Jahr schon eine Vorstufe und Klasse-A Monoblöcke nach Schaltungen von Nelson Pass gebaut hatte, waren neue Lautsprecher einfach das logische nächste Projekt.
Was die Maße betrifft, war downsizing angesagt. Sogar die BlueNote, an die ich zuerst dachte, wäre bereits kleiner gewesen. Schließlich wählte ich die noch schlankeren Eton2u XXL. Sie würden für meinen Wohnraum ausreichen und mit ihrer geringeren Nennimpedanz besser zu den exzellenten, aber nur 40W an 4 Ohm leistenden, F5 Endstufen passen.
Von den neuen Lautsprechern erwartete mir, dass die Qualität dieser Elektronik vollständig zur Geltung kommt, sowie besonders viel Transparenz und eine superbe Hoch- und Mitteltondarstellung - natürlich auch beim Leisehören. Später, während des Baus zweifelte ich irgendwie doch an meiner Entscheidung. Diese Siebzehner schienen mir ziemlich klein zu sein. Das dürfte wohl nur einen schwachen Bassbereich geben…
Optisch und akustisch besonders hochwertige Boxen zu bauen, war mein Ziel. Die Qualität der technischen Komponenten schien gesichert, Optimierungsmöglichkeiten sah ich beim Gehäuse. Eine sehr schwingungsarme Ausführung der Seitenwände als Sandwichkonstruktion MDF und Schiefer schien mir zielführend zu sein. Daher verbaute ich nur 8mm dünne MDF-Seitenwände und hatte während der Bauphase den Vorteil einer leichten, handlichen Box. Im fertigen Zustand sollten dann schwere, 30mm dicke Schieferplatten die Gehäuseresonanzen an den recht großen Seitenflächen nahezu völlig unterbinden. Dickere Schallwände mit innen angefasten Ausschnitten für die Chassis wären eine weitere Verbesserungsmöglichkeit gewesen. Da die Schallwände und die Rückwände aber relativ schmal sind, denke ich, dass sie ohnehin wenig vibrieren. Die seitlichen Steinplatten wirken auf sie wie eine dämpfende Einspannung. Die Seitenwände wurden letztlich doppelt so dick wie in der Originalkonstruktion. Durch das dünne MDF konnten trotzdem schöne Proportionen erzielt bzw. erhalten werden. Einer Verbreiterung der Schallwand wurde mittels 45° Schnitt entgegengewirkt, eine Maßnahme die auch der Optik sehr zugute kommt. Die Arbeiten begannen mit der Konstruktion und Herstellung von Platinen für die Weichen. Diese fertigte ich mittels einer CNC-Gravierfräsmaschine an. Die Platinen für die Weichen fräste ich aus FR4 Epoximaterial mit 70µm Kupferauflage. Nach dem Bestücken der Platinen wandte ich mich dem Bau der Gehäuse zu.
Die MDF-Platten ließ ich in einem Fachgeschäft auf einer großen CNC-Plattensäge präzis zuschneiden. Die Schallwände habe ich auf einem CNC-Router angefertigt. Wichtig ist, Holzstaub beim Fräsen ist immer sofort abzusaugen. Wenn er in die Linearführungen einer Maschine gelangt saugt er Öl auf, quillt und kann dadurch Schwergängigkeit verursachen.
Um Mikrovibrationen zu vermeiden beklebte ich die Innenseite der Box vollständig mit Filz geringer Dicke. Dafür verwendete ich Sprühkleber. Eine Schutzmaske mit Aktivkohlefilter ist hierbei obligatorisch. Die Filzstücke für die zweite Seitenwand sollte man noch vor dem Verleimen der Box zuschneiden. Durch die große Öffnung für das Terminal war das Verkleben der Filzzuschnitte leicht zu bewerkstelligen. Was diese einfache Dämmungsmaßnahme bewirkt, kann man durch Anklopfen des Gehäuses mit dem Finger schnell erkennen. Im Vergleich mit einem nicht gedämmten Gehäuse hört man ein deutlich anderes Timbre.
Für die Anschlussterminals fräste ich stabile 4mm Aluplatten aus, welche auf der Rückseite die Frequenzweichen tragen. Dadurch ist auch später ein problemloser Zugang zur Weiche sichergestellt. Hierbei war darauf zu achten, dass die Spulen mit ihren Achsen parallel und in einigem Abstand zum Alublech positioniert werden, da sonst ihre Induktivität deutlich verändert wird. Auswirkungen auf den Frequenzgang wären die Folge. Nicht immer stehen einem alle nötigen Informationen gleich zu Beginn eines Projekts zur Verfügung. Auf den Bildern sieht man, dass ich hier später nachbessern und die Lage der großen Drossel verändern musste. Alle Spulen sollten grundsätzlich mit jeweils 90° zueinander stehenden Achsen angeordnet werden. Auch große Abstände untereinander helfen induktive Kopplung und Übersprechen zu verringern. Weichen montiert man bei Standboxen am besten auch in einiger Entfernung von den starken Magnetfeldern der Chassis. Die große Bassdrossel lagerte ich auf die Unterseite eines Verstärkungsbretts aus, wo sie mit Epoxidharz und Kabelbinder befestigt wurde. Ihre Anschlussdrähte wurden durch Bohrungen im Brett nach oben geführt.
Die Weichen wurden vorverkabelt solange die Gehäuse noch offen waren. Für die Innenverkabelung wählte ich Van den Hul „The Snowline“ Kabel. Wenn man Monoblöcke betreibt, genügt außen ein halber Meter Lautsprecherkabel, während in der Box selbst etwa 2,5m verbaut werden. Die Weiche sitzt so effektiv näher bei den Endtransistoren als bei den Chassis.Die sichtbaren Flächen furnierte ich in Palisander. Die Furnierblätter waren breit genug für die jeweiligen Flächen, sie wurden für eine Box gewendet, um ein symmetrisches Erscheinungsbild der Fronten zu erreichen. Die Bügelmethode verursachte keinerlei Probleme. Das spröde Furnier brach aber an Kanten recht leicht aus, immer wieder musste ich kleine Stellen nachbessern. Den Feinschliff und die Lackierung führte ein befreundeter Tischler durch. An dem viele Jahre abgelagerten Furnier traten durch das Lösungsmittel des Lacks Öle aus dem Holz an die Oberfläche. Dieser Effekt wird als „Ausbluten“ bezeichnet. Letztlich war ein glänzender Lack nicht möglich und die Oberfläche wurde fein geschliffen und geölt. Probleme dieser Art könnte man mit wasserlöslichen Lacken völlig vermeiden.
Das Zuschneiden der Schieferplatten erledigte dankenswerterweise meine Frau. Das Arbeiten mit der riesigen Brückensäge bereitete der gelernten Goldschmiedin offensichtlich großes Vergnügen und die Ergebnisse waren perfekt. Die Schnittflächen schliff ich mit 320er Wasserschleifpapier glatt und brach die Kanten. Als Finish erfolgte ein Einlassen mit Farbtonvertiefer. Das Gewicht einer Seitenplatte liegt bei 23,7 kg.
Eine angenehme Arbeit war der Einbau der Weichen, das Bedämpfen und das Bestücken der Box. Am Kabel des ER4 musste ich für eine sichere Zugentlastung sorgen. Ein Stück Leiterplattenmaterial wurde in zwei Lötflächen aufgeteilt und mit Bohrungen vorbereitet. Nach dem Verlöten der starken Zuleitung und der dünnen Anschlusskabel wurde die kleine Platine einfach hinten an das Gehäuse des ER4 geklebt. Die Auflageflächen für die Chassis wurden mit einem kompressiblen Schaumstoffmaterial beklebt um Luftdichtheit zu erzielen. Das Verkleben der Schieferplatten erfolgte als letzter Arbeitsschritt mittels elastischen Klebstoffs aus der Kartusche.Ein Lautsprecher wurde ohne die Schieferplatten Probe gehört. Das interessierte mich, weil ich die Qualität der Dämmungsmaßnahme an den Seitenwänden feststellen wollte. Verglichen mit einer schon fertigen Box schien der Lautsprecher ohne die Schieferplatten etwas lauter und auch mit etwas anderem Klangcharakter zu spielen. Verursacht wurde dies durch fühlbare Schwingungen der großen Seitenwände. Klar, nur 8mm MDF, das ist viel zu dünn. Die Verstärkung und Beschwerung der Seitenwände haben der Wiedergabequalität jedenfalls hörbar gut getan. Besonders der Bass hat an Präzision gewonnen und insgesamt hat der Klang mehr Substanz. Ein fertiger Lautsprecher bringt 65,6 kg auf die Waage. Die Treiber sind quasi fest eingespannt und haben daher optimale Arbeitsbedingungen. Die solide Ausführung scheint sich in einem klaren, stabilen und unerschütterlichen Klangbild zu manifestieren. Es ist schon beeindruckend, wie energiereich die Boxen musizieren.


Keine Frage, meine Erwartungen an den Klang wurden in jeder Hinsicht erfüllt. Der gute Bassbereich überraschte mich letztlich dann doch. Von den eher kleinen Chassis hätte ich mir diesen klaren und tiefen Bass gar nicht erwartet. Ein Eindruck, zu dem die F5 Endstufen vielleicht auch ein ein klein wenig beitragen. Die Auflösung und Natürlichkeit der Wiedergabe ist schlicht faszinierend. Die Höhen werden detailreich und überaus unaufdringlich wiedergegeben. Auch die Räumlichkeit lässt nichts zu wünschen übrig.

Die optische Erscheinung ist wohl proportioniert. Der Lautsprecher wirkt durch die verwendeten Materialien modern und edel, durch die dunklen Farben aber auch ernst. So wie vieles, ist auch dies eine Geschmacksache. Jedenfalls gefallen die Etons meiner Frau und mir sehr gut. Mit diesen Lautsprechern werden wir sicher viele Jahre lang Freude haben. Ihr Bau ist in einem Webalbum fotografisch detailliert dokumentiert.


So wie andere Kunden, muss auch ich anmerken, dass Udo Service und Support absolut ernst nimmt. Emails werden da schon mal innerhalb von zwölf Minuten beantwortet.
Den Bausatz Eton2u XXL kann ich vorbehaltlos empfehlen.
Martin
Die Eton2u XXL ist als Bausatz bei Acoustic Design Wohlgemuth oder Intertechnik erhältlich.
Hallo Martin,
ich rede nicht um den heißen Brei herum: WOW!
Deine Boxen gefallen mir außerordentlich gut, gerade die Kombination aus Schiefer und indischem Palisander, wobei der Schiefer angeblich nicht nur das am besten dämmende Material ist, sondern auch sehr gut aussieht.
Naja, Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters...
Zwar habe ich Udo versprochen oder angedeutet, auch einen Bericht zu schreiben und Fotos zu machen, aber das ist bisher nicht geschehen.
Übrigens habe ich auch Palisander an meiner Box, auf die in die Front eingelassenen Schieferplatten habe ich verzichtet, weil ich den damit verbundenen Schwierigkeiten aus dem Weg gehen wollte und nicht sicher war, ob mir die Optik auch in Natura gefallen würde...
Ich wünsche Dir viel Spaß mit Deiner neuen Anlage. Hoffe, dass auch der Zuspieler in standesgemäßer Qualität die Musik serviert.
Bin gespannt, wie sich in Zukunft meine Pass'sche Elektronik an der Duetta machen wird!
Grüße
Matthias
Hallo Martin.
Glueckwunsch zu diesem tollen Projekt. Bei dir sieht man das du nicht nur spass am hoeren sondern auch am entwickeln hast. Hast du ausser dem Filzbelag noch Sonofil verwendet?
Ich denke ich werde das auch mal ausprobieren. weiss nur nicht ob ich hier spruehkleber finden kann.
Ich werde demnaechst auch mal einen Bericht einstellen.
Udo, versprochen. Aber gib mir noch was an Zeit.
BTW. Verstaerker sehen ja klasse aus. Bin auch noch auf der suche nach einem guten Vor- end/ Verstaerker Bausatz. vielleicht kannst du mir eine info zukommen lassen. du findest mich unter Login/ User.
Gruesse Andre (SGN)
Hallo Martin!
Glückwunsch zu diesen wunderschönen Lautsprechern!
Was mich interessieren würde: Waren die Vor- und Endstufen auch ein Bausatz und welche waren das genau? Möchte mir auch mal entsprechende Zuspieler zu meinen Boxen bauen und bin schon mal am sammeln von Informationen.
Grüße,
Günther
Andre: Natürlich habe ich auch das Sonofil verwendet.
Matthias: Neuerdings verfüge ich über einen AudioPC, von dem ALAC und FLAC Dateien über einen externen DAC gespielt werden. Dazu gehört auch ein kabelloses Keyboard, das TV-Gerät dient als Bildschirm. Als Software ist der Album Player im ASIO Mode im Einsatz. Bessere Zuspieler gibt es nicht.
Auf Udo’s Seite ist das zwar etwas off topic, aber wenn Interesse besteht… Schließlich bestehen Anlagen ja nicht nur aus Lautsprechern. Die Vorstufe nennt sich Balanced Zen Line Stage und ist die Do-it-Yourself Version des Aleph P. Ich habe die Schaltung allerdings um eine fernbedienbare Eingangswahl und Lautstärkeinstellung erweitert. Die leistungsschwachen, kleinen Endstufen sind sehr einfach aufgebaut, aber klanglich exzellent. Ich hatte die genußvolle Gelegenheit, dies mit sehr teurer, englischer Elektronik und großen Lautsprechern (die enthalten pro Stück zwei Eton 10“er) zu überprüfen. Für alle Audio-Fragen empfehle ich das Forum, dort gibt es auch Platinen zu kaufen. Mehr über meine Projekte ist auch hier zu finden.
Martin
Ah, da sind die Hyperlinks verlorengangen. Hier nochmals die Wegweiser durch´s www!
http://www.albumplayer.com/
http://www.passdiy.com/pdf/balzenpre.pdf
http://www.firstwatt.com/pdf/prod_f5_man.pdf
http://www.vienna-acoustics.com/products/mahler/mahler.php
http://www.diyaudio.com/store/europe/
http://www.homebuilthifi.com/
Mann das ist ja nicht mehr Diy sondern Professionel.Ich sag nur Hut ab das beste was ich bisher im Selbstbau gesehen habe was die verarbeitung angeht.
Hallo Martin,
Deine Boxen sind der Hammer!!
Absolut professionelle Umsetzung, das ist Selbstbau in Perfektion.
Ich wünsche Dir viel Spaß mit diesem Traum.
Gruß Theo
Wenn jemand die Pass-Sachen mitbauen will (da gibts sicher für jeden Geschmack etwas), freue ich mich auf eine Email. Ich bin gerade dabei die Sachen zu besorgen, d.h. eine Sammelbestellung ist noch drin, und dann wirds günstiger.
Platinen gibts im diyaudio-forum, genauso wie tagelang zu lesen. Abkürzen könnt ihr das ja durch eine Anfrage bei Martin oder mir, dann wisst ihr, ob das was für euch ist oder nicht.
Grüße
Matthias
Da bleibt einem nur noch Mund und Augen aufzureißen und zu staunen. Stehende Ovationen für dieses Projekt
Hallo zusammen,
@Martin: Ich schließe mich meinen Vorrednern an: Die Boxen sind echt der Hammer
@MatthiasPB: Ich habe Interesse, bin aber noch in der Erkundungsphase (werde wohl zuerst mich dem Lautsprecherprojekt widmen). Vielleicht kannst Du mir ja trotzdem Infos geben. Meine Mailadresse steht in meinem Userprofil. Grüße an alle
Hallo Jungs,
da die Verstärker nichts mit dem Magazin zu tun haben, ist der passende Platz für den Austausch dazu die Pinwand im User-Bereich. Da ihr fast alle schon registriert seid, könnt ihr euch dort in Ruhe zusammensetzen, ohne dass hier von der Schönheit der Boxen abgelenkt wird ;)
Gruß Udo
Hallo Martin,
Deine Neuinterpretation der Eton2uXXL ist wirklich atemberaubend! Mich würde interessieren, was Du beruflich so treibst - vermutlich irgendetwas mit Feinmechanik, CNC Technik und Elektronik... -Gäbe es eine DIY "Bestenliste" wäre Dir ein Podestplatz sicher.
;-)
Gruß
Claas
Danke an alle für die freundlichen Kommentare! Ich bin an einer kunsthandwerklichen Schule tätig und habe daher Zugang zu allerlei nützlichem Gerät.
Falls noch jemand Stein verarbeiten will: Ich habe Trittstufen verwendet (30mm dick). Wen -bei Standboxen- Fugen nicht stören, der kann auch Stein-Bodenfliesen zu verarbeiten. Diese sind dünner aber immerhin bis zu einer Größe von 600 x 600mm im Handel. Auch Schallwände aus Steinplatten, kombiniert mit dicken Aluminiumplatten in die die Chassis eingelassen werden, könnte ich mir sehr gut vorstellen.
Hallo Martin,
ist es möglich Email-Kontakt zu Dir aufzunehmen?
Gruß Olli
Schreib, wenn es wirklich wichtig ist, an bergtiroler@yahoo.de
Martin, für diese Perfektion fehlen einem schlicht die Worte. KEIN Hersteller dieser Welt würde wohl etwas wertigeres zustande bringen.
MEINEN VOLLSTEN RESPEKT!
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