Hallo liebe Magazinleser,
ich möchte allen interessierten Selbstbauern und jenen, die es noch werden wollen, einen kurzen Einblick über mein erstes Mal - in Sachen Lautsprecherbau - geben. Nach einem interessanten Hörtest bei Günther und seinen schönen Doppel5light war für mich klar, dass meine Focal Chorus Lautsprecher nicht unbedingt das Maß aller Dinge waren, und mein Interesse an dem Selbstbau von Lautsprechern wurde ständig größer. Nach umfassender Recherche und Meinungsbildung im Netz, leider jedoch auf Grund der sehr großen Entfernung ohne Hörtest bei Udo, fiel meine Entscheidung auf die Phase 34. Bluesklasse, ein genialer Keramikhochtöner, D'Appolito Anordnung und Phase-Plug Optik, das sollte der Traum aus MDF und Furnier werden.
Die Bauphase
Den MDF-Zuschnitt in 19mm holte ich im örtlichen Baumarkt ab, leider waren die Platten mit gleichem Seitenmaß nicht wirklich alle gleich breit, und so durfte sich meine neue Oberfräse samt Bündigfräser erstmals im harten Einsatz zeigen. Nachdem alle Bretter das gleiche Maß hatten, verleimte ich sie mit Hilfe des altbekannten Fugenleims - das Brettchenbauen macht echt Spaß!
Da unweit von meinem Arbeitgeber ein größerer Furnierhersteller ansässig ist, stattete ich den netten Damen und Herren ein paar Besuche ab und ließ mich im Schauraum von den tollen Furnieren inspirieren. Nach längerer Überlegungsphase habe ich mich dann für ein schönes Mango-Furnier entschieden, das in orange-braunem Farbton mit interessanter Maserung auch toll zu meiner schokobrauner Couch und meinen späteren Möbeln passen sollte.
Zum Furnieren wählte ich die sogenannte Pattex-Methode, welche ich zumindest für meinen Einsatzzweck jederzeit weiterempfehlen kann. Nach beidseitigem Einstreichen des Furniers und des Lautsprechers mit kurzer Anziehpause des Klebers, wird das Furnier auf die Box gelegt, wobei zwischen den beiden Teilen ein Pappkarton als Abstandhalter benutzt wird. Nachdem das Furnier ausgerichtet wurde, beginnt man an einer Seite mit dem Aufdrücken des Furniers mittels Farbroller. Nach und nach wird der Karton herausgezogen und das Furnier mit dem Roller aufgedrückt, so entstehen keinerlei Blasen, Risse oder nichtklebende Stellen. Vorteil dieser Methode ist die Schonung des Furniers (es ist keiner hohen Feuchtigkeit oder Hitze ausgesetzt), die einfachen Arbeitsweise, keine Riss- oder Blasenbildung und ein schnelles vorankommen, da das Furnier durch das Aufdrücken/Verpressen festverklebt ist und keine weitere Trocknungszeit zur Weiterbearbeitung (Kanten bearbeiten) benötigt. Nachteilig ist eventuell die gewöhnungsbedürftige Geruchsbildung ;-)



Die Kanten habe ich dann auf der Längsseite mittels Schleifpapier (Körnung 120) und auf der Breitseite (gegen die Maserung) mittels Feile bearbeitet. Für das Versenken der Chassis durfte wieder meine Oberfräse samt ebay-Fräszirkel an die Gehäuse, die Stichsäge erledigte den Rest für die notwendigen Öffnungen. Vor dem Ölen der Gehäuse mit Hartöl verpasste ich ihnen noch einen Schliff mit 180er Schleifpapier, bevor ich insgesamt 3 Lagen Öl aufbrachte, wobei ich bei der 2. Lage einen Nassschliff mit 240er Schleifpapaier und anschließend vor dem 3.mal Ölen noch einen Trockenschliff machte. Als letzte Veredelung der Echtholzfunieroberfläche versiegelte ich diese mit "Antikwachs", was die Oberfläche schön glatt und widerstandsfähig macht und nochmals einen satteren Farbton erzeugt.

Die Weichen baute ich auf 100x160mm Lochrasterplatten auf, wobei ich, um Klangbeeinflussungen durch Magnetfelder der Induktivität zu vermeiden, diese möglichst weit voneinander distanzierte. Die physikalischen Grenzen von einem 25W Lötkolben werden einem sehr schnell beim Verlöten der 2,5² Anschlussleitungen zu den Chassis aufgezeigt ;-) aber mit etwas Geduld lässt sich auch das meistern.
Als kleines optisches Detail spendierte ich den Lautsprechern runde Alufüße, die mir mein Schwager drehte und mit einer Bohrung samt Innengewinde versah. Zur Befestigung verwendete ich Einschlaggewinde, an denen ich mittels M6 Inbusschrauben die Standfüße befestigte.
Klangcheck
Jetzt kommen wir zum letzten Part, der Klangbeschreibung. Bevor man hier ein immer subjektives Statement abgeben kann, sollten die Chassis sehr gut eingespielt sein, idealerweise 50-100 Stunden. Dies ist bei meinen Eton-Chassis mittlerweile der Fall, und so versuche ich mich mal: Egal ob Rock, Pop, Klassik, Akustisches oder auch elektronische Musik über meine Phase läuft, die Etöner zaubern bei hochwertigem Material zu jeder Zeit ein Klangbild vom feinsten. Luftig leichte Wiedergabe, mit einer Bühnenabbildung, die deutlich vor den Lautsprechern mitten im Raum beginnt, die Sängerin sauber in die Mitte stellt und die Begleitung in großzügiger Breite hinter ihr aufstellt. Obwohl die Phase optisch durchaus noch als schlank zu bezeichnen ist, beschränkt sich die klangliche Darbietung keineswegs auf dieses Attribut, sondern beeindruckt durch Volumen und exzellente Grob- und Feindynamik. Dabei ist die Klangvermittlung stets sehr direkt und unmittelbar, was auch auf Dauer viel Spaß bereitet und genau meiner Vorstellung einer dynamischen, mitreißenden Wiedergabe entspricht. "Die Phase bläst dir die Musik mitten ins Gesicht..." - ein sehr treffendes Zitat eines Users aus dem Hifi-Forum, dem ich nichts mehr hinzufügen kann.
Mario
Die Phase 34 kannst du bei Intertechnik oder Acoustic Design Wohlgemuth erwerben.
Servus Mario!
Hab ja schon im Hifi-Forum Bilder Deiner Phase gesehen, sind echt fesch geworden.
Hoffe ich hab mal Zeit und Gelegenheit sie zu hören.
Grüße,
Günther
Danke danke, leider is es sehr schwierig das Mangofurnier halbwegs farbecht zu fotografieren...das letzte Bild passt farblich am besten.
Melde dich einfach mal wenn du Zeit hast :)
Seit kurzem laufen die Phase übrigens an einem Pioneer SC-LX72, der ein sehr viel anderes Klangbild als der Rotel zeigt: Der Rotel geht eher in Richtung analytische, aber wie aus einem Guss kommende spielweise. Der Pioneer hingegen zeigt seine Stärken anderwertig, mit einer mir bisher unbekannten Grobdynamik, Pegelfestigkeit ohne Ende und enorme Präzision, überraschend vor allem Tieftonbereich, sorgt er für großes Klangkino und identifiziert sich für mich als idealer Spielpartner für die Phase.
Vor wenigen Stunden war ein Bekannter auf Besuch, er kannte den Rotel, aber solch eine Spielweise hatte er bisher noch nie gehört.
An dieser Stelle darf ich mich auch nochmals bei Udo bedanken, da der Pioneer im Hochtonbereich sehr präsent spielt wollte ich den Hochtonzweig der Weiche etwas anpassen, Udo antwortete spontan auf meine Emails und nach kurzem testen verschiedener Kombination des Spannungsteilers im Hochtonzweig hatte ich meine Idealabstimmung gefunden...Möglichkeiten die man nur im Selbstbau hat :)
Läuft da etwas das XBMC auf dem Rechner?
Gut beobachtet, ich nehme XBMC zur Musikwiedergabe, damit kann ich dank Fernbedienung auch von der Couch aus gemütlich Musik hören :)
Lg Mario
Schön mit Cover und so. ;-) Und kein lästiges CD wechseln mehr.
Noch geiler ist es damit Filme zu sehen. ;-)
Ja genau, die Cover anzeige finde ich absolut top :)
Filme laufen bei mir über eine Dreambox, aber auch XBMC wäre dafür sicherlich bestens geeignet ;-)
Schön schön sehen sie aus ;-)
Mich interessieren die silbernen Füsse. Welchen Typ hast Du verwendet (gummigepuffert sind sie doch oder?)?
Danke für eine kurze Antwort
Grüsse
Hallo Elektronaut,
die Antwort auf deine Frage findest du im letzten Absatz über dem Klangcheck ;-)
Gruß
SeWi
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