Ideen muss man haben oder die gedrehte 17 AL
Da ich während der Prüfungsvorbereitungszeit wieder vermehrt Musik hörte und zu diesem Zweck meine Ohren mit minderwertigen PC-Boxen missbrauchte, dachte ich mir es wäre ganz schön mal wieder aus einer vernünftigen Anlage Musik zu hören. Die letzten Lautsprecher wurden wegen kaputter Sicken ausrangiert, also suchte ich im Internet nach bezahlbaren Standboxen. Über zig Umwege bin ich dann schließlich hier auf Udos Seite gelandet und hab mich durch den Shop und die Bauberichte geklickt. Nach mehreren Blicken in mein Zimmer (12m²) und meinen Geldbeutel hatte ich dann meine Ansprüche zurückgeschraubt. Im Hinblick auf meine bevorzugte Musikrichtung (Rock, Metal), durch die Lesermeinungen bestärkt, fiel meine Wahl auf die Dayton AL 17.Ein einfaches viereckiges Gehäuse kam für mich nicht in Frage und durch das Furnier von Albrechts Dayton's inspiriert zeichnete ich ein paar Entwürfe, bei denen sich der Korpus des Lautsprechers um 90° dreht. Dabei sollte sich der Querschnitt so verändern, dass, wenn man genau von vorne auf die Box schaut, diese ganz schlicht viereckig ist und die Kante in einem Cosinus über die Front läuft. Die einzige Möglichkeit, das zu verwirklichen, sah ich darin, das ganze Lautsprechergehäuse aus vielen einzelnen Schichten zu verleimen, die aus je 4 Stäbchen bestehen. Mit Hilfe von Excel erstellte ich mir eine Tabelle mit allen möglichen Winkeln und Längen und konnte dann nach einer Weile durch Eingabe von Wandstärke, Schichtdicke, Höhe und Kantenlänge das Volumen ausrechnen. Leider hab ich zu wenig nachgedacht und einen Winkel vergessen zu berechnen, deshalb ist die geschwungene Kante nicht Cosinusförmig und die Wandstärke in der Drehung nicht konstant.
Als Holz wählte ich Kirsche, da ich davon noch genügend Abschnitte und Baumkanten hatte, aus denen ich die Leisten sägen und hobeln konnte. Ich fing damit an, erst einmal mehrere Meter Leisten für die geraden Stücke (oben und unten) der Box mit 25x25mm zu hobeln. Für die Drehung mussten die Leisten dann etwas breiter sein.


Nach dem Ablängen habe ich dann begonnen, aus den vielen, einzelnen Stäbchen das Gehäuse Schicht für Schicht aufzubauen. Dazu verleimte ich immer 4 Stäbe in einer Schablone zu einem Quadrat. Auf diesen Rahmen wurden dann die vorhergehenden Schichten geklebt. Die Stäbe der gedrehten Schichten sägte ich auf der Bandsäge der Drehung entsprechend schräg ein und ab. Immer wieder auf meine Tabelle schauend, ließ ich auch die Drehung Lage für Lage „wachsen“. Als alle Leisten verbraucht waren, konnte ich dann endlich die beiden Lautsprechergehäuse aus je vier einzelnen Segmenten zusammensetzen. Die Innenflächen der gedrehten Teile wurden mit Stemmeisen und Hobel geebnet, so dass die Gehäuse auch innen „glatt“ sind.

Außen sägte ich als erstes die überstehenden Ecken ab, so dass ich auf diese geschwungene Fläche die geschwungene Linie der Kante aufzeichnen konnte. Mit Winkelschleifer, Handkreissäge, Zugsäge und diversen Raspeln, Feilen und Schleifern wurden die vielen Stufen und Kanten eingeebnet und das Gehäuse geglättet, bis die ebenen Flächen oben und unten in eine schön geschwungene Fläche in der Mitte über gingen.










Als Boden leimte ich ein Platte aus Multiplex ein, für den Deckel verleimte ich wieder die 25x25mm Leisten, diesmal aber auf Gehrung. Nach dem Feinschliff behandelte ich die Gehäuse mit einem Ölwachs, vor der letzten Schicht wurde alles noch einmal von Hand zwischen geschliffen und ich fräste die Öffnungen für die Lautsprecher und das Terminal.
Der Aufbau der Weiche und der Einbau aller Komponenten in das Gehäuse erfolgte recht problemlos, einem ersten Probehören stand nichts mehr im Wege.
An einen ca. 40 Jahre alten Kaufhaus-Verstärker angeschlossen hatte ich das erste Mal bei einer Anlage das Gefühl, die Bässe runter regeln zu müssen (liegt aber am Verstärker). Bei einem Freund haben wir die Lautsprecher dann über einen hochwertigen Verstärker betrieben und auch im Vergleich zu Boxen namhafter Hersteller gehört. Der Klang ist einfach der Hammer, die Höhen sind schön sauber und luftig und die Bässe haben auch bei geringer Lautstärke „Druck“, ohne aber aufdringlich zu wirken oder zu wummern. Auf jeden Fall hat der Klang dieses vergleichsweise günstigen Bausatzes meine Neugierde geweckt, wie denn dann erst die hochwertigen Lautsprecher aus dem Hause Wohlgemuth klingen. Mittlerweile stehen die Lautsprecher seit bald zwei Monaten in meinem Zimmer und ich bin immer wieder vom Klang begeistert und das, obwohl sie immer noch auf einen angemessenen Verstärker warten.
Zum Schluss möchte ich mich noch bei Udo für die außergewöhnlich schnelle Lieferung und den ebenfalls schnellen und freundlichen Support bei Fragen bedanken. Die Boxen werden definitiv nicht die letzten gewesen sein, die ich gebaut hab.
Moritz
Zwei Bilder von den Ornamenten in der Boxenmitte hat Moritz auf Anfrage eines Lesers noch nachgereicht.
Die Dayton 17 AL kann bei Intertechnik oder Acoustic Design Wohlgemuth bestellt werden
oh my god!!!!
:-o
ich kann es nur bestätigen: oh my God!!!
Ich denke diese Gehäuse wären im Falle eines internen Votings MINDESTENS unter den Top3 der hier vorgestellten Lautsprecher.
WOW!
Wie geil ist das denn?? Boah! Hut ab - Du hast Dir echt viel Arbeit gemacht!
Unglaublich. Da hast Du die Messlatte aber ganz schön hoch gelegt... Kompliment!
Hallo Joero,
die Arbeit von Moritz ist tatsächlich ein Highlight im Magazin, eine Messlatte will ich sie nicht nennen. Das Schöne am Selbstbau ist nunmal, dass jeder seine Boxen so gestalten darf, wie er es kann. Dabei steht natürlich außer Frage, dass Moritz es kann :)
Gruß Udo
Unfassbar, wie man dass so sauber bauen konnte. Ich werde wie Udo nur noch Bretter stumpf aufeinander leimen und resignieren in Ehrfurcht vor so viel Hingabe.Hab schon fast keine Lust mehr an meiner Duetta-Pyramide weiter zu bauen. Einfach Wahnsinn!
Wahnsinn!
Ich finde es einfach klasse, dass man sich auch für eher günstige, unter "Aufsteigerklasse" geführte LS solche Mühe gibt und einen wirklichen Gehäuseblues zaubert!
Der Hammer,
die Idee hatte auch schon vor einiger Zeit ne Drehung in den Lautsprecher zu bringen, ich hätte das aber nie umsetzen können.
Glückwusch zu deinen einzigartigen Lautsprechern.
gruß,
Bjoern
Hallo Moritz,
ich verneige mich in Ehrfurcht vor dieser handwerklichen Leistung! Kompliment!
Mein Vater (sehr erfahren im Umgang mit Holz), sagte nur: "dafür hätte ich ja Monate gebraucht bis ein annähernd ähnliches Paar dabei raus kommt".
Eine Tolle Idee wahnsinnig gut umgesetzt! Ich wünsche Dir noch ganz viel Spaß mit Deinen Lautsprechern! Aber die Lust am Selbstbau muss einem so eine Arbeit ja nicht verderben (@Dominic79)... Das ist hier ja kein Wettkampf!
Gruß
Johannes
...reif für die Meisterprüfung......
Hut ab!
Meine absolute Hochachtung !!! Tolle Arbeit !!!
Meinen Respekt!!! saubere handwerkliche Arbeit, auf Bild 24 sieht man die saubere Planung, sieht aus wie eine Schattierung.
allerdings schon fast zu Schade für die Chassis :-)
Alter Schwede, das isn dickes Ding!
Wie oben schon erwähnt hätte der Aufwand wohl eher zur Bluesklasse gepasst. Aber Hut ab mein lieber, das is echt ne Meisterleistung.
Hab die Dayton 17Al ja auch schon gebaut (die mit dem Gras-Finish), aber auf die Idee wäre ich nicht gekommen. Zumal es mir vor Faulheit nicht im Traum eingefallen wäre die Boxen in der Drehung sogar INNEN glatt wie einen Baby-Popo abzuschleifen. Das ist wahrer Perfektionismus in die Tat umgesetzt!
Schöne Grüße aus Chemnitz
Hannes
Hallo zusammen,
Wirklich mächtig geile Teile :) Respekt!
Auch wenn ich es handwerklich nie hinbekommen würde, ist es sinnvoll die Innenseite auch glatt zu machen? Ich kenne es von BR Kanälen das man die Bretter abrundet. Aber ist es hier sinnvoll oder nur für die Perfektion?
Gruß
Arne
Das nenn ich mal ein wirklich einfallsreiches Gehäuse. Einfach nur Klasse. Mehr fällt mir dazu nicht ein.
Bei größeren Lautsprechern sieht das sicher noch beeindruckender aus.
Gruß
Heiko
@all: Vielen Dank für die Komplimente, freut mich dass sie euch gefallen. So perfekt wie es auf den Bildern scheint sind sie allerdings nicht, da sind genug Macken und Dellen und eben der schon erwähnte Planungsfehler.
@Dominic79: Ich wollte hier niemandem die Lust am Selbstbau nehmen, seh es einfach als Inspiration, mit zuviel Zeit geht (fast) Alles ;-) und das wichtigste sollte ja doch noch der Klang sein.
@Arne: Ich habe die Innenseite nur aus "optischen" Gewissensgründen geglättet; ob es Sinnvoll ist??????
Hallo Moritz!
Tolle Idee, tolles Design und schöne Arbeit. Glückwunsch und viel Spaß damit.
Gruß Christian
Ich habe noch nie einen so toll designten Lautsprecher gesehen. Vor diesem gigantischen Aufwand würden sicher die meisten (mich eingeschlossen) zurückschrecken.
Wirklich tolle Arbeit, das kann sich sehen lassen!
Sehr schön gemacht, Respekt vor der Arbeit, insbesondere das Glätten und Schleifen der vielen Stäbe.
Wovor ich jedoch Angst hätte, ist das ständige Arbeiten des Holzes und die vielen Kanten, die sich durch diese Bewegungen dann irgendwann abzeichnen könnten bzw. werden.
Das sind nunmal die Probleme mit Echtholz.
Aber trotzdem: Sehr schön!
@Stefan
der Aufbau ist ziemlich perfekt. Das Holz ist komplett quer zur Faser verleimt - Selbst der Deckel. Da gibts keine Verleimungen zwischen quer und längs zur Faser, die sonst zu Rissen und Spalten führt, wie z.B. wenn Platten aufeinander geleimt werden :-)
Da Holz ja nur quer zur Faser "schrumpft" werden die Lautsprecher vllt. ein paar Milimeter an Höhe verlieren.
Schau dir mal hochwertige Holzmöbel an, da gibts auch keinen Verzug. Es kommt immer drauf an, ob die holzqualität stimmt und das holz sauber getrocknet wurde und ob der Verarbeitende genug Kenntnis hat, das er berücksichtigt wie das Holz arbeitet - das unterscheidet dann einen Tischler vom Heimwerker.
Gruß Jona
Alter Schwede! Sind die geil! Und ich hab` immer gedacht, ich könne Boxen bauen...
Grüße Kuddel
Holy shit!!!! Einfach Genial!!! Ich bin hin und weg...
Nette Idee das mit dem Dreh.
Hast du da noch eine Intarsie mit eingearbeitet? Ein Detailfoto wäre gut.
Holz arbeitet auch in der Länge. Nicht viel, ca 0,3 %, aber immerhin.
Das Holz arbeitet, weil es eben lebt bzw. gelebt hat ist ja das faszinierende :-)
Die Angst die Stefan hat ist berechtigt, optisch sind die Gehäuse noch glatt, aber wenn man mit der Hand drüber fährt spürt man die Fugen schon, ich hab aber dummerweise die Gehäuse auch mal direkt in der Sonne stehen gehabt. Noch hält sich das "Arbeiten" aber in Grenzen, Wirklichen Verzug sollte es nicht geben.
Von den Intarsien hab ich schon Detailphotos, ich weiss allerdings nicht wie ich die hier noch anbringen kann.
gruß Moritz
Hallo Moritz,
wenn sich die Gehäuse dem Raumklima angepasst haben, lässt das Arbeiten nach. Dann kannst du noch einmal die Oberfläche abschleifen und mit Lack versiegeln.
Detailfotos kannst du mir schicken, dann füge ich sie noch in deinen Bericht ein.
Gruß Udo
Das Holz wird immer Arbeiten, noch in 100 Jahren.
Holz ist hygroskopisch, nimmt also Wasser auf und gibt es wieder ab. Dadurch verändert es seine Form. Das Heißt das es im Sommer quillt und im Winter schrumpft.
Da du ja geölt hast und Öl eine offenporige Oberflächenbehandlung ist, kann das Holz Wasser in Form von Wasserdampf aufnehmen. Verhindern kannst du das nur in einem gewissen Rahmen indem du die Holzflächen versiegelst. Das Problem ist das du das von beiden Seiten machen musst. Ansonsten kann es passierend das es sich total verzieht,
Das heißt, die Innenseite kann austrocknen, die Außenseite wird aber daran gehindert. Wenn also die Innenseite trocknet zieht es sich auf der Seite zusammen und verbiegt sich. Das kann so extrem werden das deine Leimfugen auseinanderreißen können.
Die Oberflächenbehandlung die du gewählt hast ist schon die beste für deine Konstruktion.
Oha,
wenn die so klingen wie die aussehen.....
Würde die gerne mal in Klavierlack sehen, aber auch im Holz-look sieht sie super aus!
Die Boxen sehen sehr sylisch aus. Kannst Du uns "Laien" erklären wie Du die Helix berechnet hast? Da muss ja jede Leiste etwas kürzer sein, damit man in der Frontbetrachtung ein Rechteck sieht.
So, jetzt werden die Lautsprecher endlich über einen besseren Verstärker betrieben, klingen gleich viel klarer :-)
@Onkel Bob, um eine möglich gleichäßige Feuchtigkeitsregulierung des Holzes zu haben, hatte ich die Gehäuse auch innen zweimal eingelassen.
@will ich auch: ob sie so klingen wie sie aussehen weiss ich nicht ;-) ich finde immer noch sie klingen sau gut, bin aber eigtl auch nix besseres gewohnt.
@David:
für die Berechnung hab ich mir als erstes die Stützstellen der Kurve ((co)sinus) der Kante über einer gedachten Mittellinie ausgerechnet, Mit dem Abstand der Punkte zu Linie kann man dann den Winkel ausrechnen um den das Quadrat an eben dieser Stelle gedreht ist ausrechen, und dann halt die Kantenlänge.
Ich stell gerade fest dass ist nicht so wirklich einfach erklärbar, man muss nur lange genug mit Sinus, Cosinus, rechtwinkligen Dreiecken und und Quadraten rechnen, dann kommt man irgendwann auf ein ein richtiges Ergebnis ;-)
gruß Moritz
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