Perrys Kera 360.2 oder auch Kera Muh
Im Sommer 2010 gelüstete es mich, nach langer Zeit wieder einmal ein Selbstbauprojekt in Angriff zu nehmen. Zwar war mein Equipment nicht schlecht, für den Kaufpreis sogar erstaunlich gut, aber das Bessere ist bekanntlich des Guten Feind, und Musikgenuss verlangt immer nach Steigerung, bzw. nach einer entspannteren und dennoch bestens auflösenden Wiedergabe. Diese war auf dem Markt zu erschwinglichen Preisen nicht zu haben. Entweder ist die Wiedergabe zwar warm und angenehm, dafür aber undifferenziert, oder die Höhen sind zu scharf und dominierend. Also auf die Suche gemacht und bei Udo auf der Couch gelandet. Die Analogie zur Psychotherapie ist dabei gar nicht mal so abwegig, denn der Weg ist: Hör auf dich und höre selbst!Was ich hörte, war überzeugend. Ich möchte nicht die Vor- und Nachteile gewisser Hochtönerkonzepte, repräsentiert durch Duetta und Kera, gegeneinander ausspielen. Ich blieb jedenfalls bei dem Eton Keramikhochtöner hängen, da der anspringende Charakter bei vollkommener Durchhörbarkeit meinem Hörgeschmack sehr nah kam. Die Duetta bringt das Klavier zu dir nach Hause. Die Kera holt dich ins Aufnahmestudio. Nachdem Udo mir erklärte, dass sich die Vorteile beider Hochtöner nicht vereinen lassen, machte ich den Vorschlag, die beiden eine Nacht lang in die Schublade zu sperren, zwecks Erzeugung von Nachkommenschaft mit den besten Genen von beiden. Der Maestro bestrafte allerdings meinen deplatzierten Humor mit befremdetem Hochziehen der Augenbrauen.
Da beide Aufbauvorschläge mir nicht zusagten (Regalvariante wegen zu großer Wandnähe nicht möglich, Standlautsprecher ästhetisch nicht überzeugend), habe ich das Gehäuse in einen Pyramidenstumpf umgerechnet. Im Originalplan ist die Grundfläche der Standversion ein sich nach hinten verjüngendes Trapez, was dem zu erzielenden Volumen geschuldet ist. Gleiches kann man aber auch erreichen, wenn das Gehäuse eine größere, und damit stabilere Grundfläche bekommt und sich nach oben verjüngt. Ein Sockel, der wegen der Position des Hochtöners notwendig war, kann zur Verbesserung der Standfestigkeit noch mit Sand gefüllt werden (das Teil ist allerdings auch so schon schwer genug). Das Ganze wurde dann in Kooperation mit meinem Sohn Robert aus 22 mm MDF zugeschnitten und mit einer Ringverstärkung aus Multiplex zusammengeleimt. Anschließend wurden die vorderen Kanten mit der Fräse abgerundet, was der späteren Wahl eines ganz bestimmten Kittels förderlich war. Wohl dem, der einen Schreiner in der Familie hat.
Hier der umgemodelte Bauplan und der Rohbau:
Die Weiche wurde für den Bi-Amping Betrieb ausgelegt, da mein AV-Receiver die zusätzlichen Verstärkerzweige zur Verfügung stellt (falls man auf 7.1 verzichtet)
Sie ist recht unkompliziert, im Gegensatz zu den monströsen, am Computer entstandenen Materialschlachten, die dazu dienen sollen, auch den letzten kleinen Buckel im Frequenzverlauf zu nivellieren.
Ein Jahr lang blieb das Projekt unvollendet. Das Kleid bereitete mir Probleme. Lackieren? Furnieren? Mit PVC bekleben oder mit Holzparkett? Eines Tages sah ich im Einrichtungsgeschäft im Preis heruntergesetzte Kuhfelle. Das war‘s! Geiles Outfit, gell?
Ich versprach mir auch von der Oberfläche eine dämpfende, Reflexionen verhindernde Wirkung. Immerhin waren meine ersten, richtigen Hifi-Boxen, Magnat All Ribbon 10 von 1982 aus eben diesem Grund mir einer samtähnlichen Oberfläche beschichtet. Nach einigem Herumexperimentieren hatte ich auch den richtigen Kleber gefunden (für Teppichboden und PVC), die Öffnungen habe ich mit dem Teppichmesser ausgeschnitten, und der Rest war ein Kinderspiel. Nein, doch nicht. Wer Probleme mit dem Löten hat (wie ich!) sollte sich professionellen Beistand sichern. Es gibt nichts Schlimmeres als vermurkste Lötstellen. Denn jeder subjektiv wahrgenommene Fehler in der Wiedegabe macht dich beklommen fragen: Hab ich da was falsch gemacht? Wohl dem, der einen ehemaligen Rundfunk- und Fernsehtechniker in der Familie hat, der die Sache hilfreich begleitete und mit Ratschlägen wie „Löten, nicht kleben!“ einen bleibenden Lernerfolg bei mir erzielte.
Man sieht schon: Hier handelt es sich um ein familiäres Gemeinschaftsprojekt.
Meine Höreindrücke möchte ich wie folgt zusammenfassen: Auf einen Subwoofer kann ich seither bei der Musikwiedergabe verzichten, sie ist tief und druckvoll, zugleich präzise. Der Raum ist großzügig, voller vorher nicht gehörter Einzelheiten, die absolut glaubwürdig integriert sind. So bin ich wohl für lange Zeit nicht mehr auf der Suche, und wenn ich nochmal was baue, dann, weil das Selberbauen einen großen Vorzug vor dem Kaufen hat: Kreativität. Jedenfalls habe ich dabei viel gelernt. Danke Udo!
Ich würde mich freuen, wenn ich den Freunden von Udos Seite nützliche Anregungen geben konnte, sei es, was die Bauform betrifft, sei es die Oberflächengestaltung.
Und hier im Ensemble:
Perry
Den Bausatz "Kera 360.2" kannst du bei Intertechnik oder Acoustic Design Wohlgemuth ordern.
Hallo Perry,
schön geworden, besser gesagt KUHL ;-)
Viel Spass damit.
Andreas
Hallo Perry,
hast deinen Keras echt eine schöne Optik verliehen :)
Eventuell werde ich auch mal ein paar LS in Kuhoptik bauen.
Viel Spaß noch mit deinen Böxchen
Lg Mario
Oh mein Gott, dafür mussten Kühe sterben ...
war nur nen kleiner Scherz, schaut echt ziemlich lustig aus und fasst sich vermutlich gut an.
Viel Spaß damit
Die Teile sind ja abgefahren.....total extravagant....
Jetzt noch an der Wand hinter der Anlage ein schönes Alpenpanorama malen (oder auch eine Fototapete) und Kunstrasen als Bodenbelag und fertig ist die "Hifi Alm" :X
Viel, viel Spaß damit
Keine Frage: gut gebaut und gut geschrieben! Und gut präsentiert.
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