Euphorisierend unverfälscht oder:
von Schöngeistern und leicht zu begeisternden Jungs
Warum Needle:
Am Anfang stand die Idee, meiner Freundin zu Weihnachten etwas Selbstgebautes zu schenken, was oft verwendet wird und somit einen direkten praktischen Nutzen besitzt. Nach 6 Stunden Zugfahrt, die ich von Nordhausen nach Freiburg brauche (das waren bis vor kurzem unsere Wohnorte), wird mir jedes Mal bewusst, wie sehr mir das Entspannen durch das Hören guter Musik fehlt - eine gängige Praxis von mir, nach einem stressigen Alltag ´runterzukommen. Sie besitzt perfekt aufgenommene Platten, oder einfach schöne Musik, aber die ästhetische Anlage ist ein akustischer Graus.
So entstand die Idee, ein Paar Lautsprecher zu bauen. Es sollte etwas Schönes sein: einfache, klare Linien und für Zimmerlautstärke gut geeignet. Ebenso der Klang: die Lautsprecher dürfen visuell existent sein, aber nicht durch Effekthascherei auffallen, vielmehr solen sie Musik fühlbar machen durch die entschlackte Reproduktion des aufgenommenen Klanges. Leichte, klare oder kratzige und schnarrende, schnelle Bassläufe, Luftholen der Sängerin, Becken, die nachklingen und nicht im Rest-Sumpf der Aufnahme untergehen. Jazz, Klassik, Soul.
Nachdem ich die Beschreibung der Dayton Needle auf Udos Seite gelesen hatte, versuchte ich mein Glück mit einem Blindkauf nach dem Motto: Breitband. Weniger ist mehr.
Der Aufbau:
Der Grundaufbau der Needle ist einfach und der Name Programm. So entstand schnell eine hohe Säule mit dem kleinen Loch für die Treiber. Die Weiche ist sehr einfach zu bauen. Liebevolles Stopfen der Wolle, ein wenig Kleb- und Schleifarbeit, fertig.
Die Front ist flächig, so entsteht eine Schallwand ohne Unterbrechung. Bauhaus ist hübsch aber in diesem Fall nicht erwünscht. Ein bisschen Bio durfte sie schon aussehen. Also weiter mit Holz. Die Standfläche ist für meine Begriffe etwas wuchtig, bietet dafür aber Sicherheit gegen Kippen. Heute würde ich eine Granitplatte nehmen. Glas wäre auch hübsch.







Der Klang:
Ich habe einen Freund eingeladen. Der Stand voller Erwartung mit einer Flasche Rotwein nach meinem Anruf ruckzuck vor der Haustür. Nachdem wir einen durchschnittlichen Sonyverstärker (keine Ahnung, vielleicht neu um die 300Euro) angeschlossen hatten, ging es mit Pictures Of Jesus von Ben Harper los. Mein Besuch (Julian) machte erstmal nur große Augen und fing dann an, verschmitzt zu grinsen. Nach den ersten Basspassagen ging der Ausdruck dann in ungläubiges Staunen über. Mit mir war es eh schon vorbei. Wir wurden einfach nur zu kleinen Jungen, die gerade einen neuen Drachen steigen lassen. Voller Euphorie, am Lachen…
Ich hatte selten die Ruhe, ein Lied durchlaufen zu lassen, abbrechen geht gar nicht, ich wollte aber wissen, wie diese kleinen Dinger andere Musik aufbauen. Schallgebilde gingen durch mein Wohnzimmer - klingt abgefahren, ist aber so.
Electro, Rock, furztrockener Bass. Moderat, Jean Michelle, TokTok, TokTokTok, Bright Eyes, Mozart, Beethoven, Brahms, Wagner, Marla Glen, Beth Hirsch, Zwirbli Zwieback und die bodenlosen Hodentrommler (!). Wir haben direkt mal 8h am Stück Musik gehört. Nie wirklich laut, ist klar bei der Membranfläche, aber stets präzise und luftig. Mir geht der Sound dermaßen unter die Haut. Ich kenne nichts, was der Theorie des optimalen Lautsprechers eleganter widerspricht, als diese kleine, schlanke Dame. Prinzipiell ist ein Breitbandlautsprecher stets ein Kompromiss zwischen den Vorteilen eines Mehrwegesystems. Wie Udo jedoch immer wieder hervorhebt: die Musik kommt aus einem Guss.
Eins sollte noch erwähnt sein: Kosten mit wirklich allem Drum und Dran: 153Euro das Paar.
Danke an Udo und alle Mitwirkenden.
Ein Gruß aus Bremen



Das wird ja hier zur ner richtigen Needlemania. Schöne Umsetzung, gefällt mir. Viel Spaß damit. gruß, Bjoern
Wirklich wie eine Needlemania! Mir gefallen alle 3 gezeigten Varianten. Ich glaub ich muß auch mal welche bauen, brauch eh mal was fürs Schlafzimmer ;-) Grüße, Günther
Hallo Jakob, gefällt mir ebenfalls sehr gut. Weniger ist manchmal mehr! Die "abgerundeten Ecken" fügen sich schön ums Chassis! Ausserdem, wenn auch leider etwas kurz, gefält mir dein Artikel. Ich glaube in dir schlummert ein Schreiberling, tolle Wortwahl und Vergleiche! Hoffe deine Freundin ist auch zufrieden, oder sind die Boxen doch zuhause geblieben;-) G. Chris
Hallo Jakob,
deine Needle gefällt mir sehr gut, insbesondere das "Bioholz". Wollte fragen wo du das günstig bekommen hast.
Gruß
Max
Hallo Jakob,
herzlichen Glückwunsch zur so schön gebauten Needle. Das Multiplex sieht richtig schick aus. Und wie die Needle klingt weiß ich ja von meinem eigenen Selbstbau. Meine Frage richtet sich eher nach dem Blasinstrument auf dem Foto. Ist das einen noch spielbare Barocktrompeten?
Gruß
Frieder
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