Warum baut man einen Lautsprecher selber? Da gibt es die vielfältigsten Gründe. Mir ging er darum, ein Unikat mit guten Klangeigenschaften zu bauen. Die Idee wurde vor einem Jahr geboren. Ein neuer Vollverstärker wurde angeschafft (NAD 355 BEE). Er ersetzte einen alten Dual CV 1400.
Zuerst habe ich mir Fertiglautsprecher in verschiedenen Preisklassen angehört. Alles ganz nett, aber haute mich nicht vom Hocker. Guter Klang war nicht zu bezahlen. Der erste Boxenbauer wurde aufgesucht, Lautsprecher wurden probeweise zuhause aufgestellt. Dann einen Nachmittag in Solingen bei einem Boxenbauer verbracht. Waren gute Lautsprecher dabei, aber nicht meine Preisvorstellung.
Ein Freund schlug mir vor, mit nach Bochum zu fahren. Gesagt getan. Gehört
haben wir bei Udo die Duetta und die Dusty 34. Beide Lautsprecher waren sehr überzeugend, für mich kam die Dusty infrage. Ein Probehören zuhause wurde arrangiert. Der Klang mit der eigenen Hardware war in meinen Augen super. Trotzdem habe ich mich dann für die Kera 360.2 entschieden, weil Udo den Klang als etwas wärmer als den der Dusty beschrieb.
Entwurf eines Gehäuses. Nun, da mein Beruf im konstruktiven Bereich angesiedelt ist, habe ich ein Gehäuse nach meinen Vorstellungen entworfen. Die Front ist um 5° nach hinten geneigt, was optisch und klanglich von Vorteil ist. Udo hat dann die Zeichnung abgesegnet, die mit geraden Seiten statt der Verjüngung nach hinten das gleiche Volumen ergab.
Holzzuschnitte (Birke Multiplex 22mm auf Gärung gesägt) wurden besorgt. Über Sommer wurde nur wenig daran gearbeitet, im Herbst wurden die Gehäuse dann soweit fertig. Die Fasen wurden mit einem Elektrohobel erstellt, die Vertiefungen mit einer Oberfräse. Die Oberfläche wurde geschliffen mit Korn 240 und dann farblos gewachst, um den natürlichen Farbton zu erhalten. Dadurch kommen die großen Fasen mit der Multiplex-Struktur gut zur Geltung. Die Bodenplatte wurde in Farbton Mahagoni ausgeführt und mit Hartwachs behandelt.
Jetzt war es an der Zeit, den Bausatz zu bestellen. Die Weiche wurde gelötet, Verdrahtung in die Boxen gelegt, Chassis verschraubt. Pünktlich zum Weihnachtsfest waren Sie nun fertig.



Was soll ich sagen, der Klang ist absolut super. Die üblichen Beschreibungen des Klangs erspare ich mir jetzt mal. Ich bin total zufrieden, das ist wohl das Wichtigste. Das Geld wurde sinnvoll angelegt. Der Klang ist wirklich überzeugend. Etwas wärmer als die Dusty, ordentlich bassfest mit exzellenten Höhen. Nun hört man Instrumente und Nuancen, die vorher nicht vorhanden waren. Der WAF-Faktor der Lautsprecher ist sehr gut.
Ein gelungenes Projekt. An dieser Stelle meinen Dank an Udo für den netten Kontakt und die gute Beratung.
Jörg
Die Kera 360.2 kannst du hier bei Intertechnik oder Acoustic Design Wohlgemuth bestellen
Hallo Jörg, tolle Box - mir gefallen momentan Lautsprecher sehr gut, die nicht so wuchtig aussehen, sprich Lautsprecher, die nicht so breit sind und irgendwie etwas "feiner" aussehen :-) Deine Box ist so eine! Kannst du mal deine finale technische Zeichnung davon online stellen - würde mich interessieren, wie die genauen Abmaßen nun sind.
Hallo Benjamin :-) schön, dass dir die Boxen gefallen. Ich versuche in den nächsten Tagen die Zeichnung online zu stellen (als pdf -Datei). mfg Jörg
Hallo Jörg, Kompliment, das sind sehr schöne LS geworden. Was ich nicht verstehe ist, warum sich die Schrägstellung der Schallwand bei einer DÀppolito Anordnung positiv auf den Klang auswirkt? Die Wirkung auf die Optik ist nach Deinen Bildern unumstritten.
Hallo Kevin, nun, die Schallwellen höher Töne bewegen sich minimal schneller durch den Raum als die von von tiefen Tönen. Durch die Schrägstellung vergrößert sich für die Hochtöne die Strecke zum Ohr. So soll der Zeitunterschied beim Auftreffen auf das Ohr von hohen und tiefen Tönen ganz oder zumindest Teilweise ausgeglichen werden. Das soll einen positiven Effekt auf das Klangbild haben. Zumindest theoretisch. In der Praxis sieht es wohl so aus, dass unser Gehör noch nicht mal einen Zeitunterschied zwischen links und rechts feststellt, wenn man eine Box aus dem idealen, gleichschenkligen Stereodreieck heraus um einige cm Verschiebt. Dazu müssten wir das Hörvermögen von Fledermäusen haben. Der gewünschte Effekt ist also eventuell Messtechnisch nachweisbar, Er spielt für unsere Ohren aber kaum eine Rolle. Geneigte Boxen sind daher eher ein designtechnisches Gimmick (das ich auch anspricht)... Was die hervorragende Schreinerarbeit von Jörg aber keineswegs schmälert. Er hat eine rundum schöne Box gebaut.... Gruß Volker
Die Erklärung ist mir schon bekannt, allerdings nur dann logisch für mich, wenn sich der Hochtöner oben befindet. Bei einer D'Appolito Anordnung ist aber ein TMT an oberster Position, heißt also, dass der noch weiter hinter rückt im Vergleich zum Hochtöner. Das hieße (ob nun hörbar oder nicht) das der Zeitversatz zwischen oberem TMT und HT größer, als bei einer vertikalen Anordnung ist, während der untere TMT und der HT zeitrichtig sind... Ist das ein Vorteil???
Hallo Kevin, ein Vorteil ist das nicht, doch selbst wenn es das wäre, ist es der Rede wirklich nicht wert. Nimm es einfach hin, dass Jörg die Neigung besser gefiel, das Argument reicht doch völlig aus. Gruß Udo
Nun, wie ich oben schon zu Ausdruck zu bringen versucht habe, ist das ein rein akademischer Effekt, der, wie Udo zusammenfassend so treffend gesagt hat , für unser Ohren nicht der Rede wert ist . Jörg hat die Box so gebaut wie sie ihm gefällt und hat dabei eine gute Arbeit abgeliefert. Gruß Volker
Hallo Jörg, du schriebst, dass die Fasen mit einem Elektrohobel erstellt wurden. Mich würde näheres Vorgehen dazu unteressieren. Kann man das als Laie selbst fertig bringen? Ich finds ja schon "schwierig" genug nen 45° Fasefräser mit großer Schenkellänge (günstig) zu bekommen... Gruß, Mario
Hab ich tatsächlich UNinteressieren geschrieben? Nee, oder? ;-) Ich meine natürlich das genaue Gegenteil. Deine Kera's sind übrigens echt schön geworden! Gruß, Mario
Hallo Mario, grundsätzlich ist es kein Problem. Habe den E-Hobel im Baumarkt ausgeliehen. Aufrund der auslaufenden Schräge bedarf es etwas Fingerspitzengefühl beim Führen des Hobels. Nach unten hin mußt du den Hobel allmählichauslaufen lassen. um den Winkel von 45° einzuhalten, habe ich nach jedem Schnitt einen Winkelömesser aufgelegtv und geprüft. Wenn erst einmal eine Fläche vorhanden ist, hat der Hobel eine Auflagefläche, dann wird es einfacher. Der Rest wurde mit dem Schleifklotz geschliffen. mfg. Jörg
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