Axis 85
Beitrag von Udo WohlgemuthManchmal hat man eine Idee, die man gerne umsetzen will und läuft schon lauthals rufend in der Gegend herum, um der Umwelt seine Pläne zu offenbaren. So ging es mir wieder einmal, als im Anschluss an den AXT-Test nach einer bassergänzten Breitband-Box gefragt wurde. Das war ja klar, um ganz ehrlich zu sein, durch die von Patrick Even herbei konstruierte Ähnlichkeit der beiden Axis-Serien sogar erwünscht. Also versprach ich, eine Regalbox mit dem AXT-8 und dem AX-5 zu entwerfen, die sofort erstellte Simulation stimmte mich hoffnungsvoll. Nun liegen aber oft genug Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander und es gibt Hindernisse, die mit dem Plan eher wenig zu tun haben, aber am Ende nicht zu überwinden sind. Doch besser ist es sicher, die Geschichte der Axis 85 mit dem Anfang zu beginnen.
Der Plan
Es ist ein alter Brauch, dass ich mir vor dem Bau eines Lautsprechers überlege, wen ich damit beglücken kann, obwohl der Weg allem Anschein nach oftmals auch andersherum gegangen wird. Als ein bekanntes Beispiel fällt mir da immer wieder der alte Hollywood-Schinken mit Doris Day in ihrer hinreißend dargebotenen Paraderolle als amerikanisch-naive Blondine ein, in dem etwas auf den Markt geworfen wird, von dem bis dahin nur der Name, nicht aber einmal die zugehörige Produktgruppe feststeht. Toller Klamauk und für viele sicher verwunderlich, dass gerade ich so etwas gesehen habe. Aber Filme mit nachvollziehbarem Inhalt statt sinnfreier Action for nothing haben mich schon immer interessiert. Doch zurück zum Plan.

Verführt hat mich LspCAD, das mir für den AXT-8 ein Reflex-Volumen von nur 19 Litern ans Herz legte, wenn ich dem AX-5 zusätzliche 3 Liter abkapsle. Das sah sehr brauchbar aus und könnte bei entsprechender Höhe und Breite auch regaltauglich aufgebaut werden. Also machte ich mich ans Werk und malte mit Sketchup eine Bauzeichnung auf meinen Monitor. Genügend Holz war im Keller noch vorhanden, den Zuschnitt machte ich auf die Schnelle aus 22 mm Grobspanplatte selbst. Hiervon habe ich ebenso wenig Bilder gemacht wie vom anschließenden Zusammenbau, Schleifen und Fräsen. Da ich jedoch gegen den Anblick des nackten OSB so langsam immun geworden bin, reizte mich die bekannt gelbliche Oberfläche nicht mehr sonderlich. Also entschloss ich mich, dem Holzwerkstoff eine neue Farbe zu geben. Blau ist zur Zeit neben weiß noch immer modischer Trend, ich hatte aus vergangenen Tagen noch ein Päckchen Wasserbeize in der Werkstatt herumnliegen. Einen viertel Liter warmes Wasser gab der Wasserhahn freiwillig dazu und schon hatte ich einen Färbestoff, der die etwas vertieft liegenden Flächen des OSB ungefärbt ließ. Der Auftrag erfolgte mittels eines der vielen Kratzschwämme, die mir meine Frau für das Abwaschen des Geschirrs regelmäßig kauft. Hierbei konnte ich dann meine fotografischen Fähigkeiten nutzen.






So weit, so gut, doch nun begann der Ernst. Die zweite, noch unbehandelte Box stand schon in 1,5 Meter Höhe auf dem Messständer, damit die Trennung von Bass und Breitbänder per Weiche durchgeführt werden konnte. An dieser Stelle sei ein kleiner Hinweis darauf erlaubt, weshalb ich mich weigere, die geplante Verkupplung der beiden Chassis als FAST (Fullrange and Subwoofer Technology) zu bezeichnen, wie diese Technik erstmal von einem User eines Internet-Forums benannt wurde. Ein Subwoofer wird immer unterhalb von 150 Hz, besser noch weit darunter ausgekoppelt und unterstützt ein Satellitensystem, das den gesamten Stimmbereich wiedergibt. Bei meinem Projekt handelt es sich eher um eine klassische Dreiwege-Box ohne Hochtöner und Trennung zwischen 300 und 600 Hz. Das vermeidet den großen Makel von Sub-Sat-Sets, bei denen meist ein kleiner Bassmitteltöner durch die viel zu tiefe Trennung dynamisch überfordert ist, während der Bass eigentlich noch gut eine Oktave dranhängen könnte, aber leider dann ortbar wird. Die Folge sind auf dem Boden liegende Sänger, was der musikalischen Qualität nicht so förderlich ist. Da in der Axis 85 Bass und Mitteltöner in geringster Entfernung zueinander eingebaut sind, ist ein tiefer Übergang nicht nötig. Nützlicher Nebeneffekt: Die Bauteile für die Weiche werden kleiner und damit einhergehend billiger bei besserer Perfomance. Als Name für meine Konstruktion erscheint mit "Blub" passend - Bass-Lautsprecher und Breitband. Dieser Begriff ist dank der bekannten Spinat-Werbung seit langem positiv besetzt, wogegen das eher schlechte Image des "fast", also des "nicht ganz erreichten", dem Fast-Lautsprecher anhaftet.
Wer nun aufmerksam die Kritik am gebräuchlichen Namen gelesen hat, ahnt bereits, welches unerwartete Hindernis meine Pläne über den Haufen warf. Ein Dreiwege-System ohne Hochtöner muss das obere Frequenzband aus einer großen Membran abstrahlen, was den Sweet Spot recht eng macht. Das Gegenmittel ist die Positionierung der Boxen in Ohrhöhe und zusätzlich das Einwinkeln der Boxen auf den Zuhörer. Und da haben wir das Problem, das mir erst bei den Winkelmessungen so richtig in die Augen sprang: Wie soll beides mit einer Regalbox realisiert werden, wenn sie mehr als 30 cm tief ist? Sie einfach aus dem Regal nehmen und auf einen Ständer stellen konnte als Lösung nicht herhalten. Die Bassverstärkung durch Wandnähe gehörte zum Konzept, anders waren die 20 Liter für den Bass zu wenig. Weil aber der Gedanke an sich schon richtig war, gab es kein langes Zögern und ich baute einen hohlen Boxenfuß, der zugleich das Volumen der Kisten auf grob 30 Liter vergrößerte. Um Zugang zum Bass zu bekommen, fräste ich ein Rechteck in den Boden der Regalquader, erst einmal theoretisch per Zeichnung und dann praktisch mit Hilfe meiner Geat-Frässchablone.

Fehlte nur noch das Zusammenfügen der beiden Gehäuseteile und ein kippsicherer Boden. Wie das auf einfache Art zu verwirklichen ist, zeigen die folgenden Fotos.











Der zweite Teil des Bauplans darf natürlich nicht fehlen, allein aus den Bildern sind die Abmessungen der verklebten Bretter nur schwer erkennbar. Zum Selbstausmessen gibt es natürlich auch die beiden Baupläne als Zip-Datei im Sketchup-Format.
Die Weiche


Nachdem der Aufbau der Axis 85 doch mehr Nachdenken erforderte, war das Stricken der Weiche geradezu eine Wohltat. Den AXT-8 kappte ich bei 200 Hz, wo er dank Schallwandreflexionen seinen Anstieg begann, durch eine vorgeschaltete HQ-43-Spule und einen parallelen Elko, was zu seiner wunderschönen, blauen Kurve führte.
Nicht viel anstrengender war die Bearbeitung des AX-5, obwohl ich nichts von seiner Quickly- oder HR-Weiche übernehmen konnte. Seinen grünen Verlauf in der Box änderte ich zuerst unten durch einen in den Signalweg gelöteten MKP-Q4 (rot), oben konnte eine kleine Luftspule mit darüber liegendem Widerstand das Ansteigen ab 3 kHZ mildern (blau). Das Zappeln des Schriebs in diesem Bereich ist schmalbandig und bei Breitbändern üblich, also nicht weiter erschreckend. In Summe ergab sich ein zufriedenstellender Amplitudenschrieb mit Kreuzungspunkt bei 600 Hz und ausgezeichneter Addition der Zweige, wofür der Bass gegen den Breitbänder verpolt angeschlossen werden muss. Dem gelegentlich von Lesern geäußerten Wunsch nach eigener Anpassung habe ich diesmal auch nachgegeben und noch zwei Varianten für Mittel- und Hochton ausgemessen.

Der gedoppelte Widerstand über der kleinen Luftspule halbiert den Wert, wodurch etwa 3 dB mehr Pegel ab 7 kHz dem Oberton im stärker bedämpften Raum mehr Frische verleihen. Die zweite Variation lässt durch einen kleineren Kondensator den recht breitbandigen, leichten Buckel zwischen 200 und 1500 Hz verschwinden, der Stimmen angenehm warm färbt. Die blaue Version hat Vorteile bei wandnaher Aufstellung, die rote bei freier Platzierung der Boxen. Da man Kondensatoren nicht einfach in kleinere Werte zerhacken kann, größere jedoch leicht durch Parallelschaltung bekommt, liefern wir neben dem kleineren C einen weiteren, mit dem die größere Kapazität herzustellen ist. Natürlich liegt auch der zweite Widerstand der Lieferung der Axis 85 bei. Um auch der letzten Frage nach dem Aufbau der Weiche und ihrer Varianten aus dem Weg zu gehen, habe ich noch einmal meine Kamera bemüht.


Völlig sorgenfrei kann der Nachbauer an den Nachbau herangehen, wenn er jetzt auch noch die für heute letzte Fotogalerie zum Einbau der Bausatz-Komponenten beachtet.









Der Klang
Nach Fertigstellung beider Boxen ging es in den Hörraum, wo ich mir nicht schlüssig war, welche Signalquellen ich denn für meinen Test wählen sollte. Die Stereo-Qualitäten des neuen AV-Receivers will ich nicht kleinreden, ich nutze ihn täglich zum Radiohören. Doch konnte ich mir klanglich sicher mehr von meinen SAC-Komponenten erwarten, die wiederum preislich zu den Axis 85 etwas diskrepant wirken. So wählte ich mit Blick auf das günstige Preis-/ Leistungsverhältnis guten Gewissens meine eXperience KT 88-Röhre, wohl wissend, dass nur wenige Nachbauer einen Glimmkolben zum Musikhören nutzen werden. Das war dann auch schon das zweite Problem, denn allein aus dem günstigen Preis der Axis 85 und dem Bauprinzip ausschließlich auf junge Kundschaft zu setzen, verbot sich natürlich. Angesichts von grob 90 dB Schallpegel, für Boxen mit 8 Ohm schon eine ganze Menge, kommen auch schon ein paar ältere Semester als Nutzer in Frage, die sich gern mit ihrer Schallplattensammlung und dem Class-A-Verstärker (oder der Röhre) dem klanglichen Genuss hingeben. Dass dabei auch jeweils eine ganz andere Art von Musik die Raum beschallt, machte den Hörtest nicht einfacher. Doch was soll ich lang lamentieren, die Klangbeschreibung nimmt mir eh keiner ab. So packte ich nach und nach alles Mögliche an CD's in meinen Player und erfreute mich der besonderen Eigenschaft der Boxen, eigentlich keine ausgeprägte zu besitzen. Als erstes fiel mir meine mittlerweile zwei Jahre alte Bravo-Hits-CD in die Hände, auf der mich Madonna und Dustin Timberlake mit "4 minutes" und tiefem, gut durchgezeichnetem Bass überraschten. Klar und trotzdem ohne befürchtete Zisch-Geräusche war die Stimme von Leona Lewis, die mir von ihrer "Bleeding Love" vorsang. Als auch Alicia Keys nicht in den donnernden Drumms auf "No one" unterging, kann ich somit schon einmal den jungen Lesern die Axis 85 für diese Musikrichtung empfehlen, auch wenn ich mangels Gesprächspartners im entsprechenden Alter nicht heraus bekommen konnte, ob die genannten Namen heute überhaupt noch bekannt sind.
Einfacher wurde es für mich, als ich in die Abteilung Rock, Blues und Jazz eintreten durfte, in der die älteren Boxenbauer eher anzutreffen sind. Den alten Canned Heat-Klassiker "On the Road again", diesmal im Original statt von Katie Melua aufgelegt, konnte ich nicht leise über mich ergehen lassen. Ohne Murren oder spürbare Anstrengung machten die Boxen einen gut tanzbaren Pegel mit, der die alten Knochen wieder einmal ordendlich durchwirbelten. Selbst bei diesem reichlich bewegten Hörplatz war nichts zu bemerken von Dreiwege-Box mit fehlendem Hochtöner. Die dreidinemsionale Bühne mit Sänger vorn auf einer Front mit den Boxen und der Sologitarre bei dahinter gruppierter Rest-Band fiel mir dadurch jedoch erst wirklich auf, als ich dem Alter Rechnung tragend wieder mehr in sitzender, aber nicht ruhender Position dem grandiosen "Fried Hockey Boogie" zuhören musste. Als auch bei Miles Davis spektakulärem "Tutu" nicht der Wunsch aufkam, lieber eine andere Box mit diesem Vortrag zu betrauen, gab es auch keinen Anlass, die grauhaarige Generation davor zu warnen, beruhigt zu den Axen zu greifen. "Perfect Way", so der angespielte Titel, war geradezu Programm.
Ruhiger, aber keinesfalls langweilig ging es in der klassischen Sparte zu, Bachs Messe in H-moll, dargeboten von Schallplatte und dem Tübinger Kantaten-Chor zeigte die Breitbändern gern zugeschriebene Raumabbildung, die gar nicht ahnen ließ, wo denn irgendwelche Boxen am Werke sein sollten. Damit es nicht bei aller Freude über das gelungene Werk vergessen wird, muss ich aber einschränkend berichten, dass die Aufstellung der Axis hierbei von wesentlicher Bedeutung ist. Eingewinkelt auf den Zuhörer, aber nicht genau auf seine Ohren zeigend bereiteten sie den größten Spaß. Nachteilig ist es dann, dass man seine Freude nur mit anderen teilen kann, wenn man freiwillig oder unter Zwang den besten Hörplatz verlässt.
Udo Wohlgemuth
Technik
| Chassis | Gradient AXT-8 | Holzliste in 22 mm Grobspan pro Box: |
| Gradient AX-5 | ||
| 47,0 x 27,0 (4x) Front/ Rückwand/ Seiten | ||
| Vertrieb | Intertechnik, Kerpen | 22,6 x 27,0 (2x) Deckel/ Boden |
| Konstruktion | Udo Wohlgemuth | 22,6 x 14,4 (1x) Kammer Rückwand |
| 22,6 x 10,0 (1x) Kammer Boden | ||
| Funktionsprinzip | Bassreflex/ 2 x BR 50, 9 cm lang | |
| Nennimpedanz | 8 Ohm | |
| Dämmstoff: | 2 Matten Sonofil | Frästiefe: |
| Terminal | T 105 MS/ AU | AXT-8: 5,5 mm |
| AX-5: 4,0 mm | ||
| Kosten pro Box: | ||
| Einzelteile | 157 Euro | Fuß in 22 mm Grobspan pro Box: |
| Bausatz: | 150 Euro | |
| 16,4 x 59,0 (4x) Fuß | ||
| Holzzuschnitt: | 25 Euro | 32,0 x 27,0 (1x) Boden |








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