Fahrrad und Musik
Was macht man, wenn man als Hobby Musik und Radrennen hat, das Wetter draußen so schlecht ist, dass man nicht mehr vernünftig Training draußen fahren kann? Richtig, ab in den Keller zum „Spinning“ bei entsprechender-„Mucke“. Um im Rhythmus der Musik Sport zu machen, hat sich seit Jahren eine ganze Gilde von DJ’s darauf spezialisiert, Musik jeglicher Art mit treibenden Beats und festem Bass zu unterlegen, dass nun ja auch die Beine auf dem Rad quasi gezwungen sind, im Takt zu wirbeln oder zu stampfen. Ich muss ja wohl nicht erwähnen, dass auch eine gewisse Lautstärke vonnöten ist, um surrende Räder und stöhnende, schwitzende Sportler bei Laune zu halten.
Da der Gang zum Fitnessstudio aber auch neben dem Zeitproblem eine Geldsache ist, kommt so mancher Hobbysportler auf die Idee, so etwas im heimischen Keller zu machen. Die Idee des Sportkellers bei uns war geboren. Nachdem der Kellerraum mit Farbe, Fußboden, Styropordeckenverkleidung optisch schon einem Schmuckstück glich, verlangte diese Steilvorlage gerade danach, dass auch die Beschallung nun den Ansprüchen eines Sportlers mit Musikerohren (spiele selber Posaune) genügte. Sehr schnell entfielen somit diverse Hifi-Marktprodukte. Die können zwar Krach, aber nicht Klang, sind zwar laut, schädigen aber die Ohren. Gebrauchte PA-Produkte, die klanglich befriedigen, fielen dem Budget zum Opfer, gute PA ist selbst gebraucht noch teuer. Ein Stöbern im www nach Bezahlbarem und die Suche nach Grundlagen der Beschallungstechnik brachte mich dann auf Lautsprecherbau.de. Nachdem ich mich durch die Grundlagen durchgeackert hatte (es las sich wie ein Roman, fühlte mich an Physikstunden im Schulunterricht erinnert und an Werkstätten von Blechblasinstrumentenbau), stand fest, so etwas sollte es werden: Lautsprecherselbstbau.
Ein Besuch bei Udo im Laden im Frühjahr tat ein Übriges. Das, was ich da hörte, war Klang! Egal, ob in kleinem oder großem Gehäuse. Also ging die Suche nach geeigneten Bausätzen lös. Die von Udo vorgeschlagene Ideallösung (Power 220) für einen Raum unserer Größe (gut 40 m²) und den Betonwänden fiel dem häuslichen Budget und dem WAF zum Opfer. Für die zweite Wahl (Mystery PA) galt das Gleiche. Also Verabschiedung von den hohen Tönen per Horn. O.k – Kompromisse müssen gemacht werden. Nach ausgiebigem Stöbern in den Beschreibungen fiel dann die Wahl auf ganz schlicht, ganz einfach, aber gaanz wirkungsvoll! AX-08 HR Nach der Beschreibung sollte der „Alleskönner“ auch die oben gestellte Aufgabe zufriedenstellend bewerkstelligen.
Da dies mein erstes Boxenbauprojekt war (ich verrate glaube ich nichts Neues, wenn ich sage, es war nicht das Letzte), bin ich da vorsichtig herangegangen. Da ich über keinen Lötkolben verfüge, aber über einen Schwager, dem der Elektroniker quasi in die Wiege gelegt wurde, war er der richtige Ansprechpartner für Übungen in Sachen Löten. Den Schaltplan zu lesen war für mich Dank meiner Jugenderfahrungen mit diversen Elektronikbaukästen kein Thema. Für den Gehäusebau griff ich auf einen gelernten Schreiner im Bekanntenkreis zurück. Meine Schilderungen faszinierten ihn, so dass er mir anbot, die Gehäuse zu bauen und mir sozusagen „Unterricht“ in Sachen Schreinerei zu geben. Das Angebot nahm ich gerne an.



Die Schreinerehre verweigerte allerdings den Wunsch nach ganz preiswertem Grobspan, es musste schon Multiplex sein, der Optik wegen – o.k. Also das Holz gekauft. In gut 3 Stunden hatte der Fachmann nicht nur das Holz entsprechend dem Bausatzplan zugeschnitten, nein, auch mittels Oberfräse die Kanten gerundet und die Innenseiten der Seitenflächen sowie Kanten der Vorder-, Rück-, Ober- und Unterseite obendrein auch noch mit einer Art Holzdübeln versehen. Somit war sowohl ein provisorischer Zusammenbau möglich, um den Klang zu testen, als auch ein zum Leimen wirklich absolut präzises Zusammenfügen. Eine Stunde Lötarbeit beim Schwager ergab die beiden Frequenzweichen. O.k, meine Lötstellen waren optisch nicht so schön wie die vom Fachmann, aber sie hielten. Die Kabelenden am Terminal wurden mit Quetsch-Gabel-Kabelschuhen versehen, so dass sich das Terminal von außen für den Fall der Fälle leicht demontieren lässt und die Kabelenden nicht immer an- und abgelötet werden müssen. Am Lautsprecher wurden die Kabel angelötet. Vor dem Einbau habe ich dann den ersten Lautsprecher mit vorgeschalteter Frequenzweiche an den Verstärker (ein gut 20 Jahre alter Kenwood Stereo-Verstärker) angeschlossen, einfach um zu sehen, ob die Lötarbeit auch erfolgreich war und richtig, der Lautsprecher spielte. Das sollte übrigens jeder einmal machen, bevor man die Box zusammenbaut, denn das „Boah-Erlebnis“, wie sich das System eingebaut anhört gegenüber dem „Leerzustand“ ist unvergleichlich ;-)
Also die „Technik“ in die noch offene Kiste eingesetzt und angeschraubt. Dann den Verstärker wieder angeschlossen und nun bei laufender Musik die Sonofilmatten in die Box nach Angabe gelegt – frappierend zu erleben, wie sich der Klang von einem leise vor sich hindudelnden Lautsprecher zu einem differenzierten Klangbild, mit Bass entwickelt – tja und dann die Seitenwand aufgelegt – nur aufgelegt und schon kam Musik aus dem Axis! Die Seitenwand wieder abgenommen, Leim auf alle Stellen, Seitenwand wieder aufgesetzt und die Schraubzwingen angezogen. Andächtig vor die Box gesetzt und während der Leim abband, schon einmal Musik genossen!
Die zweite Box wurde ebenso hergerichtet, was eine gute halbe Stunde in Anspruch nahm. Das war genau die halbe Stunde, die der Leim an der ersten schon geleimten Box brauchte, um unter Druck abzubinden. Der Möbelschreiner entschied, dass die Zwingen entfernt wurden, ja und dann kam der ultimative Klangtest, der direkte Vergleich der Axis mit meinen 23 Jahre alten Heco 830 superior im Wohnzimmer.
Eigentlich ist dieser Vergleich unfair, denn Breitbänder Hornreflex gegen geschlossene 3-Wege Box, das ist so ähnlich, wie Birnen mit Äpfeln zu vergleichen, oder preiswertes Auto mit einem Fahrzeug der gehobenen Mittelklasse.. Ich wollte nun doch aber wissen, wie denn der klangliche Unterschied zwischen einer Box für ehemals 1.300 DM das Stück zu 150 Euro ( somit ca 300 DM) Selbstbau pro Stück war. Dazu ganz simple „Alltagsmusik“ aus der Kuschelrocksammlung aufgelegt – Whitney Houston, Joe Cocker, Take That, also nichts Spektakuläres…Das Ganze über CD und den guten alten Sony-Esprit-Verstärker. Was soll man sagen – wir waren allesamt schlichtweg platt! O.k – etwas differenzierter: Die Mitten und Höhen schaffte die alte Heco nuancenreicher, insgesamt klarer, feiner. Der Unterschied war aber nicht so, dass man sagen konnte, die Axis klingt da nicht, im Gegenteil Sehr schöne Mitten und Höhen waren da zu hören, nur halt nicht ganz so fein und nicht so hervortretend. Dann der Bass. Gegen das Volumen, was der eine Axis-Breitbänder da hinlegte, brauchte die Heco-Box schon beide Bässe, die sie hat. Die Tiefen des Axis füllten den gut 40 m² Raum auch bei geringer Lautstärke, das bekamen die alten Schätzchen kaum besser hin. Wir waren uns einig, der preisliche Unterschied war bei Weitem nicht hörbar.
Der nächste Vergleich fand einige Tage später statt. Die Axis spielte schon einige Tage und von Tag zu Tag klangen sie immer noch besser. Also sollten sie nun noch einmal den Vergleich mit den Hecos wagen. Wie im Hörstudio alle Boxen wieder an den Sony angeschlossen und wechselweise über die Schaltung am Verstärker die gleiche Musik‚ mal auf Boxenpaar A oder B gehört. Zunächst wurde nun die Musik genommen, die man halt beim Spinning so braucht – also „Rumm-Bumm“ und geliefert von einer Laptopfestplatte im mp3 Format. Natürlich kommt es hier nicht auf klanglichen Hochgenuss an, aber gleichwohl baute sich im Stereodreieck bei den Axis ebenso eine Bühne auf, wie bei den Hecos. Der Höreindruck im Bassbereich machte in der Tiefe keinen Unterschied. Der Bassklang war von den Hecos nur unwesentlich differenzierter. Die Höhen klangen bei dem Axis vielleicht sogar in Summe angenehmer, denn gerade die oftmals „gesampelte“ Technomusik ist in den Höhen sehr auf Effekt abgemischt und somit bei guten Kalotten schon so präzise stechend, dass es im Ohr schon mal anfängt zu klingeln. Das konnte der Breitbänder nicht bieten, da klang das Ganze in den Höhen zurückgenommener, ähnlich, als wenn man einen dünnen Vorhang vor die Kalotte gespannt hätte, oder den Höhenregler etwas herausgedreht hätte.
Um nun auch für den Leser eine Klangbeschreibung zu liefern, der die Box nicht nur mit Spaßmusik für den Sport betreiben will, wurde sie nun mit verschiedenem Musikmaterial gefüttert. Aus der Jazzecke durften sich Norah Jones und Miles Davis versuchen, die Soulabteilung übernahm BB-King. Die Beatles fehlten ebenso wenig wie Carlos Santana. Bon Jovi durfte ran, ebenso Deep Purple und Madonna. Die Klassikabteilung übernahmen Nigel Kennedy an der Violine sowie die Berliner Philharmoniker, meine geliebte Blechbläser-Fraktion kam bei Canadian Brass zu ihrem Recht.
Auch hier habe ich ganz bewusst nicht die Platte als Zuspieler gewählt. Ganz ehrlich, meine Posaune knistert auch nicht, wenn sie gespielt wird. Da schon mal leicht ein Staubkorn auf der Platte hängt, oder sonstige Verunreinigungen sich dort finden, mag ich die Platte nicht unbedingt. .In meinen Ohren klingt die auch nicht generell besser als eine CD. Ob eine CD „kühl“ klingt und die Platte „wärmer“ ist mir ziemlich schnuppe, Hauptsache die Posaune klingt so, wie ich sie spiele, mit allen Stärken und Schwächen, da mag ich nicht noch irgendwelche mechanischen Einflüsse vom Vinyl nebenbei hören, da kann ich dann auch gleich das Grammophon nehmen.
So, wie kommt der Klang nun daher? Fakt ist, man sollte bei den Axis möglichst im „Stereodreieck“ sitzen. Einen Meter nach rechts oder links, oben oder unten versetzt und schon hört sie sich anders an. Beim Spinning kein Problem, die Fahrräder stehen dabei wie einbetoniert an ihrem Platz – im Dreieck natürlich. Was der Breitbänder am Besten schafft war alles, was sich im mittleren Frequenzbereich bewegte. Also, Gesangsstimmen, mit schönem Volumen, nicht zu schrill, niemals aufdringlich, somit klappte auch Klassik mit Kammermusik ganz prima. Schön voll, rund, wie war das – aus einem Guss? Genau! Klassik mit voller Dynamik eines Sinfonieorchesters ging zwar auch recht gut, aber das konnte die 3-Wege-Box schon noch eine Klasse besser. Kleine Jazzbesetzungen, wo der Kontrabass schön gezupft wurde, der Besen über die snare-drum strich, passten aber so wunderbar, dass nicht unbedingt der Wunsch nach teureren Boxen aufkam. Deep Purple? Ja bitte, „Child in time“ in der live-Aufnahme „Made in Japan“ donnerte so aus den Kisten, dass jeder Rockfan seinen Spaß daran hat. Jede nur durchschnittlich abgemischte PA im Live-Konzert klingt schechter!
Fazit, ich habe für knapp 300 Euro ein funkelnagelneues Boxenpaar hier stehen, mit dem man 1A Musik jeglicher Art hören kann und nie glaubt, das soviel Musik für sowenig Geld möglich ist. Will man bessere Musik haben, so hat Udo ja noch diverse andere Bausätze dafür in petto (siehe Bluesklasse). Auf dem Fertigboxensektor wird es schon bei der Qualität der Axis wohl nur im gehobenen Preissegment etwas geben, was den Axis das Wasser reichen kann, bei der Bluesklasse wird’s im Fertigbaubereich wohl schon fast unerschwinglich. Für mich steht fest, ein Austausch der Heco’s im Wohnzimmer wird nur noch über Selbstbau gemacht und ich werde fit wie nie durch diesen Winter im Sportkeller kommen, bei der Musik! Ach ja, natürlich könnte ich die Boxen jetzt auch noch im Oberflächenfinish optimieren, aber muss das sein? Selbst das einfache unbehandelte MDF sieht gar nicht einmal schlecht aus. Aber o.k, wer hindert mich daran, die Kisten demnächst noch optisch aufzupeppen? Oder lasse ich das für das nächste Projekt? Das kommt nämlich bestimmt!
Wolfgang
Die "AX 08-HR" kann bei Intertechnik oder Acoustic Design Wohlgemuth bestellt werden
Hallo Wolfgang,
ich kann deinen Bericht und deine Einschätzung nur bestätigen.
Die AX8 ist schon ein tolles Teil.
Beneide dich fast um deinen Platz, denn bei mir gehts etwas enger zu.
Die AX braucht seitlich etwas Freiraum. Aber auch ohne diesen ist es einfach nur klasse was da raus kommt.
Gruss Norbert
PS: Meine stehen noch im Rohbau da ;-(, aber die klingen trotzdem super !
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