Baubericht SB 36
Die Entscheidung
Nach unserem Umzug ins eigene Heim, musste ich leider nach kurzer Zeit feststellen, dass für meine Duetta im Wohnzimmer einfach nicht der richtige Platz zu finden ist. Sie standen mitten im Durchgangsbereich und stellten dort auf Grund ihrer Größe ein beträchtliches Hindernis dar. So mussten sie zusammen mit der Stereo Elektronik in mein Büro umziehen. Hier ist ausreichend Platz und auch entsprechende Ruhe für angenehmes Musikhören.
Natürlich fehlten jetzt im Wohnzimmer ein paar entsprechende Lautsprecher. Für die Zwischenzeit stellte ich die DTL, welche zuvor als Rückkanal Lautsprecher dienten, nach vorne. Fazit dabei: Für das Wohnzimmer, in dem meist Musik im Hintergrund gehört und vielleicht gelegentlich ein Film geschaut wird absolut OK….Aber für einen effektiv zu beschallenden Raum von 25 qm für mein Empfinden dann doch etwas zu wenig Bassdruck. Gut, dass Udo Wohlgemuth/IT noch ein paar mehr Lautsprecher Bausätze in ihrem Sortiment haben!
Also ab auf diese Seiten und viel gelesen. Nach einiger Zeit des Lesens und ein paar Emails mit Udo war der Favorit gefunden: Die SB36. Zwar hätte auch die DTL noch zu einer Doppel 7 Light ausgebaut werden können, jedoch hat die SB36, oder besser die SB Acoustics Serie einen großen Vorteil: Es gibt die passenden Wallstreet Bausätze für den Rückkanal. Denn wie das so ist, kommt hinter dem Sofa die Wand und damit ist hier nur sehr wenig Platz für ein paar weitere Lautsprecher. Dies wird dann das nächste Projekt werden….
Die Bauphase
Bestellen ist so das eine und in meinem Fall bei Udo auch sehr einfach. Lieferzeiten sind da etwas anderes und Anfang des Jahres 2011 waren die SB Acoustics Chassis wohl schlecht lieferbar. Also habe ich dann einfach schon einmal mit dem Gehäusebau angefangen. Da sich dies über mehrere Monate hinzog und der Projektfortschritt sehr langatmig war, vergaß ich während dessen Fotos zu machen.Aber nun erst einmal ein paar Worte zur Form: Rund sollte es diesmal sein. Eckig mit großen Fasen hatte ich schon mehrfach gebaut und es musste diesmal etwas anderes her. Um einen ersten optischen Eindruck der Form zu bekommen, nutze ich gerne ein CAD Programm. Da hat man, ohne ein Brett gekauft zu haben, schon vorab eine recht gute Vorstellung, wie das endgültige Gehäuse nachher wirken wird. Außerdem bekommt man eine Berechnung des Volumens fast gratis dazu. Ausgangspunkt war hierbei für mich die Front, welche die von Udo vorgeschlagenen Dimensionen behalten sollte. Davon ausgehend habe ich dann solange probiert, bis Optik und Volumen zusammenpassten.
Als Basis für den Bau des Gehäuses sollten nun die Frontplatte (der unsichtbare Teil davon) und die formgebenden Elemente (Verstrebungen, sowie Boden, Deckel und Rückwand) dienen. Die Seiten wollte ich mit einem dünnen Holz Schicht für Schicht über die formgebenden Teile aufbauen. Soweit die Theorie. In der Praxis stellte sich für mich heraus, dass sich das knapp 3 mm ‚dünne’ Holz mit meinen Mitteln nicht über diesen Radius biegen ließ. Alternativen in Form von dünnerem Holz waren im lokalen Baumarkt nur zu einem wenig attraktiven Preis zu haben und hätten den Aufwand für das Verleimen der einzelnes Schichten drastisch erhöht. So blieb nur die Möglichkeit mittels Tischkreissäge ca. 2-3 cm Streifen (in Abhängigkeit von der Krümmung) zu sägen und diese dann beginnend bei der Frontplatte zur Rückseite hin Streifen für Streifen aufzuleimen. Um die teilweise entstandenen kleinen Lücken von innen zu schließen und damit die Box dicht zu machen, war die erste Idee ein Dichtungsmittel aus dem Hausbau zu verwenden, welches z.B. für die Abdichtung von Dächern benutzt wird. Teilweise wird bei diesen Mitteln jedoch Lösungsmittel o. Ä. verwendet. Hierbei besteht die Gefahr, dass unter Umständen die Sicken der Chassis angegriffen werden. Damit schied dieses Produkt definitiv aus.
Als Alternative wählte ich dann einfach Holzleim der mit einem großen Pinsel auf die Seitenwände aufgetragen wurde, in die Lücken kroch und von innen eine Art Haut bildete. Nach der Methode „Viel hilft Viel“ lag der Verbrauch bei den beiden Gehäusen bei ca. 2 Litern. Die nächsten Schritte bestanden dann aus stundenlangem Schleifen mit Band- und Schwingschleifer. Zuerst mussten die Übergänge zwischen den einzelnen Streifen an die gewünschte Rundung angepasst werden. Weitere Schleifgänge mit immer feinerer Körnung brachten dann irgendwann das gewünschte Ergebnis.
Der darauf folgende Arbeitsgang ist folglich Lackieren oder Furnieren. Mit dem Furnieren habe ich bis jetzt nur gute Erfahrungen gemacht, also kam auch diesmal nur Furnieren in Frage. Da von der Dame des Hauses ein helles Furnier gewünscht wurde, fiel die Wahl auf Ahorn. Dies wurde nach der Bügelmethode aufgetragen und anschließend, um es noch etwas heller zu machen, mit einem weiß gefärbten Ölwachs behandelt. Nach dem Fräsen der Frontplatte bekam diese noch ein Mäntelchen aus schwarzer Mikrofaser verpasst.
Fehlten nur noch die Weichen. Diese hatte ich in einer der Trocknungsphasen des Holzleims zuvor schon auf jeweils einer dünnen Holzplatte aufgebaut und verlötet. Da ich kein Freund vom Verlöten der Chassis bin wurden die Kabel, wie auch bei den Projekten zuvor, mit entsprechenden Steckern gecrimpt.
Die MusikBevor ich mich mit den neuen Lautsprechern auseinandersetzen wollte, mussten diese erst einmal ca. 15 - 20h ohne Zuhörer absolvieren. Dann war es endlich soweit: Probehören! Wie würden sich die SB36 wohl schlagen? Immerhin bin ich durch die Duetta doch etwas verwöhnt.
Wie soll ich meinen Eindruck nach jetzt ca. 4 Wochen Betrieb zusammenfassend schildern? Bluesklasse? Meiner Meinung nach zu Recht! Das Musikhören macht richtig Spaß. Der Klang ist dabei angenehm homogen. Obwohl die SB36 aufgrund der ‚nur’ zwei 17er nicht den Tiefgang einer Duetta aufweisen kann, hat man nicht den Eindruck, dass etwas fehlen würde. Darüber hinaus verzeihen sie auch schon mal den einen oder anderen Fehler bzw. nicht so perfekt aufgenommene CDs. Jedoch sind auch sie abhängig von der vorgeschalteten Elektronik. An meiner AVM Vor/Endkombi klingen sie z.B. um einiges transparenter und dynamischer als am Marantz SR. Einen direkten Vergleich der SB36 mit der Duetta spare ich mir an dieser Stelle. Obwohl beide in der gleichen Klasse spielen, sind sie einfach zu unterschiedlich in Bauart, Preis und Klang.
Rolf (Forum Nickname: blank)
Die SB 36 kannst du nur bei Intertechnik oder Acoustic Design Wohlgemuth erwerben




Schön sind sie geworden Deine SB36!
Was mich ein wenig wundert ist daß Du die Platten nicht hinbiegen konntest, der Radius sieht nicht so extrem aus. Ich glaub mir Spanngurten und Keilen hätte sich das schon machen lassen, aber wenn das mit dem Leim abdichten funktioniert dann ist's ja auch gut.
Viel Spaß weiterhin damit,
Günther
Hallo Günther.
Tja, dass das mit dem Biegen nicht geklappt hat, verwunderte mich auch. Vielleicht habe ich mich aber auch diesbezüglich nur zu dusselig angestellt ;-)
Grüße,
Rolf
Hallo Rolf,
was war denn der Grund für Dich den SB Bausatz zu wählen? War es reine Neugier? Da Du ja schon recht aufwendige Gehäuse gebaut hast, wären ja wohl auch die Eton Varianten mit zwei 17er in der engeren auswahl gewesen. Oder war letztlich der Preis ausschlaggebend? Willst Du uns an Deiner Entscheidungsfindung teilhaben lassen?
Gruß Uwe
Hallo Uwe.
Der Hauptgrund dafür steht in den ersten Absätzen des Artikels:
1) Die Möglichkeit der Kombination mit Wandlautsprechern (Wallstreet 3 - Bericht muss ich noch schreiben)
2) Neugier? Natürlich auch das!
3) Ein preislicher Vorteil ist hier auch nicht zu verleugnen. Ein 4.0 mit Eton Chassis wäre wahrscheinlich teurer geworden...obwohl das für mich nicht so wichtig gewesen ist.
Grüße,
Rolf
Hallo Rolf,
schöne ovale SB´s hast Du da geschaffen, gefallen mir sehr.
Wenn Du im Besitz einer Tischkreissäge mit Schnitthöhenverstellung bist, könntest Du zB. alle ca. 3cm in der Breite einen Schnitt anlegen, dann solltest Du die Seiten auch mit Spanngurten gebogen bekommen.
noch einen musikalischen Sonntag
Detlef
Hallo Detlef.
Wenn ich noch einmal Gehäuse in abgerundeter Form baue, werde ich es auf die von dir vorgeschlagene Weise probieren. Irgendwie bin zuvor nicht auf die Idee gekommen - spart wahrscheinlich einiges an Schleifaufwand....
Grüße,
Rolf
Hallo Reiner,
dass die Kisten im Ganzen toll geworden sind, muss ich ja nicht mehr erwähnen! ;)
Auch wenn's bei mir um Kunstleder geht und mir das plüschige Mikrofaser nicht so zusagt: Darf ich fragen, wie du die Ecken so hervorragend hinbekommen hast?
Danke und Grüße
Stephan
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