Früher war alles viel besser! Diesen Satz darf man als Lautsprecherbauer ruhig laut schreiben, zum Mindesten, wenn man unter "besser" einfacher versteht. Klare Strukturen waren damals vorgegeben durch die Einordnung in die nahezu unvereinbaren Rubriken "Stereo" und "Heimkino". Einschränken muss ich dabei natürlich auch noch das "damals", denn so lang ist es gar nicht her. Die noch vor wenigen Jahren gebräuchlichen Röhrenfernseher verlangten nach abgeschirmten Centern, andernfalls gab es schöne Farbmuster statt Handlung zu sehen. Nicht weiter eingehen will ich auf die Frage, was dabei die Sinne des Betrachters mehr faszinieren konnte, Kunst ist nicht durch Diskussion zu bewerten. Also gab es auch in der Chassis-Zuteilung die mit und die ohne Kappe, je nach angedachtem Einsatzzweck. Als ich im Oktober 2008 die MS 4 TL vorstellte, war die Welt soweit noch in Ordnung, über umgebende Nebenboxen dachte ich nicht weiter nach. So habe ich darauf erst recht nicht bei der Chassis-Zusammenstellung geachtet und den klassischen Aufbau aus 20 cm-Bass, echtem 12 cm-Mitteltöner und 19 mm-Hochtöner gewählt. Aus heutiger Sicht war das der falsche Weg, denn mit der MS-Micro und der Dappo 4 hatten wir schon seit der ersten Ausgabe des Magazins die richtigen Mitspieler, die allerdings nur mit ähnlichen Chassis des gleichen Herstellers bestückt sind. Das Glück, das mir häufig schon hold war, erwischte mich auf dem passenden Fuß, als dem NoFerro 12 das baldige Produktionsende prophezeit wurde und somit ein Update der MS 4 TL anstand. Also machte ich nun zeitgemäß Nägel mit Köpfen und wechselte die gesamte Mittelhochton-Einheit gegen die Bestückung der MS-Micro aus. Eher kein Zufall war es, dass in diesem Zuge auch noch der Dappo 4 Center abfiel. Ich will ja nicht schon wieder den Fehler machen, die Zukunft zu verschlafen.
Fast ist damit schon alles gesagt, was es zu diesem Projekt zu schreiben gibt, denn wirklich neue Boxen entstanden eher nicht. Getauscht wurden bei der TL-Box MCA 12 RC gegen CA 12 RCY und NoFerro 12 gegen NoFerro 800 TV. Ein neues Gehäuse zeichnete ich nur für die Dappo 4 Center, deren Chassis in die Mitte der 90 cm breiten und 18 cm hohen Box mit 18 cm Tiefe wanderten. Den Reflexkanal teilte ich zur symmetrischen Verteilung in zwei halb so große Schlitze, die rechts und links die Front begrenzen. Das ergab zwar eine Menge an Leerfläche, die ich bei mehr Tiefe hätte reduzieren können. Doch auch hier schlug sich das neue Zeitalter nieder, denn wer stellt schon freiwillig seinen breiten Flachbildschirm auf eine röhrentauglich tiefe Kiste?

Keine großartigen Änderungen waren an der Bauzeichnung der MS 4 TL notwendig. Es reichte die Vergrößerung des Hochtöner-Ausschnittes von 9,6 auf 10,4 cm Durchmesser, wofür nicht ein einziges Zentrum von seinem Platz verschoben werden musste. Der CA 12 RCY hat den gleichen Korb wie sein Mittelton-Bruder, lediglich der Magnet ist größer. Da der Einsatz erst ab 350 Hz geplant war, ist auch das Volumen für den Mitteltöner zweitrangig, es dient mehr dem Schutz vor den Basswellen als der mechanischen Auskopplung.

Für beide Gehäuse gibt es natürlich auch wieder die Sketchup-Datei zum Herunterladen.Auf langatmige Fotogeschichten zum Aufbau der Gehäuse verzichte ich diesmal. Es sei an dieser Stelle lediglich darauf hingewiesen, dass sie aus MDF mit 19 mm Stärke, Fugenleim und ohne Schraubzwingen oder sonstige Druckmittel zusammen geklebt, geschliffen und gefräst wurden. In das Dappo4Center-Häuschen packte ich zwei Matten Sonofil, die locker zusammengerollt
durch die Bassausschnitte bis kurz vor die Reflexkanäle gestopft wurden und den gesamten Innenraum ausfüllen. Von meiner Rollenware, die ich statt des Sonofil benutze, liefere ich eine Matte mit 1,6 m Länge und 20 cm Breite, die der Nachbauer selbst in vier Teile schneiden und raumfüllend in die Boxen einbringen muss. Die Transmissionline verbraucht acht Beutel Sonofil oder zwei Bahnen Rollenware in den Maßen 160 x 25 cm, die beide Line-Hälften gleichmäßig füllen. Vorher sollte das Kabel zwischen Weiche und Terminal durch eine Bohrung in der TL-Trennwand mit grob jeweils 15 cm Überstand aus dem Bassloch und dem Rückwandausschnitt eingesetzt werden. Unter die Boxen schraube ich gern die schönen Gummifüße namens RS-07/22, die es bei Intertechnik unter der Artikelnummer 1384200 im Zwanzigerpack für 3,50 Euro zu kaufen gibt. Somit reicht ein Päckchen davon für ein komplettes Heimkino ohne Subwoofer, der beim Einsatz der MS 4 TL in Räumen bis zu mittlerer Größe wohl auch überflüssig ist. Nicht darauf verzichten kann, wer sein Home-Cinema mit drei Dappo 4 als Front und zwei MS-Micro im Nacken bestückt. Einen dazu empfehlenswerten Subwoofer werden wir demnächst wohl mit dem CA26RE4X erfinden.
Die Entwicklung der Weiche für den Dappo 4 Center kann man eigentlich gar nicht so nennen, denn ich habe zuerst einmall zum Test alle Teile wie bei der Ursprungsbox zusammengefügt und war fast schon fertig. Dem Hochtöner gönnte ich jedoch noch etwas mehr Pegel und tauschte den parallelen Widerstand im Spannungsteiler gegen einen doppelt so großen aus. Das macht zwar nur grob 1 dB Pegelunterschied, doch ein Center darf da ruhig etwas zulegen, weil er meist unterhalb der Ohren betrieben wird.
Messungen Dappo 4 Center:
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| Frequenzgang und Phase | Impedanz | Frequenzgang unter 0/ 15/ 30° |
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| Klirr für 90 dB | Sprungantwort | Wasserfall |
Anders sah es da schon für die MS 4 TL MK 2 aus, denn bei ihr blieben außer der etwas eigenwilligen Schaltung nur drei Bauteile an ihrem Platz. Einschränkend muss ich allerdings erwähnen, dass kaum mehr als doppelt so viele davon verwendet wurden, wenn wir die Impedanzkorrektur nicht mitzählen, die Röhrenhörern vorbehalten ist. Der Bass wird wiederum phasengedreht angeschlossen, um eine korrekte Summenbildung mit dem Mitteltöner zu erhalten. So ist gewährleistet, dass es im Heimkino-Betrieb
keine Phasenprobleme mit dem Center und den Rears gibt, wenn die "normal" mit Plus an Plus und Minus an Minus laufen.
Das Zweigdiagramm zeigt die Trennfrequenzen bei 410 und 2100 Hz durch den Schnittpunkt der Kurven, der jeweils 6 dB unter der Summenkurve liegt. Für das Auge hat der Mitteltöner nur einen kleinen Bereich abzudecken, für das Ohr ist er jedoch maßgeblich an den fast fünf Oktaven zwischen 150 und 4000 Hz beteiligt, in denen die menschliche Stimme angesiedelt ist. Zufrieden mit seiner handwerklichen Leistung ist der Entwickler, wenn die Summenkurve wie hier im Trennbereich immer oberhalb der Zweige liegt.
Messungen MS 4 TL MK 2:
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| Frequenzgang und Phase | Impedanz und Korrektur | Frequenzgang unter 0/ 15/ 30° |
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| Klirr für 90 dB | Sprungantwort | Wasserfall |
Immer wieder Anlass zu Fragen bietet der Weichenaufbau, der entweder auf speziell für den Bausatz vorgefertigten Platinen, Inselleiterplatten oder auf einem Holzbrett ausgeführt werden kann. Keine der Methoden hat einen wirklichen Vor- oder Nachteil, ich nutze meist die letzte, weil ich so auf der gleichen Seite alle Bauteile und deren Verbindungen untereinander vor Augen habe. Besonders nützlich ist das, wenn die Weiche schon im Gehäuse steckt, aber irgendetwas nicht so funktioniert, wie es eigentlich erwartet wurde. Wenn dann die Zusammenhänge der Bauteile auf der Unterseite stecken, ist erst der Ausbau der Weichen nötig, bevor die Schaltung kontrolliert werden kann. Diesen Umstand kann man natürlich nicht den Platinen anhängen, es ist vielmehr der menschliche Faktor, der schnell einmal an die Position eines C's ein R steckt und beim Betrachten der Unterseite die Zuordnung aus dem Auge verliert. Eine gute Hilfe ist es, alle Bauteile zuerst einmal auf den ausgedruckten Schaltplan zu legen und so zu sehen, wessen Beine womit zusammen gehören. Kein Zeichen von Schwäche ist es, wenn man von diesem Behelfsaufbau ein Foto macht, das man später mit dem konkreten Ergebnis vergleichen kann. Damit zum Mindesten der Brettfall verlässlich funktioniert, habe ich vier Fotos aus allen Blickwinkeln geschossen, auf denen ich die Punkte beschriftet habe, wo die Kabel zu den einzelnen Chassis und dem Terminal angelötet werden. Unsichtbare Lötstellen habe ich nicht mit Buchstaben markiert.



Wer wie ich mit einem Center hantiert, darf sich nicht darüber ärgern, dass ständig das heimische Theater im Vordergrund der Berichterstattung steht. Es ist der Lauf der Zeit, dass eine vielfältige Verwendung bei der Planung neu anzuschaffender Boxen ein wesentlicher Faktor ist. An dieser Stelle gilt es aber, genau zu differenzieren, wo das Augenmerk liegen soll. Um nahezu ausschließlich geräuschvolles Flimmern vor den Augen zu haben, genügt oftmals die billigste Lösung je nach zu beschallendem Raum mit kleinen Breitbändern oder Zweiweg-Satelliten und dickem Subwoofer, die rundum die gleichen Töne absondern. Um nebenbei auch annehmbar Musik zu hören, ist unsere Einsteigerklasse mit den größeren Quickly- und FirstTime-Bausätzen goldrichtig. Liegt das größere Gewicht jedoch bei der Musik, ist eher die Aufsteigerklasse gefordert,
passende Repräsentanten sind die Elip 1 oder Elip 2, für die es dank Gabriele auch einen Center gibt. Um diese Liste fortzuführen, fielen mir bis gestern nur ein paar Behelfe ein. Aufeinander Abgestimmtes fand sich dann erst wieder in der Bluesklasse mit den Bausätzen der SB-Reihe oder den Eton-Kombinationen, bei denen ich jedoch viel lieber einen guten Stereo-Verstärker sehe als einen noch so viel versprechenden AV-Receiver. Mit der MS 4 TL MK 2 und dem Dappo 4 Center schließt sich wieder eine Lücke im System, die Transmissionline spielt etwas grundtonreicher als die Elips, was besonders dem Klassik-Freund gefallen wird. Eine genauere Klangbeschreibung spare ich mir, die Box hat sich durch den neuen Mittelhochton nicht wirklich verändert und die Sätze zum Stereoklang aus dem Oktober 2008 will ich nicht per Paste und Copy hier einfügen. Nicht einmal sie mit anderen Worten neu zu schreiben, würde mehr Glanzlicht auf die MS 4 TL MK 2 werfen. Das gilt in gleichem Maß auch für die Dappo 4 Center, deren Schwestern in der allerersten Ausgabe des Magazin Gegenstand ausführlichen Hörvergnügens waren. Dass sie gemeinsam auch beim Filmeschauen das Ohr beglücken, muss ich meinen Lesern sicher nicht ausführlicher erklären.
Udo Wohlgemuth
Technik MS 4 TL MK 2
| Chassis | Seas CA 22 RNY | Holzliste in 19 mm MDF: |
| Seas CA 12 RCY | 115,0 x 27,7 (2x) Seiten | |
| Seas NoFerro 800 TV | 23,0 x 27,7 (2x) Deckel/ Boden | |
| 23,0 x 111,2 (1x) Rückwand | ||
| Vertrieb | Intertechnik, Kerpen | 23,0 x 101,2 (1x) Front |
| Konstruktion | Udo Wohlgemuth | 23,0 x 74,5 (1x) TL hinten |
| 23,0 x 11,0 (1x) TL unten | ||
| Funktionsprinzip | Transmissionline | 23,0 x 23,9 (1x) Teiler |
| Nennimpedanz | 8 Ohm | |
| Dämmstoff: | 8 Beutel Sonofil | Frästiefe: |
| Terminal | T105MS/AU | Bass: 5 mm |
| MT: 5 mm | ||
| Kosten pro Box: | HT: 3 mm | |
| Bausatz: | 240,80 Euro | Holzzuschnitt: 20 Euro |
Technik Dappo 4 Center
| Chassis | 2 x Seas CA 12 RCY | Holzliste in 19 mm MDF: |
| Seas NoFerro 800 TV | ||
| 90,0 x 18,0 (2x) Deckel/ Boden | ||
| Vertrieb | Intertechnik, Kerpen | 14,2 x 18,0 (2x) Seiten |
| Konstruktion | Udo Wohlgemuth | 14,2 x 86,2 (1x) Rückwand |
| 14,2 x 84,2 (1x) Front | ||
| Funktionsprinzip | Bassreflex | 14,2 x 11,0 (2x) Reflexbrett |
| Nennimpedanz | 4 Ohm | |
| Dämmstoff: | 2 Beutel Sonofil | Frästiefen: |
| Terminal | T105MS/AU | Bass: 5 mm |
| HT: 3 mm | ||
| Kosten pro Box: | ||
| Bausatz: | 193,70 Euro | Holzzuschnitt: 10 Euro |
Zur Bestellung bei Acoustic Design Wohlgemuth:
Dappo 4 Center
MS 4 TL MK 2
oder Intertechnik:
Dappo 4 Center
MS 4 TL MK 2
Hallo Udo,
fleissig fleissig...wenn du so weitermachst glaubt bald keiner mehr das du keine Filme schaust :-)
So nebenbei, bei der MS4 TL ist Dir das Wasserfalldiagramm des Dappo 4 Center reingerutscht.
Immer wieder kurzweilig.
Grüße
Andreas
Hallo Andreas,
das Diagramm ist schon ausgetauscht. Im Internet muss man halt nicht zwei Monate auf die Errata warten, da geht das sofort ;)
Gruß Udo
Hallo Udo,
es ist immer wieder toll, die Berichte zu Deinen neuen Bauvorschlägen zu lesen. Vielen Dank dafür und bitte weiter so.
Als stolzer Besitzer der MS4 TL würde mich interessieren, wie sich die neuen Chassis aus den Klang auswirken - rein subjektiv natürlich.
Außerdem würde mich interessieren, ob der Dappo 4 Center auch mit der Vorgängerversion der MS4 TL MK 2 harmoniert.
Für Deine Antwort schon jetzt vielen Dank.
Torsten
Hallo Torsten,
das Ziel war es nicht, einen gueten Lautsprecher zu verbessern, sondern ihn zu erhalten. Als der Hochtöner abgekündigt wurde, wollten wir den Bausatz nicht sterben lassen, also haben wir mit sehr ähnlichen Komponenten fast den gleichen Lautsprecher noch einmal gebaut,. Daher passt auch der Dappo 4 Center zur ursrünglichen MS 4 TL.
Gruß Udo
Hallo Udo,
danke für die schnelle Antwort. Damit ist das nächste Projekt festgelegt....
Viele Grüße
Torsten
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