FT10 (First Time 10)
Beitrag von Udo WohlgemuthUngewöhnliches zu schaffen ist das Ziel eines jeden Boxenbauers, auch ich blieb von dem frommen Wunsch nicht ganz verschont. Nicht die ausgetretenen Wege, die heute Bassreflex, seltener geschlossene Bauweise heißen, sind die Meilensteine, die man zu setzen hofft und an denen man festhält allen Widrigkeiten zum Trotz. Zum Ersten war da eine Transmissionline mit Seas-Bestückung, die ich vor nunmehr 25 Jahren erbaute und die in abgewandelter Form auch heute noch als MS 4 TL existiert. Meine Liebe zu dieser Bauart nahm ich vor 10 Jahren mit zur K+T, wo es mir gelang, auch Heinz Schmitt für sie zu begeistern. Wir schufen gemeinsam die legendäre CT 188 mit zwei Bässen, die wir auf einem Drittel und einem Fünftel der Lauflänge platzierten, um die TL-typischen Welligkeiten im Frequenzgang zu minimieren. Dreimal habe ich die Box anschließend neu bestückt, weil ihre Chassis, nicht jedoch ihre Anhänger abhanden kamen. Heute heißt der Bausatz FirstTime 10 (Update) und erfreut sich weiterhin der Gunst der Nachbauer.
Ein weiterer, wichtiger Eckpunkt meiner Karriere war das Bandpass-Prinzip, das mir vor langen Jahren von Walter Fuchs erstmals so richtig schmackhaft gemacht wurde. Er schleppte damals eine kleine Regalbox in meinen Laden, deren Front von einem eher recht schmächtigen Bassmitteltöner und einer dazu fast zu großen Kalotte geziert wurde. Nun gut, das restliche Gehäuse war den Dimensionen der Töner nicht wirklich angemessen, doch mehr als 15 Liter hatte es auf keinen Fall. Ich war schockiert, als er nach basshaltiger Musik zum Hörtest suchte, eine Geige hätte ich den Winzlingen eher zugemutet. Der Schock hielt an, als die Dinger loslegten, einen unsichtbaren Bass hatte ich im Inneren nicht vermutet. Obwohl auch er nicht groß war, schob er so ordentlich Luft durch die Reflexöffnung, dass man auch am Sitzplatz noch Zug zu verspüren glaubte. Ein wenig Bücherwälzen - an das Internet war noch lange nicht zu denken - ein wenig Herumrechnen und heraus kam eine zierliche Zweiwege-Standbox mit integriertem Bravox-13er Doppelbass, die ich damals "Impuls 3" taufte. Nach einigen erfolgreichen Jahren war auch ihr Schicksal besiegelt, weil der Chassis-Hersteller mir nichts, dir nichts vom Selbstbaumarkt entschwand. Erfolg hatten auch nachfolgende Bestückungen, die letzte hieß FirstTime 10, doch dauerhaft blieb zu meinem Leidwesen nur das Ende der Chassisproduktion durch die wechselnden Hersteller. Mit der Gradient Select-Reihe haben wir dieses Problem nunmehr gelöst, die unscheinbare Männer-Frauenbox ist wieder auf dem Markt. Bestückt wurde sie diesmal mit zwei im Inneren parallel geschalteten W 148-8 und je einem W 148-4 und GDT 104 als sichtbare Chassis auf der schmalen Front.
Auch wenn LSPCad voraussagte, dass die W 148-8 für 18 Liter geschlossenes und 10 Liter Reflexvolumen nicht passen, kaufte ich mein Holz nach dem alten Bauplan ein. Manchmal bin ich halt ein wenig starrköpfig, schlimmstenfalls hätte ich die Gehäuse für eine spätere Verwendung in den Keller gestellt und mit dem Vorschlag des Simulationsprogramms neue zusammen gedengelt. Da zu einer ordentlichen Bausatz-Vorstellung auch eine Klebeanleitung gehört, hätte ich diese Arbeit wieder einmal fotografisch festhalten müssen. Es wäre aber kaum etwas Neues dabei herausgekommen und so greife ich ohne jede Rücksicht auf die Urheberrechte auf die Baubilder zurück, die ich im Bausatz-Archiv gefunden habe. So muss kein interessierter Nachbauer lang danach suchen, wer weiß schon, ob er sie unter den mittlerweile mehr als 200 Berichten überhaupt gefunden hätte.
Der Aufbau



Ein paar kleine Vorarbeiten erfordert das Innenleben der FT 10. Zum einen brauchen wir einen Schraubrahmen, da der Boden der Box nicht eingeklebt werden kann. Nur so bleibt uns die Möglichkeit, später die verborgenen Bässe in die Kiste zu packen. Daher sägen wir aus zwei Brettern die Mitte aus und lassen eine Brettstärke als Rand stehen. Die Löcher zur Aufnahme der Bässe müssen wir auch vorweg sägen, da wir mit der Stichsäge nicht in der Box hantieren können. Die Schraublöcher bohren wir auch besser mit einem 3 mm Bohrer vor, solange das Brett noch frei zugänglich ist. Danach ist Kleben angesagt.



Die Klebearbeit beginnt mit der Front, die bündig mit der Seite abschließt. Ihren rechten Wickel bekommt sie vom Deckel, an den sie sich lehnt. Nun markieren wir den Platz des ersten Innenteilers, den wir sofort an den nötigen Schnittkanten mit Leim versehen und einkleben. Die weiteren Schritte folgen analog.







Manchmal kann es geschehen, dass lange Bretter nicht ganz gerade sind. Dann helfen Schraubzwingen, sie von der gewünschten Geradlinigkeit zu überzeugen.

Nach ein paar Ruhestunden und mit neuem Pullover geht es an die Oberflächenbearbeitung. Mit einem Bündigfräser mit kleinem Zacken lässt sich recht einfach eine Schattenfuge anbringen, die bei stumpf verleimten Brettern die Klebenähte verbirgt.

Die Chassisaussschnitte und -vertiefungen sind leicht mit dem Fräszirkel gemacht. Sein unkomplizierter Aufbau wird genau in der “Werkstattpraxis” erklärt.

Damit die Oberfläche vor Schmutz geschützt ist, haben wir zwei Lagen Klarlack auf das MDF aufgerollt. Es färbt sich dadurch leicht in Richtung Buchenholz und lässt eine leichte Struktur der Fasern erkennen. Mit einem Pinsel wird anschließend die Schattenfuge nachgezogen, um überflüssigen Lack daraus zu entfernen. Auch die Vertiefungen für die Chassis werden damit lackiert. (Diesen Arbeitsgang habe ich mir aus Zeitgründen beim Update gespart, sinnvoll ist er aber allemal)

Wenn alles trocken ist, geht’s an den Einbau der Innereien. Für die Innentreiber brauchen wir ein langes Kabel, das wiederum einer Bohrung im ersten Teiler bedarf. Das erledigen wir durch den Ausschnitt für das Terminal. Die Bohrung wird nach Einziehen des Kabels mit Heißkleber verschlossen.

Nun fehlten nur noch drei Beutel Sonofil, die ich ein wenig zusammengerollt in die geschlossene Basskammer legte. Das Kabel hielt ich dabei mit einer Hand fest, damit es sich nicht im Gewusel der Wattefasern verirrte. Am ersten Bass lötete ich vor dem Einschrauben ein weiteres Kabel an, mit dem ich ihn mit dem zweiten Bass und der Verbindung zum Terminal verband. Nachdem die Kabel sorgfältig im Sonofil versenkt waren, konnte ich auch den zweiten Bass anschrauben. Dafür empfiehlt sich der Handbetrieb, dank der vorgebohrten Schraubenlöcher kein Problem. Der Aufkleber auf dem Bass ist bis hierhin das einzige Indiz für meinen Datenklau.

Der Boden, den ich rundum zum besseren Einbau um etwa 1 mm verkleinert habe, wird ebenfalls mit sechs Bohrungen versehen und dann unter den Schraubrahmen geschraubt. Zur Entkopplung der Box vom Fußboden benutze ich die praktischen Gummifüße RS-07/22 mit der Artikelnummer 1384200, die nach Vorbohren auch untergeschraubt werden.

Der Bauplan
Der FT 10-Bauplan als Sketchup-Datei
Die Weiche
Ein paar Änderungen gab es natürlich bei der Weiche, die von der alten Version der FT 10 jedoch nur geringfügig abweicht. Der Bandpass bekam seinen Namen, weil er durch seine Bauweise ein mechanisches Filter 2.Ordnung in beide Richtungen darstellt. Der geschlossene Teil ist dabei der Hochpass, die Reflexabteilung der Tiefpass. Zusätzlich wurde durch eine Rollenkernspule nach oben gefiltert, so dass wir nunmehr eine Flankensteilheit von 18 dB/ Oktave erhalten. Der kleine Zipfel um 700 Hz ist der Rest der Resonanz des auf 12 cm gekürzten Reflexrohres, der mit fast 25 dB unter Pegel akustisch nicht auffällt. Der Mittelton wird klassisch mit 12 dB nach oben und lediglich mit einem sehr großen Elko rau beidseitig abgetrennt. Die Bauteile haben gegenüber der alten Version ihre Plätze getauscht, was die Phasenbeziehung zwischen Bandpass und Mitten verbesserte. Der Hochtöner wird nun mit einem Kondensator und einer parallelen Spule vor zu tiefen Frequenzen geschützt, zur Pegelanpassunwird ein Spannungsteiler genutzt. Dass ich dabei sogar für das Oberteil der FT 10 die Weiche der Quickly 14 verwenden konnte, wird alle erfreuen, die sich aus diesen Komponenten ein Heimkino aufbauen wollen. Die inneren Bässe werden gegenphasig zum Rest angeschlossen.
Am Ende der Messarbeit erhielt ich ein paar Diagramme, aus denen die technischen Aspekte der Weichenentwicklung ablesbar sind.
Die Messungen
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| Frequenzgang und Phase | Impedanz | Klirr für 90 dB |
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| Frequenzgang unter 0/ 30/ 60° | Sprungantwort | Wasserfall |
Auf das Biwiringterminal habe ich die Bassspule geklebt, dort habe ich auch die Verpolung der Chassis vorgenommen. Die anderen Bauteile heftete ich mit Heißkleber auf ein Brettchen, das hinten in der oberen Kammer seinen Platz hat. Zwei Beutel zusammengerolltes Sonofil füllen hintereinander stehend den Raum locker. 

Fehlen nur noch die sichtbaren Lautsprecher, die angelötet werden. Rote Markierungen bzw ein breites Fähnchen zeigen uns hier die Pluspole an. Vorbohren vor dem Anschrauben ist Pflicht.
Der KlangArtgerecht angetrieben von meinem neuen Pioneer AV-Receiver durften die Updates der FT 10 beweisen, dass sie hier und jetzt zu Recht als Nachfolger der ursprünglichen "Impuls 3" angepriesen werden. Schon deren Namen beinhaltete einen Anspruch, den die meisten Boxen dieser Preisklasse bestenfalls durch gutes Einreden erfüllen. Impulswiedergabe war dann auch mein erster Test. Was ist dafür wohl besser geeignet als Klaviermusik? Sie wird zur Qual, wenn der Anschlag kaum lauter ist als der ausklingende Ton. Laut und leise, so ist die deutsche Übersetzung von Pianoforte, erklang das einfühlsame Spiel von "Horowitz in Moskau", das Echo des Hustens verriet die Größe des Aufnahmeraums. Nein, das hat die alte FT 10 so nicht hinbekommen, die weitaus feinere Darbietung der neuen hat mich da doch überrascht. Losgelöst von den Boxen baute sie die Bühne hinter der Grundlinie auf, tief gestaffelt und genügend breit. Das ließ mich sogleich in der klassischen
Abteilung das nächste Geschütz auffahren: Richard Strauß "Zarathustra", den meisten besser als die Musik aus Kubricks "2001 -Odyssee im Weltraum" bekannt. Schepperndes Blech und mächtige Kesselpauke ließen schnell die Größe der Box vergessen, doch auch als die Streicher einsetzten, zersägten sie die Kiste nicht mit Härte. Klassiktauglichkeit hatte ich der alten Version zwar auch ins Zeugnis geschrieben, doch konnte sie auch in Punkto Harmonie und Dynamik dem Update nicht das Wasser reichen. Ob nun Rock, Jazz oder meine ungeliebten Bravo-Hits erklangen, weder wirkte die FT 10 zu klein noch fehlte es ihr an Pegel. Gut, abgründig tief reichte sie nicht hinunter, aber dass hier nur zwei 13er im Bandpass vor sich hinwackeln, wird manch eines zukünftigen Besuchers Kinnlade gen Erdmittelpunkt herunter ziehen.
Neben dem erfreulichen Aspekt der perfekten Ankopplung der Quickly 14 und 28 im Heimkino fällt so zum Mindesten in kleineren Räumen auch die Frage nach dem geeigneten Subwoofer weg. Das Biwiring-Terminal ermöglicht das BiAmping, mit dem heutige AV-Receiver das getrennte Anschließen des Bassteils mit Pegel- und Trennfrequenzanpassung ohne zusätzliches Aktiv.Modul erlauben. Dazu müssen lediglich die Brücken aus dem Anschlussfeld entfernt und die 237 Seiten Bedienungsanleitung des Verstärkers gelesen werden. So ist die neue FirstTime 10 weit mehr als nur die reine Fortsetzung einer jahrealten Tradition, ich habe keinen Zweifel, sie macht ihren Weg.
Udo Wohlgemuth
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Chassis |
2 x Gradient W 148- 8 |
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1 x Gradient W 148- 4 |
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1 x GDT 104 N |
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Vertrieb |
Intertechnik, Kerpen |
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Konstruktion |
Udo Wohlgemuth |
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Funktionsprinzip |
Bandpass |
Holzliste in 16 mm MDF pro Box: |
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Nennimpedanz |
4 Ohm |
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Dämmstoff: |
5 Beutel Sonofil |
100,0 x 35,0 (2x) Seiten |
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Reflexrohr |
HP 70 gekürzt auf 12 cm |
100,0 x 16.0 (2x) Front/ Rückwand |
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Terminal |
T122/ 96 |
31,6 x 16,0 (5X) Deckel/ Boden/ Innenbretter |
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Kosten pro Box: |
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Summe der Einzelteile: |
146 Euro |
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Bausatz ohne Holz |
135 Euro |
Holzzuschnitt: 25 Euro |
Bilder aus der Lautsprecherbau Community zu diesem Bausatz













