SB 240
Beitrag von Udo WohlgemuthWer sich die Mühe macht, ein Special-Interest-Magazin zu schreiben, sei es gedruckt oder im Internet, erhält einen großen Teil seiner Motivation durch Rückmeldungen der Leser zu seiner Arbeit. Dort positiv anzukommen, nicht nur im Sinne von guter Unterhaltungslektüre, ist das A und O aller „Selbstdarsteller“, die sich auf diese Weise in eigener Person ein kleines Denkmal setzen wollen. Ich gebe gern zu, dass ich in der Zunft der Schreiberlinge keine Ausnahme von dieser Regel repräsentiere, auch mein Brot ist der Applaus des Publikums. Auffällig gewachsen ist der Zuspruch der Leserschaft durch die Umstellung der Seite auf das neue Design mit einer Menge an Möglichkeiten, sich am Magazin aktiv zu beteiligen. Nicht nur die Rubrik „Leserecho“ findet heftigen Zuspruch, auch durch die „Fragen und Antworten“ im Forum und unter den Berichten fließen ständig neue Anregungen ein, aus denen mittlerweile einige handfeste Bauvorschläge geworden sind, die ihr Entstehen nur den entsprechenden Nachfragen verdanken. Nicht dass ich keine eigenen Ideen mehr hätte, wie ich die Chassis von Intertechnik in verkaufbare Hüllen verpacken könnte. Mein Ziel, Boxen zu bauen, die die Welt auch braucht, liegt weitaus näher, wenn der spätere Nutzer sie schon konkret benennt. In dieser Art der engen Zusammenarbeit lief mir mein neuestes Kind in die Arme. Wie es bei unverhofften Adoptionen durchaus vorkommen darf, war es schon recht groß gewachsen. Zur besseren Unterscheidung von allen anderen nannte ich es recht technokratisch SB 240.
Bestückung

Wie es bereits häufig geschah, fragte jemand nach einer Erweiterung, diesmal traf es die SB 18, der ersten Box der Bluesklasse unter 150 Euro Stückpreis. Vorgegeben waren somit die ersten beiden Chassis der Box, nämlich der (ich schau mal schnell nach, den Namen kann ich mir nicht merken) SB17NRXC35-8 und der (hab ich auch gleich) SB26STC-C4, den es nunmehr auch bei
Intertechnik einzeln zu kaufen gibt. Die Erweiterung gibt es eigentlich zwar schon, denn aus der Einbass-Box lässt sich vortrefflich die SB 36 mit der doppelten Membranfläche basteln, die sich damals Boris als druckvollere Variante der Einbassbox gewünscht hatte. Es sollte aber noch etwas mehr sein, darauf drangen nach weniger als einem Tag dann schon mehr als drei Menschen, die auch gleich noch einen gemeinsamen Vorschlag hatten: Zwei SB23NRXS45-8 (klar, auch den Namen habe ich per copy and paste der IT-Internetseite entnommen) sollten es sein. Bekannt sind sie aus der SB 23/ 3, die sich in der Ausgabe April 2010 wortwörtlich und unübersehbar breit machte. Anstatt an dieser Stelle ebenso breit die optischen und technischen Vorzüge der SBAcoustics-Chassis auszumalen, verweise ich auf die Präsentation der Messungen in den Ausgaben März 2010 unter Chassistest und Dezember 2008 unter SB 18.
Gehäuse
Einteilig oder zweiteilig, das war die nächste Frage vor dem Zeichnen der SB 240. Sicher würden sich einige Leute freuen, wenn sie ihre SB 18 weiter nutzen könnten, indem sie sie auf ein neu zu zimmerndes Unterteil stellen. Sie müssen dazu lediglich 100 Liter netto in ein etwa 75 cm hohes Häuschen zwängen. Diese einfache Rechenaufgabe will ich ihnen nicht vorkauen, es heißt ja Selbstbau. Nun, auch wenn es hier nicht wirklich hingehört, muss ich dazu neben der Reihe ein Wort sagen. Offenbar gehört es zum heute üblichen Begehr, sich alles fein säuberlich vor die Nase binden zu lassen, statt selbst die Windungen des Hirns oder wenigstens des Internets nach Informationen zu durchforsten. Nicht dass ich etwas gegen Fragen hätte, doch wenn aus ihnen nur ersichtlich wird, dass ich im Magazin ausschließlich nicht lesenswerte Unterhaltungslektüre abgeliefert habe, ärgert mich das schon ein wenig. Genug der Schelte, auch ich war einmal jung und hatte Besseres zu tun, als das Schwarze und Weiße auf den damals noch gebräuchlichen Papierseiten, zusammen gebunden als Buch bezeichnet, nach Hause zu tragen. Sie hatten gleichwohl den unschätzbaren Vorteil, dass man sie unter das Kopfkissen legen konnte, was in schlaflosen Nächten nicht unerheblich zum Klügerwerden beitrug.
Kommen wir zurück zum Thema, zweiteilig wäre meiner natürlichen Faulheit entgegen gekommen, wenn ich die SB 18 noch vorführbereit hier stehen gehabt hätte. Doch wie bei „Wenn“ und „Aber“ an der Tagesordnung, die Realität im Ruhrpott sagt: „Is nich!“ Also doch ein einteiliges Kistlein, in dem der 7-Zöller sogar schon mit 11 geschlossenen Litern zufrieden ist. Der richtige Platz für den Hochtöner ist in Ohrhöhe, also platzierte ich ihn zwischen die Bässe und den Mitteltöner. So muss niemand auf eine Leiter klettern, wenn er Musik hören will. Die 100 Liter Volumen für die Bässe verlangt halt nach einer Höhe von 120 cm, damit eine halbwegs erträgliche Breite und Tiefe herauskommt.

Bauplan der SB 240 als herunterladbare Sketchup-Datei
Und damit sind wir im Wesentlichen wieder weg vom Thema, denn vorzeigbarer Gehäusebau braucht Zeit, von der ich trotz guter Organisation chronisch zu wenig habe. Das Bauen selbst ist Kinderkram, doch eine Oberfläche sauber zu gestalten, ist auf die Schnelle nicht drin. Hier war guter Rat dann eher teuer, denn im Baumarkt lächelten mich folierte Möbelbauplatten mit den Maßen 120 x 40 cm an, die Buchenholz recht gut imitierten. Fünf der Platten bekam ich für knapp 70 Euro, der Mann an der Säge schnitt sie mir auf den langen Seiten um jeweils einen halben Zentimeter schmaler. Damit hatte ich offene Kanten, die sich mit Fugenleim leichter verkleben lassen. Eine der Platten teilte er mir gern in vier Abschnitte mit 39 x 26,2 cm, was Deckel und Böden meiner Boxen ergab. Damit er gleichfalls ein wenig weniger Zeit hatte, ließ ich ihn noch vier Bretter aus schwarz durchgefärbtem MDF mit 120 x 30 cm zusägen. Die Versteifungen mit ihren 26,2 x 10 cm und die Brettchen für die Mittelton-Kammern schnitt er mir aus einem Rest Spanplatte, was meine Geldbörse insgesamt um weitere 60 Euro schmaler machte.. Aus dem so entstandenen Gemenge an unterschiedlichen Hölzern klebte ich mir zu Hause zwei recht ähnlich wirkende Schreine zusammen. Das habe ich, wie kaum anders zu erwarten, sogar fotografisch festgehalten. Um nicht zu viel Platz im Internet zu verbrauchen, habe ich die Bilder klein gehalten. Ein Klick mit der Maus vergrößert sie so, dass auch noch genügend Platz für kurze Texte blieb.

















Weiche
Der nächste Scheideweg, vor dem ich stand, offenbarte sich im Messraum. Zwei unterschiedliche Weichen-Topologien, beide mit gutem Klangergebnis, buhlten hier um meine Gunst. Hatte ich mich bei der SB 18 weitgehend an den Vorschlag von SBAcoustics gehalten, ging ich bei der SB 36 eigene Wege. Dort kam ich ohne Klangeinbußen mit weniger Bauteilen aus. Das gab letztendlich den Ausschlag, dieser Variante den Vorzug zu geben. Für die Erweiterung mit zwei Bässen hätte die Weiche der SB 18 ohnehin geändert werden müssen. Ob überhaupt Bauteile der „alten“ Weiche weiter verwendet werden können, blieb zudem fraglich. So machte ich mich wohlgemut daran, der SB 240 die richtigen Flötentöne beizubringen.
Den Anfang machte der Neue, richtiger beide. Die Bässe wurden parallel geschaltet und in der Box mit Mikrofon in Hochtönerhöhe gemessen. Heraus kam bis 600 Hz ein ordentlicher Frequenzgang, der bei 1,2 kHz in einer heftigen Senke verschwand, sich später eines Besseren besann und doch wieder mitmachen wollte. Schuld am zwischenzeitlichen Versagen ist der unterschiedliche Abstand zum Mikrofon, der die Addition der Einzel-Schalldrücke in eine Subtraktion wandelte. Die einfachste Art, das gerade zu biegen, wäre das Verrücken des Mikrofons genau zwischen die Bässe gewesen. Doch Weichen entwickelt man nun einmal in Hochtöner- und nicht in Kniehöhe. So konnte ich getrost eine mittelgroße Audyn-Spule aus der HQ 56-Reihe vor und einen dicken Elko glatt parallel zu den Bässen einfügen, was mir die blaue Kurve auf den Monitor malte. Nicht weiter gestört habe ich mich am scheinbar frühen Ende der Basswiedergabe mit -3dB-Punkt um 45Hz. Die Box stand in 1,5 m Höhe weit vom Boden entfernt, der ihr untenrum noch einiges aufpackt, bei einer Messung mit unten stehender Box durch frühe Reflexionen aber zu falschen Ergebnissen führt.
Vom Bass berfreit, muss der 7-Zöller (Frequenzgang in der Box: rot) nicht mehr weit nach unten spielen, er soll lediglich den Bereich zwischen Bass und Hochtöner mit dem richtigen Pegel füllen. Für die passende Anpassung mit idealer Addition in Richtung Bass reichte ein großer Audyn-Q4. Nach oben war seine Bändigung schon etwas trickreicher zu gestalten, denn die Dolomiten am Ende der roten Kurve bedurften schon einer kräftigen Erosion, um in unhörbare Niederungen verwandelt zu werden. Da half die Erfahrung mit der SB 36, bei der ein kleiner Q4 über die Tiefpass-Spule gelegt und ein zum Mitteltöner paralleler Kondensator zum Abtragen des Gebirges ausreichten. Das Gleiche half auch hier.
Nicht viele Worte muss ich zur Hochtonweiche verlieren, dessen Messung in der Box traditionsgemäß rot dargestellt wurde. Eine leichte Ansenkung des Pegels mittels Vor- und Parallelwiderstand aus 4 Watt Moxen und ein klassischer 12 dB-Filter mit scheinbar sehr großem Audyn-Q4, natürlich der Impedanz von 4 Ohm geschuldet, und eine aus dem gleichen Grund recht kleine Parallelspule bringen die gewünschte Amplitude (blau). Bleibt fast nur noch zu sagen, dass zur idealen Addition der Zweige der Bass zum Rest verpolt angeschlossen werden muss und dass fast alle Welligkeiten im Frequenzgang bei der 30°-Kurve weg sind. Für Röhren-Besitzer bieten wir selbstredend auch eine Impedanzglättung.


Wie die Weiche auf- und eingebaut werden kann, zeigen die folgenden Fotos:











Die Bauteile wurden mit Heißkleber getrennt nach Bass und Mittelhochton auf kleine Brettchen geklebt und ordentlich verlötet. Dabei muss man keine Angst haben, dass man sie zu sehr erhitzt und so zerstört. Der Lötkolben sollte eine Meißelspitze haben und auf 320 bis 360 Grad eingestellt werden, das Lot schön zerfließen. Die Weichenbretter habe ich links und rechts auf die Seitenwände platziert, die Kabel nach ihren Zielen durch die Ausschnitte geführt. In den Boden der Mitteltonkammer bohrte ich zwei Löcher zur Kabeldurchführung, die hernach wieder mit Heißkleber verschlossen wurden. Eine Matte Sonofil, nun auch von Intertechnik in den Maßen 100 x 35 cm als Rollenware geliefert, füllt einmal gefaltet die obere Kammer, jeweils zwei weitere Matten kommen leicht zusammengerollt dahinter ins Bassabteil und unter das Reflexrohr und je eine hinter die beiden Bässe. Die Impedanzkorrektur ist nur zur Verwendung mit Röhren sinnvoll, daher wird sie außen direkt an die Terminals geschraubt.
Klang
Hinlänglich bekannt ist, dass ich schon seit einigen Jahren nicht nur mir, sondern auch meinen Besuchern meine Boxen mit Röhrenverstärkern der Firma Destiny vorspiele, die hier als Lieferant sehr preiswerter Amps mit großem Klangvermögen längst bekannt ist. Wer Musik auf noch höherem Niveau genießen möchte, muss schon sehr tief in seinen Geldbeutel greifen. Momentan bin ich glücklich mit einem eXperience, der mit KT 88 bestückt mit für Heimkino-Fans lächerlichen 2 x 60 Watt angeben kann. Daran angeschlossen durften sich meine Neuen nach Herzenslust austoben, was sie auch ohne zu zögern gleich zu Beginn des Tests schamlos ausnutzten.
Unvorsichtig, wie ich manchmal bin, hatte ich vergessen, vor dem Einschalten die zuletzt gehörte CD "That's Live" von Eric Burdon aus dem Player zu nehmen und den dabei naturgemäß hohen Pegel herunter zu regeln. So knallte mir sofort mit dem für Live-Konzerte üblichen Pegel der alte Klassiker "Don't let me be misunderstood" entgegen. Misszuverstehen war dabei nichts! Anders als bei vielen meiner Boxen stand der Sänger ein Stück weiter vorn auf einer Linie mit den Boxen, die Musiker hinter ihm aufgereiht in einem Raum, dessen Tiefe sich auch durch das Händeklatschen des begeisterten Publikums offenbarte. Offen, luftig und dynamisch ging es zur Sache, saubere Bassläufe, differenzierte Becken und die druckvollen, körperlich deutlich spürbaren Bassdrum-Attacken waren - anderswo stünde jetzt: noch nie so gehört und einfach sensationell - lediglich der Bluesklasse gerecht, eine höhere Auszeichnung kann ich kaum vergeben. Ehrlich gesagt hatte ich auch nichts anderes erwartet, also war ich nicht sonderlich überrascht, das sich der alte Rock wie guter, alter Rock anhörte, fetzig, manchmal knallig und immer live dabei. Nicht beklagen konnte ich mich über Bassmangel, aber auch das war mir schon vorher klar.
In der nächsten Abteilung ging es klassisch weiter: Horowitz in Moskau, das berühmte Klavierkonzert mit dem etwas ungewohnt unruhigen Publikum und dem hustenden Herrn in der sechsten Reihe. Grandios das subtile Spiel des damals schon 83 jährigen Meisters mit der fast jugendlich anmutenden Beweglichkeit seiner Finger, das Federn der Saiten des Flügels, der wunderbare Nachhall des Raumes, nicht einmal die Erkältung des angesprochenen Herrn störte die Darbietung. Wer saß denn schon einmal in einem Konzertsaal, in dem sich alle Besucher mucksmäuschenstill verhielten? Auch Mozart, Scarlatti, Chopin und Liszt hätten nichts Falsches in ihren Werken entdeckt.
Wenn wir schon einmal bei Live-Aufnahmen sind,: Eine große Freude machte mir Eckart, der erste Nachbauer der Symphony 285, mit der E.S.T.-CD "Live in Hamburg", auf der sich das schwedische Rocktrio etwas länger als 17 Minuten uber "Dolores in a shoestand" auslässt. Warum nur drei der offensichtlich 12 Musiker namentlich auf dem Cover genannt werden, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass sie sich Klavier, Bass und Schlagzeug vortrefflich teilten. Eigentlich hatte ich mir die Musiker vor zwei Jahren mit eigenen Ohren anhören wollen, leider fehlte, oben ist es schon beklagt, die Zeit. Dass es kurz danach nicht mehr möglich war, sie auf der Bühne zu erleben, konnte niemand vorhersehen. Ein klein wenig entschädigt hat mich der Hörtest, der geradezu atemberaubend war. Wer dabei still sitzen bleiben kann, nicht mit dem Fuß, Kopf oder ganzen Körper wackelt, muss taub sein wie meine Boxen. Als ich nach fast 20 Minuten die Augen wieder öffnete, standen sie immer noch dort, wo ich sie hingestellt hatte, teilnahmslos, nicht einmal in kleinster Weise erschöpft, nachdem sie so großartig die Musik in den Raum projeziert hatten. Sofort kamen mir Zweifel, ob sie daran überhaupt beteiligt waren. Selbst eine eingehende Untersuchung mit offenen Augen konnte kein eindeutiges Resultat hervorbringen, denn auch nach der dritten Zugabe gab es immer noch keinen wahrnehmbaren Zusammenhang zwischen der Musik und den mitten im Raum stehenden Boxen. Verstehen konnte ich das Publikum, das auch jetzt keinen Zweifel daran ließ, dass es niemals mehr im ganzen Leben gewillt sein würde, den Konzertsaal jemals wieder zu verlassen.
Udo Wohlgemuth
Technikseite








Der Bausatz SB 240 kann nur bei Intertechnik oder
Adw erworben werden.
Leserbeiträge zu diesem Artikel
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Ollis SB 240 25. May 2012, Beitrag von Olli
SB 240 von Andreas 05. Mar 2011, Beitrag von Andreas
Holgers SB 240 03. Nov 2010, Beitrag von Holger





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