Sehen wir es einmal nicht aus der Sicht des Boxenbauers, sondern aus der des Verkäufers, der ich arme, gespaltene Persönlichkeit auch noch bin, so ist es selbst ohne prüfenden Blick aus dem Fenster recht einfach, die Jahreszeit zu bestimmen, in der wir gerade leben. Verräterisch sind die Fragen nach bestimmten Artikeln, die immer wieder zu bestimmten Zeiten häufiger gestellt werden. Nein, ich denke jetzt nicht an den Weihnachtsmann, der ab Mitte Oktober in den einschlägigen Läden vor sich hin schmilzt, mir kamen da mehr die Heimkino-Sets in den Sinn. Die werden natürlich ganzjährig geordert, doch nicht ohne Grund werden sie gleichzeitig mit dem Schokoladen-Kerl überproportional verlangt. Vermutlich bietet die Vorweihnachtszeit die beste Gelegenheit, so ungeliebte Dinge wie noch mehr Boxen für das Wohnzimmer anzusprechen und offensichtlich sind die sonst eher tauben Ohren dann offen für derartige Attacken auf die heimische Gemütlichkeit. So verwundert es nicht, dass gerade unsere neue Serie "Wallstreet" Anlass zu neuen Begehrlichkeiten gibt und selbstsüchtige Anregungen aus dem Kreis der Leser zu uns finden, die solche platzsparenden Erweiterungen zu ihren schon vorhandenen Boxen betreffen. Diesmal war es die FirstTime 8, die zwar mit der FT 8 Top bereits filmtechnisch ausbaubar ist, doch einigen Besitzern sind deren Kisten als Wandschmuck zu unförmig. Nagut, dann basten wir halt Flachboxen, die sich besser unterbringen lassen. Wir nennen sie Wallstreet 5 und 6.
Nicht lange nachdenken mussten wir, als es um die einzubauenden Chassis ging. Natürlich kann man auch seine Filme mit einer beliebigen Ansammlung unterschiedlicher Lautsprechern anschauen, herauskommen wird dabei etwas und sogar bei der Umgruppierung der Boxen etwas völlig anderes als vorher. Damit auf allen Boxen die gleichen Ereignisse auch akustisch dargestellt werden, ist es weitaus besser, dafür identische Chassis mit aufeinander abgestimmten Weichen zu verwenden. Damit standen unsere Kandidaten für die Wallstreet 5 und 6 mit dem Dayton DA 135-8 und seinem FT8-Partner Seas SDT 26 N von Vornherein fest. Die zugehörigen Messungen befinden sich auch im Bericht zur FT 8.

Die Parameter des Bassmitteltöners lassen zwar auch eine Reflexbox zu, wie wir sie mit den 13 AL schon vorgestellt haben, doch für den Einsatz als Center und Rear gefiel uns ein geschlossenes Gehäuse mit -3dB-Punkt um 80 Hz besser. Damit eignen sich die Wallstreet 5 und 6 wohl nur bedingt als Stand Alone-Lösung für kleine Räume, doch jedesmal den Fisch zu erfinden, der auch fliegen kann, halten wir nicht für nötig. Immerhin haben wir schon ein paar Bauvorschläge für jeden Geldbeutel im Magazin veröffentlicht, die für das reine Musikhören konzipiert wurden. In der Wallstreet 5, die wir als Rear empfehlen, wird ein DA 135-8 benötigt, der sich mit knapp unter 6 Litern hölzener Umhüllung zufrieden zeigt. Das ergab bei 10 cm Innentiefe und 26 cm Außenhöhe genau 30 cm Breite. Der Center mit zweien seiner Kollegen bekam ungefähr 11 Liter und die Innenmaße 30,8 (B) x 36,8 (H) x 10,0 (t) cm zugeteilt. Gebaut wurde aus 16 mm MDF, das mit Wetterschutzfarbe weiß lackiert wurde. Die an dieser Stelle fällige Klebegeschichte entfällt diesmal, da es über das rechtwinklige, bündige Verleimen von 6 Brettern, dem Schleifen und Lochfräsen nichts bisher unbekannt Gebliebenes zu berichten gibt. So bleibt dem Nachbauer nur der Blick auf die folgenden Baupläne, um sich über die Reihenfolge der Klebearbeit zu informieren.

Wer es genauer wissen will, kann auch die Sketchup-Dateien der beiden Baupläne herunterladen und sich in der kostenlosen Google-Software die Kästen von allen Seiten ausehen.
Durch die vier Vorgänger-Versionen der Wallstreet ist es hinlänglich bekannt, dass sehr nahe Wände den Frequenzgang daran aufgehängter Lautsprecher gehörig verbiegen. So muss diese Boxenart nicht nur mit den Nachteilen der Schallwand, sondern auch noch mit phasenverschobenen Reflexionen von kurz dahinter fertig werden. Das stellt sich dann in den Diagrammen, die von ein paar Hobby-Bastlern gern zur Interpretation des Klangs herangezogen werden, leider als unschöne Gebirgslandschaft dar, was Schweizer und Österreicher jetzt bitte nicht als Herabwürdigung ihrer großartigen Alpen interpretieren mögen.


Einfacher als zunächst angenommen ließ sich der DA 135-8 zu brauchbarem Frequenzgang in Wandnähe bewegen. Dem tiefen Einschnitt durch die Reflexionen bei 350 Hz folgte keine Pegelerhöhung, so war ein Sperr- oder Saugkreis wie in der Nummern 1 bis 4 nicht nötig. Mit einem Filter aus Luftspule und Elko begnügte sich
der Dayton-Metaller, dessen Resonanzen im oberen Frequenzbereich mit etwas mehr alszwei Hand voll weiterer Bauteile eliminiert werden könnten. Das sparte ich mir nach einem Blick auf den Klirr, der keinen Hinweis auf daraus abzuleitende Überhöhungen enthält. Auch der Hochtöner war mit zwei frequenzabhängigen Bauteilen und einem Spannungsteiler aus Festwiderständen zufrieden. Die Trennung erfolgt bei 2,5 kHz, wo der Schnittpunkt der Zweige genau 6 dB unter der Summe liegt, die ihrerseits die Zweige niemals unterwandert.
Da sich für die Wallstreet 6 mit Doppel-13er bis auf den höheren Pegel nichts anderes sagen lässt, hänge ich der Vollständigkeit halber nur noch die entsprechenden Diagramme für seine Zweige und die Summenbildung an.


Für das bruchlose Zusammenspiel der drei Heimkino-Komponenten FirstTime 8, Wallstreet 6-Center und Wallstreet 5-Rear ist die möglichst gleiche, akustische Phasenlage über das gesamte Spektrum der gemeinsam abgestrahlten Frequenzen maßgeblich. Perfekt verlaufen die Kurven der beiden Wandbehänge im ersten Diagramm mit WS 5 = blau und WS 6 = rot übereinander her . Nicht daran beteiligt ist der Bass, der von der Standbox allein wieder gegeben wird. Seine Kurve (blau) entfernt sich daher im zweiten Diagramm ab 300 Hz von der Wallstreet 6 (rot). Um einen Überblick über den Wandeinfluss zu geben, habe ich die beiden Wallstreets auch frei stehend gemessen.



Nun hätte es gut gepasst, wenn ich vermelden könnte, dass ich mir endlich und gegen jeden inneren Widerstand einen neuen AV-Receiver zugelegt hätte. Doch wie es beim Konjunktiv definitiv ist: Hätte, wenn und aber melden keinen Vollzug. Umgesehen habe ich mich schon, doch in der Fülle der Angebote blieb ich stecken und fühlte mich wie Nina Hagen, die nach ihrer Ost-Abkehr sang: "Es ist alles so schön bunt hier! Ich kann mich gar nicht entscheiden." Einmessprogramm, 7.2, Biamping, Trennfrequenzwahl auf allen Kanälen, Abgabe von 7 x 180 Watt an 6 Ohm bei 400 Watt Leistungsaufnahme, was davon braucht der Mensch, wenn er nur Musik hören will? Dann war da noch das Erlebnis mit einem mitgebrachten Kunden-AV, an dem wir vor Kurzem ein paar meiner Boxen testen wollten. Alles klang spitz und völlig überzogen, weil der Receiver auf die heimischen Lautsprecher eingemessen war. Um den Knopf zu finden, an dem alle Einstellungen auf "Null" gestellt werden konnten, brauchten wir das gefühlt 1228-seitige Handbuch. Das macht es einem alten Mann schwer, sich auf moderne Zeiten einzustellen. Man möge mir verzeihen, ich verzichtete darauf, die Wallstreet 5 und 6 einem ausführlichen Klangtest zu unterziehen. Welch tiefer Sinn sollte auch dahinter stecken, wenn ich mir Center und Rears, die beide nicht als Stereoboxen taugen müssen, in Zweikanaltechnik
anhöre und über die unglaublichen Vorzüge meiner neuesten Kreationen in nie zuvor verwendeten Superlativen herziehe? Sie dienen reineweg als Ergänzung für unsere FT 8 oder als Fünferpack in jedweder Zusammenstellung zum Filmeschauen, obwohl sie mehr den Hörsinn als das Auge ansprechen. Damit ist nicht gesagt, dass sie zu häßlich sind,. Doch wer betrachtet schon genießerisch seine Boxen, wenn rund um ihn die Bomben platzen? So durfte noch einmal mein alter Yamaha für den Wallstreet-Test herhalten, die FT 8 als Front, die Wallstreet 6 als Center und die Wallstreet 5 als Rear mit ihm in trauter Eintracht. Dies beschreibt dann auch das Ergebnis, das alle zusammen nach kurzem Einpegeln zum Vorschein brachten. Bruchlos, raumfüllend und pegelstark füllten Knalleffekte die Ohren, ebenso gefielen leise Passagen, in denen Stimmen die Oberhand bekamen. Mich persönlich würde es zwar stören, wenn ich beim Flug durch den luftleeren Weltraum in der Kommando-Zentrale das tieffrequente Motorgebrumm ständig ertragen müsste, doch ich bin ziemlich sicher, dass ich das niemals mehr im richtigen Leben erleben werde.
Udo Wohlgemuth














Die Bausätze sind erhältlich bei:
Intertechnik
Wallstreet 5
Wallstreet 6 oder
Acoustic Design Wohlgemuth
Wallstreet 5
Wallstreet 6
Jetzt fehlt dann nur noch eine Wall mit ER-4 und dann kann jeder sein Wall-Heimkino bauen :-). Keine Angst, ich werd das sicher nicht brauchen, bei mir stellt sich eher irgendwann man die Frage ob man die Doppel5 light mit einem Baß ergänzen kann, ähnlich der White Pearl. Grüße, Günther PS: aber Du hast Dir wieder mal richtig Mühe gegeben, lackierte Boxen ist man von Dir gar nicht gewohnt ;-).
Hallo Günther, der passende Unterbau für die Doppel 5 heißt Abhöre. Darin habe ich 2 x 8-800 in zusammen 80 Liter verwendet. Mit nur einem Bass funktioniert das nicht. Gruß Udo
Ach Du meine Güte! Hab endlich das Foto gefunden, Dezember 2009, und das Ding ist riesig! Kann ich gleich wieder vergessen, wird dann sicher die BlueNote light und halt noch BlueSmall lights dazu. Grüße, Günther
Hallo Udo, mit großem Interesse verfolge ich deine Entwicklungen der Wallstreet-Serie. Ist es denn in Planung, dass davon auch Ableger für die FT2 und Quickly HK entwickelt werden, wenn die Chassis wieder verfügbar sind? Die zweite Frage, die sich mir stellt: Um den WAF zu steigern plane ich, die Rear an der Wand hängend in Deckennähe zu platzieren und die Front entsprechend anzuwinkeln , so dass sie in etwa aussehen, wie die Effektlautsprecher im Kino. Ginge das mit deiner Weiche oder sind da Änderungen notwendig bzw. ist das klanglich nicht so sinnvoll? Gruß Sebastian
Hallo Sebastian, die Wallstreet ist sehr lang, da gibt es auch noch Platz für die Erweiterung der (neuen) FT 2. Doch zuerst müssen die Chassis hier sein.
Hallole, müsster der F-Gang unter Winkel des Centers wegen der Chassis Anordnung nicht größere Einbrüche zeigen, wundert mich ein wenig. Woran liegt es? Gruß, Thomas
Hallo Thomas, da hast du natürlich recht, die Bilder suggerieren den liegenden Center. Das habe ich nicht bedacht, als ich sie an ihren Platz im Text gestellt habe. Deshalb tausche ich sie gleich aus. An der Wand hängend gibt es keinen Grund, sie in der akustisch schlechteren Lage anzubringen. Gruß Udo
Udo, folgende aussage hat mich doch etwas erschreckt: "Abgabe von 7 x 180 Watt an 6 Ohm bei 400 Watt Leistungsaufnahme" Wo kann man dieses perpetuum mobile denn erwerben?
Hallo Arno, sieh dir mal die Datenblätter der verschiedenen AV-Receiver an. Dort findest du solche Angaben ständig. In Klammern und kleingeschrieben steht dann manchmal auch "1 Kanal ausgesteuert an 6 Ohm" dran. Dann passt das ja auch schon fast wieder ;) Gruß Udo
Hallo, bin absoluter Grünschnabel und entschuldige mich schon vorab mal für meine Frage ;-) Kann man die 6er auf 15 cm Breite und 90,67 cm Höhe ändern? Das Innenvolumen müsste bei diesen Maßen ja gleich bleiben... Warum ich frage? Ich benötige zwei sehr flache Lautsprecher (Breite max. 15 cm, Tiefe max 10 cm) die rechts und links direkt neben einer Leinwand als Front LS stehen sollen.
Hallo Veit, Boxen, die an die Wand gehängt werden, leiden unter frühen Reflexionen, die durch die Weiche bearbeitet werden müssen. Daher ist es nicht möglich, die Schallwand stark zu ändern, ohne die Weiche anzupassen. Gruß Udo
Die Masse für die Seiten bei der Wallstreet 6 stimmen nicht, es müssen 40,0 x 10,0 (2x) sein.
Hallo Sergej,
da hast du natürlich Recht, das wird gleich geändert.
Gruß Udo
Hallo Sergej,
da hast du natürlich Recht, das wird gleich geändert.
Gruß Udo
Hi Udo,
ich hab mir den Bausatz der Wallstreet 5 bei Intertechnik gekauft, aber es liegt keine Anleitung bei. Das Gehäuse hab ich zwar schon fertig, aber mir reicht dieser Artikel nicht aus, um als absoluter Anfänger die Einzelteile zu einer funktionsfähigen Weiche aneinanderzubasteln. Was muss ich jetzt noch mal an was löten??? Ich hoffe wirklich auf deine Hilfe, sonst ist der Rear-Traum dahin...
Hallo Emil,
weiter oben im Artikel findest du den Absatz "Weiche". Da siehst du den Schaltplan. Wenn du diesen ausdruckst oder abmalst, kannst du deine Weichenbauteile prima darauf legen.
Intertechnik schreibt die Bezeichnungen der Spulen und Kondensatoren auf die Rechnung.
Nun nimmst du die Beinchen und verdrillst sie ein wenig, um sie dann miteinander zu verlöten.
Dann noch die Drähte zum Terminal und zu den Chassis angelötet und fertig!
Aber ich sehe auf dem oberen Schaltplan 3 Chassis, mein Bausatz der Wallstreet 5 hat aber nur 2, folglich muss der oben gezeigte der für Wallstreet 6 sein..... Aaaaahhh!!! Jetzt hab ichs geblickt. Auf dem Schaltplan sind 2 Tieftöner, bei meiner Version ist nur einer, das heißt ich ignoriere den zweiten einfach und dann passts! Yeah, endlich hab ichs geblickt und danke für die Antwort.
Völlig richtig.
Falls du noch ein wenig optische Unterstützung bei der Löterei brauchst, kannst du auch mal in den anderen Artikeln zur Wallstreet-Serie stöbern.
Z.B. hier: http://www.lautsprecherbau.de/Magazin/Lautsprecherbau-Magazin-2010/_Wallstreet-3-und-4_8636,de,90875,174
Wir haben die Weiche und alles gebaut und es hatte eigentlich funktioniert, doch jetzt scheint der Hochtöner defekt zu sein, denn es kommt kein Ton raus.
Mein Verstärker: http://www.conrad.de/ce/de/product/191512/12-W-VERSTAeRKER-MODUL-PLUG-PLAY-BST/SHOP_AREA_17363&promotionareaSearchDetail=005
Hallo Emil,
der Verstärker scheint mir für den Betrieb eines Paares Wallstreet 5/6 nur wenig geeignet, schmeiss ihn weg und kauf dir einen vernünftigen Stereo- oder AV-Verstärker. Dann wird die Zahl der zerstörten Hochtöner in Zukunft deutlich kleiner ausfallen.
mfg Lennart
Hallo,
hab da ein kleines Problem, bei Intertechnik kommt die Wallstreet 6 mit drei Widerständen, der Plan hier hat nur zwei. Kann jemand einen genauen Plan mit größen für die Weiche geben. Ich baue die Wallstreet 6.
Hallo Sergej,
diese Frage wird dir wohl nur Intertechnik beantworten können. Richtig sind nur zwei Widerstände, die auf dem Lieferschein mit R1 und R2 bezeichnet sein müssten.
Gruß Udo
Hallo Udo,
in der original Stückliste des Entwicklers sind drei Widerstände enthalten.
Hallo Sergej,
Sie hören heute von uns. Und für den Ärger gibt es eine kleine Entschädigung. Sorry.
Hallo Sergej,
nun wissen wir Bescheid, welcher Fehler bei der Datenübertragung aufgetreten ist. R1 ist zuviel in die Stückliste geraten, dafür rücken R2 und R3 jeweils eine Nummer herunter.
Gruß Udo
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