Baubericht Dusty
Aufgabenstellung:
Gesucht war ein Lautsprecher der Bluesklasse für meinen Schwager, der nicht zu mächtig ist, einen guten WAF (Women-acceptation-factor) hat und eine wandnahe Aufstellung (z.B. auch direkt an der Wand) verträgt.
Auswahl
Da ich Udos Magazin aufmerksam verfolge, kamen mir da sofort die Dusty und Phase 34 aus dem Magazin November 2009 in den Sinn. Nach eingehendem Studium der Klangbeschreibungen, fiel die Wahl auf die Dusty, da die Unterschiede nach Udos Beschreibung doch sehr gering zu sein schienen, mir der 7-202/C8/32/Hex optisch besser gefiel als der 7-302/C8/32/Hex und zudem der Preis für die Dusty hierdurch noch geringer ist. Anschließend musste sich die Dusty noch gegen zwei andere Kandidaten (aus der Ferne) durchsetzen. Diese Auswahl zwischen den beiden neuen Bassmitteltönern war also getroffen, aber was ist mit der Kera 360.2 Standversion und der SB 36? Laut Udo hat nach seinem Geschmack die Kera 360.2 Standversion eher ihre Stärken bei Klassik und die Dusty bei Rock und Pop, womit die Kera 360.2 Standversion - auch weil wir nach wie vor die Dusty als am Hübschesten empfanden und sie zudem die Schlankste ist - auch raus war. Nun blieb noch Dusty vs. SB36. Da uns die Dusty auch optisch am besten gefiel (sie ist von allen die Schlankste), der Frequenzgang bei ihr unter 50 Hz nicht so direkt „abstürzt“ wie bei der SB36 und es auf den Cent nicht ankam, fiel die Wahl auf die Dusty. Zudem habe ich mit Eton-Chassis bis jetzt nur allerbeste Erfahrungen gemacht und sie ist eben der schlankste Vertreter dieser Gattung bei Udo. Vielleicht tue ich der SB36, ohne sie jemals gehört zu haben, unrecht, aber Eton in Zusammenspiel mit Udo genießt mein vollstes Vertrauen!
Bau
Also ab in den Baumarkt und den Zuschnitt in 19 mm MDF bestellt. Hierbei habe ich mich nicht an die Stückliste von Udo gehalten, sondern wie bei den meisten Bausätzen die Seitenteile als Basis genutzt, wie man auf den Bildern sieht. Zudem wollte mein Schwager lieber einen Schlitz als ein Bassreflexrohr. Das ist natürlich für Udo die kleinste Übung. Nach nicht einmal einer Stunde hatte ich die Antwort auf meine Frage nach der Länge des Brettes und der Höhe der Öffnung ;-) Entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten habe ich bei der Dusty zuerst den Korpus mit Pokal-Express zusammengeleimt. Mir war der Abstand zu den Seiten einfach zu gering und ich hatte Angst vor einem Durchbruch an der Seite (Sonst habe ich immer zuerst das Frontbrett gefräst und auch noch eins extra zuschneiden lassen, falls etwas daneben geht).






Vor dem Fräsen habe ich die Boxen geschliffen und plan gemacht und auch die Kanten mit der Fräse schon einmal gerundet. Denn wenn eine Fräse etwas gar nicht mag, dann sind das Unebenheiten! Beim Fräsen der Vertiefungen habe ich mich dann langsam an das endgültige Maß heran gearbeitet. Ich habe erst mal nur eine geringe Frästiefe eingestellt und mit einem sicher kleineren Durchmesser begonnen und mich dann durch Kontrolle mit einer Maßlehre vorgearbeitet. Dasselbe bei der Frästiefe. Ist das Maß und die Tiefe einmal gefunden, so sind die restlichen Ausfräsungen ein Kinderspiel.
Exkurs: Um sich die richtige Fräsrichtung merken zu können gibt es einen ganz einfachen Trick:
Nehmt die rechte Hand und haltet sie wie in der nebenstehenden Grafik mit dem Daumen an die zu fräsende Kante. Der Zeigefinger zeigt dann in die richtige Richtung zur Führung der Fräse.
Nun gut, wie auf den Bildern zu sehen, sind erst die Fräsungen für die Vertiefungen und dann die Aussparungen für die Chassis durchgeführt worden (was natürlich immer so sein muss, da sonst der Fixpunkt in der Mitte fehlt). Anschließend noch mal schleifen, schleifen, schleifen…


Nun ging es ans Grundieren. Das ist deshalb wichtig, da die Schnittkanten des MDF so viel Farbe saugen, dass man bei sofortigem Streichen mit Lack gut und gerne 6-8mal Streichen kann, um die Schnittkanten halbwegs unsichtbar zu machen. Also 2x Grundieren, danach noch mal mit 400er dran und dann 2x mit weiß-matt nach gestrichen bzw. -gerollt.



Einbau der Chassis:
Vor den Einbau der Chassis habe ich die Löcher mit einem 2mm Metallbohrer vorgebohrt und Lautsprecherdichtband verklebt. Die Frequenzweiche, die ich mit Heißkleber auf ein Brett geklebt und verlötet hatte, habe ich mit einem Krepp-Klebeband auf das von oben gesehene erste Versteifungsbrett geklebt.
Hier die Ergebnisse:





Klangbeschreibung:
Wie auf den Bildern ersichtlich, habe ich selbst die MiDus im Einsatz und kann daher nur (zumindest direkt) zwischen ihnen unterscheiden. Sicher hinkt der Vergleich zwischen diesen beiden ungleichen Kandidaten, da, wie Udo zu mir einmal sagte: „Membranfläche ist durch nichts zu ersetzen“. Trotzdem, die Dusty spielt derart erfrischend und authentisch, dass ich meine wahre Freude daran hatte. Sie lässt im Frequenzgang nichts vermissen, alles ist da, auch wenn natürlich unten rum nicht ganz so mächtig wie bei den MiDus. Der Kera-Hochtöner klingt am Anfang (bitte beim Nachbau nicht erschrecken) sehr hart. Das erledigt sich aber nach einer Einspielzeit von ca. 48 Std. Danach hat der Kera-Hochtöner fast dieselben Eigenschaften wie der ER4, wobei der ER4 dem Ohr noch etwas mehr schmeichelt; soll heißen bei hohen Pegeln noch unaufdringlicher und weniger laut klingt. Aber nichts desto trotz, die Dusty spielt sehr erfrischend und räumlich auf, wirkt nur etwas heller als die MiDu, aber nie aufdringlich. Auch unten rum (ich hatte sie bei mir ca. 1 Meter von der Wand stehen), spielte sie alles, so dass ich nichts vermisst habe. Im Mittenbereich meine ich, dass sie sogar noch analytischer sind, als die MiDus und im positiven wie im negativen (je nach Aufnahme) einiges zu Tage bringen.
Bei Wandnaher Aufstellung bzw. Aufstellung direkt an der Wand klingen sie bestimmt, wie es naturgemäß nun mal so ist, noch etwas „größer und erwachsener“. Aber das sollte sich dann am Bestimmungsort bei meinem Schwager herausstellen.
Bestimmungsort
Nun, am Wochenende habe ich die Dustys schweren Herzens an meinen Schwager übergeben. Als er die Boxen mit seinem 25 Jahre alten Dual CV 1460 (hätte nicht gedacht, dass die alte Kiste so gut klingt), das erste mal hörte, sah ich auf seinem Gesicht nur ein breites Grinsen (PS: ist kein Mensch der seine Gefühle nach Außen trägt). Auch ich war begeistert. Durch die Wandnahe Aufstellung ließ die Dusty auch unten rum wirklich nichts vermissen und schmiegte sich fast zierlich in den Raum ein.

PS: Der Fernseher ist schon so gut wie ausgetauscht ;-)
Danke Udo, für diese mal wieder seeeehr gelungene Entwicklung!
Ich muss sagen, wenn ich die Dusty vor der MiDu gebaut hätte, wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, weiter zu suchen. Sicher, die MiDu klingt noch etwas „erwachsener“ und der ER4 ist für verwöhnte Ohren ungeschlagen, aber man muss auch den „Preis“ dafür zahlen. Erstens den Kaufpreis und zweitens den Aufstellungs- bzw. Raumpreis. Den Schönheitspreis gewinnt auch auf jeden Fall die Dusty; auch im Vergleich zu den meisten anderen Boxen!
Fazit
Meines Erachten ist die Dusty für all diejenigen, die eine Box der Bluesklasse suchen, nicht alle Möbel dafür umrücken wollen und zudem eine schlanke wunderschöne Box suchen, die auch der „Regierung“ gefällt, die erste Wahl. Sie ist nach meinem Empfinden relativ aufstellungsunkritisch. Mir jedenfalls haben die Dustys einen Riesenspaß gemacht!
Gruß Thomas
Hallo Thomas, schöner Bericht. Hast Du auch einen Baubericht von Deiner MiDu? Gruß Uwe
Hallo Uwe, vielen Dank. Den Bericht zu den MiDus, die ich bereits im Mai 2008 gebaut habe, habe ich Udo fast zeitgleich (also seehr verspätet) mit diesem geschickt. Vielleicht veröffentlicht Udo den ja auch noch. Gruß Thomas
Hallo, danke für den interessanten Bericht. Habe selbst die Kera 360.2 und die ist ja ähnlich - übrigens auch in der Farbegebung/Gehäuse. Mich würd nochmals eine erweiterte Beschreibung des Unterschiedes im Tiefgang im Vergleich zur Midu interessieren. Wie macht der sich bemerkbar? Oder ist es mehr das "Volumen" und damit die Grundtonwärme? Außerdem interessiert mich, ob sich ein Unterschied im Klang ohne und mit Dichtband ergab. Gruß Alex
Hallo Alex, einem Meter von der Wand weg, wie bei mir zu Hause, hatten die Dustys merklich weniger Bassvolumen, als direkt an der Wand bei meinem Schwager. Bei mir standen beide Boxenpaare ca. 1 Meter von der Wand weg. Die Zuspieler waren/sind KT88 und HD-22 von Destiny. Die MiDu macht mehr Druck, soll heißen, Du hörst den Bass nicht nur, sondern ab einer gewissen Lautstärke ist er auch deutlich zu fühlen. Insgesamt halt voluminöser. Die MiDu geht auch bis 35HZ und die Dusty bis 50Hz (-3db Punkt), was man allerdings nur bei wenigen Stücken wirklich merkt, z.B. bei "Spinning the Wheel" von George Michael. Den Herzschlag am Anfang der Pink Floyd CD "Dark Side of the Moon" "Speak to me/Breathe"hört man bei beiden deutlich und knackig. Meines Erachtens ist die Basswiedergabe der MiDu für Rock und Pop ungeschlagen und auch gegenüber der Duetta einfach druckvoller und knackiger, wenn auch nicht ganz so tief. Der Mitteltöner der Midu ist ja der selbe wie der Bassmitteltöner der Kera. Im Mittenbereich war die Dusty sogar etwas detailreicher, als die MiDu. Wer lieber einen etwas gehobenen Bass mag, der sollte die Dusty aber unbedingt wandnah aufstellen. So wie ich den Frequenzverlauf gesehen habe, hat die Kera.2 Standversion einen leichten Buckel zwischen 90 und 150 Hz, wodurch der Bass bei dieser sicher gegenüber der dusty etwas angehoben ist. Knackig war der Bass bei der Dusty auch und sie klang -wie glaube ich die meisten Eton-Chassis- stets unangestrengt. Ich hoffe, die Ausführungen haben Dir etwas geholfen. Gruß Thomas
Ach ja, ich habe bis jetzt immer Dichtband verwendet. ich glaube aber nicht, dass man das wirklich hören kann. Eine Box sollte halt dicht sein und nur an gewollten Stellen Luft durchlassen. Ich denke aber, wei vernünftiger ebener Fräsung und den vielen schrauben der Eton Chassis sollte da so gut wie nix durchkommen. Aber wie gesagt, habe es noch nie ohne ausprobiert. Gruß Thomas
Danke Thomas, für die schnelle Antwort. Das mit dem Bassbuckel stimmt und äußert ich in einem runden warmen und schon recht kräftigen Bass. Weil Du Pik Floyd erwähntest: Hast Du auch die "Brothers in Arms" und da speziell Track 6 "Ride across..."gehört? Der darin vorkommende Tiefbass ist bei mir so der Gradmesser. Ohne Sub fehlt der letzte Tiefgang. Den wird dann die Midu sicher schaffen... Ohne Sub ist die Kera dann aber viel runder. Gruß Alex
Hallo Alex, hab mir nun noch mal ganz bewußt den 6-ten Titel der Brothers in Arms zu Gemüte geführt. Der Vergleich mit und ohne Sub war aber natürlich nur mit dem meinen (YST-800 von Yamaha) und meinem AV-Receiver (Onkyo TX-NR-905) möglich, nicht mit der Röhre. Di MiDu spielt alles, was dargeboten wird, nur weniger laut, als mein Sub. Die meisten Subs, so auch meiner, sind aber "nur" auf Heimkino abgestimmt und somit für Hifi viel zu laut eingestelt. Hab schon viele Titel verglichen -auch Massive Attack- und die MiDus gehen genauso tief wie der YST-800. Teste Du mal bitte mit "Spinning the Wheel" von George Michael, die unterste Oktave ist echt tief. Gruß Thomas
Das ist ja ein Zufall, ich war am 18.10 bei Udo und habe die Phase 34 also quasi die Dusty Probe gehört. Eine tolle Box, ich werde sie allerdings ein wenig stauchen müssen, auf 99cm und eine Tiefe von 34cm bringen. Hast du die original Abmessungen genommen ? Und werde sie auch in weiß lakieren, nur so konnte ich sie bei der Regierung genehmigen lassen.
Hallo Lars, ich habe bei den Innenmaßen die Originalmaße des Bauplans von Udo genommen. Da mein Schwager aber lieber einen Schlitz, als ein Bassreflexrohr wollte, habe ich die Seitenteile als Basis genommen. Dadurch hat man es dann viel leichter mit dem Schlitzkanal. Die Umrechnung sollte für jeden, der die 9.te Klasse erfolgreich absolviert hat, möglich sein - so auch mir. Du kannst die Maße so varieren, wie Du es magst, Hauptsache, das Volumen bleibt gleich. Beim Bassreflexschlitz musst Du bei einer Varieierung der Innenbreite bitte Udo fragen. Falls diese unberührt bleibt ist da Maß für einrn eventuellen Schlitz, dass mir von Udo für den Schlitz mitgeteilt wurde: 2 cm hoch und 16,5 cm langt (von der Länge für das Brett ist natürlich die Dicke des Frontbrettes abzuziehen). Beim Reflexroht bleibt alles beim Alten. Ist wirklich ne tolle Box, auf die Du und die Regierung sich freuen kann - sie machen ne Menge Spaß!!! Falls Du eventuell irgendwann mal nenn Röhren-Amp anschließen möchtest, dann bestell am besten die Impedanzkorrektur für die Weiche gleich mit. Gruß Thomas
Hi Thomas Kannst du mir etwas über den Centerspeaker sagen....und wie sehen Deine Rearspeaker aus? Diese 3 Boxen sind mein nächstes und erstes SB Projekt! ;-) LG Ulrich
Hallo Ulrich, der Center ist die Doppel 5 mit BR-Rohr nach Hinten raus (ER4 mit dem Mitteltöner der Blue-Note bzw. Minuetta). Als Rear habe ich im Moment noch die Canton Karat DC10 (hatte vorher die M80 DC). Die Bluesmal-light werden die DC10 als Rear aber bald ersetzen. Sind schon zu Hälfte fertig. Ist im Moment aber noch zu kalt. Gruß Thomas
Hallo Thomas, hast Du noch die Maße deiner Zuschnitte für die Dusty bzw. Bauplan?
Hallo Michael, sehe heute Abend mal nach und stelle die Maße ein. Gruß Thomas
Hallo Thomas, danke das wäre sehr Nett von Dir. Möchte die Lautsprecher exakt so Nachbauen, vor allem mit dem Bassreflex-Schlitz. Gruß Michael
Hallo Michael,
oder Herr Wohlgemuth,
auch ich interessiere mich für dieses Modell, und würde gerne anstatt des Bassreflexrohres den Schlitz verbauen - wäre es möglich, mir hierfür die Maße zukommen zu lassen?
Viele Grüße
Christof
Hallo Christof,
da musst du nur die Öffnungsfläche des Reflexrohres (= 38 mm²) auf einen Schlitz umrechnen und die Tiefe von 16,5 cm belassen.
Gruß Udo
Hallo Udo,
vielen Dank für die schnelle Antwort! Daß es so simpel ist, hätte ich ("Ersttäter" beim Boxenbau) nicht gedacht.
Viele Grüße
Christof
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