Cassies Bericht über eine Box, die wachsen kann
Harry ist Schuld!
So kann man es kurzerhand ausdrücken. Nachdem ich mich mit einigen anderen selbstgebauten Lautsprechern versucht habe, wollte ich einmal ein größeres Projekt in Angriff nehmen. Doch was soll es werden? Harry, ein User aus dem Hifi-Forum, mit dem ich rege ICQ Kontakt hatte und der mich erst auf den Selbstbau gebracht hat, gab letzten Endes den Ausschlag. Die Duetta Top Light soll es werden. Im April 2006 war es dann soweit, Ich habe genug gespart… naja, nicht ganz, ich habe einen Käufer für meine Lautsprecher DM 603S3 gefunden. Diese hatte ich mir vom ersten Ausbildungsgehalt geleistet. Es konnte also losgehen.
Planing-by-doing?
Von einem anderen Projekt hatte ich noch zwei 50mm Multiplex Platten da, diese sollten meine Schallwand werden. Aber: Wie soll ich da eine vernünftige Bassreflex Öffnung herstellen? Mit der Oberfräse noch nicht so bewandert und auch nicht ganz überzeugt von der optischen Schönheit eines Bassreflexschitzes, wird Rücksprache mit Udo gehalten. Ich möchte den BR-Kanal gerne nach hinten Verlegen. Kein Problem, sagt Udo – also ran an den Speck. Das Finish wird im Detail erst später gelöst. Furnieren will ich nicht, das ging zwar bei einem anderen Projekt gut, aber ich möchte gerne etwas Blaues haben. Zur Wahl stehen Lack und Leder ;) naja, und Tapete. Welche Ständer die Etten bekommen, wird sich auch zeigen. Also eigentlich ein echt planloses Unterfangen.
Der Bau – Materialschlacht.
So beginnt es, zuerst werden die Fronten bearbeitet. Sie sind das einzige, was jetzt schon da ist. Das Holz kommt vom Schreiner, der zum Glück günstige Konditionen hat. Also schon mal die Fronten fräsen. Das klappt gut. Jetzt nur noch den Mittelteil aussägen… Bei 50mm Multiplex ist das gar nicht so einfach. So kapituliert die Stichsäge bereits nach dem ersten Hochtöner-Ausschnitt. Nachdem ich am nächsten Tag neue Sägeblätter gekauft habe, geht’s weiter.

Da das Holz auch fertig ist und ich mir netterweise Mutters Auto leihen durfte, samt ihr als Chauffeur, konnte das Holz auch abgeholt werden, um es direkt zu verarbeiten. So geht’s dann auch direkt in die Werkstatt.
Da ich noch keine Chassis habe, um zu schauen, ob das alles passt, lasse ich die Fronten erstmal weg. Dafür werden schon mal die Weiche und die Kabel gebaut. Das Kabel ist nötig, da ich die Weichen extern aufbaue, um ein späteres Upgrade auf die ER4 leichter zu ermöglichen.


Dann war es soweit. Meine alten Boxen werden abgeholt, ich kann endlich die DTL-Bausätze bestellen. Das Finish hat sich jetzt auch eingefunden, es wird ein dunkelblaues Kunstleder. Da ich das von Anfang an in Betracht zog, habe ich die Fronten an allen Seiten 1mm größer gestaltet und kann das Leder so über den hinteren Korpus ziehen, ohne das eine sichtbare Schnittkante bleibt. Also das Leder ebenfalls bestellen. Als dann die Chassis endlich da waren, war es nur noch eine Frage von Minuten. Alles in das Gehäuse reinknallen und anschließen. Ich konnte an dem Abend leider nur eine Box fertig machen.


Am nächsten Tag geht’s dann weiter, direkt mit einer mittelschweren Katastrophe: Ein Hochtöner überlebt mein Gelöte nicht. Die Lötfahne hat sich abgelötet und der Draht der zur Schwingspule geht, hat sich unter dem Magneten versteckt. Also die Frontplatte des Hochtöners abschrauben und einen neuen Draht nach außen führen. Operation gelungen, Patient lebt. Damit wird endlich der 2. Lautsprecher fertig.
Den Kunstleder-Bezug konnte ich erst eine Woche später aufziehen, da das Leder noch nicht da war. Das gestaltete sich relativ einfach. Ich habe das Leder einfach mit kleinen Nägeln unter der Box angenagelt, somit kann ich einfach mal auf ein anderes Finish wechseln, was auch bald wahrscheinlich gemacht wird. Nachdem ich mit meiner Freundin zusammen gezogen bin, passt das Blau nicht mehr ins rot-orange-gelbe Wohnzimmer ;)
Zuletzt bekamen die Ständer, die ich im Internet für 40 Euro das Stück bestellt hatte, noch große Multiplex-Platten als passenden Fuß.

Klang, die Erste
Getestet wird erst einmal mit seichter Musik. Blue Man Group, Riverside und Porcupine Tree… ;) Die Etten spielen neutral auf, der Bass ist für die kleinen Dinger phänomenal. Naja, so klein sind sie eigentlich ja nicht. Der Seas-HT spielt (wider Erwarten) nicht nervig auf. Im Hochton war ich schon immer etwas empfindlich, aber die Etten treffen es einfach. Im Mittelton sind sie sanft, aber nicht zu schmeichelnd. Wenn die Aufnahme schlecht ist, dann macht sie zwar das Beste draus, aber man hört, dass die Aufnahme es nicht drauf hat. Mein Sub, der die Etten nach unten hin unterstützen sollte, schafft es nicht gegen die Etten anzukämpfen. Er ist zu langsam und nach unten gibt es nicht allzu viel aufzubessern. Daher musste er schon nach kurzer Zeit weg.
2 ½ Jahre später…
So lange war ich mit den Duetta Top Light glücklich. Doch dann kam Lust auf was Neues. Meine Anlage war aber komplett, und der lang ersehnte Plasma ist auch kurz zuvor an die Wand gezimmert worden. Die Elektronik, 45kg japanische Ingenieurskunst, wird nicht mehr hergegeben. Bleibt ja nur noch ein Upgrade auf den ER4 für die Lautsprecher.
Da ich aber kein Werkzeug zum Umbau der Fronten habe, wird das schwer. Dazu meine Unzulänglichkeit beim Fräsen. Wenn da nicht die Tatsache wäre, dass man ja mal umgezogen ist, und nun in Essen, der Nachbarstadt von Bochum wohnt. Kurz Udo eine PM geschickt, Termin klar gemacht und hin.
Dort angekommen, fand ich den Laden erst einmal genau so vor wie beim ersten Besuch. Freundliches Hallo, und dann starten wir auch schon. Udo macht die Gehäuse fertig, ich die Weiche. Nebenbei bekommen wir Besuch, und es wird Musik gehört. Die First Time 6MKII. Sehr schönes Teil, mit beachtlichem Tiefgang. Udo kommt aus dem Keller, mit meinen Gehäusen. Er war fertig, ich war fertig, Test. Als Udo dann erfahren hat, dass ich den ER4 vorher noch nie gehört habe, sein Blick war Gold wert!
Klang, die Zweite
Naja, was soll ich noch sagen, die ER4 begeistern mich direkt. Die NoFerro 800 TV sind sicher keine schlechten Hochtöner, aber was die Eton dagegen machen, ist enorm. Färbungsfrei, zischelfrei, offen, luftig, ich könnte ewig so weiter machen, ich war und bin jetzt, 1 ½ Jahre später, immer noch begeistert von den Etten. Es ist schwer zu erklären, aber so eine Präzision im Klang habe ich bei keinem anderen Lautsprecher jemals gehört.

Heute
Heute bin ich immer noch glücklich mit meinen Duetta Tops. Wie bereits geschrieben werden sie bald wohl ein neues LederKleid bekommen, vermutlich in Schwarz oder Rot. Da ich bei Udo die „Große“ gehört habe, wird der nächste Schritt natürlich die Bassabteilung werden, die irgendwann mal dazu kommt. Dann werde ich ihr komplett neue Gehäuse herstellen. Das ist aber noch Zukunftsmusik. In unserem Wohnzimmer (Mietwohnung) reicht die „Kleine“ allemal schon für einen durchaus Nachbarschafts unfreundlichen und Gehör schädigenden Pegel. Von daher wird das noch warten, bis wir in eine größere Wohnung oder Haus ziehen. Eines ist sicher, die Etten kommen dann mit. Auch meine Freundin will darauf nicht mehr verzichten, sie ist längst vom guten Klang verwöhnt.
Cassie



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