Der Gedanke, wieder neue Lautsprecher zu bauen, kam, als mich ein Kumpel fragte, welche Kompaktlautsprecher ich ihm für rund 1000 Euro empfehlen würde. Spontan fiel mir eine kleine Box ein, von der ich beim Probehören mal sehr begeistert war. Allerdings lag die mit rund 2000 Euro weit über seinem Budget. Beim Recherchieren im Internet entdeckte ich dann Udos Seite und die Duetta Top. Schenkt man all den positiven Hörberichten Glauben, dann sind diese kompakten Selbstbau-Lautsprecher sicherlich mehr als nur eine Alternative. Leider konnte mein Kumpel die Zeit zum Selbstbauen nicht aufwenden und der Vorschlag wurde verworfen. Die Recherchen führten letztendlich nur dazu, dass ich, selbst wieder vom Bastel-Virus befallen, gleich einen Abnehmer für meine alten Lautsprecher gefunden hatte ;-)
Nach weiteren Tagen und Wochen im Internet war eine enge Auswahl getroffen. Fest stand, dass bei diesem Projekt für Kompromisse kein Platz mehr war. Duetta, Midu, Bluenote oder die Keramix3 kamen für mich in Frage. Der Eton ER4 sollte auf jeden Fall drin sein, da ich immer wieder von seiner angenehmen Spielweise gelesen habe, und dieser Aspekt für mich am wichtigsten ist. Schließlich waren es bisher immer die Hochtöner, die früher oder später anfingen mich zu nerven. Als erstes fiel die Keramix aus der Liste, da ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass diese kleinen Säulen im Bassbereich mit den großvolumigen Etons mithalten können. Dann musste die Bluenote raus, weil sich die Kombination ER4 und 7-360/37 HEX der Duetta als "must have" in meinen Kopf gebrannt hatte und die Bluenote in dieser Hinsicht nach Kompromiss roch. Duetta oder MiDu also!? Nach einem netten Telefonat mit Udo, dem Vater der Eton- Kreationen, war ich schlauer. Ich schilderte Ihm meine Räumlichkeiten und bekam sein OK sowohl für Duetta als auch für die MiDu. Bezüglich der Unterschiede meinte Udo, dass sich die beiden klanglich nicht viel nehmen, die Duetta kommt im Bassbereich ein wenig tiefer, dafür spielt die MiDu im Bass noch dynamischer als die Duetta. Hier noch mal Danke für die Einladung zum Probehören, leider bin ich keiner, der gerne Auto fährt und dann auch noch 1000 km. Da ich mich nicht entscheiden konnte, was mir wichtiger war (Tiefstbass oder Dynamik), musste die Optik entscheiden. Dieser Punkt geht nach meinem Gusto ganz klar an die MiDu, da der zweiteilige Aufbau der Duetta für mich zu sehr nach Eigenbau aussieht. Die letzte Hürde, die noch ausstand war meine Lebensgefährtin. Zu meinem Erstaunen gefiel Ihr die MiDu trotz der stolzen Ausmaße richtig gut, die einzige Forderung, die Sie stellte, war die Farbe: Weiß in matt wollte Sie haben. Damit konnte ich leben, schließlich wirken die großen Lautsprecher dann nicht so wuchtig. Also gleich bei Udo die MiDu bestellt und mir Gedanken über das Lackieren gemacht.
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Was ich beim Bau unbedingt vermeiden wollte war, dass die Stoßkanten der MDF- Platten nach dem Lackieren sichtbar werden, denn das hat mich bei meinen bisherigen Lautsprechern immer sehr gestört. Einige befreundete Schreiner bläuten mir ein, dass man das Problem nur durch Verleimen auf Gehrung umgehen könne. Da ich die Zuschnitte zu diesem Zeitpunkt schon bestellt hatte, beschloss ich einen anderen Weg zu gehen. Zuerst wurden nach Fertigstellung der Rohbauboxen die Stoßkanten ausgefräst und anschließend mit Glasfaserspachtel aus dem KFZ-Bereich verspachtelt und plan geschliffen.
Als nächster Schritt folgte das Fräsen der Chassis- Aussparungen, was dank Fräszirkel kein Problem war. Der Ausschnitt für den ER4 war etwas problematisch, da ich keine Kopierhülse für meine Billigfräse hatte und deshalb nicht Udos Methode mit Schablone anwenden konnte. Also habe ich kurzerhand den Ausschnitt für den ER4 exakt angezeichnet und anschließend per Parallelanschlag ausgefräst, auch das funktionierte sehr gut.
Anschließend gings ans Lackieren. Ich habe mich für einen 2K- PUR Lack entschieden, da er mir von meinen bekannten Schreinern als äußerst strapazierfähig und gut verarbeitbar empfohlen wurde. Aufgetragen wurde der Lack mit einem Feinsprühsystem für Heimwerker.
Zuerst habe ich alles mit PUR-Isolierung richtig triefend lackiert und nach dem Austrocknen (2-3 Std.) mit einem Exzenterschleifer und 220er Papier glatt geschliffen. Der Isolierer dient dazu, die Poren des MDF zu füllen, sodass der Lack später an den Schnittkanten nicht wie von einem Schwamm aufgesaugt wird.
Nun gings ans richtige Lackieren mit PUR-seidenmatt Lack, vor dem ich einen Heidenrespekt hatte. Das Problem bei Seidenmattlack ist, dass die Lackierung perfekt gelingen muss, da Nasen und Staubeinschlüsse später nicht rauspoliert werden können. Polierte Stellen glänzen und setzen sich somit optisch von den seidenmatten Bereichen ab. Da ich keinen staubfreien Lackierraum zur Verfügung hatte, wurde die Garage notdürftig umfunktioniert, sprich rausgesaugt und mit Wasser geflutet. Der nasse Boden zieht den Staub aus der Luft an und bindet ihn, sodass er nicht wieder aufgewirbelt werden kann.
Das Ergebnis der ersten Lackschicht war nicht schlecht, leider konnte man noch deutlich die einzelnen MDF-Platten erkennen und gleichmäßig war die Lackschicht auch nicht. Also Schleifen mit 320er Papier und mit inzwischen mehr Lackier-Erfahrung erneut Lackieren. Mit der letzten Portion Lack und 5 Versuche später hatte ich dann endlich eine perfekte Lackschicht ohne Staub und Nasen, was ich schon gar nicht mehr für möglich gehalten hatte!
Als Tip für alle die PUR-Lack verwenden wollen: Verwendet einen Verzögerer, denn ohne diesen verfließt der Lack schon nach wenigen Sekunden nicht mehr und Stellen mit zu wenig Lack können nicht mehr nachgebessert werden. Ansonsten ist PUR sehr empfehlenswert, da er schon nach 2-3 Stunden geschliffen werden kann, und sehr rubust ist. Grundsätzlich würde ich aber eher empfehlen zu furnieren, da es schlichtweg einfacher ist perfekte Oberflächen zu erhalten. Auch Hochglanz Lacke sind entgegen der allgemeinen Meinung einfacher handzuhaben als seidenmatte, da Staubeinschlüsse mit einem anständigen Exzenterschleifer leicht rauspoliert werden können. Ich jedenfalls werde so schnell nix mehr matt lackieren ;-)
o, die Gehäuse waren soweit fertig, nun gings an die Innereien. Der ER4 und die Hex Chassis sind nebenbei gesagt wirklich Schmuckstücke und geben einem allein durch ihre Optik schon das Gefühl, sein Geld goldrichtig ausgegeben zu haben!
Beim Bau der Weiche bin ich folgendermaßen vorgegangen: Zuerst habe ich mir 16mm dicke MDF-Platten zurechtgeschnitten (ca. 23 x 30 cm). Auf diese Platten wurden dann die Weichenteile gelegt. Bei der Anordnung ist zu beachten, dass die Spulen einen ordentlichen Abstand voneinander haben sollten, da sie sich gegenseitig beeinflussen können (hab ich gehört).


Sobald die Bauteile ordentlich angeordnet waren, habe ich die elektrischen Verbindungen gemäß dem Weichenplan angezeichnet. Auf der Rückseite wurden diese Verbindungen anschließend so ausgefräst, dass die Kabel passgenau sitzen. Da wo die Füßchen der Bauteile sind, wurden Löcher gebohrt und anschließend alles an der Unterseite verlötet. Zu guter Letzt wurden die Bauteile mit Heißkleber fixiert. Die fertige Weiche in die Gehäuse schrauben und fertig. Als Anschlussterminal habe ich mich nicht zuletzt aus optischen Gründen für einfache Polklemmen entschieden.


Der Einbau der Chassis war für mich der schönste Part des Baus. Alle Etons passten perfekt in die vorgesehenen Öffnungen und mit jedem eingesetztem Chassis stieg der Puls. Allein die Optik der fertigen MiDus entschädigte dann für alle Anstrengungen, einfach nur perfekt!

Der Klang Nachdem ich die MiDu jetzt schon einige Wochen gehört habe, kann ich den Klang mit nur einem Wort beschreiben: Grandios!!! Obwohl ich sie vorher nicht testen konnte, habe ich mit den MiDus zweifellos die perfekte Wahl getroffen. Alles ist so, wie ich es von kompromisslosen Lautsprechern erwarte. Der ER4 liefert Höhen in feinster Auflösung und klingt dabei so angenehm, dass auch langes Hören nicht anstrengend wird. Die Bässe kommen so dynamisch und tief, dass man gar nicht auf die Idee, kommt es ginge noch tiefer und der Mitteltöner sorgt für eine perfekte Verbindung. Gute Aufnahmen, egal welchen Genres, lösen Begeisterung aus! Was mir an den MiDus auch gut gefällt ist, dass auch bei gemäßigten Lautstärken ALLES da ist. Nicht nur Gezischel, wie bei den meisten Lautsprechern (auch weitaus teurere), die ich bisher hören durfte. Dank des hohen Wirkungsgrades der MiDu braucht man keine dicken Endstufen, was mir auch sehr entgegen kommt. Mit meinem kürzlich erworbenen NaimUniti (feini feini), der gerade mal 2x50Watt an 4Ohm liefert, musizieren die großen MiDus enorm lebendig und bilden eine tolle Bühne! So macht Musikhören richtig Laune!
Als mein Vater die MiDus sah, sagte er: "Die sind zu klein um drinnen und zu groß um außenrum zu wohnen!" ;-) Stimmt, sie sind groß, aber sie wirken trotzdem elegant und bei dem gebotenen Klang würde es mich auch nicht stören, wenn sie doppelt so groß wären! Für mich sind die Midus kompromisslos gute Lautsprecher, die ich jedem empfehlen kann! Genau sowas habe ich gesucht!
Vielen Dank dafür
Andreas

Wenn Du diesen Bausatz nun auch nachzubauen möchtest, kannst du ihn bei Intertechnik oder Acoustic Design Wohlgemuth erwerben
Die Midu sehen in dem tollen Wohnzimmer aus wie 10.000 Euro Lautsprecher. Gefällt mir sehr gut.
Hallo Heiko, ohne jetzt mit "10000 Euro gespart!" angeben zu wollen: Für eine Fertigbox dieser Qualitätsklasse kommst du damit noch nicht einmal aus :) Gruß Udo
Hallo Andreas, sehr schön die MiDus. Ich habe selber welche und habe mich derzeit beim Probehören bei Udo für die MiDus enschieden. Sie sind gegenüber der Duetta, die sicherlich bei vielen Geschmäckern ungeschlagen ist, im Bassbereich einfach dynamischer, druckvoller und knackiger. Dafür nicht gabz so tief. Für meinen Musikgeschmack waren die MiDus das Optimum und ich betreibe sie inzwischen mit einem KT88 und HD-22 von Destiny. Kann ich auch nur empfehlen! Gruß und Respekt an Dein Projekt. Sehen wirklich toll aus!!! Wie sie klingen, weiß ich ja ;-) Gruß Thomas
Hallo Udo, ich bin sicher, dass die Midu ganz hervorragende LS sind, allerdings gäbe es für 10.000 EUR sicherlich auch noch etwas ganz Ordentliches zu kaufen - nicht nur was das Aussehen anbelangt. Denke da z. B. an die von mir an anderer Stelle bereits angesprochenen MA Platinum 300. Sollte ich irgendwann mal die (Cera)Midu fertig haben, dann gibt es einen Vergleichsbericht ;-) Gruß Uwe
Hallo beisammen! Danke für die Komplimente ;-) An Thomas: Ich würde auch gerne mal eine Röhre an den MiDus höhren, hab aber Angst, dass es mir gefallen würde! Meine Freundin und ich könnten uns nicht mit der aufwendigen Bedienung und der Optik anfreunden und ich wäre dann nichtmehr glücklich mit meinen Transistoren :-( (falls die Röhren wirklich überzeugen würden) Also lass ichs lieber, was man nicht weiß macht einen nicht heiß! Und außerdem ist der NaimUniti wirklich nicht ohne! Viel Spaß noch beim Musik hören. Grüße Andreas
Hallo, seht guten Artikel und endlich eine antwort auf meine frage um fur Duetta oder MiDu zu wahlen! Die boxen sehen sehr schon aus. Was fur PUR isolierung haben Sie benutzt? Und war das die normales inhenkabel, weil jetzt benutze ich silberkabel in meinen boxen. Gruss Bob
Hallo Bob, zur Pur-Isolierung wird hoffentlich Andreas etwas schreiben, zum Kabel kann ich dir aber auch Auskunft geben. In meinen Bausätzen verwende ich Stromkabel mit 1,5 mm² Querschnitt. Es ist dafür hergestellt worden, Strom verlust.- und wartungsfrei über viele Jahre im Haus zu verteilen. Nahezu sauerstofffrei ist es zudem und somit die ideale Verbindung zwischen Weiche und Chassis. Gruß Udo
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