Schuld waren die vielen Berichte und Leserechos zur SB 18, dass ich mich auf die Suche nach neuen Boxen machte. Wie es der Zufall wollte, konnte ich sie bei einem DIY-Fan in der Nähe von Lüneburg probehören. Da war er, der anspringende Sound, der Spaß macht. Sauber auflösende Höhen ohne Nervfaktor. Anspringendes, aber nicht unnatürliches Temperament und hohe Spielfreude, saubere Mitten und ein knackig, präziser Bass. Nach einigem Hin und Her bin ich letztlich bei der großen Schwester mit Doppelbass, der SB 36 gelandet.
Vom Aufbau her sollte es eine Box mit runden Seiten werden, die obendrein um 5° geneigt ist. Ferner musste die Box relativ kindersicher gebaut werden. Sie bekam also einen schweren, großen Fuß verpasst, der aus mit Beton aufgefüllten Fichten- Leimholzplatten besteht, damit die Kinder die doch recht zierliche Box nicht umschuppsen können.

Das Anschlussterminal für die LS Kabel habe ich an der Unterseite platziert und eine Kabelzuführung quer durch den Fuß angelegt. Hierzu verwendete ich ein Stück Kunststoffrohr DN110 und ein zurecht geschnittenes Stück Kabelkanal. Als Zugsicherung dient eine geschraubte Lasche (nicht im Bild zu sehen).
Für die Spanten fertigte ich aus einem Reststück 10mm MDF eine Frässchablone. Die für die Boxenneigung nötigen Schmiegen vorn und hinten sägte ich mit der Handkreissäge an. Die Rückwand setzt die Rundung nicht fort, sondern schmiegt sich tangential an die Rundung an. Winkel hier 15°
Die Verleimung der "Gerippe" erfolgte stumpf mit Fugenleim unter zur Hilfename einer kleinen Hilfseinrichtung die ich aus etwas Sperrholz mit Heißleim zusammen geklebt hatte.
Oft habe ich hier schon gesehen, dass die Seitenrundung aus mehreren MDF-Platten angefertigt wurden. Ich hatte jedoch keine sonderlich große Lust, je Seite 6 - 7 Lagen 3 mm HF-Platte auf den Leisten zu ziehen. Darum fertigte ich mir selbst etwas "DIY- Biege-MDF" an, indem ich 16 mm starke MDF Platten auf der Kreissäge alle drei cm 12 mm tief einsägte und zusammen mit einer auf der geschlitzten Innenseite aufgeklebten 3 mm HDF-Platte in einem Arbeitsgang auf die Spanten bog.
Dies ging relativ einfach, denn die Rundung hatte ich erst nach 5 cm Tiefe beginnen lassen. So konnte ich gut an der geraden Kante mit Zwingen und einer Dachlatte ein Widerlager ansetzten und dann die Platten mit weiteren Zwingen nach unten biegen. Danach hätte eigentlich mit dem Seitenaufbau Schluss sein sollen. Nur funktionierte die Arretierung der Tiefeneinstellung meiner Handkreissäge nach ein paar Arbeitsgängen nicht mehr richtig und so kam es, dass diese die Tiefe von 12 mm nicht mehr hielt und ich an einigen Stellen nur noch wenig Restholz hatte. Der Aufbau stellte sich zwar trotzdem als sehr stabil heraus, trotzdem habe ich zur Sicherheit noch eine Lage HF- Platte nachträglich als Außenhaut aufgeleimt. So hab ich in zwei Arbeitsgängen mit drei Lagen Platten eine 22mm Seitenwand hergestellt und den Arbeitsaufwand trotz der Panne mit der Handkreissäge doch um einiges reduziert. Für die Formverleimung habe ich ebenfalls Fugenleim benutzt, den ich mittels Pinsel vollflächig aufgetragen habe.
Jedoch muss auch gesagt werden, das es ziemliche kräftige Zwingen braucht, um die MDF-Platte zu biegen, und das auch der Winkel zum Pressen hier an der Grenze dessen war, was man mit Zwingen ohne Formnegativ bewerkstelligen kann. Für stärkere Rundungen müsste die Platte sehr viel feiner eingeschnitten werden und zum Pressen wären Formnegative oder sehr kräftige Zurrgurte (LKW) nötig, um die MDF- Platte in Form zu biegen. Bei stärkeren Rundungen ist das Verfahren mit 6 - 7 Lagen HDF-Platte mit Hausmitteln sicherlich einfacher durchzuführen


Die Überstände habe ich mit Bündigfräser, Rauhbank und Putzhobel abgestoßen und verputzt. Bevor ich die zweite Seite schloss, habe ich die Weiche einbaut und die Kabel verlegt. Nach dem Einfräsen der benötigten Öffnungen und dem Aussaugen der Späne aus dem Boxeninneren begann ich mit dem Finish der Boxen. Ein schönes Furnier wäre sicher etwas feines gewesen, aber wer meine "Milchmonster" kennt, weiß, dass eine solch edle Lösung nicht unbedingt zweckdienlich ist.
Auf eine Buntlackoberfläche hatte ich auch keinen rechten "Bock". Die Entscheidung fiel zu Gunsten von Kork. Einfach und robust, zeitlos. Der eingesetzte Kork ist nichts Besonderes. Einfacher 2mm Rollenkork, wie er eigentlich als Trittschallschutz bei der Laminatverlegung genutzt wird. Dieser lässt sich am besten mit einem scharfen Teppichmesser schneiden. Auch den Kork verlegte ich mit Fugenleim. Bei einer vorher durchgeführten Testverleimung stellte sich heraus, dass der Leimauftrag mit dem Pinsel zu viel des Guten ist und man häßlichen Leimdurchschlag bekommt. Deshalb zog ich vor der Korkverleimung den überschüssigen Leim mit einem A2 Zahnspachtel von der Fläche. Nach dem Leimen werden die Überstände nicht zu stramm an der Kante entlang mit einem Stück Holz als Gegenstück mit dem Teppichmesser abgeschnitten und vorsichtig verschliffen.
Als letztes Teil der Gehäuse habe ich dann die Schallwände angefertigt und aufgeleimt. Hierzu habe ich einen kleinen Kniff angewendet. Ich habe vier kleine Stifte zur Hälfte in die Rohbox eingeschlagen und mit der Beißzange die Köpfe etwa 3mm über dem Holz abgekniffen, dann habe ich die Schallwand ausgerichtet und mit zwei leichten Faustschlägen die Stifte in die Schallwand gedrückt und so Markierungspunkte geschaffen. Dies hat zwei Vorteile. Beim Verleimen kann man so die Schallwand sofort und ohne Nachmessen in die richtige Position setzen und beim Ansetzen der Zwingen kann sie nicht mehr verrutschen


Nach dem Putzen und Schleifen der Schallwände habe ich die Gehäuse auf den Fuß montiert. Wie? Je Fuß vier 6 mm Löcher quer gebohrt und dann schlicht Spax 5x80 eingedreht…
Nun stand die Oberflächenbehandlung an. Eigentlich wollte ich dafür farblosen 1K PU- Lack nehmen, weil ich den noch vorrätig hatte. Nur der muss wohl bei den niedrigen Temperaturen im Winter einen Knacks bekommen haben. Bei einer Testlackierung wurde er nicht mehr hart. Auf einer zweiten Testfläche machte ich einen Test mit farbloser Antikwachspaste, die ich ebenfalls noch vorrätig habe….geht gut, ist nur beim Kork von der Farbintensität her nicht so der Hit. Also investierte ich noch in eine Dose mit flüssigem Antikwachs im Farbton Eiche mittel, da Kork ja aus Eiche ist und ich neben Kiefer/Fichte auch Eiche im Hörraum habe. Die Farbgebung mit Flüssigwachs erwies an den stehenden Flächen der Box sich als recht schwierig. Kork saugt sehr schnell und unterschiedlich. Für eine farblich gleichmäßige Fläche musste ich den Auftrag so lange wiederholen bis sich der Kork überall vollgesaugt hatte. Dies würde ich beim nächsten Male auch anders machen. Da würde ich mir ein kleine Wanne bauen und den Kork noch vor dem verkleben in Wasserbeize baden, so durchfärben und nach dem Verkleben nur noch mit farblosem Öl behandeln. Nach der farblichen Behandlung des Korkes habe ich das Fichtenholz mit farbloser Antikwachspaste behandelt Nach der Oberflächenbehandlung füllte ich dann das Dämmmaterial in die Boxen und montierte Treiber und Reflexrohre. So sahen am Ende die fertigen Boxen ohne Abdeckrahmen aus.

Nun hatte ich noch die traurige Pflicht das ganze schöne Holz der Schallwände hinter einem Abdeckrahmen zu verstecken, um die Treiber vor Kinderhänden zu schützen. Hierzu kaufte ich dunkelbraunen Stoff den ich auf ein Stück ausgeschnittener 10 mm MDF Platte tackerte. Schließlich montierte ich die Abdeckungen mit M4 Stockschrauben und Hutmuttern aus Messing auf die Schallwänden.
Nun konnte ich endlich die neuen "Kisten" ins Wohnzimmer schleppen und anschließen. Als erstes, wie fast immer beim Probehören, kam eine schöne LP auf den Plattenteller. Das Stuttgarter Kammerorchester mit Antonio Vivaldies "4 Jahreszeiten" und wie ist der erste Höreindruck? Einfach nur..ge…… !! (genau wie von Udo beschrieben) der Kontrabass brummelte nicht dicklich vor sich hin, sondern nahm richtig körperhafte Gestalt an. Im Hochton klar und sauber. Das erste Stück von Cd war Katie Meluas "9 Million Bicycles". Als ob Katie livehaftig auf dem Hocker sitzt und die Gitarre zupft… Der Aufwand hat sich gelohnt! Mit den SB Lautsprechren hat Udo wirklich klanglich große Boxen für kleines Geld im Programm. Da kann man ihm nur ein großes Kompliment machen.

Und so sehen die guten Stücke fertig an ihrem neuen Stammplatz aus. Allerdings sieht man auch die nächste Baustelle. Demnächst gibt es ein neues Rack. Aber erstmal wird die die schwarze Abdeckung gegen braun getauscht….. so hat man immer etwas zu tun…. Im diesem Sinne an alle DIY Freunde "fröhliches Basteln"
Grüße von der Ostseeküste
Volker
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