Beflügelt vom zufriedenstellenden Klang der Rears baute ich gleich zwei Center auf. Wie soll er auch anders als Stereobox dienen? Das Volumen der SB 15 Rear wurde verdoppelt, die Anzahl der Bässe ebenso und schon war der Name da: SB 30. Die Chassis ordnete ich in für Mittenboxen üblicher Bauweise an: Bass - Hochton - Bass.
Daran gibt es natürlich einiges auszusetzen, denn unter zunehmendem Winkel lässt sich ein Einbruch im Frequenzgang um 2 bis 4 kHz messen. Der macht jedoch dem Mikrofon mehr Probleme als dem Ohr, da es keine Reflexionen aus dem Raum mit messen darf. Für den Stereohörer fällt dieser “Mangel” eh flach, da seine Lautsprecher hochkant aufgestellt werden. Hier kommt der positive Effekt der D’Appolito-Optik zum Tragen.
Als Baumaterial nutze ich wieder einmal das durchgefärbte MDF, das ich wegen seines höheren Gewichts und seiner praktischen Oberfläche, die nur noch klar gelackt werden muss, dem naturfarbenen seit einiger Zeit vorziehe. Zwei Hilfsbrettchen aus 10 mm MDF halfen mir bei der Konstruktion der beiden Reflexkanäle in der passenden Breite von 1 cm. Sie wurden zwischen den Deckel und die Front geklemmt und später wieder entfernt, bevor sie selbst ankleben konnten. Auch für den Center oder SB 30 habe ich selbstredend einen Bauplan mit Sketchup erstellt.
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Hier ist der SB 30-Bauplan zum Herunterladen
Nicht viel Aufwand war mit der Weiche für die SB 30 zu treiben, ihre Topologie war von der kleinen Schwester vorgegeben, also mussten nur die Bauteil-Werte für die geringere Impedanz von 4 Ohm umgestrickt werden. So ganz nach Lehrbuch funktioniert das jedoch nicht, denn auch die Chassisanordnung wollte berücksichtigt sein. Mit Halbieren der Spulen und Widerstände, sowie Verdoppeln der Kondensatoren passte es hinten und vorn nicht, aber deshalb habe ich ja auch ein Messsystem und kein Simulationsprogramm für die Weichenentwicklung benutzt.
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Die Erklärungen zu den Diagrammen könnte ich per Paste and Copy von der SB 15 kopieren, doch dass erspare ich uns. Mit 92 dB Schalldruck für 2,83 Volt ist der Bassteil der SB 30 für kleine Chassis recht laut, der Hochtöner kann aber noch lauter. Seine untere Flanke habe ich durch die Wahl der Widerstände des Spannungsteilers ein wenig steiler abfallen lassen. Diese Maßnahme verschiebt die Trennfrequenz auf knapp 3,5 kHz und es entsteht im Übernahmebereich dadurch eine kleine Senke, die gerade bei Filmen gut tut und im Stereobetrieb die Bühne etwas nach hinten verlagert. Wie die anschließenden Messungen unter Winkel zeigen, wird sie schon unter 15 Grad etwas, unter 30 Grad sogar fast komplett aufgefüllt. Ein gerader Kurvenverlauf auf Achse hätte also dort eine Überhöhung hervorgerufen, die anfangs detailreich erscheint, dann aber sehr schnell als schrill empfunden wird.
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Bei dem hohen Wirkungsgrad und der Spielfreude, die schon die SB 15 an den Tag brachten, lag es nahe, für die SB 30 und Röhrenhörer eine Impedanzkorrektur zu basteln. Sie besteht aus der Hintereinanderschaltung von Kondensator, Spule und Widerstand und wird vor der Weiche zwischen den Plus- und Minuspol des Terminals geklemmt. Für Transitoren ist sie unsichtbar, weil vor ihr keine Spannung abfällt.
Schaltplan und Weichenfoto sind vom Prinzip her identisch mit denen der SB 15 Rear, daher male ich sie hier nicht noch einmal hin.
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| Amplitude | Impedanz | Klirr mit 90 dB |
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| Winkel 0/30/60° | Sprungantwort | Wasserfall |

Es verbot sich ganz von selbst, die zweite Hörsitzung mit dem gleichen Equipment durchzuführen, nun durfte mein Destiny EL 34 die beiden SB 30 mit den nötigen Signalen versorgen, Die kamen zudem nicht von der CD, sondern von meinem TD 320 und zugehörigen schwarzen Scheiben mit genau einer Rille auf jeder Seite. Gerade rechtzeitig zum Test hatte noch ein Benz ACE-Tonabnehmer als ganz besonderes Highlight den Weg zu mir gefunden, der mir via Freund Andreas aus Innsbruck direkt vom Benz-Micro-Chef Albert Lukaschek mitgebracht wurde. Neben dem Nachnamen “H” enthält sein Typenschild noch den handgeschriebenen Zusatz “S”, der auf seine bisherige Einmaligkeit, nämlich den besonderen Nadel-Schliff, hinweist. Besonders stolz bin ich darauf, dass das System nicht nur von Herrn Lukaschek für mich ausgesucht, sondern sogar persönlich angefertigt wurde. Kann es eine größere Auszeichnung für ein nahezu unbedeutendes Selbstbau-Magazin geben? Beiden sage ich auf diesem Wege meinen herzlichen Dank.
Klassik war angesagt. Zufällig hatte ich vor einiger Zeit eine große Auswahl von Aufnahmen aus den 60er bis 80er Jahren für wirklich kleines Geld ergattern können. Eigentlich müsste man es als Schande betrachten, wie gering der Wert von altem Kulturgut heute noch geschätzt wird. Händels Konzert für Orgel und Orchester B-Dur, op. 7 Nr. 1 ist nun wirklich keine leichte Kost für zwei 15er Bässe, doch selbst bei ordentlich gehobenem Pegel - nicht ohren-betäubend, ich wollte ja etwas hören - waren die Achtzoll-Pfeifen der Mössinger Orgel nicht zu groß für die kleinen Chassis. Realistisch bis in den hintersten Winkel wurde das Kirchenschiff in meinen Hörraum intergriert. Orgel und Orchester befanden sich in meinem kleinen Laden, jedem Musiker hätte ich persönlich die Hand geben können, so plastisch waren sie präsent. Von einfühlsam und getragen bis beschwingt und heiter ertönte dann Mahlers 4. Symphonie, vorgetragen ohne irgendwelche Boxen wahrzunehmen, die den Raum begrenzten. Einfach Musik pur von der Triangel bis zur Kesselpauke. Der Dirigent, in diesem Falle Bernhard Haitink, hätte vor mehr als 40 Jahren kaum besser stehen können als dort, wo ich gerade saß. Nun schnell noch ein wenig knallenden Rock mit Pegel, auch das war alsolut kein Problem. Gegenüber der SB 15 klang alles noch etwas druckvoller und dynamischer, durch die doppelte Membranfläche war das ja zu erwarten. So hatte der zweite Hörtest keine großen Überraschungen mehr im Ärmel, gleiche Chassis, gleiche Weichenstruktur, gleich hohes Klangniveau, eben auch Bluesklasse.
Jetzt fehlt nur noch die Front, in die ich den Subwoofer gleich integriert habe, und somit der Geschichte dritter Akt.
Udo Wohlgemuth
Der SB 30 Center ist nur komplett und exklusiv bei
Intertechnik oder bei Acoustic Design Wohlgemuth
als Bausatz erhältlich.
Hallo Udo, ich würde mir gerne einen schlanken Standlautsprecher bauen und habe hier an den SB30 gedacht. Auf welches Volumen darf ich das Gehäuse vergrößern damit ich nichts an der Weiche ändern muss. Gruß Roland
Hallo Roland, behalt das Volumen bei und setze einfach einen leeren Fuß unter die SB 30. Dort kannst du dann die Weiche unterbringen. Eine Alternative ist aber auch die SB 36, die ebenfalss als schlanke Standbox bezeichnet werden kann. Gruß Udo
Hallo Udo, danke für die schnelle Antwort. Werde mir mal überlegen welche ich von beiden baue. Gruß Roland
Hallo Udo, hier noch eine Frage. In deinem Bericht schreibst Du das die Sb30 an deinem Röhrenverstärker probegehört wurden. Verstehe ich das richtig das die SB30 ohne weiteres mit einem Röhrenverstärker betrieben werden kann? Groß Roland
Hallo Udo,
wir sind immer noch am Basteln des kompletten SB15/30/36 Sets für das Heimkino.
Jetzt sind wir beim Weichenaufbau auf folgendes Problem gestoßen: Bei den bestellten Bausätzen waren nur Schaltpläne für die SB15 Rear/Front dabei.... Was uns zu der Annahme verleitet hat, dass der Center (SB30) mit der selben Frequenzweiche arbeitet.
Dann sind da aber ein paar Teile übrig geblieben, und das ist der Moment, wo der Ingenieur spätestens die Stirn in Falten legt und feststellt, dass hier irgendwas nicht stimmt...
Hier mal die Fragen zusammengefasst:
1. Hat der SB30 eine andere Frequenzweiche als SB15Rear/Front?
2. Wenn ja, könntest du uns die zukommen lassen?
Vielen Dank und schöne Grüße aus Bayern
Sebastian & Jörg
PS: Wir sehen dich hoffentlich mit reichlich Lautsprechern auf der HighEnd? :-)
Hallo Sebastian und Jörg,
die SB 30 hat als 4-Ohm-Box andere Bauteile als die SB 15. Wenn ich vergessen habe, den entsprechenden Schaltplan mitzuliefern, könnt ihr mir eine Mail schreiben.
Zur Highend komme ich nicht. Die Messe ist für den Selbstbau nicht so interessant, weil wir nicht mit Wundern aufwarten können, die die Welt noch nicht gesehen hat ;)
Gruß Udo
Hallo Udo,
könnte man die Front auf z.b. 23cm verbreitern unter Beibehaltung von Volumen Reflexkanal-Fläche (um so die Höhe etwas zu reduzieren)?
Grüße
Daniel
Hallo Daniel,
lies mal in den "Grundlagen des Lautsprecherbaus" das Kapitel über "Gehäuseformen".
Gruß Udo
ahhh.
ok, ich hatte nur was im Hinterkopf von Beeinflussung der Abstrahlung durch Veränderung der Schallwandbreite. Aber unter den dort beschriebenen Aspekten kann man bei geringen Veränderungen ja fast machen was man will...
danke für den Hinweis.
Grüße
Daniel
Hallo Daniel,
dann hast du zu viel in den falschen Foren gelesen ;)
Gruß Udo
Hallo Udo,
ich möchte für meine SB30 ein neues Gehäuse bauen. Hier würde ich gerne ein Bassreflexrohr verwenden. Welches muss ich hier nehmen?
Ich bin mit den SB30 sehr zufrieden, sie haben meine Erwartungen in aller Hinsicht erfüllt und spielen im 20 qm großen Wohnzimmer super, möchte halt nur ein schöneres Gehäuse bauen.
Gruß
Roland
Hallo Roland,
das Rohr muss die gleiche Öffnungsfläche und Tiefe haben.
Gruß Udo
Hallo Udo,
nach meiner Rechnung benötige ich ein Rohrdurchmesser von 6,5 cm. Bei Intertechnik gibt es ein BR/HP70 mit 7 cm Durchmesser. Kann ich dieses nehmen? Wenn ja bleibt die Tiefe gleich?
Gruß
Roland
Hallo Roland,
das HP 70 kannst du verwenden. Es muss nicht gekürzt werden.
Gruß Udo
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