Vor ca. einem Jahr überlegte ich, mir noch mal neue Lautsprecher zu bauen, da mir meine Experience V20 nicht mehr der Weisheit letzter Schluss zu sein schienen. Zwar konnte man mit ihnen schon recht „ordentlich“ Musik hören, aber ein Auflösungswunder waren sie nicht gerade und somit klangen alle Aufnahmen letztendlich relativ gleich, eine schlechte Aufnahme war kaum von einer guten zu unterscheiden. Im Internet interessierte ich mich nun für eine von Frank Landmesser modifizierte, recht bekannte Bausatz-Box. Dieser überaus freundliche Mensch ließ mir dann auch bei meinem Besuch gute 5 Stunden freie Hand, mit seiner Anlage zu spielen. Abschließend war ich fast überzeugt, denn es sind wirklich richtig gute Lautsprecher! Der Preis von über 4000 € für seine „High End“ Version schreckte mich dann aber doch ab, da ich nicht bereit war, riskante Kompromisse einzugehen. Es musste noch eine Lösung geben, also ab zu Udo Wohlgemuth in Bochum. Dort hörte ich zusammen mit meinem Kumpel Markus erst einmal ausschließlich Duetta, etwas anderes als die Referenz käme natürlich für mich als unverbesserlichen Perfektionisten nicht in Frage… Letztendlich kristallisierte sich dann im Nachhinein aber heraus, dass der Bass der Duetta für meinen Hörraum reichlich übertrieben wäre. Also fuhr ich nach einigen weiteren Monaten wieder zu Udo und nahm mir ein Paar „CeraBlue“ mit, um sie Probe zu hören. Ich hörte sie bei meinem Kumpel auf einer kompletten Mark Levinson-Kette und wir waren beide komplett begeistert. Markus überwand sich sogar zu der Aussage, dass die BlueNote-Variante „zwar anders“, aber nicht unbedingt schlechter klingen als seine 16000 € teuren Fertigboxen namens Epsilon. Zwar konnte ich diese Aussage nicht unterschreiben, mir gefielen seine fertigen immer noch um eine Nuance besser, aber bei einem Preisunterschied (inkl. „passender“ Endstufen) von ca. 30000€ konnte ich als Student diese Schippe gut verschmerzen… Stand also nur noch die Auswahl des Hochtöners an, hier musste es einfach zugegebenermaßen aufgrund eines Bauchgefühls der doppelt so teure ER4 sein. Zwar klang der 26 HD fast genau so gut, aber eben nur fast und ich hätte mir wohl für immer den Kopf darüber zerbrochen, da ein Bändchenkonzept ohnehin schon immer ein Kindheitstraum von mir war. Nein, beim ER4 konnte ich keinen Fehler machen.

Von vielen verschiedenen Leserberichten inspiriert, entschied ich mich für einen Ent- wurf mit gerundeten Seiten, nach der Idee von Frank Landmessers „High End Box“ entschied ich mich außerdem für eine asymmetrische Rückwand des MT-Gehäuses und für ein extra Weichenfach. Außerdem plante ich gleich von Anfang an eine 4cm dicke Granitplatte und 3cm hohe Spikes unter den LS ein und passte entsprechend die Höhe des Hochtöners an. Die Originalvolumina mussten natürlich exakt gleich bleiben, so kam ich auf fast einen halben Meter Tiefe. Um die Stabilität und die Einfachheit des Aufbaus zu verbessern, sollten die Spanten mit Vor- und Rückwand vernutet werden. Die einzelnen Teile zeichnete ich alle in Sketchup. Ich ließ sie dann bei einem Schrei- ner per CNC fräsen, wofür ich aber alles noch mal in einem echten CAD-Programm zeichnen musste. Ich ließ jedoch nur das nötigste fräsen, um Kosten zu sparen und verbrachte anschließend noch einen kompletten Tag in der Werkstatt, um mit Kreis- säge, Bandschleifer etc. die Einzelteile fertig zu stellen.

Der Aufbau des „Skeletts“ ging dann relativ schnell von der Hand, es brauchte ja nun nur noch alles zusammen gesteckt zu werden. Anschließend mussten die Seitenwände aufgeleimt werden, dabei entschied ich mich für die „Schichtmethode“, also viele dünne 3mm-MDF-Platten aufeinander zu leimen. Dabei benötigte ich vier Spanngurte und nicht weniger als 7 große Schraubzwingen und etliche Leisten, um die Wände entgegen ihrem Willen um die runden Seiten zu biegen. Dabei empfiehlt es sich, falls man seinen Boden nicht ruinieren möchte, einen Teppich unter die Schraubzwingen zu legen, da immer mal wieder welche erst nach einigen Minuten wieder abfallen und einem böse Macken in den Boden hämmern können. Durch den sehr steilen Winkel vor allem an der Rückwand braucht das Ansetzen der Zwingen einiges an Übung. Nachdem die erste Seitenwand aufgeleimt war, baute ich die Frequenzweiche ein. Hier war ein gesunder Optimismus erforderlich, da eine Veränderung in der fertigen Box durch die sehr kleine Öffnung von hinten kaum noch möglich wäre.

Da ich jedoch einige Erfahrung mit Schaltplänen und Löten habe, machte ich mir keine allzu großen Sorgen, etwas falsch gemacht zu haben. Ich baute jeweils kleine Regalbretter für die Hoch- und Tieftonweiche (so konnte ich maximalen Abstand der Spulen erreichen) und befestigte alles mit Heißkleber. Vor allem ist dies bei den Anschlusskabeln als Zugentlastung wichtig, um nicht später beim Anlöten der Terminals eine Lötstelle zu lösen.
Da ich von Markus noch 18m edelstes Lautsprecherkabel zum Preis nahe dem einer Baumarkt-Standardstrippe bekam, verkabelte ich alles damit. Das war leider 4mal soviel Arbeit, wie wenn ich Udos Kabel genommen hätte, da es jeweils aus 4 Einzellitzen pro Pol besteht. Nicht, dass ich wirklich an einen besseren Klang glaube, aber da ich selbst noch nie einen Test durchgeführt habe, kann ich es auch nicht komplett ausschließen und die Idee der „Durchverkabelung“ mit dem selben Kabel von den Chassis bis zum Verstärker hatte für mich irgendwie schon ihren Reiz. Als nächstes verkleidete ich alles mit Schall- dämmplatten und leimte die zweite Seitenwand auf. Vorher dichtete ich jedoch noch alle Leimfugen mit Montagekleber ab (sicher ist sicher). Die Dämmplatten lassen sich übrigens am besten einfach mit Holzleim ankleben. Nun mussten die überstehenden Seitenwände abgeschliffen werden. Da ich keine Schleifmaschine in meiner Studentenbude besitze, gestaltete sich diese Arbeit als recht anstrengend, aber letztendlich lässt sich doch alles auch mit Raspel und 40er-Schleifpapier erledigen. Anschließend mussten noch diverse Spachtelarbeiten erledigt werden, um den Rohbau fertig zu stellen.
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Zuerst wollte ich Negativschablonen für die Seitenwände bauen und das Furnier von einem befreundeten Tischler aufpressen lassen, da sich dessen Furnierpresse aber nur bis 30cm aufspannen lässt, war dies leider nicht möglich. Also ließ ich das vorher bei einem Furnierhändler ausgesuchte Furnier bei einem örtlichen Tischler auf die passende Breite zusammennähen und entschied mich für die Methode mit Pattex und Tapezierrolle. Dabei wird alles mit Pattex eingeschmiert und anschließend das Furnier mit einer Tapezierrolle an die Box angedrückt. Dabei sollte man eine große Pappe zur Hand haben, welche man vor dem Andrücken zwischen Furnier und Box platziert und dann langsam unter dem Furnier wegzieht. So verhindert man einen ungewollten vorzeitigen Kontakt zwischen Furnier und LS. Das funktioniert ausgezeichnet (sogar bei runden Flächen), ist aber sehr kostspielig, da man für ein Paar großer Standlautsprecher schon einige Kilo Kleber benötigt. Bei mir kamen die Pattex-Kosten auf ca. 80 € und ich habe nicht übermäßig verschwenderisch gearbeitet.
Das überstehende Furnier habe ich vorsichtig mit Schleifpapier und Schleifklotz abgeschliffen. Nachdem alle Flächen furniert sind, werden die Chassis-Öffnungen etc. einfach mit der Feile rausgebrochen, hier braucht man keine große Angst haben, da das Furnier eigentlich immer um die Kante abbricht. Zum Schluss habe ich noch alles feingeschliffen und mit einem Hartöl, dem ich etwas rote Farbpigmente beigemischt habe, behandelt. Nach ausreichender Trocknungszeit kann man noch ein Wachs auftragen und erhält eine wunderschöne, natürliche Oberfläche.
Parallel zur Arbeit am furnierten Teil der LS habe ich die Fronten mit Lackierrolle und seidenmatt schwarzem Lack lackiert. Ich kann dabei nur jedem zur einfachen Schaumstoffrolle raten, die viel teurere Kurzflorrolle hinterlässt ihre kleinen Härchen überall auf der Oberfläche. Natürlich braucht man ein paar Lackiervorgänge, bis alles schön wird. Den letzten Lackiervorgang sollte man sich allerdings aufsparen, da man es kaum schafft, die Fronten aufzuleimen ohne irgendwelche Abdrücke der Schraubzwingen. Dadurch, dass die Fronten zweilagig aufgebaut sind, verziehen sie sich mit der Zeit und man braucht schon einige Kraft in Form von Schraubzwingen, um sie wieder gerade zu drücken. Um das Problem zu lösen, könnte man die Fronten evtl. auch dreilagig aufbauen, da sich dann die Kräfte ausgleichen müssten.
Nun, da das Gehäuse komplett fertig war, konnte das Dämmmaterial eingesetzt und die Chassis montiert werden. Beim Hochtöner sollten sich Freunde von hauswanddicken Schallwänden vorher etwas überlegen, da die Kabellänge des ER4 dann nicht mehr ausreicht, um ihn im Mitteltongehäuse anzuschließen. Bei mir war es mit meiner 66mm Schallwanddicke an der Grenze und ich habe ca. 20 min Übung gebraucht, bis ich es geschafft habe, die Kabel des ER 4 an einer Lüsterklemme zu montieren. Alle anderen Chassis werden direkt angelötet. Nun mussten nur noch die Terminals montiert und festgelötet werden und es konnte nach gut 3 Monaten Arbeit (immer nur nebenbei während des Studierens) losgehen.
Es war schon ein bewegender Moment, als nach all der Arbeit einfach alles sofort funktionierte. Und wie es funktionierte. Plötzlich kann ich verschiedenste Aufnahmen differenzieren und es klingt alles wie „entschlackt“, so als wäre die Musik von allem Ballast befreit. Es bleibt Musik in sehr natürlicher Form. Leider war es ein Fehler, die Lautsprecher vorab an einer exorbitant teuren Anlage zu hören. So erinnere ich mich leider deutlich, dass an der 40000€-Kette der Bass wesentlich konturierter, druckvoller und federnder war, der virtuelle Raum war größer und die Lokalisation präziser. Aber gut, wäre auch naiv gewesen, zu glauben, dass ein Verstärker, der 1/100stel kostet, genauso gut klingt. Trotzdem ist der Unterschied zu meinen alten Lautsprechern absolut unüberhörbar und ist jeden Cent wert. Und dass die BlueNote Unterschiede zwischen Elektronik-Komponenten hörbar macht, ist wohl auch eher ein Kompliment. Ich kann daher nur jedem, der einen bezahlbaren High End-Standlautsprecher sucht, die Blue Note wärmstens ans Herz legen. Ich kenne keinen anderen Bassreflexlautsprecher, der die Musik so natürlich und entspannt wiedergibt. Und abgesehen davon kenne ich auch keinen Lautsprecher – unabhängig von Preis und Konstruktionsprinzip – der mir optisch so gut gefällt; Selbstbau sei Dank!

Paco
Hallo, der Lautsprecher sieht echt super aus. Würde mir auch sehr gerne eine BlueNote mit Verrundung nach hinten bauen. Das klingt jetzt eventuell etwas dreist, aber meinst du, du könntest mir zumindest die Außenmaße von der Box geben ? Hast du auf die runde Bassreflexöffnung aus optischen Gründen verzichtet oder gab es dafür noch andere Beweggründe ? Bin leider noch ein Selbstbau Anfänger, wollte mich aber demnächst mit professioneller Hilfe auch an eine BlueNote wagen und deine scheint ein super Vorbild dafür zu sein :)
Hallo Student, habe gerade deinen Beitrag gelesen, aber wahrscheinlich sind deine BlueNotes mittlerweile schon fertig. Falls nicht, schreibe mir eine Mail, dann schicke ich dir die Pläne zu. Die Reflexöffnung habe ich aus optischen Gründen in Kanalform gebaut, akustisch ist das wurscht. Gruß Paco
Nachtrag: Meine Mailadresse kannst du bei Udo erfragen, ich habe ihm gerade die Erlaubnis erteilt, sie die zu geben:-)
Hallo Paco, ich habe vor Deine gebaute BlueNote als Dusty nachzubauen. Von Udo´s eigentlichen Baumaßen weiche ich ab zu einer Höhe von ca. 96cm und einer Breite von 18cm (alles Innenmaße). Das Volumen soll ungefähr 52l betragen. Da ich weder ausreichende Kenntnisse in der integralrechnung noch ein CAD-Programm besitze, frage ich Dich ob Du mir etwas helfen kannst. Reicht es aus bei einer eckig errechneten Variante von 30cm Tiefe einfach 2cm draufzulegen und das ganze ein bißchen rund zu zeichnen, oder bedarf es einer höheren Aufwendung. Es wäre nett von Dir zu lesen und vielleicht einen Tip zu geben. Danke im Voraus Gruß Jürgen
Hallo Jürgen,
wenn es genau werden soll, ist das ganze nicht so einfach... ich könnte dir schon helfen, aber versuch es doch einfach erstmal selbst mit Google Sketchup, das ist Freeware und damit lässt sich z.B. leicht die Fläche einer beliebigen Grundfläche berechnen.
Ansonsten kannst du Udo nach meiner Mail fragen (per Mail), Erlaubnis ist hiermit erteilt:-)
Gruß Paco
Great speaker! It reminds me of Wharfedale. Can you publish the designs or just the dimensions? Thanks, Pece
Hi Pece, I am very sorry, but I have no drawings except but the original "BlueNote". Greets Udo
Hallo Udo! Hab das Projekt von Paco aus Graz gasehen. Die Blue Note von Paco aus dem Jahr 01.2010. Bitte auf diesem Weg um die e-mail Adresse, da ich gerne mit Paco Kontakt aufnehen will, um seine Prachtstücke Probezuhören. Will mir ja auch in dieser Richtung orientieren. Vorerst Danke Gföller Manfred, ein Interessierter Leser.
Hallo Manfred, aus rechtlichen Gründen (Datenschutz) dürfen wir die Mailadresse von Paco nicht weitergeben. Den Kontakt kann Paco nur selbst herstellen, wenn er hier noch mitliest. Gruß Udo
Hallo Manfred,
auch hier gilt wieder: Udo darf dir gerne meine Mailadresse geben, wenn du ihn per Mail danach fragst. Probehören kannst du auch gerne kommen.
Gruß Paco
Hallo Paco,
tolle Lautsprecher hast Du da gebaut, genial.
Wollte zuerst die Dusty bauen, aber wo ich dein Werk gesehen habe und mir die Bluenote bei Udo auch sehr gefallen haben, baue ich diese nun.
Darf ich bei Udo deine E-Mail Adresse anfragen bzgl. der Maße deiner Zuschnitte?
Gruß
Michael
Hallo Michael,
ja das darfst du.
LG Paco
cooles Projekt!
Als Verstärker würd ich entweder die Destiny oder das Topmodell von Cambridge oder einen Hifiakademie amp empfehlen - da bekommt man zu noch erträglichem Preis so einiges mit rausgeholt.
Hatte intensiv getestet und ich glaub um die 1500 - 2000€ sind eine sinnvolle Investition bei Duetta und Freunden, ich hörte den Unterschied zu 1000€ Verstärker deutlich und den Unterschied zum 5000€ Gerät nur noch im Direktvergleich.
PRobier mal aus, lässt sich auch was im "mittleren" Preissgement finden was den Lautsprechern gerecht wird, muss nicht gleich ne 40k KEtte sein.
Gleichzeitig wollte ich noch mal das versteckte Lob herausstellen was Du damit gemacht hast.
Ein Lautsprecher muss so etwas auch erst mal so darstellen können dass man überhaupt nen Unterschied merkt - kann nicht ganz falsch sein was Du da gebaut hast ;)
würdest du so nett sein und mir deinen bauplan per email zusenden? das wäre echt nett...ich hab keine ahnung wie ich ihn erstellen soll...
gruß Tom
(Email Adresse entfernt. Bitte internen Bereich nutzen. Du möchtest bestimmt keine Spam Mails erhalten)
könntest du mir netter weise den bauplan zusenden?
(Email Adresse entfernt. Bitte internen Bereich nutzen. Du möchtest bestimmt keine Spam Mails erhalten)
traumboxen hast du da gebaut...
Hallo Tom bzw. jaden58,
versuche doch Paco über die Mitgliederliste zu finden und schreibe ihn darüber an. Es macht nicht viel Sinn, deine E-Mail-Adresse hier rein zustellen. Dafür müsste Paco ständig hier online sein und seinen Artikel lesen.
Das Einzige was du bekommen könntest, wäre demnächst viel Spam, wenn die Spambots erst mal deine Adresse gescant haben.
Gruß SeWi
Hallo Paco
Wirklich schöne Lautsprecher sind das geworden. Will mir auch gerade Cerablue's bauen bin aber leider mit Cad und Mathe nicht ganz so fit und wollte dich bitten ob du mir nicht deinen Plan + Maße mailen könntest.
Vielen Dank LG Roli
Hallo Paco,
ich bin auch sehr an dem Bauplan der Lautsprecher interessiert, kannst du sie mir zukommen lassen?
Gruß und vielen Dank
Thomas
Hallo,
ich würde auch gerne den Bauplan bekommen.
Sehen super aus!
Hallo Paco,
Da ich auch in der Nähe von Graz wohne und wenn es nicht zu viele Umstände bereitet, würde ich deine Prachtstücke auch gerne einmal in Natur erleben und mehr über deine Erfahrungen beim Bau der Boxen herausfinden.
Liebe Grüße aus Thal Reinulf
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