
Nach der mit der Kera 360.2 eingeführten Nomenklatur muss meine Box wohl Kera 375.2 heißen? Das ist mir zu technisch. Ich nenne sie einfach Eton4Me.,Bei der Formgebung ließ ich mich in gewisser Weise von Boxen einer Marke aus dem Hifi-Studio,inspirieren, mit denen ich mich sicher näher beschäftigt hätte, wenn ich meine Lautsprecher nicht, selber bauen würde. Einer nach hinten geneigten Konstruktion wird dort nachgesagt, Phasenunterschiede zwischen Hochtöner und dem darunter liegendem Mitteltöner auszugleichen. Mir gefällt an der Neigung ganz einfach, dass sie optisch einen interessanten Gegenlauf zur Dachschräge meines Hörraumes herstellt.
Eine schräge Box allein war mir nicht spannend genug. Gerundete Seitenwände habe ich schon gebaut, warum nicht mal eine gerundete Schallwand? Neben einer interessanten Ansicht verspreche ich mir davon auch gewisse akustische Vorteile. Die Verrundung soll Kantenreflexionen reduzieren und so einer präziseren räumlichen Abbildung zuträglich sein. Die gewölbte Schallwand konstruierte ich aus leicht winklig zugeschnittenen und aufeinander geleimten 19mm MDF-Leisten, welche die Segmente der späteren Rundung vorgeben. Die Breite der Schallwand ergibt sich aus 12x 19mm = 22,8cm. Die Rundung stellt sich durch Schleifen der Segmentübergänge leicht ein. Sie geht über die ganze Boxenbreite, mit Ausnahme der zentralen ca. 10cm, in welchen der Hochtöner eben und schallwandbündig liegen soll.



Ich gebe zu, dass das Design eines Lautsprechers und die Weise, wie er sich in Größe, Form und Oberfläche in den Wohnraum einfügt, mich mindestens genau so beschäftigt, wie dessen klangliche Eigenschaften. Während meine Minuettas in Bubinga-Furnier mit schwarzer Lackfront sich hervorragend auf den sandfarbenen Bodenfliesen der unteren Etage machen, sollte zum Wenge-Parkett im Dachgeschoss eher eine helle Oberfläche passen. Ursprünglich dachte ich an Ahorn oder Birke. Nach zwei Projekten mit Holzoberflächen wollte ich mich aber wieder an ein Lackfinish wagen, und zwar in Weiß. Weiß waren früher nur Kühlschränke, Waschmaschinen und dressierte Tiger in Las Vegas. In letzter Zeit sieht man aber neben Computern und Telefonen mit Obstlogo auch immer mehr Selbstbauboxen in dieser Nichtfarbe. Ich verschließe mich diesem Trend nicht, und so werden auch die Eton4Me weiß. Über das Lackieren mit Baumarktfarben und Heimwerkermitteln wurde viel geschrieben und diskutiert. Es ist unbestritten, dass sich damit nur eingeschränkt makellose Ergebnisse erzielen lassen. Ich habe mich dennoch dafür entschieden. Mit den zu erwartenden Imperfectionen kann ich leben. Dafür erfreue ich mich am Alles-selbst-gemacht-Gefühl.




Wie klingen sie denn nun, wird man fragen? Besser als nur gut! Und das, obwohl es bei der treibenden Elektronik qualitativ noch Luft nach oben gibt und im karg möblierten Zimmer noch ein paar Bedämpfungsmaßnahmen für die Verbesserung der Raumakustik sorgen könnten. Ich bilde mir ein, dass die Eton4Me klanglich der Phase34 recht ähnlich ist, vielleicht in der Bassabstimmung etwas kräftiger, dafür einen Tick weniger räumlich. Aber das ist mit fast einem Jahr Hörabstand und in einer anderen Hörumgebung schwer mit absoluter Gewissheit zu sagen. In Punkto Räumlichkeit und Impulsfreudigkeit ist die Eton4Me jedenfalls der Minuetta mit alter Weiche überlegen, die ich im direkten Vergleich bei mir zu Hause hören kann. Ich finde die Eton4Me, wie auch die Phase34, knackiger als die "Schlachtschiffe" Duetta und MiDu. Der Bass der Eton4Me geht in meinem Hörraum mehr als ausreichend tief und bleibt dabei trocken und sauber. Den knorrigen Tiefbass einer BlueNote erreicht sie natürlich nicht, muss sie auch nicht.

Hallo Martin! Sehr schöne Arbeit. Deine Eton4me gefallen mir sehr gut. Besonders die Schallwand ist ein Hingucker. Wie hat das mit dem Fräsen funktioniert? Gruß Christian
Auch von mir ein riesen großes Kompliment. Ich wünschte ich wäre bei meinen Projekten so akurat an der Oberfräse. Da ist mensch versucht zu schreiben: "Schade, da ist ja nicht mehr zu erkennen, dass es sich um Selbstbau handelt." Die Lackierung, so weit das auf den Bildern zu erkennen ist, ist auch ein Hammer. Falls du mal nicht weißt was du mit deiner Zeit anfangen sollst ;-), würde ich dir bestimmt erlauben auch ein Paar Lautsprecher für mich zu zimmern.
Hallo Christian, Deine Frage bezieht sich wahrscheinlich auf die Tieftöner. Ich habe zunächst mit einem Nutfräser (Durchmesser 14mm) einen Kreis gefräst, Außendurchmesser der Kreisnut = Korbdurchmesser des Chassis + 1mm, Frästiefe (an der 3 bzw. 9 Uhr Position) = etwas mehr als der Korbrand des Chassis hoch ist. Anschließend habe ich mit einem großen 45°-Fasenfräser die Fase angebracht. Die Frästiefe wird dabei so eingestellt, dass der Korbrand des Chassis überall gerade noch vollständig in der verbleibenden zylindrischen Nut liegen kann, bevor die Fase einsetzt. Die Schwierigkeit besteht darin, den Fräszirkel immer waagerecht zu halten und nicht an der Rundung abkippen zu lassen. Ich habe von diesem Bauabschnitt leider keine Fotos oder Zeichnungen. Ich hoffe, es ist trotzdem einigermaßen verständlich. Gruß, Martin
Sieht echt toll aus. Vorallem die Lackierung ist der Wahnsinn,da einfach aus der Dose. Die Neigung nach hinten macht aus was her und lässt das ganze nicht einfach nur nach Klotz aussehen. Um wieviel Grad handelt es sich denn hier? Sind die Chassis so eingefräst das sie trotzdem grade nach vorn strahlen, oder doch etwas nach oben? Eine Frage, auch an Udo. Hat diese Neigung starken Klanglichen Einfluss? Könnte man z.b. ohne viel getue die SB240 ähnlich Neigen?
Hallo Arne, bei der Neigung ist zu beachten, dass der Hochtöner auf das Ohr zielen soll. Wenn du das bei der SB 240 auch hinbekommst, darfst du sie auch entsprechend kippen. Gruß Udo
Hallo Arne, es handelt sich um 5° Neigung. Die Hochtöner befinden sich auf Ohrhöhe, zielen aber nicht unbedingt auf die Ohren. Es gibt sicher eine klangliche Auswirkung von Neigung und Zielrichtung der Hochtöner. Ich würde das aber nicht überbewerten. Gruß, Martin
Hallo Martin, suuuper Finish, sehen wirklich toll aus. Nur das Argument mit der Phase 34/Dusty (die Dusty habe ich für meinen Schwager gebaut) verstehe ich nicht ganz. Sicher kannst Du die Chassis dort auch anders anordnen und Höhe und Tiefe variieren. Gruß Thomas
Hallo Martin, Hammer schönes Design!! Kannst Du so eine Art Lackieranleitung schreiben? 1.Holz schleifen mit X-Körnung 2. Füllern mit Sprühfüller der Marke Y (2h trocknen) 3. Schleifen......... ... n. Wachsen mit Autowachs yxz mit der Maschine Wäre echt klasse und vorallem die Marken der verwendeten Produkte bitte nicht vergessen!! MFG
Hallo Mark, weißt du, wieviel Arbeit es macht, eine brauchbare Lackieranleitung zu schreiben, die alle Schritte verständlich erklärt? Am Ende kommen dann die Fragen, warum man nicht den Lack von A oder die Grundierung von B genommen hat. Dass alles zudem grundfalsch war und man so ganz bestimmt keine professionelle Lackierung hinbekommt, wird zwischendurch auch auftauchen. Diese undankbare Aufgabe möchte ich Martin hier nicht zumuten, zumal es bereits genügend Anleitungen im Internet gibt. Google kennt sie alle. Gruß Udo
Hallo Udo, ja, ich kenne bereits einige Anleitungen. Aber ich finde SEIN Ergebnis überzeugend und möchte es genauso machen. Die Meinungen anderer bzgl. der Marken u. Verfahren interessieren mich dann nicht. Deswegen bleibt der Wunsch bestehen, es muss/soll kein Prosa sein sondern nur eine Schrittkette. Wenn das hier zuviel Diskussionen auslöst gerne auch per Mail, wenn Du den kontakt herstellen könntes. (Darfst gerne meine Email-Adresse an Martin weitergeben) MFG
Hallo Mark, das Vorgehen beim Lackieren ist immer gleich: Schleifen, grundieren, schleifen, grundieren, schleifen, lackieren schleifen, lackieren, schleifen, lackieren, klarlackieren und polieren. Der Rest ist selbsr machen. Wer einen Schritt davon weglässt oder unsauber arbeitet oder zu wenig Geduld aufbringt, kann auch mit den gleichen Produkten, die Martin verwendet hat, kein vergleichbares Ergebnis erzielen. Gruß Udo
Hallo Mark, es ist so, wie Udo schon schrieb: Das Finish wächst in einer schier endlosen Folge einzelner Grundierungs- und Lackschichten. Das Ergebnis hängt dabei mehr von Sorgfalt, Sauberkeit und Geduld bei der Arbeit ab, als von der Verwendung bestimmter Produkte. Ein Detail meiner Methode möchte ich vielleicht noch nennen: ich schleife zwischen den 3 bis 4 Nutzlackschichten fast gar nicht und verwende zum Abschluss keinen Klarlack. Die Idee ist, eine möglichst dicke Lackschicht anwachsen zu lassen und diese erst am Ende zur perfekten Oberfläche zu schleifen, dann mit einem Autohartwachs zu versiegeln und abschließend zu polieren. Wenn es wirklich kompromisslos perfekt werden soll (meine Boxen sind das nicht!), gibt man die Teile aber doch besser zum Lackierer. Wahrscheinlich ist das nicht mal viel teurer, als die ganzen Farbdosen, deren Inhalt doch zum größten Teil als Schleifstaub endet. Gruß, Martin
Zu solch einem gelungenen paar "Klangmöbel" kann ich dir wirklich nur gratulieren. Klanglich habe ich leider bisher nichts gleichwertiges gehört oder gebaut, deswegen kann ich in dieser Beziehung nicht viel zu deinem Werk sagen. Nach deinem Bericht bin ich mir aber sicher, dass du ein Lob in Bezug auf deine Handwerkliche Arbeit (die kann ich nämlich durchaus beurteilen) mindestens genauso gerne hörst :) Gerade die Lackierung ist (soweit es auf den Bildern zu erkennen ist) wirklich mehr als vorzeigbar geworden. Unterm Strich bleibt mir nur, dir viel Spaß an deinem neuen paar Boxen zu wünschen und auf weitere Bauberichte zu hoffen :) Mit freundlichen Grüßen Johannes
Hallo Martin, wirklich schöne Boxen hast du da gebaut!!! Besonders zu deinem gelungenen Finish hätte ich noch ein paar Fragen: 1. Um den Materialbedarf abschätzen zu können: Wie viele Dosen Lack hast du pro Box pro Schicht ca. benötigt und wie viele waren es insgesamt? 2. Hast du eine Schicht in einem lackiert oder immer eine Seite und den Rest ab geklebt? Hattest du Probleme mit Sprühnebel? 3. Hast du eine Grundierung/Füller verwendet? Viele Grüße und ein frohes neues Jahr !! Tobias
Hallo Tobias, zu 1: insgesamt habe ich pro Box 2 Dosen (400ml) Spritzfüller und 3,5 Dosen (400ml) Premium Sprühlack weiss seidenmatt verwendet - jeweils in einzelnen Schichten von etwa einer halben Dose pro Sprühgang. Es ist von Vorteil, schnell trocknende Produkte zu verwenden. (jetzt sag ich's doch, ohne dafür werben zu wollen: z.B. Genius Pro aus dem T..m Baumarkt, andere Produkte aus anderen Baumärkten oder dem Farbfachhandel sind sicher ähnlich oder besser geeignet ) Vor dem Spritzfüller habe ich pro Box 1 Dose Molto MDF Grundierung mit der Rolle aufgetragen. zu 2 und 3: ohne Abkleben. Probleme mit Sprühnebel hatte ich nicht. Im Baumarkt gibt es Wechselsprühkappen für die Dosen, mit verschiedenen Düsen für verschiedene Sprühabstände. Die Kanten und rund um die Chassisöffnungen habe ich mit kleinem Abstand (10 cm) und feiner Düse gesprüht, die Flächen mit mittlerer Düse und ca 20-30cm Abstand. Gruß Martin
Hi Martin, super danke für deine Antwort! Das sagt mir dass man auch sparsam mit Lack umgehen kann!! :-) Meine ersten Lackiererfahrung habe ich vor kurzem mit der SB15 gemacht. Dabei habe ich pro Box ca. 1 Dose pro Schicht benötigt. Immer mit Abkleben, so dass ich nur die Oberseite lackieren musste. Dadurch konnte ich die Lackschicht etwas dicker auftragen ohne dass sich Laufnasen bilden. Nur mein Lackbedarf von 6 Dosen für die kleinen Böxlein hat mich ein wenig abgeschreckt, wenn ich daran denke mal große Standboxen lackieren zu wollen. Der Tipp mit der zuvor gerollten MDF Grundierung ist auch super, so kann man sich die ein oder andere teure Lackschicht mit der Dose sparen. Ich hatte Dupli Color Premium Lack für teure 12,95 Euro pro Dose verwendet. Wie ich finde ein sehr guter Lack. Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit meinem Ergebnis. Die letzte Schicht habe ich auch mit 2000er Körnung geschliffen und anschließend auf Hochglanz poliert! Habe mir vorgenommen bei Gelegenheit auch einen kurzen Baubericht zu verfassen. Viele Grüße und Spaß beim hören!! Tobias
Hallo Martin, ich bedanke mich dann mal für die vielen Infos bzgl. der Lackierung!! MFG
Hallo, die Box und ihr Finisch sind wirklich super geworden. Was ich zu bedenken geben möchte ist, bei dem Kostenaufwand für Sprühdosen kann man sich auch locker eine kleine Elektrospritzpistole kaufen und "normalen" Lack benutzen.
Hallo Volker, auch wenn es nicht hier rein passt. Kannst du Kaufbeispiele nennen oder hast mit einer gute Erfahrungen gesammelt? Gruß Tobi
Hallo Tobi, such mal in der Liste der Artikel nach "Lack und Leder", äääh: "Bau und Lack" ;) Gruß Udo
Hallo Tobias, das Spitzenmodell des marktführenden Herstellers hat Udo im oben aufgeführten Artikel vorgestellt. Die Einfachmodelle dieses Herstellers kosten etwa so viel wie drei Farbspraydosen. Die sind zwar nicht berauschend, aber so gut wie Spraydosen allemal. Für die gut brauchbaren Modelle muss man etwa den Gegenwert von 6 Spraydosen investieren. Dies macht sich dann spätestens beim zweiten Projekt bezahlt. Wie bei Spraydosen bedarf es aber auch hier natürlich etwas Übung, um ein gutes Ergebnis hinzubekommen. In meiner Berufstätigkeit konnte ich die Erfahrung machen, dass die erzielbaren Ergebnisse mit denen des Druckluftspritzen mithalten können. Gruß Volker
Hallo Martin, abgesehen von der sehr sehr schönen Box, danke für den wirklich gelungenen Beitrag und den guten Schreibstil. Findet man nicht oft. Liest sich super mir gefällt Euer (MArtin/Udo) Stil. Danke für den Beitrag.
Hi, sieht wirklich nach einem tollen Lautsprecher aus! Was hast du denn für einen Bausatz bezahlt / gegenüber der Phase34 gespart? Hast du die Weiche über Udo erworben? Gruß Enrico
Hallo Martin, deine Lautsprecher haben mich wirklich inspiriert. Sie sehen wirklich sehr gut aus, aber die Schallwand macht mir Kopfzerbrechen. Normalerweise müßten sich die Kopfkanten des MDF`s nach einiger Zeit durch den Lack absetzen. Kannst du das bestätigen?
Hallo Martin, ich habe selbst eine mehrlagige Schallwand bestehend aus 3 mal 18 mm MDF Platten verleimt gebaut, und oben große Fasen angearbeitet. Danach auch mehrfach selbst grundiert und lackiert. Bei mir kamen aber immer wieder leicht sichtbar die Übergänge der Schichten durch. Hast du dieses Problem nicht mit deiner Schallwand bei diesen vielen kleine Leisten und den Klebekanten zwischen ihnen? mfg Alexander
Hallo zusammen,
nun schaue ich nach über einem Jahr mal wieder hier rein und stelle fest, dass ich die letzten Fragen gar nicht beantwortet habe. Falls das jetzt noch jemanden interessiert:
Die vielen MDF-Kanten an der gerundeten Vorderseite haben sich auch nach vielen Monaten nicht unter dem Lack abgezeichnet, offenbar dank zahlloser Schichten von MDF-Grundierung.
Allerdings ist seitlich die Verbindungslinie von Schallwand und Gehäuse an einigen Stellen unter bestimmten Blickwinkeln und Lichtverhältnissen leicht sichtbar. Hier war ich wohl nicht gründlich genug.
Um das zu sehen, muss man aber tief vor den Boxen knien, und wer macht das schon beim Musikhören.
Sehr ärgerlich war, dass ich zunächst mit einem zu kleinen Bohrer die Löcher für die Chassis-Schrauben vorgebohrt hatte. So haben sich von den Schrauben ausgehend einige feine Risse im Lack gebildet. Mit einem weißen Reparaturwachstift und Polierwatte konnte ich das noch retten.
Beste Grüße
Martin
Veröffentlichen Sie hier Ihre offenen Fragen zu diesem Artikel. Unser Experte Udo Wohlgemuth und viele der regelmässigen Besucher dieser Webseite können Ihnen vermutlich schnell weiterhelfen.