Red Beauty -- rot, schlank und hoch gewachsen
Am Anfang ist Begehren
Nachdem ich nach langer Baupause letztes Jahr eine günstige CT188 gebaut hatte, ist der Bauvirus wieder ausgebrochen. Meine „Alte“, zwar in die Jahre gekommen, ist eigentlich immer noch gut. Aber warum nicht für mich wieder mal was neues Feines bauen.
Nach intensivem Stöbern in Udos Magazin weckte die Symphony 285 aus Juli 2009 schon beim Lesen gewisse Begehrlichkeiten. Als eingefleischter Transmission-Line Fan aber konnte ich mich mit einer Bassreflex zunächst noch nicht so richtig anfreunden. Warum die 285 nicht als TL bauen, war der erste Gedanke. Ein bisschen gezeichnet und an Udo gemailt. Schnell kam die Antwort. Udo hat mir den TL-Zahn gleich gezogen. Unmöglich die nötige Line-Länge zu realisieren, Weiche würde so nicht passen usw.
Also das Projekt gedanklich erst mal wieder zur Seite gelegt. Aber immer wieder auf die Seite gegangen und x-mal den Beitrag gelesen. Wie die Katze um den heißen Brei geschlichen. Und irgendwann war’s dann soweit, TL aus dem Kopf und mit Bassreflex angefreundet.
Billigen Flug nach Düsseldorf gebucht (ist schließlich ne Meile von mir) und mit Bahn und Bus und einigen CD’s im Rucksack zu Udo war die nächste logische Aktion. Erste Enttäuschung, die hohe Modulbox und genau auf die war ich scharf, war schon zerlegt und als Symphony 25 umgebaut, siehe Mai 2010. OK also doch die kleinere 2-teilige Version hören.
Natürlich habe ich mir auch die Duetta angehört. Und ehrlich gesagt, es ist mir schwer gefallen, mich zu entscheiden. Letztlich fiel die Wahl doch auf die Symphony, da sie für meine Begriffe noch einen Tick knackiger ist, ohne die Feinzeichnung zu vernachlässigen. Ist halt Geschmacksache. Aus optischen Gründen hab ich mich für den 5-202/C8/25 Hex mit Staubschutzkalotte als Mitteltöner entschieden, da mir der Phase Plug 5-302/C8/25 mit seiner „Warze“ einfach nicht gefällt. Macht klanglich keinen Unterschied wie mir Udo versicherte.
Gehäuse
Ich mag am liebsten klare Linien. Zweiteiler und verwinkelte und weiß nicht wie verbogene Gehäuse sind nicht mein Ding. Und es sollte die hohe Version sein. Allerdings nicht ganz so hoch und nicht in Modulbauweise, sondern als Einteiler. Um den beschriebenen Raumklang der Modulversion zu erzielen, war es mir jedoch wichtig, bei allen Chassis jeweils in etwa auf die gleiche Höhe zu kommen, wie Udo dies realisiert hat. Das bedeutet zur Entschärfung der Gesamthöhe muss das Bassreflexrohr dichter ans Chassis ran. Der untere Bass sollte auch auf Udos Höhe sein, somit bleibt unten ein Leeraum. Hier steckt die Weiche drin. Die Fußplatte wurde mit ca. 5,5 cm (2 * MDF 22mm + 10 mm Gummipuffer) in die Planung der Höhe mit einbezogen.
Da es der Box egal ist, woher das Volumen kommt, wurde das Gehäuse insgesamt schlank, dafür etwas tiefer. Hierbei ist der Taschenrechner hilfreich zur Berechnung der Literzahlen. Da der Mittel-/Hochtonbereich weniger Volumen als der Bass hat, wurde der Bereich dahinter durch eine Aussparung in der Trennwand den Bässen zugeschlagen. Dies ergibt auch noch mal ein paar Liter und spart somit etwas am Außenmaß.
Es ergaben sich folgende Maße:
Höhe 155,5 mit Fuß, Tiefe 41 und Breite 29 Zentimeter.
Zuschnitt
Wenn man schon viel Geld ausgibt, wollte ich nicht am Zuschnitt sparen und mich hinterher über schlechten Baumarkt Zuschnitt ärgern. Sorry, es gibt bestimmt gute Zuschnitte im Baumarkt, hängt halt von der Form des jeweiligen Zuschneiders ab.
Franz Thomaier aus Karlsfeld hat mir den Zuschnitt hervorragend gemacht. Seiten auf Gehrung, Front- und Rückseite gefalzt, einfach vom Feinsten. Alles aus 22 mm MDF grundiert. Der Franz ist ein richtiger HiFi Freak und es macht Spaß, mit ihm zu fachsimpeln. Er hat übrigens auch tolle Fertiggehäuse zum wie ich meine fairen Preis. Schaut einfach mal rein bei http://www.schreinerei-thomaier.de/shop/
Der Bau
Da gibt’s nicht viel zu sagen. Viele Bretter zusammenleimen halt. Eine große Tischplatte ist allerdings schon erforderlich. Und ordentlich Muckis. Das Teil wird sauschwer, je mehr Bretter dran kommen. Da musst du beim Umdrehen/Umheben etc. schon kräftig ziehen oder ein zweiter Mann/Frau muss her. Natürlich tritt beim Bauen die eine oder andere Herausforderung auf, manchmal fehlt die dritte oder vierte Hand und mancher Fluch lässt sich auch nicht unterdrücken. Das ist aber immer irgendwie individuell und bedarf keiner Beschreibung.



Das Fräsen der Schallwand ist auch spannend. Bei jeweils 7 Löchern heißt es konzentrieren und ja nicht verfräsen. Da ist man auch mal eine schöne Zeit weg von der Piste. Abgesehen vom Staub. Der Franz hätte mir die Schalwand auch gefräst, aber ich wollte schon die sportlichere Version. Von unten hab ich je Box noch eine Fräsung vorgenommen und hier den Abfall der Bassausschnitte als Deckel eingepasst. Dort sollten später die Weichen rein.
Weiche
Früher habe ich meine Weichen auf einem Brettchen immer schön von unten nach Plan verdrahtet und von oben die Teile verlötet. Fast wie eine Platine. Alles Quatsch, kürzester Weg sagt Udo. Schaut euch mal seine Weiche bei der Beschreibung zu seiner Symphony an. Mein lieber Schwan, da ist aber räumliches Denken angesagt. Ganz so toll hab ich sie nicht hingebracht, aber fast und sie funktioniert. War außerdem auch meine erste Erfahrung mit der Heißklebepistole.
Finish
Ehrlich gesagt hab ich mich bei der Größe nicht ans Furnieren getraut. Außerdem ist es schwierig, so große Furnierteile im Stück zu bekommen. Da ich mit der Rolle ganz gut bin und Farbe eh ganz gut zu meinem restlichen Audio/Video Equipment passt, hab ich die Dinger lackiert. Ist auch nicht ganz einfach wegen der Länge ansatzlos zu rollen, aber es geht. Dabei kam mir das grundierte Material entgegen. Spart mindestens zweimal grundieren.Das ist immer die schönste Arbeit. Sozusagen die Zielgerade. Aber auch da gibt es manchmal Schwierigkeiten. Man denkt, misst, rechnet aber irgendeine Kleinigkeit hat man vielleicht doch übersehen. Hier war’s die Öffnung für die Weiche. Das Brett für die MT-/HT-Weiche war ein wenig zu großzügig bemessen, so dass die Weiche einfach nicht durch den Ausschnitt im Boxenboden passen wollte. Also die Weiche noch mal nacharbeiten. Auch bei den Kabellängen lieber klotzen und nicht kleckern. Ist einfach ärgerlich wenn dann beim Verlöten der Weiche oder eines Chassis ein paar Zentimeter fehlen. Aber letztlich kriegt man doch alles hin.
Alle meine bisherigen Boxen hatte ich auf Spikes gestellt. Auf Udos Rat hin hab ich diesmal Gummifüße verwendet. Diese hab ich durch die Bodenplatte mit den Boxen verschraubt. Unter die Bodenplatte ein paar Teppichstücke geklebt, ermöglicht es, die Box relativ komfortabel an ihren Platz zu schieben.
Klang
Ein wenig Aufregung herrscht schon, wenn man die Dinger anschließt. Wird alles funktionieren?
Ja, es funktioniert! Und wie!. Meine „Alten“ sind wirklich nicht schlecht. Waren ja seinerzeit auch Referenz bei einer großen Stereo Zeitschrift. Aber die Symphony kann einfach alles ein bisschen besser. Es ist im direkten Vergleich, als wenn ein Vorhang aufgeht.
Nachteil:
Ich bin jetzt nachts immer sehr lange am Musik hören. Und es wird schwierig, gute Titel zu finden, die von der Aufnahme das bieten, was die Boxen können. Grade viele neue CD’s sind sehr laut und „breiig“ aufgenommen. Einfach auf Sound und nicht auf Klangtreue getrimmt. Weiß nicht, was sich die Tontechniker da denken.
Da pack ich gerne mal wieder alte Jazz-Cd’s aus. Live Aufnahmen sind manchmal besonders toll. Hier bieten die Chesky Labels eine hervorragende Aufnahmequalität.
Fazit
Ich würd’s wieder tun.
Dank
Danke an Udo. Bei jeder Frage kam auch schnell eine geduldige kompetente Antwort.
Und danke an Franz Thomaier für den exakten Zuschnitt.
Und nicht zuletzt Dank an meine Lebenspartnerin. 14 Tage hatte ich mich im Bastelkeller vergraben. Das hat sie ja noch locker verschmerzt.
Aber mit solchen Trümmern das Wohnzimmer zu teilen, erfordert schon ein gewisses Maß an Toleranz
Harald

Den Bausatz Symphony 285 gibt es bei Intertechnik oder Acoustic Design Wohlgemuth käuflich zu erwerben.
Hallo Harald! Super Projekt, tolle Ausführung und schön ins Wohnzimmerdesign integriert. Viel Spaß weiterhin beim Hören, Günther
Hallo Harald,, eine Symphonie in Rot, ...auffallend...schön und definitv ein gelungenes Projekt. Besonders hat mir an Deinem Leserbrief gefallen, neben den genialen Schallwandlern, dass Du das Du die gleiche Erkenntnis wie ich gewonnen hast. Gewisse musikalische Aufnahmen klingen unglaublich faszinierend und bekannte und andere wiederum erscheinen dagegen emotionslos. Das ist das Ergebnis einer extrem neutralen und authentischen Wiedergabe. Nichts bleibt verborgen und nicht wird geschönt. Ein Konzept das Udo bei all seinen Konzepten realisiert und was auf Dauer einen Hörgenuss ohne Reue beschert. Da wir nun alle mit dem gleichen Virus infiziert sind, vielleicht könnte man auf diesem Wege mal ein paar Informationen über gutes Musikmaterial austauschen? Gebt doch mal bekannt, wenn Ihr eine "Hörenswerte" CD enteckt habt. Viel Freude noch an Deiner zauberhaften Symphonie. Gruß Klaus
Hallo Klaus! Über Musikmaterial wird auch viel im HIFI-Forum diskutiert, sogar in unterschiedlichen Kategorien, nach Musikgenres sortiert. Ich glaub fast daß es den Rahmen von Udo's Frage/Antwort-Bereich sprengen würde. Aber ich schlag trotzdem mal was vor, wird von Udo auch gerne gehört: Hell freezes over / The Eagles. Einfach genial was da an Details und durchdachten Stereoeffekten drauf zu hören ist, selbst mit meinen Elip-2. Und weiters noch Joe Bonamassa live at the royal albert hall, DVD-Version. 2 Schlagzeuge, eines links eines rechts ist einfach Wahnsinn. Hab aber auch Mozart-Symphonien von Claudio Abbado die sehr fein klingen. Du siehst schon, es könnte viel werden :-). Grüße, Günther
Hallo Günther, danke für Deine Antwort. Ich werde mir Deine Empfehlungen mal zu Ohren kommen lassen. :-)). Du hast natürlich Recht, dass die Diskussion über Tonmaterial hier nicht ganz korrekt aufgehoben ist. Ich denke jedoch, dass Du nun auch zu der Gruppe von "Hörern" gehörst, die sehr deutlich die Qualität von Aufnahmen bewerten können. Ich kann jedem nur Neils Lofgrens "Live acoustic" empfehlen, sofern man etwas für Gitarre übrig hat. The Best of Marla Glen ist auch eine Aufnahme, die Das Thema Räumlichkeit und Tiefenstaffelung akkustisch vermittelt. "Top Musicians play: The wall" von Pink Floyd ist Musik zum Anfassen. Gespickt mit akustischen Leckerbissen und phantastischer Räumlichkeit. Sehr zu empfehlen. P.S. Sorry für meine grammatikalischen Entgleisungen und Rechtschreibfehler in der ersten Antwort. Das passiert wenn man zu schnell ist. Vielleicht könnte Udo einen 24 db Rechtschreibfilter installieren. ;-)) Weiterhin viel Freude beim Hören Klaus
Hallo Klaus! Den Tipp mit Nils Lofgren hab ich schon öfter bei Udo gelesen, leider finde ich die CD bei Amazon nicht. Schöne Grüße und immer einen guten Silberling im Laufwerk, Günther
Hallo Günther, versuch' es mal bei www.jpc.de , da habe ich meine auch sofort bekommen. Gruß Klaus
Hallo Klaus! Danke für den Tipp, muß ich mal schauen ob ich vielleicht auch noch andere CD's finde damit sich der Versand nach Österreich auszahlt. Grüße, Günther
Hallo Harald, schöne Symphony hast Du da gebaut. Du schreibst von "etwas knackiger als die Duetta". Hattest Du auch die Midu gehört? Gruß Uwe
Hallo Uwe, die MiDu stand nicht zur Verfügung. Gruß Udo
Hallo Harald, sehr schöner Bericht und wirklich schönes Ergebnis! Auffallend ist aber, daß die Lautsprecher direkt an der Wand stehen, ist das dem Klang nicht abträglich? Lieber Gruß Volker
Hallo Volker, sorry dass ich erst jetzt auf Deine Frage antworte. Habe aus Zeitgründen lange nicht mehr im Magzin gestöbert. Auf dem Bild standen meine "Alten" noch zu Vergleichszwecken daneben. Die stehen nun im Arbeitszimmer an den PC über eine Anlage angeschlossen und machen mir da auch noch viel Freude. Ob nun klanglich durch andere Aufstellung noch mehr rauszuholen wäre, habe ich nicht großartig probiert, Räumlich gibt es da einfach keine andere Möglichkeit . Seitlicher Abstand zur Wand nun ca. 45 cm und zur Rückwand ca. 25 cm. Auf jeden Fall klingt es saugut und durch die Höhe und den "oben Bass" ergibt sich ein schönes räumliches Klangbild. Gruß Harald
Hallo Harald und auch alle anderen Leser. Sehr interessiert habe ich den Bericht gelesen. Besonders aufgefallen ist mir, daß Du eine TDL Monitor Compact daneben stehen hast. Genau diese Box habe ich (seit über 20 Jahren!). Ich spiele mit dem Gedanken diese abzulösen. Könntest Du bitte versuchen die unterschiedlichen Klancharakteristiken in Worte zu fassen (kann man das überhaupt?)? Denn die Klangfarbe und der abgrundtiefe Bass sind schon beeindruckend bei der TDL MC. Zwischendurch hatte ich mal andere Boxen, welche mir aber zu analytisch waren (sind auch wieder weg). Vielleicht ist es auch eine emotionale Verbindung zu meinen ersten Selbstbau Standlautsprecher. Vielleicht würde das auch noch mehr TDL Besitzer interessieren ... Vilen Dank und Gruß Claus
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