Hallo Udo,
ich weiß gar nicht, wo ich als erstes anfangen soll. Eigentlich habe ich vom Lautsprecherbau bis vor wenigen Monaten noch nichts gewusst. Es ist schon komisch, dass ich wenig später durch Zufall auf deiner Internetseite landete, aber hier war ich nun, ein Maschinenbauer, der begeistert Artikel über Elektrotechnik, Schwingungen und Basics der Akustik verschlingt.
Nach kurzer Zeit stand für mich fest, dass musst du unbedingt mal selbst testen. Der Umgang mit dem Thema von der praktischen Seite war es sicherlich, der mich so begeisterte. Ich war infiziert und der „Lautsprecherbauwahn“ hatte mich gepackt.
Schnell kam die Frage auf, welche Box soll ich nun bauen? Wie gern hätte ich einige deiner Boxen mal durch gehört, um dann eine passende für mich zu finden. Doch die Anreise von knapp 400 km war mir dann doch zu weit. Somit entschloss ich mich, klein zu starten und begann nach einem günstigen und nicht zu komplizierten Paar für mein Arbeitszimmer zu suchen, denn das 2.1-System von Creative an meinem Rechner gefiel mir schon lange nicht mehr. Alles viel zu basslastig! Ich war bei jedem dritten Lied damit beschäftigt den Subwoofer neu einzustellen. Nach einigen Tagen reiflicher Überlegung und weiterem Fressen von Artikeln deiner Seite fiel mein Augenmerk auf die Dayton-Needle. Unzählige Leserechos mit durchweg positiven Meinungen und ein nicht zu komplizierter Aufbau festigten letztendlich den Entschluss: DAS MÜSSEN MEINE NEUEN BOXEN WERDEN.
So, was brauch ich alles? Den Punkt würde ich dann doch lieber überspringen, denn bis auf einen Akkuschrauber und ein paar Schraubendreher besaß ich keinerlei Werkzeug... ;-)
Ich bestellte also den Needle-Bausatz und zwei Tage später war er auch schon da. Mist, viel zu früh, Urlaub hatte ich doch erst in einer Woche. Beim Auspacken dann eine gute Nachricht in Bezug auf mein Zeitmanagement. Gerade noch mal Glück gehabt, dachte ich, die Elkos fehlten. Ansonsten hätte mich, glaube ich, nichts mehr davon abgehalten sofort los zu legen. Ein kurzer Anruf bei Intertechnik und schon wenig später war das Problem passé. An dieser Stelle noch mal vielen Dank an Intertechnik für die nette Betreuung der Hotline und die absolut unkomplizierte Abwicklung dieses kleinen Lieferfehlers.
Die Planung, wie die Lautsprecher aussehen sollten, begann eigentlich immer mal wieder zwischendurch. Angeregt von vielen Leserbeiträgen und etwas Rumspielerei in Sketchup, entstand folgendes Design. Sehr zur Freude meiner Freundin alles passend in den Farben unserer Arbeitszimmereinrichtung.
Als Material wollte ich Multiplex in Birke verwenden, das würde mir ein späteres Furnieren ersparen. Zusätzlich dachte ich mir, eine weiß lackierte Front müsstest du auch noch hin bekommen. Zum Schluss den gewissen edlen Glanz noch mit Klarlack erreichen, das hört sich nach einem Plan an.
Nachdem die Planung nun stand, machte ich mich an die praktische Umsetzung. Begonnen hatte ich aus irgendeinem Grund mit der Frequenzweiche, wieso eigentlich? Hat mich die blöde Elektrotechnik doch immer im Studium geärgert. Doch eigentlich muss ich an dieser Stelle ein bisschen weiter ausholen. Wochen vorher musste auch mein Arbeitskollege ständige Ausflüge von mir in die wunderbare Welt des Lautsprecherselbstbaus aushalten. Er war es dann auch, der mich kurzer Hand davon überzeugte vielleicht lieber eine Platine für die Weiche zu benutzen. „So was habe ich auch noch zu Hause“ meinte er, „ich bring sie dir morgen mit.“ Lange Rede kurzer Sinn, ich brutzelte alles zusammen und befestigte zusätzlich den Elko und die Spule noch mit ein wenig Heißkleber auf der Platine.
Einen Tag später wurde die Garage zur Boxenbauwerkstadt umfunktioniert. Den Holzzuschnitt hatte ich mir bereits aus dem Holzfachhandel besorgt. Da ich ein wenig Muffe davor hatte, mein ganzes Gehäuse mit einer misslungenen Fräsung zu versauen, begann ich als erstes damit, an den beiden Fronten die Chassiöffnungen auszufräsen. Links oben im Hintergrund sieht man meinen absolut improvisierten Fräszirkel. Eigentlich hatte ich vor, Udos Fräszirkel nachzubauen, aber „Hornbach“ hat diese blöde Aluleiste innerhalb von 3 Wochen einfach nicht ran gekriegt (Ätz!) und ich konnte nicht länger warten (? Lautsprecherbaufieber).

Anschließend wurde fleißig geleimt. Als Leim hatte ich mir den Expressleim von Ponal gekauft. Es ist eigentlich nicht so schwer gewesen. Damit alles auch gut hält, hatte ich etwas improvisiert und das fertig verleimte Gehäuse mit einem Sack Ytong-Kleber beschwert, der noch von der Renovierung bei mir in der Garage stand.
Nach einem halben Tag, den ich den Gehäusen zur Trocknung gelassen habe, musste ich nun noch die letzten Fräsungen vornehmen. Diesmal im Zusammenbau, aber ich hatte ja bereits geübt und es sollte alles gut gehen. Das Anschlussterminal war größer als die Rückwand und ging daher nur im zusammengebauten Zustand des Gehäuses auszufräsen und ich wollte ja auch noch ein paar Rundungen anbringen, welche sich nur schwerlich passgenau an jedem Einzelbauteil anbringen lassen. Beim Gehäusefuß hab ich mich für die Schraubvariante entschieden. Ich hatte doch kein volles Vertrauen in meine Fähigkeiten eine Frequenzweiche fehlerfrei zu löten und so hätte ich bequem an alles wieder ran gekonnt.
Anschließend stand das Schleifen auf dem Tagesplan. Das Ganze hat sich dann doch irgendwie ganz schön hingezogen, aber ich denke das Ergebnis kann sich sehen lassen.


Die letzten zwei Projekttage gingen für das Streichen drauf. Als erstes klebte ich mit Malerkrepp den Bereich der Boxen ab, welche nicht weiß werden sollten. Nach zweimaligem streichen fand ich die Deckung ausreichend. Hier kamen mir die heißen Sommertage gerade recht, denn bei 35° Zimmertemperatur konnte ich nach bereits zwei Stunden Trockenzeit mit dem Überstreichen beginnen. Zur Sicherheit hab ich mit dem Klarlack allerdings erst nach 12 Stunden begonnen, das war mir dann doch zu heikel.
Zum Schluss kam der Zusammenbau. Die Frequenzweiche klebte ich mit Heißkleber an die Rückwand, kurz oberhalb der Anschlussterminalöffnung. Die bereits an den Kabeln angebrachten Klemmen nutzte ich für den Anschluss der Chassis und im Terminalbereich griff ich dann doch wieder zum Lötkolben. Am Ende musste noch etwas Sonofil in das Gehäuse. Hier hielt ich mich genau an Udos Vorgaben und achtete penibel auf die Breite von 10cm. Was soll ich sagen, ich bekam es einfach nicht hin und die Breite war bei zwei Stücken kleiner als 10cm. Das hatte zur Folge, dass die Streifen hin und her rutschen konnten. Ich glaube, genau das ist auch der Grund warum zwei Pakete mit Sonofil dabei waren, obwohl nur eine Packung benötigt wird. Naja. egal dachte ich mir, einfach grob die volle Breite einer Matte ausnutzen (Gesamtbreite ca. 35cm) und versuchen drei gleich große Streifen raus zu bekommen. Der zweite Ansatz hat dann besser geklappt und das Sonofil konnte leicht zwischen den Seitenwänden eingeklemmt werden, somit verrutschte nichts mehr. Die letzten Schrauben festgezogen und fertig!
Über einen Dayton DTA-1 schloss ich die beiden Lautsprecher an meinen PC an. Ich bin sicherlich kein Profi, was das Testen von Lautsprechern angeht, dennoch möchte ich ein paar meiner Eindrücke gerne schildern. Den ersten Hörtest machte ich mit einer CD die gerade auf meinem Schreibtisch lag, dem Sampler „Tarantino Experience“. Das erste Lied war Bang Bang von Nancy Sinatra, Gänsehaut umschreibt es wohl am besten. Die Stimme war glasklar und ich konnte mir das Grinsen nicht mehr verkneifen. Einfach nur herrlich wie schön die verzerrte E-Gitarre klang. Was für ein Klang für so kleines Geld (ziehen wir mal großzügig meine Investitionen an Werkzeug ab). Die zweite CD die ich einlegte, war von „Aerosmith“ - pump. Als ich doch ein bisschen lauter „Janie's got a gun“ hörte, hab ich mich richtig am Anfang verjagt. Ich wusste gar nicht wie plastisch dieser Synthesizer-Sound klingen kann. Doch das sollte noch nicht das Ende sein, schließlich hat man bei einem PC mehr Möglichkeiten als nur eine CD einzulegen. Vor kurzem stieß ich auf eine Internet-Seite, hier kann man sich eigene Playlists zusammenstellen und diese dann anhören. Mir fiel spontan Bohemian Rhapsody von Queen ein, ich dachte an den Mittelteil wo sich Sologesang und Chor abwechseln und dann in einem einmaligem Schlagzeug- und Gitarrenteil enden. Hier muss ich sagen, dass mir dann doch ein wenig der Druck im Bassbereich fehlte. Dennoch spielte die Needle riesig auf, wenn man diesen kleinen Chassidurchmesser mal betrachtet. Evtl. tut sich hier ja noch was im Laufe des Einspielens. Ich war noch nicht ganz durch mit dem Song, da kam meine Freundin in den Raum. „Mach doch mal leiser, du weißt ich mag die Stimme von Freddy Mercury doch nicht so, mach mal Rihanna mit "te amo" an", waren ihre Worte. Ich hatte das Lied schon oft im Radio gehört, doch noch nie war mir der tolle Klang der Trommeln und die klasse Akustikgitarre aufgefallen, klatschen tut da ja auch noch wer, auf einmal gefiel mir das Lied.
Als Fazit kann ich nur sagen, dass ich diesen Blindkauf nicht bereut habe. Die Needle ist genau das, was ich in meinem Arbeitszimmer gebraucht habe.
Viele Grüße,
Björn

Wenn Du diesen Bausatz nun auch nachzubauen möchtest, kannst du ihn bei Intertechnik oder Acoustic Design Wohlgemuth erwerben



Sehr schön, ich habe gerade (mit sehr änlichem Chassis) die FT9 gebaut und war auch zum großen teil positiv über das zu hörende überrascht. Ich glaube ich werde einfach aus Interesse auch eine Needle bauen. Irgendwo hier oder unter Verwandten wird die sich sicher gut unterbringen lassen. Schöne Arbeit von Dir, Viele Grüße, Jan *der dann irgendwann etwas ganz großes anstrebt*
Erstmal Danke für das Kompliment, schön das sie dir gefallen. Einen Abnehmer findest du bestimmt, denn das Preisleistungverhältnis hat eine 1+ mit Sternchen verdient. Bei Interesse könnte ich ein Probehören im wolfsburger Raum (Niedersachsen) anbieten.
Ich wollte meinen Bericht schon seit längerem mal ergänzen, was ich hiermit nachhole. Ich hatte ja erwähnt das dem Bassbereich der Needles ein wenig der Druck fehlt. Mittler Weile sind die kleinen viele viele Stunden gelaufen und ich muss sagen, dass der Bass wirklich noch mal zugelegt hat. Er ist jetzt schön definiert und dabei nie aufdringlich. Ich höre nun pausenlos während ich am Rechner sitze Musik und das sagt ja wohl alles. Wo ich bei meinen früheren Brüllwürfeln schon nach 10 Minuten ausgeschaltet habe, laufen nun die Scheiben sogar auf repeat. ;-) Kleiner Tip zum Schluss, wem der Bass zu gering ist, der sollte mal die wandnahe Aufstellung wählen.
Hallo Björn, es ist schön, auch einmal eine Langzeit-Erfahrung zur Needle lesen zu können. Noch schöner ist natürlich, dass sie so positiv ausfällt :) Gruß Udo
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