Der Spaß daran, selbst Hand anzulegen und die seit Jahren bestehende Gewissheit, beim Selbstbau nicht zwingend Qualitätseinbußen im Vergleich zu Fertigprodukten hinnehmen zu müssen, haben mich schon vor 20 Jahren dazu gebracht, Lautsprecher selbst zu bauen. Da technischer Sachverstand und technisches Equipment aber bei mir begrenzt sind, kann ich leider keine Boxen selbst entwickeln, sondern bin auf Vorschläge aus der „Szene“ angewiesen. Die Beschäftigung mit der Materie führt geradezu zwangsläufig zu Udo. Da bei mir der Entschluss reifte, einen neuen Lautsprecher haben zu wollen, setzte ich mich also Anfang 2009 mit ihm in Verbindung. Es war der erste Kontakt!
Mehrere Hörsitzungen in den „heiligen Hallen“ in Bochum, aber auch mit ausgewählten und von Udo großzügiger Weise zur Verfügung gestellten Lautsprechern durchgeführte Hörsessions bei mir zu Hause haben zu folgendem Ergebnis geführt:
Ich habe mir die Ceruetta gebaut
Doch wer oder was ist die Ceruetta?
Wer Udos Laden und sein Selbstbaumagazin kennt, weiß, dass er in den letzten Jahren eine Menge an Lautsprechern unter Verwendung von Etonchassis entworfen hat. Man kann bei den Etonboxen von Udo mit Fug und Recht mittlerweile von einer Familie (oder besser gesagt Großfamilie) sprechen, deren Verbindungen wie bei einem Stammbaum mal zum einem, mal zum anderen Modell bestehen, weil es sich um eine Abwandlung, Weiterentwicklung oder was auch immer handelt. Dies hat, da Udo nicht dazu neigt, seinen Entwicklungen zur besseren Unterscheidung nur bloße Nummern zu vergeben, auch zu einer ebensolchen großen Anzahl an Namen geführt, wobei der Kenner mitunter schon allein an der Bezeichnung erahnen, kann, welche Systeme Udo hier zusammengefügt hat und wie es demzufolge um die „verwandtschaftlichen“ Verhältnisse bestellt ist. .
Dies dürfte auch für das Modell geltend, für das ich mich entschieden habe, eben die Ceruetta. Allerdings hat Udo bislang davon abgesehen, den Bauvorschlag zu veröffentlichen, so dass zumindest die öffentliche Namensnennung vorliegend eine Premiere sein dürfte. Die zurückhaltende Promotion ist aber vermutlich allein dem Umstand geschuldet, dass es sich nicht wirklich um eine Neuentwicklung handelt, sondern um eine Variante einer schon seit längerem existierenden Box, nämlich der Minuetta.
Wesentliche Unterschied zur Ur-Minuetta bestehen darin, dass das Gehäuse einteilig ist und anstatt dem ER-4 als Hochtöner die Keramikkalotte 26 HD 1 zum Einsatz kommt. Außerdem hat Udo, wie er mir verriet, die Weichentopologie irgendwann mal überarbeitet. Er sagte, er habe u.a. die Bassabstimmung geändert, dadurch sei der Bass straffer und knackiger geworden.
Ich kenne die Urversion nicht, was aber auch egal ist, denn unabhängig davon und auch (sogar) im Vergleich zu den anderen Topboxen von Udo, wie vor allem der Duetta, der Kera 360.2 und der Bluenote, war für mich schon nach 2 Takten Probehören klar: die Ceruetta „isses“. Ich habe noch keine Box gehört, die so fantastisch gerade im Oberbass durchzeichnet (als Hörtipp mag hier der 6-seitige (!) E-Bass von Anthony Jackson dienen wie z.B. auf der CD von Steve Khan - Crossings) und im besten Sinne über Kickbass (Hörtipp Sade – Best of) verfügt. Damit will ich die anderen Boxen von Udo keineswegs schlecht machen, das wäre keinesfalls gerechtfertigt. Hier geht es letztlich um einen bestimmten Hörgeschmack, den jeder für sich selbst ermitteln muss. Die Ceruetta trifft bei mir allerdings genau auf die Zwölf, nicht mehr und nicht weniger. Dies gilt im Übrigen nicht nur für den Bassbereich, sondern auch für die anderen, klanglichen Eigenschaften des Lautsprechers.
Aus eben diesen klanglichen Gründen habe ich mich dann auch für die 26 HD 1 entschieden. Die Unterschiede zum alternativ möglichen ER4 sind nicht gewaltig. Arbeitet dieser insbesondere bei Stimmen deutlich mehr an Details heraus, so dass diese plastischer und voluminöser klingen (z.B. das Vibrieren des Kehlkopfes bei David Sylvian auf der CD Secrets of the beehive) erzeugt der 26 HD 1 meines Erachtens eine bessere und vor allem mühelosere räumliche Darstellung, will sagen, der Klang löst sich deutlicher vom Lautsprecher, vor allem schon bei geringer Lautstärke. Zugleich klingt beim Schlagzeug die Snare echter, weil härter und das Becken klarer, demgegenüber der ER 4 hier für meine Begriffe etwas zu sehr „weich zeichnet“. So entspricht , da es die eierlegende Wollmilchsau auch bei den Hochtönern immer noch nicht gibt, der Keramikhochtöner einfach mehrheitlich meinen Vorlieben.
Obwohl Äußerlichkeiten bei diesem Projekt zunächst keine Rolle spielen sollten, fand ich die Option zum einteiligen Gehäuse und die Verwirklichung einer klassischen 3-Wegebox ebenfalls ideal.
Der Lautsprecher ist auf der Basis eines 22mm MDF Gehäuses aufgebaut. Die Tiefe wurde etwas vergrößert, damit die Frequenzweiche außen aufgesetzt werden konnte (und so für Änderungen o.ä. zugänglich gemacht werden kann.) Das schaffte außerdem die Möglichkeit, auf etwa 2/3 der Rückseite eine Kammer zu bilden, die mit Sand gefüllt ist, was enorm zur Gehäuseberuhigung beiträgt. Die Schallwand ist mit 18 mm Birke Multiplex aufgedoppelt, die Chassis wurden darin bündig versenkt. Anstatt Furnier habe ich dann dünneres Birke Multiplex auf Seiten und Deckel aufgebracht. Die offen sichtbaren Kanten sind bewusst so belassen, da mir das Finish gefällt. Handwerklich ist das sicher nicht allererste Güte, aber mir gefällt es.
Im Einzelnen:
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| Aller Anfang (meist aus Ungeduld) ist die Weiche. | So sieht es innen aus. Das Graue ist Feinsplitt, den ich noch über hatte. Der ist fast so fein wie Sand und erfüllt den Zweck in gleicher Weise. |
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| Rohbau von hinten mit Weichenkammer. | Rohbau von vorne. |

Und schließlich die Ceruetta im Endzustand im Kreise ihrer Liebsten (Primare-, Rega- und Sac-Elektronik)
Gesucht hatte ich einen Lautsprecher mit Allroundeigenschaften und den habe ich gefunden. Ich höre Musik aus fast allen Bereichen (Schlager und Volksmusik mal ausgenommen), also von Abba bis Zappa, wie man so schön sagt, auch klassische Musik (Strawinsky, Bruckner, Mahler …) ist dabei, und sogar Elektronisches (Future Sound of Jazz, Beanfield, Hefner, Goldie ……). Als Quelle dient mir nicht nur meine bescheidende CD-Sammlung, sondern auch ein Fundus von ca. 700 Schallplatten. Schwerpunkt hier ist Miles Davis (aus allen Epochen), kammermusikalischer Jazz à la ECM und Jazzrock der 70er (Return to Forever, Tony Williams Lifetime, Billy Cobham, Lenny White, Al DiMeola ….). Viele andere Lautsprecher sind an dieser Vielfalt gescheitert. Nicht so die Ceruetta: Alles geht und macht mit der Ceruetta Spaß. Wichtig auch: Wenn Udo die Kriterien seiner Bluesklasse anspricht, weist er immer darauf hin, dass die Lautsprecher dieser Kategorie u.a. auch die Fähigkeit besitzen müssen, hinsichtlich Tonalität und Räumlichkeit bei allen Lautstärken zu funktionieren. Auch das trifft bei der Ceruetta in beeindruckender Weise zu.
Bei einem meiner Besuche brachte die Post gerade die Urkunde der örtlichen IHK: Udos Laden hatte sein 25jähriges Bestehen zu feiern. Wer Udo besucht, erkennt sofort, warum er so lange bestehen konnte! Hierzu nachträglich nochmals alles Gute, auch für die nächsten 25 Jahre Schaffenskraft!
Matthias
Wenn Du diesen Bausatz nun auch nachzubauen möchtest, kannst du ihn bei Intertechnik oder Acoustic Design Wohlgemuth erwerben
Hallo Matthias Kannst Du mal die Masse deiner Böxchen durchgeben? ;-) Ist das Weichenfach fix verschlossen oder zugänglich? Liebe Grüsse Ulrich
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