
Schriftliches zu verfassen ist mir immer schon schwer gefallen, daher auch die lange Wartezeit auf diesen Artikel. Für einen Freund habe ich nach der diesjährigen High-End, auf der ich wieder einmal mit Udo trefflich fachsimpeln konnte, die SB 18 gebaut. Durch einen Wohnungsumbau konnte er erst jetzt seine neue Musikanlage in Betrieb nehmen, rief mich aber gestern an und begann das Gespräch mit den Worten „es ist großartig! es ist ganz fantastisch!“. Das Telefonat dauerte zwar etwas länger, aber das war die Quintessenz. Letztlich hat dieses Telefonat mich dazu gebracht, meine eigenen Eindrücke niederzuschreiben.
Beim Bau der Boxen habe ich einige Fleißaufgaben gemacht. 

Die Gehäuse sind innen fast vollflächig mit Filz beklebt, außerdem gibt es Versteifungen für die Seitenwände und für die Schall- und Rückwand. Gehäusevibrationen sind damit kaum zu bemerken.

Die merkwürdige Konstruktion bei der Reflexöffnung, zu sehen auf dem Bild ohne Seitenwand, sollte eine Änderung der Länge des Reflextunnels zu ermöglichen. Das war aber letztlich nicht nötig. Die Abrundung der Kanten ist rein kosmetischer Natur, ein klanglicher Effekt sollte damit nicht erzielt werden.
Als die Boxen dann bei mir ihre ersten Töne abstrahlten, war eines sofort zu hören: kristallklar! Vor allem die Auflösung im Bereich der ersten Obertöne, der menschlichen Stimmen und Instrumenten ihren charakteristischen Klang gibt, habe ich noch nichts Besseres gehört. Nach einer erstaunlich kurzen Einspielzeit war dann eigentlich nur mehr Musik genießen angesagt. Egal, ob menschliche Stimmen oder instrumentale Musik liefen, das Klangbild war dermaßen klar und präsent, dass da wirklich nur die besten Lautsprecher, die man auf diversen HiFi- und High Endausstellungen zu hören bekommt, mithalten können und das ohne jede Härte oder Schärfe. Dass der Grund- und Hochtonbereich von gleicher Qualität sind, wirkt da fast selbstverständlich. Ich könnte hier auf viele konkrete Musikstücke aus Klassik, Jazz und Popmusik verweisen, die Liste wäre sehr lang. Das Ergebnis ist immer das gleiche: Bluesklasse!
Je besser die Qualität, desto kleiner die Fehler, die bemerkt werden. Obwohl mir das von Anfang an klar war, ging mir doch der Tiefbass etwas ab. Für die meisten Musikstücke ist der Bass zwar in Ordnung, aber z.B. bei Charly Antolini, bei den Bach’schen Orgelfugen oder in Verdis Don Carlos (beim Auftritt des Großinquisitors im 4. Akt „Demutsbass“) fehlt der ultimative Tiefbaß. Aber was will man von einer Regalbox auch verlangen? Bei den meisten Boxen dieser Größe fällt das nicht weiter auf, aber gerade, weil alles Übrige so perfekt ist, vermisst man diesen Bass mitunter dann doch. Dafür gibt es aber die SB36. Außerdem könnte man streng nach Thiele-Small den SB17xxx in eine 35-Liter Box einbauen und hätte dann einen f3 von unter 40 Hz. Für Hobby-Entwickler gibt es da ein ausgedehntes Betätigungsfeld. Auch der eigentlich richtige Aufstellort in einem Regal sollte durch die angrenzende Wand den zusätzlichen Kick geben.
Zusammenfassend kann ich nur sagen, daß die SB18 wirklich eine Ausnahmebox ist, speziell um diesen Preis. In K&T-Terminologie ginge diese Box ganz klar als Cheap Trick durch. Andererseits wäre das eine Verunglimpfung von Udos Blues-Klasse, zu der diese Box eindeutig gezählt werden kann.
Rainer
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