Es war wie so oft im Leben. Kaum war die Symphony 285 fertig, kamen auch schon die üblichen Fragen: “Müssen die Kisten so bunt sein?”, “Kann sie auch in die ursprünglich geplanten Kästen eingebaut werden?” oder “Was ist an der Weiche zu ändern, wenn ich meine Boxen nicht so hoch, dafür aber breiter baue?” “Mach doch, was du willst und wie es dir gefällt!” ist meine gängige Antwort, die immer wieder den gleichen Satz provoziert: “Aber in diversen Foren habe ich doch gelesen, dass man sich immer haargenau an den Bauplan halten muss, sonst ist der ganze Klang dahin!” Vielfach werden auch Programme zur Schallwand-Simulation benutzt, die selbst bei der Verschiebung des Hochtöners um einen Millimeter schon dramatische Auswirkungen zeigen. Wie sehr die reine Rechen-Theorie sich bei Messungen manifestiert, wird mangels eines zweiten Gehäuses so gut wie nie praktisch untersucht. Heute bietet sich endlich einmal die Gelegenheit, einen grandios gut klingenden Bausatz in ein völlig anderes Äußeres zu stecken, um meine Aussage durch Messungen und einen Klangvergleich zu untermauern. Das “alte” Gehäuse der Symphony 285 habe ich nicht weggeworfen, daher sind wir so frei und lassen die Chassis ohne jede Scham die Partner tauschten.
Gehäuse
Mein erster Entwurf der Symphony 285 sah ein Doppelhaus für die beiden Kammer abhängigen Chassis-Systeme, also Bass und Mittelton, vor, in dem sich die jeweils parallel geschalteten Achter und Fünfer von Eton gemeinsam ein Gehäuse teilten. Die beiden Mitteltöner durften zudem den Hochtöner in ihre Mitte nehmen, wodurch der 26 HD 1 ziemlich gut das Ohr eines sitzenden Zuhörers auf Achse trifft. Auch für die 5-302/ C8 ist diese Anordnung wichtig, da beide bis etwa 2500 Hz übertragend den gleichen Abstand zum Lauschenden haben sollen. In diesem Bereich sind die Schall- wellen so kurz, dass Verschiebungen von ein paar Zentimetern sich als Einbrüche im Frequenzgang messen lassen. Dieses Verhalten kennen wir von symmetrisch aufge-bauten, liegenden Centern, die für außerhalb der Sofamitte Sitzende um 800 und 2000 Hz tiefe Kerben bei der Messung hinterlassen.
Für die beiden 8-202/ C8/ 37 Hex, wie die Bässe mit vollem Namen heißen, benötigte ich je 40 Liter Volumen, was ein einfaches Gehäuse aus 19 mm MDF mit zusätzlich aufgesetzter Frontplatte und den Außenmaßen 28 (Breite) x 70 (Höhe) x 49,7 (Tiefe) cm ergab. Vier Versteifungen, die nicht symmetrisch angeordnet sind, verschieben die Platten-Resonanzen in höhere Regionen, die von den Bässen nicht mehr angeregt werden. Die beiden Reflexrohre aus den Bassmodulen hätte ich durch ein HP 10/ BR ersetzen können, das allerdings nur widerwillig auf der Front Platz nehmen wollte. Also beließ ich es bei den HP 70/ BR, die ich wie bei der im Juli vorgestellten 285 von innen aufdoppelte. Gut gefüllt wird das Bassabteil mit insgesamt 10 Beuteln Sonofil, die locker zusammengedreht die gesamte Kammer auskleiden. Auch unter die Reflexrohre habe ich zwei Matten gepackt, hinter ihnen schmiegt sich eine Matte direkt an die Rückwand. Die Weiche für die beiden Bässe klebt auf der hinteren, oberen Versteifung, die Verbindung zur Signalkette wird über ein Paar Polklemmen besorgt
Die Baupläne werden mit einem Mausklick als großes Popup in einem eigenen Fenster geöffnet.


Das Oberteil der “kleinen” Symphony 285 habe ich mehr nach optischen, als nach theoretischen Überlegungen bemessen. Seine Breite entspricht mit 22,8 cm fast dem Ausschnittsmaß des darunter sitzenden Basses, die Höhe von 46 cm lässt einiges an Platz über und unter den Chassis, wodurch der Aufbau schlanker wirkt. Mit 33,7 cm Tiefe hält er für die 5-302/ C8/ 25 Hex das gleiche Volumen bereit wie die beiden Mo- dule der Hochbau-Variante zusammen. Wie es der Zufall will, einspricht die mit 19 mm MDF umbaute Kammer genau dem Bedarf der beiden Fünfer, wenn sie als Stand Alone mit einem HP 50Reflexrohr versehen werden. Doch dazu schrieb ich schon in der Juli- Ausgabe, dass das sogar gute Absicht war. Wegen der geringen Größe der Kisten ge- nügen zwei Versteifungen zwischen den Seiten, die zugleich auch an der Rückwand kleben. Zwei Beutel Sonofil füllen das Oberteil komplett, die Matten werden leicht ein- gerollt durch die Chassisausschnitte gleichmäßig verteilt eingeschoben. Die Weiche für den Mittel-Hochton findet auf der unteren Versteifung den besten Platz in der Box. Auch hier hilft ein Paar Polklemmen bei der Ankopplung an das Bassfundament. Für das Verbindungskabel sind große Querlöcher in den Klemmen vorhanden.


Beide Baupläne der Sym285zweiteilig kannst du per Klick als Sketchup-Datei in gezipter Form herunterladen.
Ein paar Fotos vom Aufbau der Gehäuse habe ich damals auch gemacht, nun freue ich mich, dass ich sie nicht vom Rechner entfernt habe. Damit sie nicht zu viel Platz auf dieser Seite beanspruchen, habe ich sie als Film gebunden, der mit der Maus gesteuert werden kann. Für das Bassgehäuse hatte ich anfangs einen Kanal auf der Rückseite als Reflexöffnung vorgesehen. Diese Lösung habe ich aber zu Gunsten der vorderen Rohre verworfen, weil das die Aufstellung im Raum erleichtert. Texte habe ich mir gespart, denn die Bilder sind selbsterklärend.
Messungen
Wer sich die beiden Aufbauten der Symphony 285 genauer ansieht, wird darin kaum mehr große Gemeinsamkeiten finden. Die Bässe und Reflexrohre sind beim Zweiteiler nicht mehr über Mannshöhe verteilt, die Bodenreflexionen haben völlig andere Lauflängen und das gemeinsame Abstrahl-Zentrum liegt um fast einen Meter tiefer. Die Mitteltöner sind um ein gutes Stück näher zu einander gerückt als bei der ModulVersion, damit liegen sie auch enger am Hochtöner. Mit knapp 23 cm ist die Schall- wand des Mitteltonabteils um ungefähr 20 Prozent schmaler als bei der Hochbauweise. Selbst die vielfach angeführten, inneren Bedingungen für die gefürchteten Stehwellen sind drastisch anders. Sehen wir uns dazu einmal den Vergleich der Amplitude beider Boxen genauer an:



Vor allen anderen Interpretationen der Frequenzgang-Diagramme der beiden 285-Varianten soll nicht unerwähnt bleiben, dass sich Aussagen über das Bassverhalten unterhalb von 200 Hertz nur schwer machen lassen. In diesem Bereich kann auch Clio mit seiner vorzüglichen Sinuspaket-Messung meinen Messraum nicht ausblenden. Daher werden die Kurven im Nahfeld aufgezeichnet und an die Messung mit einem Meter Abstand angekittet. Aus diesem Grund unterscheiden sie sich im Bass nicht wirklich. Darüber sehen wir bei der Modulbox eine leichte Erhöhung um 700 Hz, die beim Zweiteiler nicht vorhanden ist. Hier zeigt sich die größere Breite der Module, die mehr Reflexionen im Mittenbereich bedingt. Markant ist auch die Senke bei 4 kHz, hervorgerufen durch den größeren Abstand der 5-Zöller zum 26 HD 1. Das Mikrofon steht dadurch in einem etwas größeren Winkel zu den beiden Mittenstrahlern, was die Schalladdition mit dem Hochtöner verändert. Da sich dieser “Makel” bei der Messung unter zunehmendem Winkel zu einer glatten Linie auswächst, durfte ich damals diesen für das Ohr sehr wichtigen Bereich auf Achse nicht glätten. Im direkten Vergleich der Amplituden hat die zweiteilige Version den lineareren Verlauf. Erstaunlich für viele dürfte aber trotzdem der geringe Unterschied der Kurven sein, der sich gerade nur in zwei schmalen Frequenzbändern zeigt. Wer nun beachtet, dass die Aufbauten völlig unterschiedlich sind, wird sich wohl kaum mehr auf die vielen Aussagen der “Experten” in Internet-Foren verlassen, wenn er seine Box lieber anders aufbauen will, als es der Entwickler tat.
Klang
Noch entscheidender für die große Freiheit bei der Boxengestaltung ist aber die Tatsache, dass es kaum etwas über die Klangunterschiede beider Aufbau-Varianten zu schreiben gibt. Verantwortlich hierfür sind natürlich die Eigenschaften der Lautsprecher, die sich durch den Einbau nicht auf einmal ins Gegenteil kehren können. Die wesentliche Voraussetzung für die Wieder- gabe von Musik liegt selbstverständlich nicht beim Gehäuse, sondern bei den Chassis. Um der Bluesklasse zugeordnet zu werden, müssen sie, wie wir es von Eton kennen, aus einem Guss zusammen musizieren, die gleiche Tonalität aufweisen und vor allem laut wie leise ohne klangliche Veränderungen die Ein- und Ausschwingvorgänge von Instrumenten und die Nebengeräusche, die Menschen beim Spielen erzeugen, dem Zuhörer glaubwürdig zu Gehör bringen. Wenn ich es einfach in Prozentzahlen ausdrücken soll, hat der Chassisentwickler etwa 80 % Anteil am späteren Ergebnis. Einer lahmen Gurke, die ohne jede Dynamik Töne von sich gibt, kann keine Weiche und erst recht kein Bretterverschlag eine durchhörbare Wiedergabe entlocken, einem kreischenden Metallgemisch niemand die Neigung zu anfangs “detailreichen”, schon bald jedoch als lästig empfundenen Obertönen abgewöhnen.
Nachdem ich das Ergebnis der Hörprobe nun schon vorweg genommen habe, muss ich trotzdem noch ein paar Worte zu den feinen Unterschieden der beiden 285-Versionen sagen. Zwar wurde beim Wohnzimmer tauglicheren Zweikammer-Aufbau die D’Appolito-Optik und damit auch das damit verbundene Abstrahlen beibehalten. Doch wegen des hierbei oben fehlenden Basses konnte sie nicht in gleichem Maße das von Magnetostaten bekannte “Schall-Wandgefühl” erzeugen, das die hohe 285er so sehr auszeichnet. Eine weitere, ausführliche Klangbeschreibung der Doppelbox spare ich mir mit dem Hinweis auf die entsprechenden Ausführungen zur modularen 285 in der Juli-Ausgabe. Tonal sind sich beide Boxen so ähnlich, dass es bei einem späteren Hörvergleich nicht einem von drei Zuhörern auffiel, als ich, von einer kurzen Ablenkung unaufmerksam, zwischendurch vergaß, auch die linke Box zum nächsten Test umzustecken. So gaben eine Zeitlang eine Säule und ein Zweiteiler gemeinsam die gewohnt gute Vorstellung zum Besten. Die Füße wippten und wir hatten unseren Spaß. Wahrscheinlich waren wir alle längst schon nicht mehr geneigt, den Tönen zuzuhören und ließen allein die Musik wirken
Udo Wohlgemuth
Technikseite Symphony 285 zweiteilig:

Messdiagramme
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Amplitude |
![]() |
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Impedanz |
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Klirr mit 90 dB |
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Winkel 0/30/60° |
Sprungantwort |
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Weichenaufbau
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Wasserfall |
Die Symphony 285 gibt es in beiden Varianten nur komplett und exklusiv bei
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