Elip 2 oder die ganz andere Aufgabenverteilung
Ein Baubericht von Gabriele, die ihrem Herbert ein Paar neue Boxen baute
Es fing ganz harmlos an, als der Herr des Hauses mal wieder sagte: „Du ich hab da eine Idee“. Da diese Ideen normalerweise einiges an Arbeiten für die Dame des Hauses bedeuten, fragte ich vorsichtig: „Welche Idee?“ - im Geiste schon nachrechnend, wie viele Wochenenden da wohl einzuplanen wären. Mann zeigte also Frau im Internet verschiedene Lautsprecher und erklärte ganz selbstbewusst: „Die bauen wir selbst“. WIR bedeutet in so einem Fall nichts anderes als dass der männliche, kreative Einfall von mir in die Tat umgesetzt werden soll.
Einige Tagen und etliche Baupläne später, fiel die Entscheidung zugunsten der Standlautsprecher aus der Elip2-Serie von lautsprecherbau.de. Also die Lautsprecher nach einiger sehr geduldiger „Vorausberatung“ durch Udo Wohlgemuth bestellt, die Pläne ausgedruckt und ab in den Baumarkt, um die benötigten Platten zuschneiden zu lassen.
Danach wurde das Badezimmer mal wieder zur Werkstatt umfunktioniert und mit Fräszirkel und Oberfräse zur Tat geschritten. Nach einigen Fräsungen erinnerte mich meine Oberfräse an meinen alten Honda im Winter: Sie springt kurz an und stirbt sofort wieder ab. Den Vorwurf, ich hätte die Oberfräse gekillt, schiebe ich locker mit dem Argument, dies wäre nur der Überhitzungsschutz, beiseite.
Ein Tag später: Ich habe gestern doch die Oberfräse gekillt. Das macht mir weniger Kopfzerbrechen, als dass mein Ehemann am Vortag mit dieser Behauptung Recht hatte…Aber da ich mich von solchen Kleinigkeiten nicht beirren lasse, ging’s zunächst mal an den Zusammenbau der einzelnen Platten. Während des Zusammenleimens musste ich zu allem Überfluss feststellen, dass es der Plattenzuschneidmensch im Baumarkt mit einem ½ bis ¾ mm nicht ganz so genauso genommen hat und die Platten nun nicht exakt abschließen. Kurz umgesehen, ob eins der Kinder in der Nähe ist und den Baumarktmenschen mit ein paar „netten“ Worten bedacht.
Also wieder mal das alte Motto hervorgekramt: „Was nicht passt, wird passend gemacht“ und trotzdem weiter zusammengeleimt. Die spitzen Bemerkungen aus dem Hintergrund, wie ich daraus eine ebene Fläche hinbekommen will, ignoriert und gewartet, bis der Leim getrocknet ist. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich allerdings noch nicht, dass meine glorreiche Idee, die Unregelmäßigkeiten einfach mit mehr Leim auszugleichen, fürchterlich in die Hose gehen würde.
In der Zwischenzeit den Fräszirkel an die neue Oberfräse angepasst, da die Kopierhülse der neuen Fräse natürlich andere Maße als die andere hat - wie könnte es auch anders sein? Schnell die letzten fehlenden Öffnungen ausgefräst und danach mit der Schleifmaschine bewaffnet, der Ungenauigkeit des Plattenzuschnitts den Gar ausgemacht, dachte ich zumindest, denn der getrocknete Leim ließ sich mit feinem Schleifpapier so gut wie nicht wegschleifen. Weiters stand ich vor dem Problem, dass durch die Tatsache, dass die Seitenteile nicht exakt zugeschnitten waren und ich nicht die komplette Rückwand auf die Höhe der Kanten der Seitenteile zurecht schleifen wollte, ich einen Weg finden musste, die Rückwand anzugleichen.
Aber eine Lösung für dieses Problem war schnell zur Hand. Wofür gibt es schließlich Holzspachtelmasse? Ist doch ganz einfach, alle Kanten wegspachteln, zumindest in der Theorie. In der Praxis stellte sich heraus, dass es doch nicht ganz so einfach war, den Niveauunterschied einfach wegzuspachteln und dies etwas mehr Zeit und Geduld forderte als eingeplant.
Beim Abschleifen stellte sich dann heraus, dass ich keinen rechten Winkel gespachtelt hatte, sondern beide Seiten zur Außenkante hin ein wenig abfielen – was mich jedoch nicht davon abhielt, die Lackrolle auszupacken und mit dem Lackieren zu beginnen („Ist ja eh hinten, wo’s keiner sieht“) Der nächste Tag verlief dann ohne besondere Zwischenfälle mit abwechselndem Lackieren und Schleifen. Während ich mir also meine Zeit mit Lack und Schleifstaub vertrieb, bewunderte ich Udo Wohlgemuth immer mehr, wie ausführlich und ohne jegliche Verzögerung er meinem Mann Auskünfte und Tipps über Frequenzweichen und weiteren technischen Krimskrams erteilte ohne jemals dabei die Geduld zu verlieren. An Udos Stelle hätte ich wahrscheinlich schon keine Mails mehr geöffnet. ;o)
Dann der große Tag: Das Paket mit den Lautsprechern wird geliefert. Das Kind im Manne wird nun zum ersten Mal während des Projekts Lautsprecherbau so richtig entfesselt.
Also schnell die Lautsprecher ausgepackt und - die Außenmaße der Fräsungen sind teilweise um einen unglaublichen Hauch zu klein. Mann kriegt die Krise, weil Frau noch 2 Stunden lang im Büro sitzt und diesen Makel nicht gleich beseitigen kann. Aber tapfer wie ein Mann nur sein kann, ertrug er diese Zeitspanne und als ich nach Hause kam, machte ich mich auch gleich mit dem Dremel an die Feinarbeit und schlussendlich war die Erleichterung und Entspannung groß, als jeder Lautsprecher an seinem vorgesehenen Platz eingesetzt werden konnte. Der einzige Wermutstropfen dabei war, dass die Gehäuse noch nicht fertig lackiert waren.
Das Kind im Manne konnte seine Ungeduld kaum mehr zügeln, also machte ich mich noch am selben Abend mit einer Spraydose und der Schreibtischlampe meines Sohnes (um im Dunkeln auch zu sehen, ob die Lackschicht gleichmäßig wird) bewaffnet daran, am Balkon die vorletzte Lackschicht aufzutragen.
Dummerweise hatte ich nicht damit gerechnet, dass ich mehr Lack brauchen würde, als ich gekauft hatte und griff deshalb, dem Tipp meines Mannes folgend, zu den restlichen Sofort-Trocken-Lack-Spraydosen, die noch im Abstellraum standen, um nicht auf den nächsten Tag warten zu müssen, um neue Spraydosen kaufen zu können.
Dass es sinnvoller gewesen wäre zu warten, stellte sich leider erst heraus, als einige Minuten nach dem Lackieren mit dem Sofort-Trocken-Lack die frischlackierte Oberfläche aussah, wie ein ausgetrocknetes Flussbett. Eventuell hätte es auch geholfen, vorher auf der Spraydose die Anleitung zu lesen, dort stand beschrieben, mit welchen anderen Lacken dieser Lack nicht harmoniert, unter anderem mit dem Lack, mit dem ich vorher lackiert hatte. Nun ja, auf einmal mehr oder weniger schleifen kam’s jetzt auch nicht mehr an und ruckzuck waren wir wieder an dem Punkt angelangt, wo wir schon mal waren.
Am nächsten Tag also mal wieder in den Baumarkt gepilgert und diesmal genug Lack gekauft und in mehreren Schritten die Gehäuse lackiert. Das Wochenende zog ins Land und ich machte mich ans finale Schleifen. Da das feinste Schleifpapier, das wir für die Schleifmaschine auftreiben konnten, leider nur ein 400er war, erledigte ich den letzten Feinschliff mit 1000er-Schleifpapier händisch, wobei ich zu meinem Leidwesen feststellte, dass dies bei der verhältnismäßig großen Fläche der Gehäuse eine ziemlich zeitraubende und frustrierende Angelegenheit ist und ich das erste Mal während dieses Projekts leichten Unmut und Unwillen in mir aufsteigen fühlte. Jedoch konnte ich am gleichen Tag noch mit der allerletzten Lackschicht beginnen und war, nachdem ich mich nach dem Trocknen in der Front der Box fast spiegeln konnte, wieder mit der Welt versöhnt. Schnell noch die Kabel an die Frequenzweiche gelötet – wobei ich mir gewünscht hätte, mein Mann hätte beim Halten der Kabel eine ein wenig ruhigere Hand gehabt, was die ganze Sache beschleunigt hätte.
Am nächsten Tag lackierte ich um Zeit zu sparen die restlichen fehlenden Seiten noch, bevor ich mich auf den Weg ins Büro machte und so konnte ich am Abend auch gleich die Frequenzweichen in die Gehäuse leimen. Dann noch schnell die Dämmung in die Gehäuse gestopft, die Kabel an die Lautsprecher gelötet und die Lautsprecher angeschraubt.
Den finalen Schritt – das Anschließen überließ ich dann meinem Mann und fieberte der Stunde der Wahrheit entgegen: Werden die Lautsprecher so gut klingen, wie sie aussehen? Werden sich die Stunden voller Holz-, Schleif- und Lackstaub, die Stunden voller Hindernisse wie mangelhaftem Zuschnitt der Platten, kaputter Oberfräse, falschem Lack und männlichen Kommentaren, dass das Projekt deswegen scheitern wird, ausgezahlt haben?
Die Spannung steigt, er nimmt die Fernbedienung, die ersten Töne erklingen …… er lehnt sich entspannt zurück …… er lächelt. Seine Augen blitzen, er grinst wie ein Kind, das vorm Weihnachtsbaum steht.
Jetzt lehne auch ich mich entspannt zurück - Projekt erfolgreich abgeschlossen.
Herzlichst Gabriele
Die Elip 2 kannst du bei Intertechnik oder Acoustic Design Wohlgemuth kaufen
Hallo Herr Udo, Ich wollte fragen, was subwofer bzw. subwofer die auf den Fotos in Ihr Projekt eingebaut? Jozef von Slowakei
Hallo Jozef, das kann ich dir leider nicht beantworten, es handelt sich um ein Produkt, das nicht aus meiner Werkstatt stammt. Wir freuen uns aber sehr, dass unser Magazin auch in der Slowakei gelesen wird. Gruß Udo
Hallo Udo,
kann ich die Größe der Elip 2 verändern indem ich sie 20cm nidrieger baue aber das Volumen, welches oben fehlt, nach hinten raus vergrößere?
Grüße Lukas
Hallo Lukas,
die Frage wird in den "Grundlagen" beantwortet. Die zu lesen lohnt sich bestimmt, wenn man selbst Boxen bauen will ;) Kleiner Tipp: Es gibt einen Punkt "Gehäuseformen".
Gruß Udo
Hallo Udo,
ich habe mir soeben die Grundlagen des Lautsprecherbaus durchgelesen.
Wenn ich das richtig verstanden habe, kann ich die Form und größe frei wählen solange ich das gleiche Volumen beibehalte. Ich habe schon im Internet recherchiert, ein User eines Forums meinte, dass der Klang der tiefen töne mehr in den Vordergrund tritt, wenn ich die Rückwand weiter von den Chassis entfernt ist. Trifft dies zu?
Hallo Lukas,
ich gebe zu, dass ich in diversen Foren sogar noch dümmere Aussagen gelesen habe. Es waren aber nicht viele ;)
Gruß Udo
Hallo Udo,
Erstmal muss ich dich fragen, ob ich das Gehäuse überhaupt nach meinen Wünschen verändern darf, da du ja der Erbauer bist.
Wenn du dies gestattest, kann ich also die Form nach meinen Wünschen gestalten ohne einbußen beim Klang haben zu müssen.
Grüße Lukas
Hallo Lukas,
hast du dich schon einmal gefragt, warum wir immer von Bauvorschlägen schreiben? Ich habe lediglich sechs bis zehn Bretter in einfachster Weise zusammengefügt, damit auch der Nichtbaukundige eine leicht kopierbare Vorlage für den Aufbau hat. Wenn er die Chassis in ein schöneres Äußeres steckt, kann ich nicht darüber meckern. Ich muss ja nicht die nächsten Jahre täglich darauf schauen ;)
Gruß Udo
Hallo Lukas,
bei der Veränderung der Gehäusehöhe solltest du wenigstens beachten, dass der Hochtöner auf Ohrhöhe am Hörplatz liegen sollte.
Sollte dir das dann noch zu hoch sein, solltest du das Gehäuse entsprechend geneigt bauen, damit der Hochtöner auf diese Art und Weise auf deine Ohren zielt.
Gruß SeWi
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