Baupläne als Sketchup-Dateien:
Symphony285ModulBaupläneSo weit, so gut, doch noch weiß niemand, was mich an der Modulbauweise faszinierte. Nun, ich verrate es gern: Sobald ich mir auch für die Sieben- und Vierzöller ein paar Kisten zusammengeleimt habe, kann ich alle erdenklichen Kombinationen mit allen neuen Eton-Chassis realisieren ohne nochmals Gehäuse bauen zu müssen. Den Einheitskörben und den recht ähnlichen Parametern sei Dank! Jede Kompaktbox kann zukünftig in eine Standbox verwandelt werden, nichts muss dem Wertstoff-Kreislauf zugeführt werden. Ein Fünfer mit Hochtöner, zwei Funfer - ein Achter, ein Vierer, ein Hochtöner - zwei Siebener - ein Siebener und zwei Achter, mir fällt bestimmt noch mehr ein... Und das Leben wird bunt!
Zurück in der Gegenwart machte ich mich daran, den Modulen Polklemmen als Terminals zu verpassen. Damit sie nicht im Zickzack hin und her zucken, habe ich eine Leiste als Bohrhilfe missbraucht. Die Rückwand des Hochton-Abteils habe ich heraus gefräst, im Kasten soll später die Weiche hausen. Für die Reflexrohre der Stand-Allone-Lösung mit den 5ern habe ich die Öffnungen in den grünen Boxen schon gefräst, in der Mitteltöner-Version werden die eingesetzten Rohre mit einem fest zusammen gedrehten Stück Sonofil verschlossen.


Hintereinander liegend war die wahre Größe der Symphony 285 noch nicht wirklich zu erkennen, auf einander gestapelt ergaben sich 180 cm Höhe, die nicht nur auf die zur Entkopplung untergeschraubten Gummifüße zurückzuführen sind. So kann man solche Boxen nicht stehen lassen, spätestens ein Besucher mit Kind oder Hund wird die Labilität eines solchen Turms beweisen.


Also schraubte ich eine Fußverbreiterung und zwei Halteplatten an meine Module. Damit die Mitten weiterhin von der Bassübertragung durch Bewegungen des Gehäuses abgekoppelt bleiben, wurden sie von der Befestigung ausgenommen. Vor dem Einbau der Chassis hatte ich ihre Wohneinheiten noch mit Sonofil gefüttert, 5 Beutel für jeden Bass, je einen für die Mitteltöner.
Ein kleines Problem gab es noch zu lösen, denn für meine Bassgehäuse brauchte ich Reflexrohre mit 7 cm Auslass und 22 cm Länge, die es unter dem Namen BR70V/SW im Sortiment von Intertechnik gibt, mit seiner flachen Flansch und den vier Schraublöchern aber weit weniger elegant wirkt als das gefällig gerundete BR70/ HP. Ein Kanal statt Rohr war keine Alternative, da er die ohnehin recht hohe Symphony 285 optisch noch gestreckt hätte. Beim Grübeln und hoffnungsvollen Herumschauen sprang die richtige Idee sofort ins Auge. Zwei BR70/ HP, die aufeinander gesteckt werden, messen exakt 22,5 cm, es sieht aber doof aus, wenn die Verlängerung so weit aus der Box herausschaut. Muss sie nicht, denn es spricht nichts dagegen, sie innerhalb der Box einzubauen.
Weiche
Mit nunmehr fast zwei Wochen Verspätung begann ich wieder mit der Entwicklung der Weiche für die größtmögliche Kombination, die ihren Namen Symphony 285 aus den zwei Acht(ern) und Fünf(ern) generiert. Trotz der Boxenhöhe von erwachsenen 180 cm und den daraus resultierenden Abständen der Chassis gelang es mir dank des spiegelbildlichen Aufbaus recht problemlos, mein Mikrofon im Messraum so zu platzieren, dass sich Messung und Höreindruck recht nahe waren.
Bekannt ist meine Devise, nur so viel Bauteile in der Weiche zu benutzen, wie nötig sind, um eine ordentliche Übernahme im Trennbereich zu erhalten. Chassis, die zusätzliche Filterungen in ihrem Arbeitsbereich benötigen, um sich dem Anspruch des Entwicklers zu beugen, mag ich nicht in meinen Boxen verwenden, denn mechanische Unarten des Schwingsystems lassen sich elektrisch nicht beseitigen. Man kann sie bestenfalls ein wenig verschleiern, im Langzeitgebrauch werden sie aber immer wieder lästig auftauchen. Das ist auch meine Kritik an der heute so gehypten Aktivierung mit vorgeschalteten Filtern, die alle “Unstimmigkeiten” im Frequenzgang durch frei einstellbare Verbiegungen ausgleichen können. Besser ist es, wenn der Chassis-Entwickler sie gar nicht erst eingebaut hat und somit auf Verrenkungen dieser Art getrost verzichtet werden kann. Noch besser ist es, wenn er wie Philipp Vavron zusätzlich dafür gesorgt hat, dass der Lautsprecher sowohl sehr leise als auch sehr laute Töne bei gleicher Klangfarbe wiedergeben kann. Dann hat auch der Bausatz-Stricker keine große Mühe, ein im wörtlichsetn Sinn zusammenspielendes Ensemble aus den Chassis zu machen. Darin besteht die Kunst des Boxenbaus, nicht in der Erstellung superglatter Frequenzgangkurven, die durch das Abspielen von rauf, manchmal auch runter laufenden Sinustönen oder statistisch ermitteltem Rauschen entstanden sind. Das gibt nur den eingeschwungenen Zustand wieder, der keine Aussage über die Erkennbarkeit der Ein- und Ausschwingeigenheiten von Instrumenten beinhaltet.
Ein weiteres Thema, auf das ich immer wieder gern einschlage, sind die “besseren“ Bauteile in den Weichen, die häufig bei Vertrieben anzutreffen sind, die sonst nichts bieten können. Selbstverständlich stehen mir diese hochpreisigen C’s, L’s und R’s auch zur Verfügung, sie können auch im Nachhinein von jedem genutzt werden, um den Bausatz seinem eigenen Geschmack anzupassen. So wird ein Ölpapier-Kondensator vor dem Hochtöner alle Obertöne weicher machen, ein MKP-High End mehr Details nach vorn bringen, dummerweise beides auch dann, wenn es nicht gewünscht ist. Bei meinen Abstimmungen bemühe ich ich immer um den zugegeben subjektiv besten Kompromiss zwischen Detailtreue und gebotener Zurückhaltung, einen Beckenanschlag möchte ich halt dort hören, wo auch der Rest des Schlagzeugs steht. Daher ist der Wechsel zu anderen Bauteilen immer mit einem leichten Umsounden der Boxen verbunden. Dass dies für den einen oder anderen in seiner Konstellation klangliche Vorteile bringen kann, will ich nicht bestreiten, wehre mich aber energisch dagegen, es aus Kundensicht als allgemein “besser klingend” gelten zu lassen. Für den Händler, der ständig nur das Klingeln seiner Kasse im Ohr hat, gilt das selbstverständlich nicht.
Nach dieser langen Einleitung bleibt nun leider nicht mehr viel Platz, über die konkrete Weichengestaltung zu schreiben, daher nur so viel dazu wie nötig. Die beiden Bässe wurden mit einem gemeinsamen Filter 2. Ordnung ausgekoppelt (rot), auch die Mitteltöner teilen sich Hoch- und Tiefpass mit 12 dB Flankensteilheit, wobei der parallele Kondensator mittels 4-Watt-Mox ein wenig gezügelt wurde.. Zur Verbesserung der Phasenlage im Übernahmebereich zum Hochtöner habe ich einen kleinen Kondensator über die Spule gelegt, der die leichte Resonanz um 6 kHz glättet (grün). Als weiteres, gemeinsames Bauteil liegt ein 10 Watt Widerstand vor dem Filter, der auch dem Hochtöner Pegel nimmt. Dieser benötigt daher nur noch einen Vor-Kondensator und eine Parallel-Spule zur sauberen Übertragung der hohen Frequenzen (lila). Heraus kam die Summenkurve (blau), die sich aus der perfekten Addition der Einzelzweige an den Trennfrequenzen 320 und 2300 Hz ergab. Für einen Lautsprecher mit 92 dB mittlerem Schalldruck ist es heutzutage Pflicht, an die Röhrenhörer zu denken, deren Ausgangsübertrager gern auf schwankende Impedanzen reagieren. Für diese nicht mehr so seltene Spezies Musikgenießer haben wir die Impedanzspitze bei 2,6 kHz geglättet.





So sah die Weiche aus, nachdem sie auf zwei kleinen Brettchen und dem Terminal Platz genommen hatte. In Serie wählte ich für die Bässe wegen des sehr geringen Widerstandes von 0,3 Ohm eine Audyn Tritek-Ferrobarspule, die Mitteltöner bekamen eine gemeinsame Luftspule mit 1,4 mm Drahtstärke. Die Kondensatoren entstammen der Audyn MKP-Q4.Reihe. In den Parallelzweigen nutze ich dagegen gern glatte Elkos, “bessere” Bauteile verschlechtern nach meinem Empfinden speziell das Einschwingen der Bässe. Manchmal kann sparen sogar zu einem besseren Ergebnis führen.
Eingeschoben wird die Weiche in das Hochton-Modul, dort hat sie genügend Platz und muss für einen anderen Aufbau nur gewechselt werden. Die Kabel werden an ihren Bestimmungsorten angeschraubt, die Polklemmen bieten dafür eine große Queröffnung. Der Bass wird phasengedreht angeschlossen, das haben wir schon an seiner Weiche berücksichtigt.
Klang


Wer es geschafft hat, meinen Text bis hierher zu lesen, hat es verdient, nun auch dem großen Show-Down der Boxen-Giganten beizuwohnen. Ja, richtig gelesen, diesmal gibt es einen Vergleich der klanglichen Fähigkeiten von Symphony 285 und Duetta, der Leser möchte vermutlich wissen, in welcher Hinsicht die Neue eine Alternative zur “Queen of Blues” darstellt. Von einer Wertung werde ich mich trotzdem sehr fernhalten, doch das sei schon verraten: Das Niveau, auf dem beide Eton-Boxen musizieren, ist die höchste Stufe der Meisterklasse und jede Kritik an einer der Boxen ist Nörgeln im fast luftleeren Raum.
Um nicht durch den emotionaleren Sound der Röhre verblendet zu werden, habe ich für den Test die analytischeren und sicher ehrlicheren SAC-Komponenten Epsilon-VV und LaForza-Monos und meinen Bada HD 22-CD-Player mit den Boxen verkabelt. Beide Boxen wurden nebeneinander frei in meinem Hörraum, der vielen Lesern durch ihren Besuch in Bochum wohlvertraut ist, aufgestellt, Duetta innen, Symphony 285 außen. Als erstes fiel natürlich auf, wie klein Boxen wirken, wenn sie neben einer hohen, schlanken Säule stehen. Ein wenig erinnerte das Zusammentreffen der beiden Boxen an das Grimm’sche Märchen vom Schneewittchen, doch die im Vergleich schon fast pummelig erscheinende, älter gewordene Königin stellte noch nicht die berühmte Frage: “Wer ist die Schönste hier im Land?” Immerhin gibt es, wenn es allein um die Optik geht, einige wunderschöne Duettas, die von meinen Lesern im “Leserecho” oder den “Bildern des Monats” hergezeigt wurden. Mit ein wenig “Schminke” kann also das alte Haus auch äußerlich noch gut mithalten. Wichtiger sind aber sicherlich die inneren Unterschiede der königlichen Schwestern, die ich an dieser Stelle nur anhand von viel zu wenig Musikbeispielen herausstellen kann, verallgemeinern darf man sie nicht.
Meinen Hörtest begann ich mit einer musikalisch wunderschönen Interpretation des alten Canned Heat-Stückes “On the road again”, vorgetragen von Katie Melua. Einen kleinen Vorsprung erarbeitete sich Duetta durch das geringfügig längere Nachhalllen des Fingerschnippens an Anfang des Liedes. Ein paar Zentimeter weiter entfernt erklang die Bassdrum, die beide Boxen staubtrocken und ohne jeden Makel in der passenden Größe darstellten. Kein Fehler der Boxen war der leicht zurückhaltende Glanz der Bläser und das lahmende Anreißen der Gitarrenseiten, die leider bereits im Tonstudio dem heute üblichen Komprimierungszwang zum Opfer gefallen waren. Klarheit darüber brachte sehr schnell die fantastische Einspielung des Gesangs der “Mallorquinischen Sibille”, frühmittelalterlicher und, wie kann es in der Zeit anders sein, klerikaler Frauengesang, spärlich begleitet von zeitgenössischen Instrumenten, deren Empfehlung ich Martin (der mit der Duetta Grandiosa) auf diesem Wege danke. Grundtonbetonter brachte ihn Duetta ans Ohr, bei Symphony 285 überzeugte die noch größere Klarheit der Stimmen. Besonders auffällig wurde hier die völlig verschiedene Raumgestaltung der beiden Boxen. Duetta bildete das Kirchenschiff mit seinem Nachhall tiefer ab, die schlanke 285 nutzte den Raum bis zur Decke dank ihrer Bauweise mit Lautsprechern weit über Ohrhöhe, um eine faszinierende Höhe darzustellen. Hierin erinnert sie stark an einen großem Flächenstrahler, der im Gegensatz zu ihr aber auch noch lange hin und her gerückt werden muss, bis er seinen idealen Standort gefunden hat. Da ich es nicht über mich brachte, die CD aus dem Drehgerät herauszunehmen, versäumte ich auch nicht die anschließende valencianische Variante, in der Gitarren, Trommeln und Bläser die Begleitung übernahmen und Männer zur Unterstützung herbeieilten. Nun schmetterten auch wieder bei beiden Boxen die Fanfaren, hatten die großen Trommeln Felle und die Gitarrensaiten wurden deutlich angerissen.
Kommen wir nun zu etwas ganz anderem: Pink Floyd: “Another Brick in the Wall” Wow! Fantastisch! Duetta gelang es prächtig, einen körperlich spürbaren Druck auch schon bei nicht allzu großer Lautstärke aufzubauen, Symphony 285 schob aber ihre ganze Wand Richtung Zuhörer. Das war Hören mit Bauch! Erst als der Hubschrauber einflog, holte die alte Queen mit dem ihr möglichen Mehr an Tiefbass wieder ein Stück auf. Etwas älter als der Klassiker von Pink Floyd ist ein großer Teil der Musik, die in meiner Jugend gespielt wurde, man nannte sie Rockmusik. Leider besaßen die meisten Studios damals nicht das Equipment, um dem späteren CD-Standard entsprechende Mutterbänder zu fertigen. Das führt oft dazu, das man sich beim Abhören wünscht, das die Lautsprecher etwas gnädiger zu Werke gehen, statt die Schwächen der alten Scheiben deutlich zu offenbaren. Durch ihre nicht ganz so tiefe, aber dafür straffere Tieftonwiedergabe (-3dB bei völlig ausreichenden 37 Hz) hatte hier die Symphony die Nase vorn, als ich alte Rory Gallagher BBC-Sessions auflegte. Das brachte sie alles mehr auf den Punkt und riss noch mehr mit, nachdem auch bei Duetta schon Fuß und Kopf wippten.
So richtig klar wurden die feinen Unterschiede zwischen den Boxen, als ich zum guten Schluss auch meinen Plattenspieler mitspielen ließ, der nach einigen Rock-, Jazz- und Klassik-Konzerten Altmeister Bachs “Toccata und Fuge in d-Moll” erklingen ließ. Dass die Leipziger Thomas-Kirche etwas breiter, höher, tiefer ist als mein Laden, konnte ich an der phänomenalen Tiefenstaffelung bei beiden Boxen erkennen, die bei geschlossenen Augen keine Wände und erst recht keine Boxen im Raum beließ. Tonal sehr ähnlich und ganz und gar ohne erkennbare Einzellautsprecher wurde die Musik aus einem Guss und fast arrogant-lässiger Dynamik zum Testhörer transportiert, von Duetta mit mehr Tiefe und noch mehr Feinzeichnung in den letzten Fitzelchen an Nachhall, von Symphony 285 mit mehr körperlichem Empfinden und ein paar Zentimeter mehr Nähe zum Organisten, die sich aus der Nutzung des 26 HD 1 ergibt. So haben wir nun nicht mehr eine “Queen of Blues”, die über allem thront, doch trotzdem keine Herausforderin, die an deren Stuhl wackelt. Sie sind sich nah und bedienen doch einen anderen Geschmack, die eine zurückhaltend unauffällig, die den Zuhörer zurückgelehnt mit Musik verwöhnt, die andere zieht kraftvoll, jedoch nicht spektakulär nach vorne springend, den Zuhörer mit in das Konzert, am meisten fällt das auf, wenn es live geboten wird.
Leider ergaben sich bisher nur wenig Gelegenheiten, auch fremde Stimmen zur Symphony 285 einzuholen. Mein Sohn, angehender Pferdewirt, meinte im Vorbeigehen, für seine Zwecke seine die Boxen zu klein und meine Frau macht zum Glück keinen Hehl aus ihrer Meinung, dass meine Arbeit in unserer Wohnung nichts zu suchen hat. So bleibt mir nur der Kommentar meiner Schwiegermutter, die die Boxen im Fotostudio stehen sah: “Warum sehen die denn ganz anders aus als deine anderen Lautsprecher?” Naja, auf familiäres Interesse kann ich verzichten, vielleicht schreibt irgendwann mal ein Nachbauer sein Leserecho. Ich mach mich derweil an die Zusammenstellung neuer Kombinationen meiner Module.
Udo Wohlgemuth

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