Erstes Lautsprecherbau-Projekt: ELIP-2
Ein Baubericht von Günther
Erst ein wenig Vorgeschichte: Ich hab mir vor ca. 15 Jahren in einem Elektrowarengeschäft Pilot Boxen gekauft, die damals 1000 Schilling (umgerechnet ca. 72€) das Stück kosteten. Angeschlossen wurden die damals an meine billige Silva-Schneider Anlage, die bei leisem Spiel mehr Rauschen als Töne heraus brachte. Irgendwann dann hab ich mir einen gebrauchten Denon PMA 520 A geleistet und war begeistert, wie gut die Pilot klingen können. Mit der Zeit gewöhnt man sich daran und beginnt genauer hinzuhören. Die Folge war, dass ich bemerken musste, dass der Kasten auf dem die Boxen standen, ganz schön mitschwingt. Also Spikes gekauft zum Entkoppeln und siehe da, eine neue Unart stellt sich ein: Die Schutzgitter geben ein schön hörbares „PING“ von sich, wenn man die Musik abstellt oder wenn man Filme ansieht und keine Hintergrundmusik läuft, während gesprochen wird. Das Alles geht zwar in der Musik normalerweise unter, ich bin aber sicher, dass es sich negativ auf das Gesamtklangbild auswirkt.
In der Zeit, in der ich die Spikes kaufte, hab ich auch ein wenig im Internet zu suchen begonnen nach Selbstbauprojekten und so bin ich über das HiFi-Forum auf Udo’s Seite gekommen. Hier haben mich die Klangbeschreibungen fasziniert und ich hab mich mal hingesetzt und genau gehorcht und ein wenig versucht nachzuvollziehen, was da so beschrieben wurde. Ernüchtert mußte ich feststellen, dass ich von den beschriebenen Eindrücken nichts bei meinen Boxen hören konnte. Ich versuchte es mit verschiedenen Aufnahmen und verschiedenen Musikrichtungen, es kam immer nur ein Geräuschknäuel raus, der sich nicht richtig von den Lautsprechern lösen wollte, sondern irgendwie dran hängen blieb. Um die Sache an dieser Stelle ein wenig abzukürzen: Vom ersten Gedanken an einen Eigenbau bis zum Bestellen des Bausatzes für die ELIP-2 sind mit allen Überlegungen zu Größe, Preisrahmen und Freundin überzeugen keine zwei Wochen vergangen und ich musste nebenher auch noch arbeiten :-)
Nun zum Bau:

Im Baumarkt hab ich mir die Zuschnitte geholt, nicht wie geplant in 19mm MDF (war ausverkauft und 3-4 Wochen warten wollte ich nicht), sondern in 16 mm. Zu Hause angekommen wurde erst mal alles im Vorraum aufgeschichtet. Nachdem meine bessere Hälfte nicht da war, konnte ich auch gleich loslegen und die erste Box zusammen leimen. Bretter sortiert, aufgelegt, angezeichnet und zusammengeleimt

Hier kann man die inneren Versteifungen und die nach hinten versetzte Frontplatte erkennen. Die Front wurde zurückversetzt, damit der Kork, den ich verwendete, um die Chassis zu „versenken“, nicht über die Seitenteile übersteht, sondern schön bündig abschließt.
Weil ich keine Oberfräse besitze, hab ich beschlossen, die Ausschnitte für die Chassis und die Anschlußterminals mit der Stichsäge auszuschneiden. Anfangs meinte ich, es wäre leichter, viele Löcher zu bohren, um dann nur noch die Stege zwischen den Löchern durchzuschneiden und dann zu verschleifen. Es stellte sich aber heraus, dass das dünne Stichsägeblatt so leicht um die Kurven geht, dass es nicht notwendig war, erst Löcher zu bohren. So beschränkte ich mich dann auf ein Loch für den Start und schnitt die Ausschnitte einfach so.

Nach den Ausschnitten ging es dann auch schon ans spachteln und schleifen. Die Ausschnitte wurden übrigens im Freien gemacht, die Staubentwicklung war einfach untragbar. Nachdem es aber dann vom Wetter her nicht mehr möglich war, draußen zu arbeiten, hab ich den Opa meiner Freundin gefragt, ob ich nicht seine Werkstatt benutzen dürfe.
Dort wurde dann weiter geschliffen, gespachtelt, lackiert (mit Schaumstoffrolle und seidenmattem Lack), wieder geschliffen und wieder lackiert, dazwischen die Korkplatten mit Klarlack versiegelt und die Boxen noch mal lackiert, bis ich mit dem Ergebnis halbwegs zufrieden sein konnte.

Aus dem Baumarkt holte ich mir noch zwei Granitfliesen, auf die ich die ELIP-2 mit Spikes stellte und im Wohnzimmer platzierte, wo sie dann einige Tage auf die Einbauteile von Udo warten mussten.

Auf der Wohnwand kann man auch die Pilot-Boxen erkennen, die mich dazu gebracht haben, selbst Lautsprecher zu bauen :-).
Nachdem dann die Teile von Udo eingetrudelt waren, ging es an den Aufbau der Frequenzweichen. Ich hab mich dazu entschieden, diese auf Kunststoffplatten aufzubauen, die noch bei mir nutzlos herumlagen. Durch den sehr einfachen Aufbau der Weiche stellt sie einen vor keine unlösbare Aufgabe und so waren die Teile schnell verlötet und fertig für den Einbau.
Werkstatt war dieses mal das Wohnzimmer, glücklicherweise war meine Freundin da recht geduldig mit mir. Die fertig aufgebauten Frequenzweichen und die Chassis vor dem Einbau. Durch die doch recht schmale Ausführung der ELIP-2 (bin ich froh, dass ich nicht die Needle gebaut hab :-) ) war das Anschrauben der Frequenzweichen an die Rückwand nicht ganz so einfach, aber es hat geklappt. Nach dem Zuschneiden und Aufkleben des Korks auf die Front wurden die Chassis und das Anschlußterminal angeschlossen, die Chassis eingeschraubt und die Boxen wieder aufgestellt.

Mein Fazit zum Bau: jederzeit wieder! Es gibt jedoch so einiges, was ich anders machen würde. Zum Beispiel würde ich das nächste Mal die Chassis mit der Oberfräse versenken und auf den Kork verzichten. Mir gefällt zwar die Optik grundsätzlich, aber so einfach, wie es ausschaut, ist es dann auch nicht, den Kork ohne zerbröseln zu schneiden.
Für die Lackierung werde ich nächstes Mal eine Lackierpistole verwenden, es hat zwar mit der Schaumstoffrolle funktioniert, aber berauschend ist das Ergebnis nicht. Auch sollte man sich ordentlichen Lack besorgen, hier zu sparen bringt nur Ärger.
Ansonsten kann ich nur sagen, dass mit den vielen Hilfen auf Udo’s Seite der Bau eines Lautsprecherpaares wie es die ELIP-2 sind keine großen Schwierigkeiten bereitet, auch nicht für Einsteiger.
Nun zum Klang:
Gleich nach Fertigstellung der ersten Box wurde diese aufgestellt, angeschlossen und im Vergleich zu meinen alten Pilots klang sie von Anfang an in den Mitten und Höhen viel ausgeglichener. Nachdem dann die zweite auch fertig war, ließ ich sie erst mal einige Zeit „warmlaufen“. Dabei bemerkte ich wie sich die Chassis immer mehr an ihre Aufgabe gewöhnten und die Töne immer genauer und reiner wiedergegeben wurden. Die erste richtige Hörprobe erfolgte dann mit dem Prolog aus „Les Miserables“. Wie soll ich sagen, ich hab die Augen geschlossen, damit mir meine Augen nicht das vermiesen konnten, was ich da hörte. Es war ein Erlebnis sondergleichen, die Tiefe des Raums gewaltig, die Staffelung ausgeprägt, die Stimmen der Hauptdarsteller unglaublich. Weiter dann mit den Corrs unplugged: wieder Augen zu und gelauscht. Jedes Instrument hat seine Platz, das Klatschen vom Publikum nie nervig, die Querflöten so sauber wiedergegeben, man fühlt fast den Luftzug der über die Öffnung streicht und glaubt die Klappen zu hören. Mein Grinsen wurde immer breiter, ich hab so etwas bisher noch nicht erleben dürfen. Danach noch Grönemeyer eingelegt und enttäuscht gewesen. Hier hat man anscheinend nicht wirklich viel Arbeit im Studio investiert, alles kommt nur aus der Mitte und ist ein einziger Geräuschklumpen, hat mir gar nicht gefallen.
Es folgten noch einige CD’s, alle Musikrichtungen, die ich so gefunden hab in meiner Sammlung, es war wunderbar. Die Bässe ausgeprägt, die Mitten sauber durchzeichnet und die Höhen nie nervig oder aufdringlich, die ELIP-2 spielen einfach wunderbar ausgeglichen. Außerdem sind sie äußerst pegelfest, ich hab es bisher nicht geschafft, so laut aufzudrehen, bis ich Verzerrungen oder Unschönheiten im Klang entdeckt hätte, meine Ohren haben immer schon vorher gestreikt.
Ich bin froh, mich für die ELIP-2 entschieden zu haben und muss Udo für diese Konstruktion ein großes Lob aussprechen. Sicherlich werde ich wieder mal ein Paar Lautsprecher bauen, wann und was ist noch nicht sicher, aber wohl wieder ein Bausatz von Udo.
Günther
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