Es scheint sich herum gesprochen zu haben, dass in unserem Magazin viele Lösungen für den engagierten Boxenbauer geboten werden. Immer wieder hören wir Lob ob unserer ausführlichen Dokumentationen zu den vorgestellten Bauvorschlägen, in denen viel Informationen zu den Chassis und der Entwicklung enthalten sind. Und doch, in unserer Betriebsblindheit haben wir übersehen, dass es Menschen gibt, die sich mangels Fachwissens weniger dafür interessieren als vielmehr für die Art und Weise des Aufbaus, weil sie ohnehin an die Qualität unserer Bausätze glauben. So war es nur gut, dass Thomas mich fragte, ob es nicht auch einmal einen Bericht geben könnte, der erst mit dem Kauf der Bretter beginnt. Um die Sache noch etwas zu erschweren, bekannte er, nur wenig Werkzeug und kaum Platz für staubige Arbeiten zu besitzen und die Boxen sollten möglichst klein und transportabel sein und von seinem Sohn ohne Subwoofer und nur mit einem alten Verstärker am PC ohne Flachbildschirm genutzt werden können und wenig kosten natürlich auch. Naja, wenns weiter nichts gibt ...Wenigstens der Name war schnell gefunden: FirstTime 9
Schon meinen ersten Gedanken ließ ich schnell wieder fallen, ich wollte nämlich die Needle RS100-4 vorschlagen, doch die erfüllte nicht unbedingt das Kriterium “klein” und geschirmt ist sie auch nicht. Da wäre noch die FT 5, die passte nicht zu der Preisvorstellung, ein Breitbänder musste es schon sein. Einen hatten wir noch, der bisher ungenutzt im Lager lag und sehnsüchtig auf eine Aufgabe wartete, den Dayton RS 100 S-8. Seine Daten findest du im Chassistest der November-Ausgabe im Jahrgang 2008 und ich muss Thomas nicht wieder die für ihn unverständlichen Diagramme in “seinen” Text einbauen. Leider lassen die Parameter des kleinen 10ers kaum eine einfache Reflex- oder geschlossene Box zu, doch wie so oft in Gehäusefragen wusste LspCAD Rat. Ein Doppelbassreflex-Aufbau war die unkomplizierte Lösung, zwar 40 cm hoch, doch schlank und platzsparend. Zur Theorie wäre einiges zu sagen, doch dann müssten wir schon wieder bei Adam und Eva anfangen, statt mit dem Bauplan (als Sketchup-Datei)
zum Baumarkt zu fahren. Das Leimholz ließen wir uns vom freundlichen Sägenbeherrscher aus je einem Brett der Größe 120 x 20 und 120 x 25 zuschneiden und zahlten komplett inklusive der MDF-Brettchen 18 Euro für beide Boxenzuschnitte. Zuhause fanden wir noch eine Korkplatte und schon ging es frisch ans Werk. Im Mess- und Fotolabor simulierten wir einen Küchentisch und fotografierten bei der Arbeit heftig drauf los, wodurch wir jeden Schritt im Bild festhielten.
Zusammenbau:

Auch eine schöne Zusammenstellung des Zuschnitts, doch als Lautsprecheraufnahme völlig ungeeignet ist der Bretterhaufen auf dem ersten Bild. Sinnvoller begann es zu werden, als wir aus der 4 mm starken Korkplatte zwei Stücke in Schallwandgröße herausschnitten. Als Maß diente natürlich die Frontplatte, auf der wir im Anschluss die Maße für die Ausschnitte übertrugen.



Der Zirkel schreibt die Schnittbahn für die Stichsäge vor, auf dieses Werkzeug können wir beim Boxenbau nur verzichten, wenn wir eine Oberfräse haben, mit der wir auch umgehen können.

Nachdem Chassis- und Reflexrohrausschnitt fertig sind, geht es ans Verkleben der Bretter, wozu wir traditionsgemäß nur Fugenleim benutzen. Für die richtige Ausrichtung reichen als hochqualifizierte Messinstrumente die Finger, für rechte Winkel sorgen derweil die anstoßenden Bretter.



Bei der Front ist etwas Messarbeit erforderlich. Mit einem Stück der Korkplatte setze ich sie um 4 mm nach hinten. Messen muss ich auch für die drei Innenbretter, sonst wissen die nicht, wo ihr Platz ist.



Wer nun denkt, dass die drei Bretter der Versteifung dienen, hat nur zum kleinen Teil recht. Sie bilden mit dem Bodenbrett eine Kammer, die mit dem oberen Teil der Box durch einen 2,2 cm breiten und 4,8 cm hohen (3 x 1,6 cm) Reflexkanal verbunden ist. Sie wird mit einem 11 x 35 cm breiten Streifen gefüllt, den wir von einer Sonofilmatte abgeschnitten haben.



Nach dem Verkleben darf der Leim trocknen, er bleibt auf dem Holz als dunkle Färbung sichtbar, die der Bandschleifer entfernt. Mühevoller geht es auch mit dem Schwingschleifer oder gar per Hand. Das Loch für die Anschlussdose haben wir mit einer Lochsäge gebohrt, die von sehr preiswert bis lange haltbar im Baumarkt als Aufsatz für die Bohrmaschine erworben werden kann. Sie hat auch, an dieser Stelle sei es geatanden, für den Reflexrohrausschnitt auf der Front gesorgt. 



Holz ist ein Naturwerkstoff und reagiert auf Veränderungen des Feuchtigkeitsgehalts durch eigenwillige Verformung. Daher lässt es sich trotz sorgfältiger Arbeit nicht vermeiden, dass kleine Lücken zwischen den stumpf verleimten Brettern entstehen. Aus Schleifstaub und Leim habe ich mir eine Paste angerührt, die ich mittels Schraubendreher in diese Spalten hineindrücke. Nach dem Schliff sind keine offenen Stellen mehr vorhanden und die Box luftdicht verschlossen. Da ich im Besitz einer Oberfräse bin, habe ich die seitlichen Kanten noch leicht abgerundet, was für den Klang nicht nötig ist, mir aber besser gefällt.



Die Front aus Kork wird eingeleimt und aufgeklebt. Mit dem Teppichmesser lassen sich die Rundungen der Ausschnitte leicht wieder finden und ausschneiden.



Der Breitbänder wird in seinen Ausschnitt geschraubt, allerdings nicht ohne vorgebohrt zu haben. Nun kann das Teppichmesser ganz ruhig rund um den Korb geführt werden. Wenn du zu hektisch bist und mit dem scharfen Messer abrutschst, kann nicht nur der Kork unschöne Spuren davontragen. Die abgetrennten Korkstücke lassen sich leicht entfernen, solange der Leim noch nicht getrocknet ist. Somit haben wir auf einfachste Art sogar das Chassis bündig in die Schallwand eingelassen. Auf die gleiche Weise kann auch Moosgummi verwendet werden, das es in verschiedenen Stärken und Farben gibt, Mit der Rolle wird dann noch Öl aufgetragen und schon ist der Boxenbau beendet.


Kommen wir nun zu etwas völlig anderem, dem Bau der Weiche, die aus einem Sperrkreis besteht.

Um die Beine der Spule werden die Drähte des Widerstandes gewickelt und verlötet, genau so verfahren wir dann mit dem Kondensator. Das Konglomerat löten wir auf der einen Seite an den Pluspol der Anschlussdose, auf der anderen an das Kabel zum Lautsprecher. Der Minuspol von Terminal und Chassis werden direkt verbunden.



Heiß- oder Alleskleber fixiert die Bauteile klapperfrei auf der Anschlussdose, die in ihr Loch auf der Rückseite geschraubt wird. 

Das Reflexrohr kürzen wir mit einer Pucksäge auf 10 cm und pressen es an seinen Platz, wobei ein Gummihammer oder sonstige Gewalt hilfreich sein kann.

Den Rest der Sonofilmatte teilen wir in zwei gleiche Hälften, die links und rechts am Reflexrohr vorbei die obere Kammer füllen. Dabei achten wir darauf, dass das Kabel nicht mit in der Box verschwindet. Es wird ebenso wie die Anschüsse des RS 100 S-8 verzinnt, bevor beide mit einander verlötet werden. Dabei sollte der Lötkolben solange auf die Lötstelle gehalten werden, bis das Lötzinn verschmilzt, kürzer, aber auch sehr viel länger jedoch nicht.


Bleibt mir eigentlich nur noch, mich für die Aufmerksamkeit meiner Leser zu bedanken, die sich tatsächlich bis hier her durch die tausend Bilder gekämpft haben. Doch wie es nun einmal mit “eigentlich” ist, erwarten sicher ein paar von euch mehr als nur den aufwendig dokumentierten Zusammenbau einer kleinen Kiste. Also doch, aber nur kurz:
Abgehört habe ich die FT 9 nicht unter den üblichen Bedingungen, die für PC-Lautsprecher gelten, sondern unter den weitaus schwierigeren meines Ladens. Dort standen die Kleinen ziemlich verloren auf einem Ständer fast genau auf den Hörplatz eingewinkelt frei im Raum herum, weit entfernt von der durch Wandnähe hervorgerufenen Bassverstärkung, die auf dem Schreibtisch zu erwarten ist, im normalen Stereodreieck anstatt im Nahfeld. Große Orchester waren nicht die Stärke der Boxen, da fehlte die Membranfläche, um Kesselpauken und zehn gestrichene Bässe genügend druckvoll rüber zu bringen. Wie detailliert und scheinbar tiefreichend sie trotzdem aufspielten, hat mich dann schon ein wenig überrascht, als Katie Melua “What I miss about you” intonierte. Breitbänder typisch stellte die FT 9 die Musikanten gut gestaffelt in den Raum, alle hatten Platz um sich herum und spielten ausschließlich auf ihrem eigenen Instrument, was sich auch durch die Griffgeräusche daran leicht heraushören ließ.
Als Thomas die Boxen nach der häuslichen Hörprobe zurückbrachte, waren noch immer Reste des breiten Grinsens auf seinem Gesicht zu sehen, das die Boxen dort ausgelöst haben müssen. Sein Sohn muss noch ein wenig auf sie warten, der Rabenvater will das erste Paar nun selbst behalten.
Udo Wohlgemuth
Technikseite
| Chassis | Dayton RS100 S-8 | |
| Holzliste pro Box | ||
| Vertrieb | Intertechnik, Kerpen | Buche Leimholz: |
| Konstruktion | Udo Wohlgemuth | 20,0 x 39,5 (2x) Seiten |
| 20,0 x 11,0 (2x) Deckel/ Boden | ||
| Funktionsprinzip | Doppel-Bassreflex | 35,4 x 11,0 (1x) Rückwand |
| Nennimpedanz | 8 Ohm | |
| Dämmstoff: | 1 Matte Sonofil | 16 mm MDF: |
| Terminal | T56/56DB | 35,4 x 11,0 (1x) Front |
| 14,1 x 11,0 (3x) Trennbrett | ||
| Kosten pro Box: | ||
| Bausatz ohne Holz | 44 Euro | Holzzuschnitt: 9 Euro |

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Die FirstTime 9 kann bei Intertechnik oder Acoustic Design Wohlgemuth bestellt werden




Kann man die FT 9 auch mit einem Bass-Schlitz anstelle des Reflex-Rohres bauen? Ich fände das optisch irgendwie ansprechender.
Hallo Tobias, dann versuch mal, einen Kanal mit 10 cm Tiefe in dem Gehäuse unterzubringen, der die Funktion der inneren Reflexabstimmung nicht beeinträchtigt. Gruß Udo
Hallo Udo, superinteressanter Bausatz. Kann ich die FT9 auch als 4Ohm-Version mit dem Chassis und dem Sperrkreis der RS100PC bauen? Zweite Frage: kann man die Membranfläche erhöhen indem man zwei 8Ohm-Chassis parallel schaltet und das Volumen (der Box und evtl der gedämmten Kammer) vergrößert? Viele Grüße, Michael
Hallo Michael, der 4-Öhmer hat völlig andere Parameter und passt nicht in das FT9-Gehäuse. Deshalb habe ich für ihn die RS 100 PC entworfen. Die Membranfläche lässt sich bei Breítbändern nur sinnvoll durch ein größeres Chassis erhöhen. Zwei parallel Geschaltete erzeugen schon im oberen Mittenbereich starke Welligkeiten im Frequenzgang. Gruß Udo
Ich verstehe die funktion der zweiten Kammer nicht ganz.Es soll eine Doppelbassreflex box sein,ich sehe die zweite kammer aber nur als helmholtzresonator der doch eher zum abschwächen eines kleinen Frequenzbandes ist.
Ist eine Doppelbassreflexbox nicht eher so das der Kanal der ersten Kammer in die zweite führt und der Kanal der zweiten nach Außen?
Hallo Adriano,
LspCAD berechnet mehrere Varianten einer Doppelreflexbox, darunter auch eine vom Typ der FT 9.
Gruß Udo
hallo die antwort stellt mich jetzt nicht ganz zufrieden,ich würde es gerne verstehen.Kann man die Berechnung mit der lite Version auch selbst nachvollziehen,oder brauchts die vollversion?Ich errinere mich zb. an den sb25jm bausatz wo ebenfalls eine kammer als helmholzresonator funktioniert aber eben um was abzuschwächen.
gruß Adriano
Hallo Adriano,
wenn du mehr über Theorien wissen willst, ist ein Besuch in der Stadtbibliothek sinnvoll. Dort gibt es viele Bücher, die sich mit dem Boxenbau beschäftigen. Wie ich zu dem Gehäuseaufbau gekommen bin, habe ich im Text beschrieben.
Gruß Udo
Hallo Udo,
ich bin im Moment auf der Suche nach einem günstigen Verstärker für die FT9.
Ich hoffe du kannst mir weiterhelfen.
Viele Grüße
Nico
Hallo Nico,
zum DTA-1 habe ich schon so viel geschrieben, dass es mich sehr wundert, warum du noch fragst ;)
Gruß Udo
Hallo Udo,
erstmal Danke für deine schnelle Antwort.
Ich war auf der Suche nach einem Verstärker mit der gleichen Impendanz wie die FT9, da nur eine Impendanz von 4 Ohm in der Beschreibung des Intertechnikshops angegeben war, bin ich stutzig geworden.
Hab aber die Antwort auf die 8 Ohm Impendanz im Datenblatt gefunden.
Viele Grüße
Nico
Where can I get a list of crossover parts?
Hi ruff,
you get the list, when you buy the kit.
Gruß Udo
But I already have those speakers. Can I get info about coil, capacitor and resistor?
Hi ruff,
I am very sorry, but all our networks are not public.
Gruß Udo
Ok. I understand. No problem.
Hallo Udo,
als Erstes möchte ich Dir zu dieser supertollen Seite gratulieren. Ist wirklich eine riesen Hilfe. Insbesondere für absolute Anfänger wie mich.
Trotzdem hätte ich ein paar Fragen. Vielleicht wurden sie schon gestellt und ich habe sie übersehen. wenn ja dann schick mir doch bitte kommentarlos den Link wenn möglich. Das FT9-Set scheint mir für das Geld (200 €) was ich zur Verfügung habe am besten geeignet. Allerdings müsste ich wissen ob das DTA-100a kompatibel wäre und ob es mit dem SAT 125 das auch ist. wären zwar bischen über 200 aber das kann ich noch verkraften ;-). Oder die ganz andere Variante wäre das RS 100 PC...der Raum ist 14m² groß. Laufenlassen möchte ich die Mucke über meinen Laptop was aber nicht heißt dass ich die Musik nur neben bei genießen will. Ich bin Musiker und möchte die Musik auch so genießen ;-)
Vielen Dank schon mal im Voraus und viele Grüße aus Nordhausen,
Atti
Hallo Atti,
zum DTA-100a kann ich dir leider nichts sagen, da ich es bisher nicht genutzt habe. Es mag generell nicht weniger als 8 Ohm sehen, damit wären FT 8 und Sat 125 dafür geeignet. Wichtiger ist aber zu erfahren, was du von den Boxen und dem Verstärker erwartest. Auch die Fähigkeiten der Soundkarte des Laptop spielen eine große Rolle. Die eingebaute reicht meist nur aus, um die Spache zu erkennen, die gesungen wird. Für Feinheiten ist da kein Platz, für Genuss erst recht nicht.
Gruß Udo
hmmm, den RS 100 gibt es auch als Needle... feine Sache das! Kann auch Bumms!
hallo udo,
hab nun die ft9 mit dem dta 1 bestellt. hast du einen tipp für eine externe soundkarte? ich weiß das ist nicht optimal aber leider für meine finanziellen mittel nicht zu ändern....
danke für deinen rat!!!
gruß,
atti
achso, müsste dann unter windows 7 laufen. danke schon mal!
Hallo Atti,
im Forum gibt es gerade einen langen Thread zu Soundkarten. Mehr kann ich dir dazu nicht sagen.
Gruß Udo
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