Sat 125
Ein Baubericht von Robert, Boxenbauer aus Österreich
Vorgeschichte
Das Haus ist abbezahlt, die Kinder weitgehend selbständig, also habe ich vor einigen Wochen begonnen, mich für neue Musikanlagen zu interessieren. Ich habe derzeit Eigenbauboxen, die Visaton-Lautsprecher darin sind ca. 30 Jahre alt, die Gehäuse dazu bereits zum dritten Mal umgebaut, immer jeweils passend zur Einrichtung. Also erst mal schnuppern gegangen in einem einschlägigen Markt. Alles gut und schön, aber Boxen um 500€, die aussehen wie Mondraketen…und auch klingen wie solche. Also weiter in die „geschlossene Abteilung“, will sagen in den abgeschlossenen Hörraum. Da ging es schon besser zur Sache, nach zweistündigem Probehören hätte ich fast ein preiswertes Paar erstanden, aber 5490€ pro Box und meine Frau haben mich dann davon abgehalten….. die hätten mir schon gefallen!
Habe mich dann dran erinnert, selbst in grauer Vorzeit Boxen gebaut zu haben, also warum nicht wieder? Womit beginnt man heutzutage? Genau, man googelt….
Schon nach kurzer Zeit kam ich auf die Seite von Intertechnik, von da zu Udos Magazin war es nicht mehr weit. Nach gründlichem Einlesen reifte bereits der Gedanke, da könnte auch für mich was passendes dabei sein. BlueNote, MiDu oder gar die Duetta? Wir werden sehen.
Bevor es aber soweit sein wird, wollte ich erstmal Erfahrungen mit den Bausätzen von Udo und der Bauweise aus MDF-Platten sammeln. Ich hatte mir dazu die SAT 125 ausgewählt, kleinere Lautsprecher, die mein klägliches Soundsystem am PC ersetzen sollten. Aus diesem Grund habe ich auch ein Amplifier-Modul von Hypex, den PC AMP II, gleich mitbestellt.
Zusammenbau
Vom 16 mm MDF hatte ich eine Platte vorrätig, also flugs mit dem Zuschnitt begonnen. Ging leider nicht alles aus, also den Rest dazugekauft, zugeschnitten und mit dem Zusammenbau begonnen.
Das Fräsen der Vertiefungen und Lautsprecherausschnitte funktionierte mit einem selbstgemachten Fräszirkel wunderbar. Die Vorlage dazu fand ich in einem der Bauberichte auf Udo´s Seite. Ich machte die Fräsungen, bevor ich die letzte Seitenwand aufleimte, weil ich mir nicht sicher war, ob ich die Frequenzweiche nachträglich noch einbauen konnte. Für die Anschlussfahnen mussten auch noch zwei kleine Ausnehmungen durch Bohren und Sägen angefertigt werden. In diesem Zuge machte ich auch gleich die Bohrungen für die Befestigungsschrauben der Lautsprecher.


Die Weichen baute ich, wie üblich, auf ein Brettchen auf, wobei ich die Einzelteile mit Kabelbindern befestigte. Angeschraubt wurden die Brettchen in der Box mittels kurzer Spanplattenschrauben.

Nach dem Einfüllen der Dämmung leimte ich die zweite Seitenwand fest

Die Fase an den Seitenkanten machte ich, in Ermangelung eines großen Fasenfräsers, gleich auf der Hobelmaschine. Mit so kleinen Boxen geht das grade noch…Die Öffnungen habe ich bereits abgeklebt, um nicht allzu viel Staub ins Innere zu bekommen. Das Schleifen stand ja noch bevor.

Dieses geschah dann mit Maschinen- und Menschenkraft.

Der Anstrich erfolgte mit Acrylfarben, einmal weiss grundiert, ein Zwischenanstrich mit dem Lackroller brachte kein gutes Ergebnis. Also weitgehend alles glattgeschliffen und dann gespritzt. Ergebnis: Boxen weit besser, über den Zustand des Kellers könnt ihr mit meiner Frau diskutieren. Für ein perfektes Aussehen wäre mindestens noch ein Anstrich mit Zwischenschliff nötig, aber vorerst reicht es mir.


Klang
Der Zusammenbau ging mit Hilfe meines Sohnes rasch vonstatten. Dann schnell an meine Anlage angeschlossen, neugierig auf die erste Hörprobe. Nach den ersten Tönen von Simply Red (Der Liebling meiner Frau) bemerkte sie: das klingt so „scharf“, völlig unnatürlich….kein Wunder, ich hatte für meine alten Boxen die Höhen voll aufgedreht. Also den Höhenregler auf neutral gestellt, und siehe da, jetzt klang es bereits weit besser.
Ich habe dann begonnen, zwischen meinen alten Lautsprechern und den SAT´s hin und her zu schalten, um sie miteinander zu vergleichen, mit unterschiedlichen Musiken. Mein Hörergebnis lautet: Natürlich gibt es Grenzen in der Basswiedergabe aufgrund der Gehäusegrößen, trotzdem ist es beachtlich, was die kleinen Dinger hergeben. Völlig überrascht haben uns beide die klare Mitten- und Hochtonwiedergabe. Hier der nächste Kommentar meiner Frau: „Jetzt verstehe ich sogar, was die singen!“
Aus der kleinen Hörprobe wurde dann doch ein Hörabend, habe in unseren Platten gekramt und verschiedenste Stücke durchprobiert (so ziemlich alles außer Techno), so zum Beispiel Albedo 0,39 von Vangelis, einige LP´s von SKY, das komplette Album The Wall, oder die in meiner Twen-Zeit sehr beliebten Classic Rock-Alben, aber auch die Bilder einer Ausstellung von Mussorgski oder ….weiß gar nicht mehr genau, was wir alles gespielt haben.
Das Schönste: ich habe meine Frau davon überzeugen können, wie wichtig gute Boxen eigentlich sind, und habe für neue Boxen die Freigabe erhalten.
Verwendung
Abschließend wurden die beiden ihrer endgültigen Bestimmung zugeführt, obwohl sie mir im Wohnzimmer bereits abgehen. Ich hatte sie, wie bereits erwähnt, als Ersatz für meine PC-Lautsprecher gekauft und dort sind sie jetzt im Einsatz, angetrieben vom PC-AMP II von Hypex, und unterstützt von einem Yamaha-Subwoofer, der aus meinem Heimkino-System ausgeliehen wurde. Diesen sollte ich ja irgendwann wieder zurückgeben, das heißt, ich brauche dann auch einen passenden Basswürfel, z.B. den FT7? Wir werden sehen…
Mit dieser Kombination ist es eine Freude und ein Erlebnis, auch am Computer gute Musik zu hören, man glaubt gar nicht, was man auch aus mp3-Aufnahmen für Details heraushören kann, sofern diese entsprechend aufgenommen wurden.
Mit den besten Grüßen aus Österreich
Robert

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