MiDu von goose
Beitrag von goose zu Lautsprecher MiDuIch muss ja gestehen, dass mich Fertig-Boxen von den großen und kleinen Herstellern bis heute nicht so richtig gereizt haben. Vor über 20 Jahren habe ich die erste mehr oder weniger Selbstbau-Box von Leo Kirchner gekauft, eine TDL Transmission Line. Diese hat mir Jahre gute Dienste geleistet. Dann kam kurzzeitig ein 5.1 Jamo Set, bevor ich dann in Hamburg bei Dynamik Akustik wieder fündig geworden bin. Hier hatte ich die erste Berührung mit den Eton Chassis. Ich hörte damals die Ultima Ratio 2.0 und habe gleich ein Set mit den Fronts, dem Center 1.0 und zwei Rears 0.5 gekauft. Immer wieder bin ich da hin und habe mir so alle Jahre die Neuerungen angehört, irgendwann stand dann die 3.0 da, mit dem ER4 Hochtöner von Eton. Wow, das hat mich umgehauen, Nils Lofgreen Acoustic Live gehört und verliebt, war mir aber zu teuer. Irgendwann gab es dann davon einen Bausatz zu einem verlockenden Preis. Das Gehäuse habe ich fertig gekauft, nur noch lackieren, Chassis einbauen fertig... Naja, meine erste Erfahrung mit lackieren. Ich wollte unbedingt schwarz Hochglanz, 3 Monate stand ich im Keller, habe die Erfahrung gemacht, dass sich Lacke unterschiedlicher Hersteller nicht immer vertragen müssen, dass jedes kleine Haar oder Fussel zu sehen ist, dass es draußen Fliegen gibt, die es sich auf einer neu lackierten Fläche bequem machen und dann nicht mehr wegkommen. Danach wusste ich, warum es den Beruf „Lackierer“ gibt. Und nein, ich habe keine Sprühdosen verwendet, sondern eine Wager 550 Spritzpistole. Nach 3 Monaten hatte ich keine Lust mehr und war mit dem Ergebnis bedingt zufrieden, mit dem Klang jedoch umso mehr. Hier auch schon mal großen Dank an meine Frau, die die ganze Zeit über den Schleifstaub im Keller akzeptiert hat und immer wieder gesäubert hat.... Schleifstaub bleibt nicht immer da, wo man ihn erzeugt hat.
Nun haben die 3.0er einige Zeit bei mir gespielt, dann wollte ich den Center mit dem ER4 aufrüsten. In der Zwischenzeit gab es aber Dynamik Akustik nicht mehr (Inhaber verstorben) und suchte verzweifelt nach einer Lösung. Da kam EBAY ins Spiel, dort las ich, dass jemand eine Ultima Ratio mit ADW Weiche verkaufte..... was oder wer war denn nun ADW?
Also den Verkäufer angeschrieben und erfahren das ADW = Acoustic Design Wohlgemuth ist, Kontakt aufgenommen und Udo Wohlgemuth hat sich meiner Boxen angenommen und ein Frequenzweichen-Tuning durchgeführt, obwohl die Sets nicht von Ihm stammten. Er meinte, dass der ER4 im Center nicht unbedingt notwendig sei und ich weiterhin mit dem SD25 Hochtöner von Eton leben könnte. Für´s erste war ich wieder begeistert, es war eine komplett andere Box als vorher, eine Klasse besser und es zeigt sich mir, dass es nicht ausreicht ein Gehäuse zu bauen und gute Chassis zu verwenden. Das Know How steckt auch in der Frequenzweiche. Nach einem halben Jahr (die Sucht nach Besserem kam wieder) wollte ich dann aber doch den ER4 im Center haben, also schwups wieder 300 Kilometer gefahren und den Center aufrüsten lassen. Inzwischen hatte ich aus einem alten Bestand von Dynamik Akustik noch zwei Gehäuse der Ultima Ratio 0.5 gekauft und hatte nun ein 7.1 System Doch auch weiterhin war die Neugier des Alten Feind. Immer wieder war ich auf Udo´s Seite, schaute nach neuen Boxen, dann mal wieder bei einem Kinoabend mit meinem Kumpel Lens sagte der, die Boxen seien in Summe ja nicht schlecht, aber irgendwie fehle Tiefbass.... naja, die 3.0er hatten einen 8-Zöller seitlich angeordnet und 2 x 4-Zoll Mittelhochtöner. In den Höhen waren sie berauschend durch den ER4, unten rum nicht so gut. Aber da ich sowieso durch meine Raumaufteilung ein Bassproblem habe, störte es mich nicht (bis dahin). Die Aussage von Lens hatte nun aber doch Wirkung, es musste etwas Neues her. Da hatte Udo gerade die neue MiDu ADW entwickelt, nicht so mächtig wie die Duetta, aber doch schon mehr Bass mit 2 x 8“. Offenbar hatte ich beim letzten Boxenbauen vom Lackieren die Nase noch nicht voll genug, es war ja auch schon wieder zwei/drei Jahre her. So beschloss ich im April diesen Jahres: die MiDu ADW soll es sein. Ich wollte aber in Ruhe diesmal auch das Gehäuse selber herstellen. Kurzzeitig überlegte ich, ob ich die Boxen lackieren lassen sollte, doch im Mai im Urlaub entschied ich mich trotz aller Probleme, die entstehen könnten, für ein Echtholz-Furnier. Im Urlaub per Internet in Hamburg geordert und dann konnte ich loslegen.
Ich habe das nicht schnell „durchgezogen“, sondern bin immer wieder mal nach der Arbeit für ein/zwei Stunden in den Keller gegangen und habe die Boxen gebaut. Ent- gegen Udos Bauvorschlag habe ich das Gehäuse aus einer Kombination aus MDF und Multiplex gebaut, und zwar außen 18mm Multiplex und innen 16mm MDF, so dass ich eine Wandstärke von 34mm erhalten habe. Des Weiteren habe ich den ER4 mit dem 7“ Tief-Mitteltöner getauscht, da ich eine Ohrhöhe von knapp 90cm habe. Im Original sitzt er bei ca. 1,05 m, das war mir zu hoch. Udo hatte dem zugestimmt.
So, nun folgen hier endlich die ersten Bilder: Das sind die Holzteile vom Baumarkt zugeschnitten, und ich muss sagen das war richtig schlecht. Das habe ich leider erst gemerkt. als es zu spät war .
Nun wurden die Gehäuse nach und nach zusammen geleimt. Ich habe komplett Fugenleim verwendet, der sich als super zu verarbeiten herausgestellt hat. Das Leimen der Gehäuse ging über Wochen, wie gesagt, immer mal am Abend etwas geleimt und dann trocknen lassen. Da die MDF Platten genauer gesägt waren, habe ich damit angefangen. Also erst das Inlay zusammen geleimt inkl. aller Versteifungen. Da ich wusste, das rechtwinkliges Leimen nicht immer 100% gelingt, habe ich mir einige Schlosserwinkel gekauft, die mir sowohl beim Leimen als auch beim Fräsen gute Dienste geleistet haben.

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Hier sieht man nun schon das fast fertige Gehäuse. Sehr gut zu sehen ist die Kammer, wo später der ER4 und der 7“-Mitteltöner sitzen

Nun kommt die Verleimung der Multiplexplatten und auch Eckversteifungen habe ich noch eingeklebt
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Als nächstes sind die Ausfräsungen dran, zuerst die für den ER4. Die großen Radien für den Grundbereich habe ich mit einem Forstnerbohrer gebohrt und dann den Rest ausgefräst. Der Ausfräsung für die Frontplatte des ER4 mit 11x11cm habe ich um einen Lackzuschlag von 0,4 mm größer gemacht. Das Ausrichten hat schon etwas Zeit in Anspruch genommen, vor allem da ich keine richtige Frässchablone habe, musste ich mir halt mit diversen Winkeln helfen, immer wieder messen. Naja ich hatte ja Zeit.

Zum Radienfräsen habe ich mir eine fertige Frässchablone gekauft. Das Terminal auf der Rückseite wurde auch noch eingefräst.

Die Furnierarbeit begann ich mit dem linken Seitenteil, das noch nicht verleimt war. Dies war das erste Mal das ich Echtholz furniert habe. Ich war schon ziemlich gespannt, immerhin habe ich in einigen Foren schon gelesen, dass es Probleme geben kann. Ich habe hier ebenfalls Fugenleim eingesetzt, mir eine zweite MDF Platte in der Größe der Seitenwand besorgt und das Furnier mit Schraubzwingen wie in einer Furnierpresse aufgeleimt. So habe ich alle Seiten und Rückwände verleimt, den Deckel habe ich mittels Kontaktkleber verklebt, da ich keine Zwingen habe, die größer als 600mm sind. Leider war das Furnier nicht breit genug, so musste ich zwei Bahnen nebeneinander leimen. Davon zeugt das Kreppband auf dem Foto. Beim Leimen habe ich Backpapier als Zwischenschicht zwischen Furnier und Pressplatte benutzt, falls durch das Furnier etwas Leim austreten sollte. Backpapier ist billig und tut voll und ganz seinen Dienst.

Als die Seiten, die Rückwand und der Deckel furniert waren, habe ich senkrecht an der Frontwand einen Radius angefräst. Danach ging es ans Spachteln und Schleifen der Frontwand. Ich habe sie immer wieder gespachtelt und mehrere Tage stehen lassen, dann geschliffen und wieder waren Setzungs-Erscheinungen der eingelassenen Frontwand zu erkennen. Die restlichen kleinen Unebenheiten habe ich dann jedoch mit Lackspachtel behoben. Zur Lackierung des Furniers habe ich mich für einen seidenmatten Lack entschieden, mit dem ich gute Erfahrung gemacht hatte. Zum ersten Mal habe ich mir diesmal auch die dazugehörigen Pinsel und Rollen gekauft, auch diese Investition hat sich gelohnt. Nachdem ich das Furnier zweimal mit Klarlack versiegelt hatte, wurde auf die Front mattschwarzer Lack von Glasurit zweimal mit der Rolle aufgetragen, dazwischen mit Lackspachtel die letzten Unebenheiten beseitigt. Dann habe ich doch wieder meine Sprühpistole rausgeholt, denn mit der Rolle wollte sich keine gleichmäßige Oberfläche einstellen. Diesmal habe ich den Sprühnebel extrem fein eingestellt, so dass ich mehr- mals über eine Bahn gehen musste, bis es deckte. Das hatte den Vorteil, dass ich nur wenig Lacknasen bekommen habe. Ich habe in Summe viermal mit der Sprühpistole lackiert und dann die ganze Box nochmals mit Klarlack zweimal gestrichen. Hier habe ich jedoch wieder die Rolle genommen, denn der Klarlack lässt sich gut mit Pinsel/Rolle verarbeiten.

Das waren die Fronts, nun musste ich noch den Center bauen. Hier habe ich mich für die Doppel 5 von ADW entschieden, jedoch in liegender Form. Hier kommen 2 x 5“ Tiefmitteltöner und ein ER4 zum Einsatz. Dieses Gehäuse habe ich aus 21mm Multiplex gebaut, was ich an einem einzigen Wochen- ende geschafft habe. Dann war wieder furnieren und die Front schwarz lackieren angesagt. Nach einer Woche war der Center fertig, ich hatte ja schon etwas Übung.
Am letzten Wochenende, bevor es zu Udo ging, musste mein Nachbar das erste Mal ran, denn die Leergehäuse wiegen nun fast 40 kg pro Stück. Er musste helfen, die Gehäuse aus dem Keller hoch zuschlepen. Oben habe ich einen riesen Schreck bekommen, die Dinger waren echt mächtig. Die Ultima 3.0 sehen wie Babies dagegen aus. Ich wollte zwar eine Männerbox, aber das??? Habe ich mich da nicht übernommen?
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Naja, nun war es eh zu spät. Ich habe die Chassis, die ich weiter verwenden kann (ER4 und die 8“ Tieftöner) aus der Ultima ausgebaut und dann der große Moment ob die ER4 und die 8“ in die Ausfräsung passen. Gott sei Dank, ich hatte richtig gemessen, puh.
Am Montagabend mit dem Nachbarn die Gehäuse in meinen Passat Variant gewuchtet - passen genau rein mit 5 cm Luft - und dann zu Udo gefahren. Von den Gehäusen war Udo richtig begeistert, wollte sie schon da behalten, weil ich Bedenken äußerte, ob die meiner Frau gefallen (muss dazu sagen, dass meine Frau die Boxen immer nur im Keller gesehen hatte, nie im Vergleich zu den alten bzw. im Wohnzimmer). Am Donnerstag konnte ich die Boxen abholen, ein spannender Moment. Da standen sie nun, fertig aufgebaut. Kurzes Gespräch über den Verbau der Chassis mit Udo und dann legte er eine Schallplatte auf und wow, das machte Spaß, was ich da hörte. Den ER4 kannte ich ja, aber die Klangfülle im unteren Bereich war doch enorm, genauso wie ich es mir vorgestellt habe. Und auch Udo war hoch zufrieden, wippte mit dem Fuß und hatte sichtlich viel Spaß, mal nach langer Zeit wieder eine MiDu zu hören. An dieser Stelle möchte ich ihm schon einmal für seine tatkräftige Unterstützung danken, denn ich kann zwar mit Holz umgehen, aber eine Frequenzweiche aufbauen, das kann ich nicht..... Vor allem bin ich nun sicher, dass alles richtig verlötet und angeschlossen ist.
Jetzt wollte ich nur noch schnell nach Hause, es war schon 20:00 Uhr, ich hatte noch 300km zu fahren und auf meinen hilfsbereiten Nachbarn konnte ich nur bis ca. 23:00 zählen. Über Nacht wollte ich die Boxen nicht im Auto lassen. Tatsächlich war ich rechtzeitig wieder zu Hause, der Nachbar noch wach und schwups standen die Boxen im Wohnzimmer. Ich hatte so langsam Kopfschmerzen bekommen, die Fahrt war anstrengend, Regen und viele Baustellen, doch ich wollte unbedingt noch die Boxen hören, Also angeschlossen,hingesetzt und dann:
wow, nochmal wow, die Musik ertönte mit meinen Lieblingsstücken von Moya Brennan, Diana Krall und dann kam die Prüfung: Kari Bremnes: Sövngjengersken, bei ca. 2min fangen Trommeln an, und genau das, was nun folgte, fehlte mir bei den Ultima 3.0er. Die Trommeln haben Volumen und Kraft, man spürt die Schläge, mal sanft mal hart: Der Lohn der Arbeit der letzten Wochen und Monate und meine Kopfschmerzen sind verschwunden. Ich war total entspannt und glücklich, auch wenn es nur drei/ vier Lieder waren, die ich hörte. Die Boxen waren nur grob ausgerichtet, keine Einmessung gemacht, aber es war für mich einfach grandios, was ich da hörte. Zufrieden ging ich dann ins Bett.
Nach gut 4 Wochen kann ich sagen: ich bin vollends zufrieden. Für meinen Raum und meine Bedürfnisse sind die Boxen das Maß der Dinge. Inzwischen habe ich viele meiner Lieblings-CDs gehört wie Nils Lofgreen, Mary Black, Lamchop, Deuter..... alles macht Spaß, es ruft eine innerliche Freude hervor, wenn ich hier abends sitze, bei Kerzenschein und Rotwein und der Musik lausche. Immer wieder finde ich neue Details, wo ich denke: hast du das vorher auch gehört? Die Hochton-Auflösung kannte ich ja schon vorher, aber es ist jetzt einfach das Fundament da, eine Gitarre hat jetzt einen Körper, ein Klavier ebenso, es passt einfach. Und wie sind diese Boxen im Heimkino: Genauso überzeugend. Wenn eine Tür ins Schloß fällt, schaue ich manch- mal nach, ob es nicht bei mir gewesen ist statt im Film Die Boxen haben genug Druck und auch der Center klingt voller/runder als mein alter. Gott sei Dank, sie gefallen die neuen Boxen auch meiner Frau, vor allem das Furnier. Und typisch Frau: die fallen doch jetzt nicht mehr um, oder?? Bei meinen alten musste man immer etwas aufpassen.

Die größte Freude war aber, als Lens letzte Woche bei mir war und die Boxen Probe hörte, er war es ja schließlich, der mich unbewusst zum Neubau inspirierte. Was soll ich sagen. er hat sich mittlerweile auch schon mit Udo in Verbindung gesetzt.
Jedes Mal, wenn ich die Anlage anschmeiße, bin ich hoch zufrieden, erstens mit dem Klang, für den ja Udo verantwortlich ist und zweitens, dass ich die Gehäuse komplett selber gebaut habe inkl. Furnier. Es ist keine Industriequalität, auch die Boxen haben Ihre optischen Mängel, ich sehe sie, aber sie sind zumindest für mich vernachlässigbar. Für´s erste ist die Sucht nach Lautsprechern gestillt, naja, wenn da nicht im hinteren Bereich noch LS werkeln die keinen ER4 haben......
Gruss goose







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