RS 100 PC und DTA-1
Beitrag von Udo WohlgemuthEs ist eine der Fragen, die mich schon lange beschäftigen, die aber nie beantworten wurden: Warum nur gibt es im PC-Bereich so wenig brauchbare Lautsprecher? Schon vor zehn Jahren unterhielt ich mich darüber mit den Entwicklern vieler der bekannter Firmen aus dem Hifi-Sektor. Niemand wusste einen Grund, meist erschien man an der Frage nicht einmal sonderlich interessiert. Billiges Plastik-Zeugs mit eher plärrendem Sound, das mit gleich eingebauter Aktivierung selbst für sehr kleines Geld immer noch zu teuer war, genügte damals und erstaunlicherweise auch heute noch dem User, um seinem PC anspruchslose Töne zu entlocken. War es in den Anfängen der Computerzeit durchaus verständlich, dass für Pac-man und Co keine sonderlich guten Lautsprecher gebraucht wurden, ist es seit eben jenen zehn Jahren angesichts der enormen Möglichkeiten des Multimedia-PCs völlig unverständlich, dass sich offenbar immer noch niemand um den Krach aus den Dosen und Äpfeln kümmert. Zweihunderttausend Besucher pilgern zur Spielemesse in Köln. Sitzen die alle auf ihren Ohren, wenn sie zocken? Oder reicht ihnen tatsächlich das lächerliche Bumm und Schepper aus ihren ehemaligen Yoghurtbechern?
Als Selbstbauer können wir natürlich schon lange auf einfache Weise dieses Dilemma beheben, der PC als Zuspieler ist vorhanden und kleine Lautsprecher, die auf den Schreibtisch passen, sind schnell gebaut. Fehlt also nur noch das Verbindungsglied in Form eines kleinen Verstärkers, der ebenfalls kaum Platz verbrauchen darf. Schon zeigt sich der zweite Grund, warum es kaum Fortschritt auf dem Gebiet der Schreibtisch-Beschallung gab. Eine kleine Recherche im Internet förderte gerade eine Handvoll Miniamps zu Tage, die so halbwegs in mein Beuteschema passten, das mit handgroß, Stereo, etwa 10 Watt an 4 Ohm und unter 100 Euro umrissen ist. Üblicherweise stellt sich der PC-Hörer einen großen Stereo-Verstärker auf den Schreibtisch, für den er dank Flachbildschirm den nötigen Platz gewonnen hat oder nutzt mittels langer Kabel die Anlage, die im Wohnzimmer steht. Wenn ich über diesen Angebotsmangel mit Industrievertretern sprach, kam uniform die Antwort: Kleine Amps will doch keiner! Somit wurde dem Verbraucher die Schuld in die Schuhe schoben, der wiederum bei der selben Frage nur mit den Schultern zuckte und ein “Es gibt halt keine” vor sich hin murmelte. Offenbar hat keine von beiden Seiten das Gebot von Angebot und Nachfrage verstanden oder zum Mindesten die Reihenfolge so lange vertauscht, bis es zum eigenen Verständnis passte.
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Da kam mir Rich Taylor gerade recht, der uns im Frühjahr zur Highend besuchte und aus Amiland den DTA-1 zur Ansicht mitbrachte. Den kleinen Tripath-Chip-Verstärker kannte ich schon lange unter dem Namen “Sonic Impact” und es freute mich sehr, dass er aus den Ablagen der fast schon vergessenen Welt nun wieder aufgetaucht ist. Einknopf-Bedienung, mitgelieferte Miniklinke als Eingang und kleines 12 V-Netzteil mit austauschbarem Steckerteil für den europäischen und amerikanischen Markt sowie 100 oder 240 V Input, dem Preis von unter 50 Euro geschuldet zwei Paar Lautsprecheranschlüsse für Kabel bis 1,5 mm² sind die Features des Dayton T-Amp 1, wie das kleine Ding mit vollem Namen heißt.
Nach seinem ersten Auftauchen unter der ursprünglichen Bezeichnung machte er sofort Furore in vielen Internet-Foren und wurde sogar recht schnell in den einschlägigen Druckerzeugnissen nahezu euphorisch besprochen. Highend wurde ihm unterstellt, in diesem Fall mal kein Schimpfwort, sondern eine Verbeugung vor unglaublichem Klangvermögen, das ein ausgeklügelter technischer Trick namens Pulsweitenmodulation möglich machte. Dass der Sonic Impact vor etwa zwei Jahren plötzlich vom Markt verschwand, überraschte mich, denn von seinen Fähigkeiten hatte ich mich damals selbst ausgiebig überzeugen können. Die Gründe zu erforschen war müßig, also ersparte ich es mir, danach zu suchen, wer den großartigen, kleinen Amplifier auf dem Gewissen hatte
“Gutes kommt wieder” darauf kann man sich oft verlassen. So überraschte mich die Wiederkehr des Zwergenamps weniger als sein Verschwinden. Wer seine Musik auch einmal außerhalb der heimischen Behausung und weit ab von Dosenstrom genießen möchte, kann sich je vier Akkus in die beiden Fächer neben dem Verstärker packen und so etwa sechs bis acht Stunden mittels tragbarem Speicher mit integriertem Abspieler beschallen lassen, auf den je nach Packdichte heutzutage nahezu drei Millionen CD’s passen. Ja, richtig gelesen, der ganze Amp passt tatsächlich zwischen die beiden kleinen Batterieverstecke. Weil sogar noch Platz vorhanden ist, fragte mich Rich, welche Zutaten ich mir denn noch für den im wörtlichsten Sinn handlichen DTA-1 wünschen würde. “Eine Usb-Soundkarte oder einen dritten Weg für einen Subwoofer”, schlug ich unbescheiden vor. Schaun wir mal, doch im Grunde bin ich schon sehr zufrieden, nun man mir endlich einen preis- und klanglich perfekten Zugang zu den bisher fest verschlossenen PC-Klangwelten geöffnet hat.
Nun lag es nur noch an mir, dem Zwerg einen adäquaten Partner zu vermitteln. Einfach hätte ich es mir machen können, denn mit der FT 9 und den Sat 125 habe ich meinen Lesern ja schon zwei mögliche Nutzer der vom Verstärker gelieferten Signale mit Chassis aus dem Hause Dayton vorgestellt. Doch der Entwickler in mir bekämpfte die plötzlich aufkommende Faulheit und zwang mich zu einer neuen Lösung, flacher und schmaler als die beiden anderen, die zudem mit vier Ohm aus dem DTA mehr Watt herauskitzelt und dabei sogar noch billiger ist als er. RS 100 PC fiel mir als Name und der RS 100-4 aus der Dayton-Needle als Chassis ein. Nun kann man mir angesichts der Artikelbezeichnungen berechtigt eine gewisse Einfallslosigkeit vorwerfen, doch die Boxen deshalb völlig bezugslos Paul, Herta oder Mondondolo nennen mag ich nicht.
Der kleine Vierohm-Dayton-Breitbänder ist ein außergewöhnlich wandlungsfähiges Chassis, das seine herausragenden Qualitäten in der genannten TQWT schon bewiesen hat. Er gibt sich aber genauso gut auch als Satelllit mit einem geschlossenen Volumen von ein bis zwei Litern zufrieden, wo er dann ab 120 Hz einsetzbar ist. Mein Ziel war aber kein Kofferradio, das durch einen Subwoofer aufgepeppt werden muss, sondern ein kleiner Lautsprecher, der durch Wand- und Tischplattennähe im Bass verstärkt seinen Besitzer allein zufrieden stellen soll. So war Reflexabstimmung und ein -3dB-Punkt um 80 Hz Pflicht für mein Projekt, was laut LSPCad in 5,22 Litern bei 60 Hz Tuningfrequenz zu erreichen sein sollte. Mit 12 mm wählte ich das dünnste MDF, das für die Boxen noch zu verantworten ist, man will ja keinen Platz verschwenden, auch wenn es sich nur um wenige Millimeter handelt. Der Reflexkanal bekam eine Höhe von 1,3 cm und eine Tiefe von 17,4 cm bei 11 cm Breite. Der Aufbau war so einfach, dass ich auf Fotos verzichtete, immerhin galt es nur sieben Bretter pro Box zusammenzufügen, was der Fugenleim wieder einmal perfekt hinbekam

Für die Sketchup-Kenner (kostenloses 3D-Cad-Programm von Google) haben wir hier wieder den Bauplan als Datei hinterlegt, damit vergessene Bemaßungen oder sonstige Unklarheiten den Zusammenbau nicht gefährden können.
Verzichten wollte ich auf das Fotografieren jedoch nicht, es war lange Zeit mein Hobby, bevor mir der Boxenbau die Zeit dafür nahm. Kleine Boxen haben kleine Flächen und was bietet sich da mehr an, als den Kisten einen feinen Holzanzug überzustülpen, der natürlich auch glatt gebügelt werden wollte. Zwar habe ich meine Art des Furnierens in diesem Magazin schon ein paar Mal vorgestellt, aber diesmal sollte es eine filmische Präsentation geben, die zwar auf wirklich bewegte Bilder verzichtet, dafür aber per Schrift Buchstabe für Buchstabe meine Vorgehensweise erklärt. Natürlich darf man auch hier wieder berechtigt einwenden: Wer furniert denn schon seine PC-Lautsprecher? Nun, der Furniertechnik ist es recht egal, für welche Box es angewendet wird, Hauptsache sie wird richtig erklärt. Und so schleppte ich die Boxen nach dem Schleifen aus dem Keller ins Fotostudio, wo sie der Schönheitsoperation unterzogen wurden.
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Der kleine Haken bei 700 Hz im Schrieb ist dem frontseitigen Reflexkanal geschuldet, dort zeigt sich seine Längenresonanz als kleine Phasendrehung. Damit lässt sich aber besser leben als mit einer rückseitigen Röhre, die die Aufstellung im Nahfeld bei gleichzeitiger Wandnähe viel schwieriger macht. Die Spitze bei 18 kHz habe ich nicht weiter bearbeitet. Ein Breitbänder bündelt im Hochtonbereich weitaus stärker als eine Kalotte, was wir schön am konstanten Pegelanstieg ab 5 kHz sehen. Schon unter einem Winkel von 15 Grad ist der Peak nicht mehr vorhanden. Deshalb richte ich meine Lautsprecher nicht auf das Ohr aus, sondern stelle sie parallel neben den Bildschirm. Mit zwei Gummifüßen vorn unter den Boxen habe ich aber die Schallwand ein wenig nach hinten geneigt. Bemerkenswert tief liegt der -3dB-Punkt der RS100PC, nur möglich wegen der gegenüber vergleichbaren Minichassis fast um eine Oktave niedrigeren Resonanzfrequenz des Amerikaners chinesischer Abstammung.
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Udo Wohlgemuth
Technikseite
RS100PC
| Chassis | Dayton RS 100-4 | Holzliste in 12 mm MDF pro Stück: |
| 27,4 x 21,6 (2x) Seiten | ||
| 11,0 x 21,6 (2x) Deckel/ Boden | ||
| Vertrieb | Intertechnik, Kerpen | 11,0 x 25,0 (1x) Rückwand |
| Konstruktion | Udo Wohlgemuth | 11,0 x 23,7 (1x) Front |
| 11,0 x 16,2 (1x) Reflexbrett | ||
| Funktionsprinzip | Bassreflex | |
| Nennimpedanz | 4 Ohm | |
| Dämmstoff: | 1 Beutel Sonofil | Frästiefe: 4mm |
| Terminal | T56/56/D | |
| Reflexrohr: | Kanal | |
| Kosten pro Box: | ||
| Bausatz ohne Holz | 41 Euro | Holzzuschnitt: 5 Euro |
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Leserbeiträge zu diesem Artikel
Dieser Bausatz wurde bereits von Lesern nachgebaut. Klicken Sie auf die Links in der Liste um die entsprechenden Leserberichte aufzurufen .Arffies RS 100 PC + DTA-1 17. Sep 2010, Beitrag von Anke und Arffie
Peters RS 100 PC 04. Apr 2010, Beitrag von Peter




















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