
Er ist schon etwas eigen, dieser Aufmacher für eine eher einfache Box. Doch was tut man nicht alles, nur um ein wenig aufzufallen? Weder die Idee, noch die Vorgaben für die Box stammen von mir, nicht einmal die zu verwendeneden Chassis und den Namen konnte ich mir nach eigenem Gutdünken aussuchen. Da kann man mir doch wenigstens diesen kleinen Anteil an der Geschichte der Kompakt-MS 4 einräumen. Na ja, eins hab ich mir auch nicht nehmen lassen: Die MS 4 heißt mit Nachnamen "Kompakt", damit niemand denkt, dass sie nur als Surround-Ergänzung taugt!
Die Vorgaben
Rainer will sich die MS 4 TL aus der Oktober-Ausgabe für sein Wohnzimmer bauen, ein durchaus löblicher Entschluss. Nun ist er aber nicht gewillt, ausschließlich damit Musik zu hören, er nutzt auch gelegentlich die Augen, um einen Film zu sehen. Da heute für diesen Zweck nicht mehr die im Gerät eingebauten Lautsprecher ausreichen, erst recht nicht, wenn das aus einer Leinwand und einem externen Lichtwerfer besteht, braucht er auch einen Center und zwei Rear-Boxen. Die sollen natürlich die identische Bestückung aus CA 22 RNX, MCA 12 RC und NoFerro 12 (Datenblätter) haben und im Vergleich zur Frontbox nahezu unauffällig klein sein. Die maximale Breite musste deutlich unter 60 cm liegen, in der Höhe schwebten ihm genau 25 cm vor. Die fast schon traditionelle Bauweise des liegenden Centers mit zwei Bassmitteltönern und zentralem Hochtöner war mit der Dreiwege-Bestückung eh nicht drin, damit ist auch der übliche Vorzugshörplatz genau in der Mitte vor dem Mittellautsprecher kein Thema. Ein weiterer Wunsch war, das Heimkino unter Verzicht auf brachialen Tiefbasspegel auch ohne Subwoofer betreiben zu können, alle Lautsprecher müssen also tiefe Frequenzen wiedergeben. Eine Transmissionline als Bauart wie bei den Hauptboxen wäre angesichts der angestrebten Maße für die Schallwand sehr tief geworden, also blieb nur eine Reflexabstimmung für die Ergänzungsboxen übrig. Soweit die Vorgaben, die Idee klauten wir beim Kollegen Bernd Timmermanns, der vor kurzem eine Box namens Bookshelf mit fast gleich großen Excel-Chassis in geschlossener Bauweise entworfen hat. Da mussten wir nur noch zwei Reflexrohre in die vordere Platte einbringen und schon war die halbe Arbeit getan. Da Rainer unbedingt handwerklich auch etwas zur Entstehung seiner Boxen beitragen wollte, hat er mir die Schallwände fertig mit perfekten Fräsungen geliefert. Diesen Service weiß ich wohl zu schätzen, denn bei drei Vertiefungen und fünf Ausschnitten pro Platte sind zwei Arbeitsstunden schnell vergangen, wenn alles exakt passen soll. Doch halt, die Boxen brauchen nicht nur eine Front, sie wollen auch Tiefe, da anders ein definiertes Volumen nur sehr schlecht zu verwirklichen ist.
Das Gehäuse
Wie so oft an dieser Stelle musste wieder einmal mein LspCad helfen, auf dessen Vorhersagen ich mich seit Jahren verlassen kann. Ideal seien 65 Liter mit einer Reflexabstimmung auf 35 Hz, das war viel zu groß, die Boxen wären mehr als 60 cm tief geworden. Da Center- und Rear-Boxen fast immer wandnah aufgestellt werden, ist der -3dB-Punkt von 38 Hz nicht unbedingt erstrebenswert. Bei halbem Volumen und einer Abstimmung auf 40 Hz sind die 53 Hz völlig ausreichend, da die Aufstellung untenrum deutlich auffüllt. Damit schrumpfte das Tiefenmaß der Boxen auf erträgliche 35 cm außen.
Nun benötigte nur noch der Mitteltöner eine Abschottung gegen den Bass, damit er nicht vom Druck im Inneren des Gehäuses ständig hin und her geschleudert wird. Hierfür kaufte ich mir ein sogenanntes KG-Rohr, das im Baumarkt in verschiedenen Längen als Wasserabfluss verkauft wird. Für die erfreulich vielen Neulinge im Boxenbau habe ich wieder beim Zusammenkleben der Bretter ein paar hoffentlich nützliche Fotos geschossen.
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Aufgestapelt liegen hier die Bretter aus 19 mm MDF für zwei MS 4 Kompakt, die beiden gefrästen Fronten habe ich darauf gestellt, weil sonst mein neuer, schwarzer Hintergrund das Bild dominiert hätte. Im ersten Arbeitsschritt wird Fugenleim auf die Schnittkante der Seitenplatte aufgetragen.
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Auf dem Arbeitstisch liegt schon die Rückwand, auf die die präparierte Seite bündig draufgestellt wird. Ein wenig andrücken und hin und her wackeln verteilt den Leim, die Finger prüfen den Sitz der Platte. Mit dem Einleimen des Deckels fahren wir fort.
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Der Deckel sorgt automatisch für den rechten Winkel des Seitenbretts, auch oben schließt er bündig ab. Nach ihm geben wir dem Boden seinen Platz im dreidimensionalen Holzpuzzle...
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...und haben nun Anlegekanten für die zweite Seite. Das graue KG-Rohr haben wir auf die Innentiefe der Box abgelängt.
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Seine Position ermitteln wir mit aufgelegter Front und markieren sie unten auf der Rückwand.
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Nun darf endlich auch wieder einmal der lange in Vergessenheit geratene Montagekleber seine klebenden und dichtenden Fähigkeiten beweisen. Im markierten Kreis wird eine dicke Wurstaufgetragen, eine Linie haben wir auch innen auf die Front gezogen. Da hinein drücken wir das Rohr. Nach Aufbringen von Fugenleim auf allen Schnittkanten und Montagekleber auf das Mitteltonrohr wird die Front aufgesetzt. Nach Trockung der beiden Kleber folgt die übliche Behandlung mit den entsprechenden Schleifern, die Wahl der Waffen überlassen wir dem Leser.
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Getreu dem Motto: Wer klebt, der lebt! haben wir auch noch einen praktischen Ständer aus einem rechtwinkligen Korpus und einem Bodenbrett für die hinteren Boxen gebastelt, denn nicht jeder will sie einfach an die Wand hängen. Zwei Hilfsbretter halfen uns, Winkel und Abstand zu halten. Statt langer Erklärungen lassen wir hier einfach die schönen Bilder wirken.
Da es nicht möglich ist, die Boxen nur mit Hilfe der Bilder zu bauen, haben wir noch einen Bauplan gemalt, den wir natürlich auch als herunterladbare Sketchup-Datei zur Verfügung stellen. Da es häufiger Fragen zu diesem hervorragenden Zeichenprogramm gab, hier noch einmal der Hinweis: Sketchup ist eine einfach zu bedienende 3D-Software, die jedermann kostenlos bei Google downloaden kann. Unsere Baupläne können darin geöffnet und problemlos an die eigenen Anforderungen angepasst werden. Falls ein Maß aus Platzgründen oder Nachlässigkeit in der Zeichnung fehlt, kannst du es selbst im Plan nachmessen. Weiter gehende Veränderungen an der Boxenkonstruktion können zur sofortigen Begutachtung direkt an udo@lautsprecherbau.de geschickt werden, ohne erst in ein überall anders gelesenes Austauschformat gewandelt werden zu müssen. Dieser bisher einmalige Komfort ist sicherlich ein weiterer Grund für die Überlegenheit eines Internet-Magazins gegenüber dem bunt bedruckten Papier.


Bauplan MS 4 Kompakt als Sketchup-Datei
Damit die kleinen Baupläne auch ohne Sketchup lesbar werden, genügt ein Klick mit der linken Maustaste,. Daraufhin öffnet sich ein neues Fenster mit einem großen Bild, das nach Einstellung der Druckoptionen im Browser auf "Querformat" ein Din-A4-Blatt füllt.
Die Weiche


Wer ein Heimkino betreiben will, tut nicht nur gut daran, die gleichen Chassis auf allen Kanälen zu nutzen. Wichtig ist dabei auch, dass die Phasenlage der einzelnen Boxen nur wenig abweicht. Der unterschiedliche Aufbau der beiden MS 4-Varianten sorgt schon allein für Verschiebungen, die Weiche trägt ihr Übriges dazu bei. Nicht ganz unschuldig daran, aber weniger dafür verantwortlich ist die Schwallwandbreite, mehr Einfluss hat die Position des Basses neben dem Mittel- und Hochtöner. Wie soll man eine ausgewachsenen und dennoch kompakte Dreiwege-Box auch anders aufbauen? Wichtig bei der Weichenentwicklung war mir natürlich nicht allein die Eignung der MS 4 Kompakt als Rundum-Ergänzung, sie sollte auch beim Musikhören in Stereo ihr Optimum erreichen. Kompromisse zu Gunsten des Heimkinos wollte ich mir nicht leisten. So machte ich die Abstimmung der MS 4 TL zur Grundlage meiner Arbeit und feilte solange an der Weiche, bis der beste Kompromis aus zur TL passender, akustischer Phasenlage und eigenständiger Musikwiedergabe erreicht war. Eine ganze Menge an Änderungen gegenüber der TL-Weiche war das duale Ergebnis, mit dem ich letztendlich zufrieden war. Mit sieben Bauteilen ist das Filter recht einfach gestrickt, 12 dB für Bass, Mitteltöner oben und Hochtöner, nur ein Bauteil und damit 6 dB für den Hochpass des MCA 12 RC. Ein Pegelausgleich mit etwas ungewöhnlicher Hochtönereinkopplung wie in der TL-Version war nicht nötig. Die Trennungen wurden auf 450 und 2500 Hz gelegt, der Bereich zwischen 2 und 4 kHz auf Achse etwas zurück genommen. Das klingt anfangs zwar weniger spektakulär, geht dafür aber bei längeren Hörsitzungen nicht durch vorlautes Gezischel auf den Nerv. Für diejenige, die für den Aufbau von Weichen eine kleine Anleitung brauchen, haben wir zwei Fotos gemacht, auf denen zum einen der theoretische und zum anderen der praktische Teil zu sehen ist.




Der richtige Platz für die Weiche ist auf der Rückwand, wo sie mit Heißkleber oder Schrauben befestigt wird. Die Kabel werden aus den zuständigen Ausschnitten herausgeführt, in das Mitteltonrohr haben wir vorher ein Loch gebohrt, das wir hinterher wieder ordentlich mit Heißkleber dicht gemacht haben. Danach füllten wir es mit einer Matte Sonofil, mit fünf weiteren stopften wir die Basskammer komplett und gleichmäßig locker bis hinter die Reflexrohre. Rund fünf Zentimeter um deren Enden befindet sich jedoch nur Luft statt Watte.
Der Klang
Den meisten Lesern ist es sicherlich bekannt, dass ich kein ausgewiesener Heimkino-Fan bin. Ich mag lieber Filme mit Inhalt als mit schnellen Augen- und Ohrenreizen, die mit voller Absicht durch massives Auftreten dem Zuschauer keine Zeit zur Verarbeitung derselben lassen. So fiel mir immer wieder auf, dass Zuschauer, denen die gleichen Szenen vorgesetzt wurden, völlig unterschiedliche Filme gesehen haben, gerade nur an die "Highlights" konnten sich alle hinterher recht gut erinnern. Doch wollen wir hier ja keine Medienschelte betreiben, wenden wir und lieber dem Hörtest zu. Der fand auch für die MS 4 Kompakt ausschließlich unter musikalischem Aspekt statt. Denn was hierbei eine gute Figur macht, ist erst recht im Heimkino nicht überfordert.
Meine SAC-Vor-End-Stufen hatten sich schon warm gelaufen, zwei Boxen hatte ich schnell in Wandnähe mit quasi innen liegendem Bass auf die selbst gebauten Ständer gestellt und in den CD-Player Patricia Barber's "Modern Cool" gelegt. Mit einfühlsamer Stimme und sehr guter Sprachverständlichkeit, anfangs nur von einem wunderbar knurrenden, akustischen Bass und Fingerschnippen begleitet, gab sie das alte Paul Anka-Stück "She's a Lady" zum Besten, was man an dieser Stelle getrost in beiderlei Sinn wortwörtlich nehmen darf. Keine Schärfe bei "S"-Lauten und auch keine weit nach vorn gerückte Bühne störten beim zurückgelehnten Zuhören. Die entstand nicht nur am zentralen Platz mittig am Scheitelpunkt des gleichseitigen Stereodreiecks, seitlich herauszurutschen änderte die Staffelung und Tiefe kaum. Das wird auch dem Center sehr zu Gute kommen, wenn mehrere Menschen nebeneinander auf dem Sofa sitzen. Sie werden mit der MS 4 Kompakt nicht wegen der bei liegenden D'Appolito-Konstrukten üblichen Einbrüche im Frequenzgang um 800 und 2000 Hz unterschiedliche Filme sehen.
Weiter ging es mit der dreidimensionalen Stereowiedergabe mit etwas weniger ruhiger Musik, als ich mir die Abteilung Rock um die Ohren schlug. "Paranoid" von Black Sabbath durfte gern noch etwas lauter gestellt werden, ich hatte nie den Eindruck, dass die Boxen jetzt durch Überforderung zu schreien anfingen. Nicht nur Lautstärke, sondern schon eher grobe Dynamik durften die MS 4 Kompakt dann beweisen, als Wagners "Walkürenritt" mit schmetternden Trompeten durch meine heiligen Hallen hallte. Auch in dieser Disziplin steht die kleinere Kompakte der Transmissionline nicht nach, einzig die letzte Basstiefe fehlte selbstverständlich gegenüber der langen Laufleitung.
Einen etwas ungewöhnlichen Test machte ich zum Abschluss meiner Hörsitzung, als ich eine Kompakt gegen eine TL austauschte. Ohne Bruch stimmte auch hierbei die Abbildung, Instrumente hielten ihren Platz, egal in welchen Frequenzbereichen sie erklangen, obwohl links und rechts lediglich die gleichen Chassis am Werk waren. Somit war klar, dass auch im heimischen Theater kein Ferrari vorn losfahren und ein Goggo hinten ankommen würde und das gestreckte Entwicklungsziel konnte guten Gewissens als erreicht abgehakt werden.
Udo Wohlgemuth
Die Technikseite
MS 4 Kompakt


| Chassis |
Seas CA 22 RNX |
Holzliste in 19 mm MDF pro Stück: |
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Seas MCA 12 RC |
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Seas NoFerro 12 |
54,8 x 25,0 (2x) Front/ Rückwand |
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30,6 x 25,0 (2x) Seiten |
| Vertrieb |
Intertechnik, Kerpen |
30,6 x 51,0 (2x) Deckel/ Boden |
| Konstruktion |
Udo Wohlgemuth |
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Zubehör: |
| Funktionsprinzip |
Bassreflex |
1 KG-Rohr 1 Meter lang |
| Nennimpedanz |
8 |
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| Dämmstoff: |
3 Beutel Sonofil |
Frästiefen: |
| Terminal |
T105/MS/NI |
Bass/ Mitteltöner: 5 mm |
| Reflexrohr: |
2 x BR50/HP ungekürzt |
Hochtöner: 3mm |
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| Kosten pro Box: |
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| Bausatz ohne Holz |
210 Euro |
Holzzuschnitt + KG-Rohr: 20 Euro |
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| Amplitude und akustische Phase |
Impedanz und elektrische Phase |
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| Klirr mit 90 dB |
Winkel von 0 bis 60 Grad |
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| Sprungantwort |
Wasserfall |
Den Bausatz kannst du bei Intertechnik oder Acoustic Design Wohlgemuth erwerben